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Kurs:Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2018-2019)/Teil II/Vorlesung 44

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Beispiele für Folgen

Eine Folge (xn)n in einem angeordneten Körper, die gegen 0 konvergiert, heißt Nullfolge.


Eine konstante Folge  xn=c  ist stets konvergent mit dem Grenzwert c. Dies folgt direkt daraus, dass man für jedes  ϵ>0  als Aufwandszahl  n0=0  nehmen kann. Es ist ja

|xnc|=|cc|=|0|=0<ϵ

für alle n.



Es sei K ein archimedisch angeordneter Körper. Dann ist die Folge

xn=1n

konvergent mit dem Grenzwert 0. Es sei dazu ein beliebiges ϵK, ϵ>0, vorgegeben. Aufgrund des Archimedes-Axioms (siehe Lemma 25.8) gibt es ein n0 mit

1n0ϵ.

Damit gilt für alle  nn0  die Abschätzung

xn=1n1n0ϵ.


Wir betrachten die Folge mit den Folgengliedern

xn=7n2n

in . Die Anfangsglieder sind

0,72,72,218,74,3532,2132,49128,732.

In der Tat ist dies eine Nullfolge. Nach Satz 27.12 gibt es nämlich ein m derart, dass

2nn2

für alle  nm  gilt. Für diese n ist somit

7n2n7nn2=7n.

Zu einem vorgegebenen  ϵ>0  kann man zusätzlich noch  n7ϵ  erreichen, daher sind diese xn kleinergleich ϵ.


Eine Dezimalbruchfolge in einem angeordneten Körper ist eine Folge der Form

xn=an10n=i=0nzi10i=z0,z1z2z3zn

mit  an  (bzw. mit Ziffern zi{0,1,,9}) und mit

an10nan+110n+1<an+110n.

Eine solche Folge, also eine „Kommazahl“, muss im Allgemeinen nicht konvergieren. Wenn wir mit zwei positiven ganzen Zahlen a,b starten und den Divisionsalgorithmus a:b durchführen, um die Ziffern zi zu erhalten, so konvergiert nach Korollar 28.11 die zugehörige Dezimalbruchfolge

xn=i=0nzi10i

gegen die rationale Zahl ab.




Lemma  

Es sei K ein angeordneter Körper und sei (xn)n eine Folge in K.

Dann besitzt xn maximal einen Grenzwert.

Beweis  

 Nehmen wir an, dass es zwei verschiedene Grenzwerte x,y, xy, gibt. Dann ist  d:=|xy|>0.  Wir betrachten  ϵ:=d/3>0.  Wegen der Konvergenz gegen x gibt es ein n0 mit

|xnx|ϵ für alle nn0

und wegen der Konvergenz gegen y gibt es ein n0 mit

|xny|ϵ für alle nn0.

Beide Bedingungen gelten dann gleichermaßen für  nmax{n0,n0}.  Es sei n mindestens so groß wie dieses Maximum. Dann ergibt sich aufgrund der Dreiecksungleichung der Widerspruch

d=|xy||xxn|+|xny|ϵ+ϵ=2d/3.



Es sei K ein angeordneter Körper und sei (xn)n eine Folge in K. Die Folge xn heißt beschränkt, wenn es ein Element  BK  mit

|xn|B für alle n

gibt.



Rechenregeln für Folgen



Lemma  

Es sei K ein angeordneter Körper. Wenn eine Folge in K konvergent ist,

so ist sie auch beschränkt.

Beweis  

Es sei (xn)n die konvergente Folge mit dem Limes  xK  und es sei ein  ϵ>0  gewählt. Aufgrund der Konvergenz gibt es ein n0 derart, dass

|xnx|ϵ für alle nn0.

Dann ist insbesondere

|xn||x|+|xxn||x|+ϵ für alle nn0.

Unterhalb von n0 gibt es nur endlich viele Zahlen, sodass das Maximum

B:=maxn<n0{|xn|,|x|+ϵ}

wohldefiniert ist. Daher ist B eine obere Schranke und B eine untere Schranke für {xnn}.



Es sei K ein angeordneter Körper. Dann ist die alternierende Folge

xn=(1)n

beschränkt, aber nicht konvergent. Die Beschränktheit ist klar, da ja nur die beiden Werte 1 und 1 vorkommen. Konvergenz liegt aber nicht vor. Nehmen wir an, dass  x0  der Grenzwert sei. Dann gilt für positives  ϵ<1  und jedes ungerade n die Beziehung

|xnx|=1+x1>ϵ,

sodass es Folgenwerte außerhalb dieser ϵ-Umgebung gibt. Analog kann man einen negativ angenommenen Grenzwert zum Widerspruch führen.




Lemma  

Es sei K ein angeordneter Körper. Es sei (xn)n eine Nullfolge und (yn)n eine beschränkte Folge in K.

Dann ist auch das Produkt der beiden Folgen eine Nullfolge.

Beweis  

Es sei  B>0  eine Schranke für (yn)n und sei  ϵ>0  vorgegeben. Da (xn)n eine Nullfolge ist, gibt es zu ϵB ein n0 derart, dass für  nn0  die Abschätzung  |xn|ϵB  gilt. Für diese Indizes ist dann auch

|xnyn|=|xn||yn|ϵBB=ϵ.


Wie bei einer Dezimalbruchfolge, die man ja (mit den Ziffern zi) als

xn=i=0nzi10i

schreiben kann, wird eine Folge oft als eine Summe in der Form

xn=i=0nui

gegeben. Die Folgenglieder sind also die Teilsummen, die sich aus den einzelnen Summanden ergeben. Solche Folgen nennt man auch Reihen und die ui nennt man die Reihenglieder. Wir betonen, dass sich alle Folgeneigenschaften auf die Folgenglieder beziehen. Man schreibt für solche Reihen auch kurz n=0un.

Nikolaus von Oresme (1330-1382) bewies, dass die harmonische Reihe divergiert.

Die sogenannte harmonische Reihe ist nicht beschränkt und konvergiert nicht.


Die harmonische Reihe ist die Reihe

k=11k.
Es geht also um die „unendliche Summe“ der Stammbrüche
1+12+13+14+15+16+17+18+.

Diese Reihe divergiert: Für die 2n Zahlen  k=2n+1,,2n+1  ist

k=2n+12n+11kk=2n+12n+112n+1=2n12n+1=12.

Daher ist

k=12n+11k=1+i=0n(k=2i+12i+11k)1+(n+1)12.

Damit ist die Folge der Partialsummen unbeschränkt und kann nach Lemma 44.8 nicht konvergent sein.


Aus der Divergenz der harmonischen Reihe folgt, dass man einen beliebig weiten Überhang mit gleichförmigen Bauklötzen bauen kann.



Lemma  

Es sei K ein angeordneter Körper und es seien (xn)n und (yn)n konvergente Folgen in K. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Die Folge (xn+yn)n ist konvergent und es gilt
    limn(xn+yn)=(limnxn)+(limnyn).
  2. Die Folge (xnyn)n ist konvergent und es gilt
    limn(xnyn)=(limnxn)(limnyn).
  3. Für  cK  gilt
    limncxn=c(limnxn).
  4. Es sei  limnxn=x0  und  xn0  für alle  n.  Dann ist (1xn)n ebenfalls konvergent mit
    limn1xn=1x.
  5. Es sei  limnxn=x0  und  xn0  für alle  n.  Dann ist (ynxn)n ebenfalls konvergent mit
    limnynxn=limnynx.

Beweis  

(2). Sei  ϵ>0  vorgegeben. Die konvergente Folge (xn)n ist nach Lemma 44.8 insbesondere beschränkt und daher existiert ein  D>0  mit  |xn|D  für alle  n.  Sei x:=limnxn und y:=limnyn. Wir setzen  C:=max{D,|y|}.  Aufgrund der Konvergenz gibt es natürliche Zahlen N1 und N2 mit

|xnx|ϵ2C für nN1 und |yny|ϵ2C für nN2.

Diese Abschätzungen gelten dann auch für alle  nN:=max{N1,N2}.  Für diese Zahlen gilt daher

|xnynxy|=|xnynxny+xnyxy||xnynxny|+|xnyxy|=|xn||yny|+|y||xnx|Cϵ2C+Cϵ2C=ϵ.

(4). Da der Limes der Folge (xn)n nicht 0 ist, gilt für  nN1  die Bedingung  |xn||x|2  und damit

1|xn|2|x|.

Es sei  ϵ>0  vorgegeben. Wegen der Konvergenz von (xn)n gibt es ein N2 mit

|xnx|ϵ|x|22 für alle nN2.

Dann gilt für alle  nN:=max{N1,N2}  die Abschätzung

|1xn1x|=|xnxxxn|=1|x||xn||xnx|2|x|2ϵ|x|22=ϵ.


Die im vorstehenden Satz auftretenden Folgen nennt man die Summenfolge, die Produktfolge bzw. die Quotientenfolge. Sie sind jeweils gliedweise definiert.


Es sei  rs.  Bei einer Folge der Form

xn=arnr+ar1nr1++a2n2+a1n+a0bsns+bs1ns1++b2n2+b1n+b0

mit ai,bj in einem archimedisch angeordneten Körper und  ar,bs0  kann man durch einen einfachen Standardtrick den Grenzwert bestimmen. Man multipliziert Zähler und Nenner mit ns und erhält somit die auf den ersten Blick kompliziertere Darstellung

xn=arnr+ar1nr1++a2n2+a1n+a0nsbsns+bs1ns1++b2n2+b1n+b0ns=arnrns+ar1nr1ns++a2n2ns+a1nns+a0nsbsnsns+bs1ns1ns++b2n2ns+b1nns+b0ns=arnsr+ar1nsr1++a2ns2+a1ns1+a0nsbs+bs1n++b2ns2+b1ns1+b0ns.

Nach Lemma 44.12  (1) konvergiert der Nenner gegen bs. da die Summanden bis auf den ersten Summanden Nullfolgen sind. Der Zähler konvergiert bei  s>r  gegen 0 und bei  s=r  gegen ar. Im ersten Fall liegt insgesamt eine Nullfolge vor, im zweiten Fall konvergiert die Folge gegen arbr.



Zu jedem Element  xK  in einem archimedisch angeordneten Körper K gibt es nach Korollar 28.10 eine eindeutig bestimmte Dezimalbruchfolge, die gegen x konvergiert. Zu zwei Elementen x und y muss dabei die Dezimalbruchfolge der Summe x+y nicht die (gliedweise genommene) Summe der einzelnen Dezimalbruchfolgen sein. Beispielsweise ist die Dezimalbruchfolge zur rationalen Zahl 79 gleich

710,77100,7771000,777710000,77777100000,

und die Dezimalbruchfolge zur rationalen Zahl 89 gleich

810,88100,8881000,888810000,88888100000,.

Die Summe dieser beiden Folgen ist

1510,165100,16651000,1666510000,166665100000,.

Dagegen besitzt

79+89=159

die Dezimalbruchfolge

1610,166100,16661000,1666610000,166666100000,.

Die oben angegebene Summenfolge konvergiert zwar gegen 159, sie ist aber keine Dezimalbruchfolge.




Es sei K ein angeordneter Körper und es seien (xn)n und (yn)n konvergente Folgen mit  xnyn  für alle  n

Dann ist

limnxnlimnyn.

Beweis

Siehe Aufgabe 44.17.


Die folgende Aussage heißt Quetschkriterium.


Es sei K ein angeordneter Körper und es seien (xn)n,(yn)n und (zn)n drei Folgen in K. Es gelte

xnynzn für alle n

und (xn)n und (zn)n konvergieren beide gegen den gleichen Grenzwert a.

Dann konvergiert auch (yn)n gegen diesen Grenzwert a.

Beweis

Siehe Aufgabe 44.19.


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