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Kurs:Analysis (Osnabrück 2014-2016)/Teil II/Vorlesung 36

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Weitere Stetigkeitsbegriffe

Wir führen einige weitere Stetigkeitsbegriffe ein.


Es sei

eine Abbildung zwischen den metrischen Räumen und . Dann heißt gleichmäßig stetig, wenn es zu jedem    ein    mit folgender Eigenschaft gibt: Für alle    mit    ist  


Es sei

eine Abbildung zwischen den metrischen Räumen und . Die Abbildung heißt Lipschitz-stetig, wenn es eine reelle Zahl    mit

für alle    gibt.

Eine solche Zahl heißt Lipschitz-Konstante. Lipschitz-stetige Funktionen mit einer Lipschitz-Konstanten bekommen einen eigenen Namen.


Es sei

eine Abbildung zwischen den metrischen Räumen und . Dann heißt stark kontrahierend, wenn es eine nichtnegative reelle Zahl    gibt mit

für alle  

Die Zahl nennt man auch einen Kontraktionsfaktor.



Der Banachsche Fixpunktsatz

Wenn man eine Karte von Osnabrück in die Osnabrücker Reithalle legt und einen beliebigen Punkt von Osnabrück nimmt, so definiert dieser Punkt einen Punkt auf der Karte und damit auch den zugehörigen Punkt in der Reithalle. Diesem Punkt entspricht ein Kartenpunkt, der wiederum ein Punkt in der Reithalle ist, und so weiter. Man erhält also eine Folge von Punkten, die - abhängig vom Maßstab - schnell konvergiert, und zwar gegen einen Punkt, der mit seinem Punkt auf der Karte übereinstimmt. Diese Beobachtung wird im Banachschen Fixpunktsatz präzisiert.


Es sei eine Menge und

eine Abbildung. Ein Element    mit    heißt Fixpunkt der Abbildung.


Eine Folge in einem metrischen Raum heißt Cauchy-Folge, wenn folgende Bedingung erfüllt ist.

Zu jedem , , gibt es ein    derart, dass für alle    die Beziehung

gilt.


Ein metrischer Raum heißt vollständig, wenn jede Cauchy-Folge in konvergiert.

Der euklidische Raum und jede abgeschlossene Teilmenge davon ist vollständig.



Es sei ein nicht-leerer vollständiger metrischer Raum und

eine

stark kontrahierende Abbildung.

Dann besitzt genau einen Fixpunkt.

Es sei , , ein Kontraktionsfaktor, d.h. es gelte

für alle  .  Wenn    Fixpunkte sind, so folgt aus

sofort    und somit  ,  es kann also maximal einen Fixpunkt geben.
Es sei nun    ein beliebiger Punkt. Wir betrachten die durch

rekursiv definierte Folge in . Wir setzen

Dann gilt für jedes    die Beziehung

Daher gilt aufgrund der Dreiecksungleichung und der geometrischen Reihe für    die Beziehung

Zu einem gegebenen    wählt man mit

Dies zeigt, dass eine Cauchy-Folge vorliegt, die aufgrund der Vollständigkeit gegen ein    konvergiert.
Wir zeigen, dass dieses ein Fixpunkt ist. Die Bildfolge konvergiert gegen , da eine kontrahierende Abbildung stetig ist. Andererseits stimmt diese Bildfolge mit der Ausgangsfolge bis auf die Indizierung überein, sodass der Grenzwert sein muss.




Kompaktheit

Eine Teilmenge    heißt kompakt, wenn sie abgeschlossen und beschränkt ist.



Es sei    eine Teilmenge.

Dann ist genau dann kompakt, wenn jede Folge in eine in konvergente Teilfolge besitzt.

Wenn nicht beschränkt ist, so gibt es zu jeder natürlichen Zahl    ein    mit  .  Diese Folge kann keine konvergente Teilfolge besitzen. Wenn nicht abgeschlossen ist, so gibt es nach Satz 33.16 eine Folge  ,  die gegen ein , konvergiert. Jede Teilfolge davon konvergiert ebenfalls gegen , sodass es keine in konvergente Teilfolge geben kann.

Es sei nun abgeschlossen und beschränkt, und sei eine Folge    vorgegeben. Für diese Folge ist insbesondere jede Komponentenfolge beschränkt. Wir betrachten die erste Komponente  .  Nach dem Satz von Bolzano-Weierstrass gibt es eine Teilfolge derart, dass die erste Komponente dieser Folge konvergiert. Aus dieser Teilfolge wählen wir nun eine weitere Teilfolge derart, dass auch die zweite Komponentenfolge konvergiert. Insgesamt erhält man durch dieses Verfahren eine Teilfolge, wo jede Komponentenfolge konvergiert. Nach Lemma 33.14 konvergiert dann die gesamte Teilfolge in . Da abgeschlossen ist, liegt nach Satz 33.16 der Grenzwert in .



Es sei    eine kompakte Teilmenge und sei

eine stetige Abbildung in einen metrischen Raum .

Dann ist gleichmäßig stetig.

 Wir nehmen an, dass nicht gleichmäßig stetig ist. Dann gibt es ein    derart, dass für kein    die Beziehung    für alle    erfüllt ist. Insbesondere gibt es also für jedes    ein Paar    mit  ,  aber mit  .  Wegen der Kompaktheit gibt es aufgrund von Satz 36.9 eine Teilfolge (dabei ist unendlich) von , die gegen ein    konvergiert. Die entsprechende Teilfolge konvergiert ebenfalls gegen . Wegen der Stetigkeit konvergieren die beiden Bildfolgen und gegen . Dies ergibt aber einen Widerspruch, da    ist.



Es sei    eine kompakte Teilmenge und

eine stetige Abbildung.

Dann ist auch das Bild kompakt.

Es sei    eine Folge, wobei wir    mit    schreiben können. Da kompakt ist, gibt es nach Satz 36.9 eine konvergente Teilfolge , die gegen ein    konvergiert. Aufgrund der Stetigkeit konvergiert auch die Bildfolge    gegen . Damit ist eine konvergente Teilfolge gefunden und ist kompakt nach Satz 36.9.



Es sei    eine nichtleere kompakte Teilmenge und sei

eine stetige Funktion.

Dann gibt es ein    mit

D.h., dass die Funktion ihr Maximum (und ihr Minimum) annimmt.

Aufgrund von Satz 36.11 ist kompakt, also abgeschlossen und beschränkt. Insbesondere ist    für eine reelle Zahl . Wegen    besitzt wegen Satz 7.5 ein Supremum in , das wegen der Abgeschlossenheit nach Korollar 33.18 zu gehört, also das Maximum von ist. Daher gibt es auch ein    mit  



Es sei    ein Polynom.

Dann gibt es ein    mit

für alle  

D.h. das Minimum des Betrags eines Polynoms wird angenommen.

Es sei

(mit ). Wir setzen    und  .  Bei    ist die Aussage klar, sei also  .  Für mit    gelten die Abschätzungen

Auf der kompakten Menge nimmt die stetige Funktion nach Satz 36.12 ihr Minimum an, d.h. es gibt ein    mit    für alle  .  Wegen    und der Überlegung für mit    ergibt sich, dass im Punkt überhaupt das Minimum der Funktion angenommen wird.



Der Fundamentalsatz der Algebra



Jedes nichtkonstante Polynom    über den komplexen Zahlen

besitzt eine Nullstelle.

Es sei    ein nichtkonstantes Polynom. Aufgrund von Lemma 36.13 gibt es ein    mit    für alle  .  Wir müssen zeigen, dass dieses Betragsminimum ist. Wir nehmen also an, dass    ist, und müssen dann ein finden, an dem der Betrag des Polynoms kleiner wird. Durch Verschieben (d.h. indem wir die Situation in der neuen Variablen betrachten) können wir annehmen, dass das Minimum an der Stelle angenommen wird, und durch Division durch können wir annehmen, dass das Polynom im Nullpunkt den Wert besitzt. D.h. wir können annehmen, dass ein Polynom

mit    und    vorliegt, das im Nullpunkt das Betragsminimum annimmt. Wegen Korollar 21.9 gibt es ein    mit  .  Wir setzen    (das ist eine Variablenstreckung). In der neuen Variablen erhalten wir ein Polynom der Form

das nach wie vor im Nullpunkt das Betragsminimum annimmt (hierbei ist ein Polynom). Aufgrund von Satz 36.12 gibt es ein    mit    für alle  .  Für reelles mit    gilt

Wir haben also Stellen gefunden, wo der Betrag des Polynoms einen kleineren Wert annimmt, ein Widerspruch.



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