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Kurs:Elemente der Algebra (Osnabrück 2015)/Vorlesung 8

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Hauptidealbereiche

Die Summe von Hauptidealen und der Durchschnitt von Hauptidealen ist wieder ein Ideal, aber im Allgemeinen kein Hauptideal. Damit hängt zusammen, dass weder ein größter gemeinsamer Teiler noch ein kleinstes gemeinsames Vielfaches von Elementen  a,bR  existieren muss. Eine besondere Situation liegt daher vor, wenn überhaupt jedes Ideal ein Hauptideal ist. Dies trifft auf und auf K[X] (K ein Körper) zu.


Ein kommutativer Ring, in dem jedes Ideal ein Hauptideal ist, heißt Hauptidealring. Ein integrer Hauptidealring heißt Hauptidealbereich.



Euklidische Bereiche sind Hauptidealbereiche



Satz  

Beweis  

Es sei I ein von 0 verschiedenes Ideal. Betrachte die nichtleere Menge

{δ(a)aI,a0}.

Diese Menge hat ein Minimum m, das von einem Element bI,b0, herrührt, sagen wir  m=δ(b).  Wir behaupten, dass  I=(b)  ist. Dabei ist die Inklusion „ “ klar. Zum Beweis der Inklusion „ “ sei  aI  gegeben. Aufgrund der Definition eines euklidischen Bereiches gilt  a=qb+r  mit  r=0  oder  δ(r)<δ(b).  Wegen  rI  und der Minimalität von δ(b) kann der zweite Fall nicht eintreten. Also ist  r=0  und a ist ein Vielfaches von b.


Die beiden folgenden Sätze folgen direkt aus Satz 8.2, da sowohl als auch K[X] euklidische Bereiche sind. Wir geben zusätzlich noch jeweils einen spezifischen Beweis an.


Satz  

Ein Polynomring über einem Körper

ist ein Hauptidealbereich.

Beweis  

Es sei I ein von 0 verschiedenes Ideal in K[X]. Betrachte die nichtleere Menge

{grad(P)PI,P0}.

Diese Menge hat ein Minimum  m,  das von einem Element FI, F0, herrührt, sagen wir  m=grad(F).  Wir behaupten, dass  I=(F)  ist. Die Inklusion ist klar. Zum Beweis von sei  PI  gegeben. Aufgrund von Satz 5.3 gilt

P=FQ+R mit grad(R)<grad(F) oder R=0.

Wegen  RI  und der Minimalität von grad(F) kann der erste Fall nicht eintreten. Also ist  R=0  und P ist ein Vielfaches von F.



Satz  

Der Ring der ganzen Zahlen

ist ein Hauptidealbereich.

Beweis  

Zunächst ist ein Integritätsbereich. Es sei  I  ein Ideal. Damit ist I insbesondere eine (additive) Untergruppe von und hat nach Satz 5.2 die Gestalt  I=d.  Damit handelt es sich um ein Hauptideal.



Teilbarkeitslehre in Hauptidealbereichen

Die folgende Aussage heißt Lemma von Bézout.


Satz  

Es sei R ein Hauptidealring. Dann gilt:

Elemente a1,,an besitzen stets einen größten gemeinsamen Teiler d, und dieser lässt sich als Linearkombination der a1,,an darstellen, d.h. es gibt Elemente  r1,,rnR  mit  r1a1+r2a2++rnan=d

Insbesondere besitzen teilerfremde Elemente a1,,an eine Darstellung der 1.

Beweis  

Es sei  I=(a1,,an)  das von den Elementen erzeugte Ideal. Da wir in einem Hauptidealring sind, handelt es sich um ein Hauptideal; es gibt also ein Element d mit  I=(d).  Wir behaupten, dass d ein größter gemeinsamer Teiler der a1,,an ist. Die Inklusionen  (ai)I=(d)  zeigen, dass es sich um einen gemeinsamen Teiler handelt. Es sei e ein weiterer gemeinsamer Teiler der a1,,an. Dann ist wieder  (d)=I(e),  was wiederum ed bedeutet. Die Darstellungsaussage folgt unmittelbar aus  dI=(a1,,an)

Im teilerfremden Fall ist  I=(a1,,an)=R


Die folgende Kurzform wird auch oft als Lemma von Bézout bezeichnet.


Korollar  

Es sei R ein Hauptidealbereich und seien  a,bR  teilerfremde Elemente.

Dann kann man die 1 als Linearkombination von a und b darstellen, d.h. es gibt Elemente  r,sR  mit  ra+sb=1

Beweis

Dies folgt direkt aus Satz 8.5.

Die folgende Aussage heißt Lemma von Euklid.


Satz  

Es sei R ein Hauptidealbereich und  a,b,cR.  Es seien a und b teilerfremd und a teile das Produkt bc.

Dann teilt a den Faktor c.

Beweis  

Da a und b teilerfremd sind, gibt es nach dem Lemma von Bézout Elemente  r,sR  mit  ra+sb=1.  Die Voraussetzung, dass a das Produkt bc teilt, schreiben wir als  bc=da.  Damit gilt

c=c1=c(ra+sb)=cra+csb=acr+ads=a(cr+ds),

was zeigt, dass c ein Vielfaches von a ist.



Satz  

Es sei R ein Hauptidealbereich. Dann ist ein Element genau dann prim,

wenn es irreduzibel ist.

Beweis  

Ein Primelement in einem Integritätsbereich ist nach Lemma 6.7 stets irreduzibel. Es sei also umgekehrt p irreduzibel, und nehmen wir an, dass p das Produkt ab teilt, sagen wir  pc=ab.  Nehmen wir an, dass a kein Vielfaches von p ist. Dann sind aber a und p teilerfremd, da eine echte Inklusionskette  (p)(p,a)=(d)R  der Irreduzibilität von p widerspricht. Damit teilt p nach dem Lemma von Euklid den anderen Faktor b.



Lemma  

In einem Hauptidealbereich lässt sich jede Nichteinheit  a0  als ein Produkt von irreduziblen Elementen darstellen.

Beweis  

Angenommen, jede Zerlegung  a=p1pk  enthalte nicht irreduzible Elemente. Dann gibt es in jedem solchen Produkt einen Faktor, der ebenfalls keine Zerlegung in irreduzible Faktoren besitzt. Wir erhalten also eine unendliche Kette a1=a,a2,a3,, wobei an+1 ein nicht-trivialer Teiler von an ist. Somit haben wir eine echt aufsteigende Idealkette

(a1)(a2)(a3).

Die Vereinigung dieser Ideale ist aber nach Aufgabe 7.5 ebenfalls ein Ideal und nach Voraussetzung ein Hauptideal. Dies ist ein Widerspruch.



Euklidischer Algorithmus

Es seien Elemente a,b (mit b0) eines euklidischen Bereichs R mit euklidischer Funktion δ gegeben. Dann nennt man die durch die Anfangsbedingungen  r0=a  und  r1=b  und die mittels der Division mit Rest

ri=qiri+1+ri+2

rekursiv bestimmte Folge ri die Folge der euklidischen Reste.

Da die Division mit Rest in einem euklidischen Bereich nicht eindeutig sein muss, ist diese Folge im Allgemeinen nicht eindeutig bestimmt. Dies ist für den folgenden Algorithmus aber unerheblich (abgesehen davon, dass die eine oder andere Wahl der Reste den Algorithmus beschleunigen kann). Für  R=  und  R=K[X]  ist die Restfolge eindeutig bestimmt.



Satz  

Es seien Elemente r0=a,r1=b0 eines euklidischen Bereiches R mit euklidischer Funktion δ gegeben. Dann besitzt die Folge ri,  i=0,1,2,,  der euklidischen Reste folgende Eigenschaften.

  1. Es ist ri+2=0 oder δ(ri+2)<δ(ri+1).
  2. Es gibt ein (minimales)  k2  mit  rk=0
  3. Es ist
    ggT(ri+1,ri)=ggT(ri,ri1).
  4. Es sei  k2  der erste Index derart, dass  rk=0  ist. Dann ist
    ggT(a,b)=rk1.

Beweis  

  1. Dies folgt unmittelbar aus der Definition der Division mit Rest.
  2. Solange  ri0  ist, wird die Folge der natürlichen Zahlen δ(ri) immer kleiner, sodass irgendwann der Fall  ri=0  eintreten muss.
  3. Wenn t ein gemeinsamer Teiler von ri+1 und von ri+2 ist, so zeigt die Beziehung
    ri=qiri+1+ri+2,

    dass t auch ein Teiler von ri und damit ein gemeinsamer Teiler von ri+1 und von ri ist. Die Umkehrung folgt genauso.

  4. Dies folgt aus (3) mit der Gleichungskette
    ggT(a,b)=ggT(b,r2)=ggT(r2,r3)==ggT(rk2,rk1)=ggT(rk1,rk)=ggT(rk1,0)=rk1.


Mit dem euklidischen Algorithmus berechnet man also einen größten gemeinsamen Teiler. Indem man die im Algorithmus auftretenden Gleichungen von hinten nach vorne verwendet, erhält man auch eine Darstellung eines größten gemeinsamen Teilers als Linearkombination von a und b.


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