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Kurs:Körper- und Galoistheorie/7/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
Punkte 3 3 0 4 3 6 2 0 12 9 0 2 0 0 1 0 4 5 54




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine Körpererweiterung.
  2. Ein Ideal 𝔞R in einem kommutativen Ring R.
  3. Eine algebraische Körpererweiterung  KL
  4. Der Index einer Untergruppe HG in einer Gruppe G.
  5. Die iterierte Kommutatorgruppe einer Gruppe G.
  6. Ein aus einer Teilmenge TE einer Ebene E elementar konstruierbarer Kreis C.


Lösung

  1. Es sei L ein Körper und  KL  ein Unterkörper von L. Dann heißt die Inklusion  KL  eine Körpererweiterung.
  2. Ein Ideal ist eine nichtleere Teilmenge 𝔞R, für die die beiden folgenden Bedingungen erfüllt sind:
    1. Für alle a,b𝔞 ist auch a+b𝔞.
    2. Für alle a𝔞 und rR ist auch ra𝔞.
  3. Die Körpererweiterung heißt algebraisch, wenn jedes Element fL algebraisch über K ist.
  4. Der Index ist die Anzahl der (Links- oder Rechts-)Nebenklassen von H in G.
  5. Die i-te iterierte Kommutatoruntergruppe wird induktiv durch
    K0(G)=G und Ki(G)=K(Ki1(G))

    definiert.

  6. Ein Kreis CE heißt aus M elementar konstruierbar, wenn es zwei Punkte Z,SM, ZS, derart gibt, dass der Kreis mit dem Mittelpunkt Z und durch den Punkt S gleich C ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Summe der Einheitswurzeln.
  2. Der Satz von Artin über Fixkörper.
  3. Das Austauschlemma für Transzendenzbasen.


Lösung

  1. Für jede n-te Einheitswurzel  ζ1  gilt
    ζn1+ζn2++ζ+1=0.
  2. Es sei L ein Körper und sei  HAut(L)  eine endliche Untergruppe der Automorphismengruppe von L. Es sei  K=Fix(H).  Dann ist
    gradKL=#(H).
  3. Es sei K ein Grundkörper und  KL  eine Körpererweiterung mit endlichen Transzendenzbasen f1,,fm und g1,,gn. Dann gibt es zu jedem Element fi der ersten Transzendenzbasis ein Element gj der zweiten Transzendenzbasis derart, dass f1,,fi1,gj,fi+1,,fm ebenfalls eine Transzendenzbasis ist.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (4 Punkte)

Zeige, dass das Polynom

X33X+1

über irreduzibel ist.


Lösung

Nach Aufgabe 3.14 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) genügt es zu zeigen, dass X33X+1 keine rationale Nullstelle besitzt. Nehmen wir an, dass

q=ab

eine Nullstelle ist mit a,b in gekürzter Darstellung. Es gilt dann

(ab)33ab+1=0

bzw.

a33ab2+b3=0.

Wenn eine Primzahl p die Zahl a teilt, folgt daraus, dass auch b von p geteilt wird, was der Gekürztheit widerspricht. Wegen  b0  ist auch  a0.  Also muss a eine Einheit sein. Wenn b von einer Primzahl p geteilt wird, so wäre auch a ein Vielfaches von p. Also ist auch b eine Einheit. Die verbleibenden Möglichkeiten a,b=±1, also  q=±1,  sind keine Nullstelle des Polynoms, wie Einsetzen zeigt.


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige, dass in einem Hauptidealbereich ein irreduzibles Element prim ist.


Lösung

Es sei p irreduzibel, und nehmen wir an, dass p das Produkt ab teilt, sagen wir  pc=ab.  Nehmen wir an, dass a kein Vielfaches von p ist. Dann sind aber a und p teilerfremd, da eine echte Inklusionskette  (p)(p,a)=(d)R  der Irreduzibilität von p widerspricht. Damit teilt p nach dem Lemma von Euklid den anderen Faktor b.


Aufgabe (6 Punkte)

Beweise den Homomorphiesatz für Gruppen.


Lösung

Wir zeigen zuerst die Eindeutigkeit. Für jedes Element  uQ  gibt es mindestens ein gG mit ψ(g)=u. Wegen der Kommutativität des Diagramms muss

φ~(u)=φ(g)

gelten. Das bedeutet, dass es maximal ein φ~ geben kann.
Wir müssen zeigen, dass durch diese Bedingung eine wohldefinierte Abbildung gegeben ist. Es seien also  g,gG  zwei Urbilder von u. Dann ist

ψ(gg1)=uu1=eQ

und somit ist  gg1kernψkernφ.  Daher ist  φ(g)=φ(g).  Die Abbildung ist also wohldefiniert. Seien  u,vQ  und seien  g,hG  Urbilder davon. Dann ist gh ein Urbild von uv und daher ist

φ~(uv)=φ(gh)=φ(g)φ(h)=φ~(u)φ~(v).

D.h. φ~ ist ein Gruppenhomomorphismus.


Aufgabe (2 Punkte)

Erstelle die Multiplikationsmatrix zum Element 4x2+7x3 in der kubischen Körpererweiterung

=[X]/(X3+5X27X+6).


Lösung

Es ist

(4x2+7x3)x=4x3+7x23x=4(5x2+7x6)+7x23x=20x2+28x24+7x23x=13x2+25x24

und

(4x2+7x3)x2=(13x2+25x24)x=13x3+25x224x=13(5x2+7x6)+25x224x=65x291x+78+25x224x=90x2115x+78.

Die beschreibende Matrix ist also

(4247872511531390).


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (12 (2+1+1+3+5) Punkte)

Es sei p eine ungerade Primzahl. Es sei  q=pe  und c𝔽q ein Nichtquadrat.

  1. Zeige
    𝔽q2𝔽q[X]/(X2c).
  2. Zeige, dass es eine Kette von rein-quadratischen Erweiterungen
    𝔽p𝔽p2𝔽p4𝔽p8𝔽p16

    gibt.

  3. Zeige, dass die Restklasse von X in /(3)[X]/(X22) ein Quadrat ist.
  4. Es sei nun  p=1mod4.  Zeige, dass die Restklasse x von X in 𝔽q[X]/(X2c) ein Nichtquadrat ist.
  5. Es sei  p=1mod4  und sei a/(p) ein Nichtquadrat. Zeige, dass Y2na für alle n1 irreduzibel ist.


Lösung

  1. Wenn  c𝔽q  ein Nichtquadrat ist, so besitzt das Polynom X2c keine Nullstelle und ist daher irreduzibel. Nach Korollar 7.7 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) ist somit 𝔽q[X]/(X2c) ein Körper mit q2 Elementen, also ein Modell des eindeutig bestimmten Körpers 𝔽q2.
  2. Dies folgt unmittelbar aus Teil (1), da es in jedem endlichen Körper ungerader Charakteristik Nichtquadrate gibt und somit die sukzessiven quadratischen Erweiterungen durch die Aufnahme einer Quadratwurzel beschrieben werden können.
  3. In /(3)[X]/(X22) ist
    (x+2)2=x2+4x+4=x2+x+1=2+x+1=x.
  4. Nehmen wir an, dass x ein Quadrat ist. Jedes Element in 𝔽q[X]/(X2c) besitzt eine eindeutige Darstellung der Form ax+b mit  a,b𝔽q.  Also wäre
    x=(ax+b)2=a2x2+2abx+b2=2abx+a2c+b2.

    Somit ist  2ab=0  und a,b sind Einheiten. Aus  a2c+b2=0  folgt

    c=(ba)2.

    Da bei  p=1mod4  die 1 ein Quadrat ist, wäre also c ein Quadrat im Widerspruch zur Voraussetzung.

  5. Wir beweisen die Aussage, dass
    𝔽p[Y]/(Y2na)

    ein Körper und dass darin die Restklasse von Y kein Quadrat ist, durch Induktion über n. Für  n=1  ergibt sich die Aussage aus Teil (1) und (4). Es sei die Aussage nun für ein n bewiesen. Es ist

    𝔽p2n𝔽p[Y]/(Y2na)

    und, da y kein Quadrat darin ist, ist

    (𝔽p[Y]/(Y2na))[Z]/(Z2y)=𝔽(p2n)2=𝔽p2n+1

    ein Körper mit p2n+1 Elementen. Wir betrachten den Restklassenring

    𝔽p[W]/(W2n+1a).

    Durch

    𝔽p[Y]𝔽p[W]/(W2n+1a),YW2,

    ist ein Einsetzungshomomorphismus gegeben, der den Homomorphismus

    𝔽p[Y]/(Y2na)𝔽p[W]/(W2n+1a)

    induziert. Dieser ist injektiv, da links ein Körper steht. Durch

    (𝔽p[Y]/(Y2na))[Z]𝔽p[W]/(W2n+1a),ZW,

    ist ein Einsetzungshomomorphismus gegeben, der den Homomorphismus

    (𝔽p[Y]/(Y2na))[Z]/(Z2y)𝔽p[W]/(W2n+1a)

    induziert. Dieser ist surjektiv, da W im Bild ist und injektiv, da links ein Körper steht. Also ist 𝔽p[W]/(W2n+1a) ein Körper. Da die Restklasse von W dabei Z entspricht, ist sie kein Quadrat nach Teil (4).


Aufgabe (9 Punkte)

Beweise den Satz über einfache Körpererweiterungen und Zwischenkörper.


Lösung

Wenn K ein endlicher Körper ist, so ist auch L endlich und die Voraussetzung über die endlich vielen Zwischenkörper ist automatisch erfüllt. In diesem Fall ist aber auch nach Satz 9.6 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) die Körpererweiterung einfach. Wir können also annehmen, dass K unendlich ist. Es sei zunächst vorausgesetzt, dass es in  KL  nur endlich viele Zwischenkörper gibt. Sei  gradKL=n.  Jeder von L verschiedene Zwischenkörper Mi, i=1,,k, ist ein maximal (n1)-dimensionaler K-Untervektorraum von L und daher gibt es eine von 0 verschiedene K-lineare Abbildung

φi:LK

mit  φi(Mi)=0.  Zu φi gehört ein lineares Polynom Pi (in n Variablen) mit der entsprechenden Eigenschaft. Das Polynom  P=i=1kPi  ist dann auf der Vereinigung aller Zwischenkörper  MiL  gleich 0. Da K unendlich ist, gibt es aber nach Aufgabe 13.26 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) auch Elemente  a=(a1,,an)L  mit  P(a)0.  Der von einem solchen Element a über K erzeugte Körper muss gleich L sein, da er nach Konstruktion in keinem anderen Zwischenkörper liegt.

Es sei nun

L=K(x)=K[x]=K[X]/(F)

eine einfache Körpererweiterung mit dem Minimalpolynom FK[X]. Für jeden Zwischenkörper M, KML, ist  L=M(x)  und das Minimalpolynom G von x über M ist in M[X] und insbesondere in L[X] ein Teiler von F. Nach Lemma 13.12 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) besteht die Beziehung  M=K(b0,,bk),  wobei die bj die Koeffizienten von G sind. Da F in L[X] nur endlich viele (normierte) Teiler besitzt, gibt es nur endlich viele Zwischenkörper.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (2 Punkte)

Man gebe ein Beispiel für Zwischenkörper

L,MKn

in einem Kreisteilungskörper Kn, die beide die gleichen n-ten Einheitswurzeln enthalten, aber verschieden sind.


Lösung

Wir wählen  n=5  und  L=  und  M=K.  Beide Körper enthalten (als Unterkörper der reellen Zahlen) lediglich die beiden vierten Einheitswurzeln 1 und 1. Nach Beispiel 19.5 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) ist 5M, aber 5, weshalb die beiden Körper verschieden sind.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (1 Punkt)

Erstelle eine Kreisgleichung für den Kreis im 2 mit Mittelpunkt (2,7), der durch den Punkt (4,3) läuft.


Lösung

Der Abstand der beiden Punkte ist

r=22+102=104.

Die Kreisgleichung ist somit

(X2)2+(Y7)2=104.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (4 Punkte)

Zeige, dass man aus dem Einheitskreis

S1={(x,y)2x2+y2=1}

als Startmenge den gesamten 2 mit Zirkel und Lineal konstruieren kann.


Lösung

Insbesondere gehören die Punkte (1,0),(1,0),(0,1),(0,1) zur Startmenge. Insbesondere lassen sich die x- und die y-Achse (als Geraden) konstruieren. Somit lässt sich auch (0,0) konstruieren und damit auch 2. Zu jeder reellen Zahl r[0,1] gehört der Punkt (r,1r2) zum Einheitskreis. Die zur y-Achse parallele Gerade durch diesen Punkt ist konstruierbar und schneidet die x-Achse im Punkt (r,0). Somit ist jeder Punkt des Einheitsintervalles konstruierbar. Da man jede reelle Zahl x als

x=n+r

mit n und r[0,1] schreiben kann, und mit zwei Zahlen auch deren Summe konstruierbar ist, lassen sich überhaupt alle reellen Zahlen aus dem Einheitskreis konstruieren. Mit dem Zirkel lässt sich jede reelle Zahl auf die y-Achse umschlagen. Somit lässt sich wie im Beweis zu Lemma 24.7 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) überhaupt jeder Punkt konstruieren.


Aufgabe (5 Punkte)

Es seien  KL  und  LM  Körpererweiterungen. Es sei  f1,,frL  eine algebraisch unabhängige Familie über K und sei  g1,,gsM  eine algebraisch unabhängige Familie über L. Zeige, dass die Familie

f1,,fr,g1,,gsM

algebraisch unabhängig über K ist.


Lösung

Wir betrachten ein Polynom PK[X1,,Xr,Y1,,Ys] mit

P(g1,,gr,f1,,fs)=0

und müssen zeigen, dass es sich um das Nullpolynom handelt. Wir schreiben in Multiindexschreibweise

P=μ,νaμ,νXμYν=ν(μaμ,νXμ)Yν.

Wenn wir die Variablen Xi durch fi ersetzen, so erhalten wir ein Polynom

P(f1,,fr)K(f1,,fr)[Y1,,Ys]L[Y1,,Ys],

das, wenn man die Yj durch gj ersetzt, 0 ergibt. Da die gj algebraisch unabhängig über L sind, folgt, dass P(f1,,fr) das Nullpolynom ist. Das bedeutet für jedes ν, dass

μaμ,νfμ=0

ist. Da die fi algebraisch unabhängig über K sind, folgt, dass für jedes ν die Polynome μaμ,νfμ die Nullpolynome sind. Dies bedeutet  aμν=0  für alle Paare (μ,ν), also ist P das Nullpolynom.