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Kurs:Einführung in die mathematische Logik/19/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Punkte 3 3 4 2 4 3 4 3 8 10 5 3 6 2 4 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein maximales Element  xI  in einer geordneten Menge (I,).
  2. Die Termsubstitution st1,,tkx1,,xk für S-Terme s (dabei sei S ein Symbolalphabet einer Sprache erster Stufe, x1,,xk paarweise verschiedene Variablen und t1,,tk fixierte S-Terme).
  3. Der Rang eines prädikatenlogischen Ausdrucks α.
  4. Die elementare Äquivalenz von zwei S-Strukturen M und N über einem erststufigen Symbolalphabet S.
  5. Eine R-berechenbare Funktion
    F:k.
  6. Die β-Funktion β(p,n,i).


Lösung

  1. Ein Element  xI  heißt maximal, wenn es kein Element yI, yx, mit  xy  gibt.
  2. Die Termsubstitution st1,,tkx1,,xk wird rekursiv folgendermaßen definiert.
    1. Für eine Variable x ist
      xt1,,tkx1,,xk:={x, falls xxi für alle i,ti, falls x=xi.
    2. Für eine Konstante c ist
      ct1,,tkx1,,xk:=c.
    3. Für ein n-stelliges Funktionssymbol f und n Terme s1,,sn ist
      fs1snt1,,tkx1,,xk:=fs1t1,,tkx1,,xksnt1,,tkx1,,xk.
  3. Der Rang ρ von α wird rekursiv durch
    1. ρ(α)=0, falls α atomar ist.
    2. ρ(α)=ρ(β)+1, falls α=¬(β) ist.
    3. ρ(α)=ρ(β)+ρ(γ)+1, falls α=(β)(γ) mit =,,, ist.
    4. ρ(α)=ρ(β)+1, falls α=xβ oder α=xβ ist.

    definiert.

  4. Die beiden S-Strukturen M und N heißen elementar äquivalent, wenn jeder S-Satz, der in M gilt, auch in N gilt.
  5. Die Funktion
    F:k

    heißt R-berechenbar, wenn es ein Programm P für eine Registermaschine gibt, die bei jeder Eingabe (r1,,rk) (in den ersten k Registern) anhält und F(r1,,rk) als (einzige) Ausgabe besitzt.

  6. Unter der β-Funktion versteht man die Abbildung
    3,(p,n,i)β(p,n,i),

    die folgendermaßen festgelegt ist. β(p,n,i) ist die kleinste Zahl  a,  die die Bedingung erfüllt, dass es natürliche Zahlen b0,b1,b2 gibt, die die folgenden Eigenschaften erfüllen:

    1.  n=b0+b1((i+1)+ap+b2p2)
    2.  a<p
    3.  b0<b1
    4. b1 ist eine Quadratzahl.
    5. Alle Teiler  d1  von b1 sind ein Vielfaches von p.

    Wenn kein solches a existiert, so ist  β(p,n,i)=0


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz von Euklid über Primzahlen.
  2. Das Substitutionslemma.
  3. Der Satz über die induktive Definition einer Abbildung auf einem Peano-Dedekind-Modell (N,0,).


Lösung

  1. Es gibt unendlich viele Primzahlen.
  2. Es sei ein Symbolalphabet S einer Sprache erster Stufe gegeben und es seien x1,,xk paarweise verschiedene Variablen und t1,,tk fixierte S-Terme. Es sei eine S-Interpretation I gegeben. Dann gelten folgende Aussagen.
    1. Für jeden S-Term s gilt
      I(st1,,tkx1,,xk)=(II(t1),,I(tk)x1,,xk)(s).
    2. Für jeden S-Ausdruck α gilt
      Iαt1,,tkx1,,xk genau dann, wenn (II(t1),,I(tk)x1,,xk)α.
  3. Es sei M eine Menge mit einem fixierten Element sM und einer Abbildung F:MM. Dann gibt es genau eine Abbildung
    φ:NM,nφ(n),

    die die beiden Eigenschaften

    φ(0)=s und φ(n)=F(φ(n)) für alle n
    erfüllt.


Aufgabe (4 Punkte)

Hanny, Nanny, Fanny und Sanny leben auf dem Ponyhof. Heute machen sie einen Ausflug mit den Ponies Pona, Pone, Pono und Ponu. Jedes der Mädchen sitzt dabei genau auf einem Pony, und sie reiten hintereinander. Folgende Fakten sind bekannt.

  1. Fanny sitzt nicht auf Pona.
  2. Pone und Ponu vertragen sich nicht so gut und laufen daher nicht direkt hintereinander.
  3. Nanny sitzt auf Pone oder auf Pono.
  4. Sanny reitet auf Pona oder auf Pone.
  5. Nanny reitet direkt hinter Sanny.
  6. Auf Ponu sitzt nicht Sanny.
  7. Pona läuft direkt zwischen Pone und Pono.
  8. Auf Pono sitzt weder Fanny noch Hanny.
  9. Sanny reitet weiter vorne als Hanny.

Wer sitzt auf welchem Pony und in welcher Reihenfolge laufen sie?


Lösung

Nach (7) liegt der Ponyabschnitt Pone-Pona-Pono oder Pono-Pona-Pone vor. Nach (2) sind somit nur die Ponyreihenfolgen Pone-Pona-Pono-Ponu oder Ponu-Pono-Pona-Pone möglich. Nach (8) sitzt auf Pono Nanny oder Sanny, nach (4) sitzt aber Sanny auf Pona oder Pone. Deshalb sitzt Nanny auf Pono. Nach (5) reitet Nanny direkt hinter Sanny. Bei der Reihenfolge Ponu-Pono-Pona-Pone müsste also Sanny auf Ponu reiten, was nach (4) ausgeschlossen ist. Also ist die Reihenfolge Pone-Pona-Pono-Ponu und Sanny reitet auf Pona. Nach (9) reitet Hanny auf Ponu und folglich reitet Fanny auf Pone.

Reihenfolge Pony Reiterin
1 Pone Fanny
2 Pona Sanny
3 Pono Nanny
4 Ponu Hanny


Aufgabe (2 Punkte)

Man gebe signifikante Beispiele zum Stichwort „Fortsetzung einer Abbildung“ aus der Mathematik und aus der mathematischen Logik.


Lösung erstellen


Aufgabe (4 (1+3) Punkte)

Wir betrachten Wörter über dem Alphabet {a,x} und den Prozess P, der in einem solchen Wort jedes Vorkommen von x durch das Wort xax ersetzt.

  1. Bestimme das Ergebnis von axxax unter diesem Prozess.
  2. Diesen Prozess kann man iterieren. Mit Pn(w) bezeichnen wir das Ergebnis, wenn man den Prozess n-mal hintereinander auf das Startwort w anwendet. Bestimme die Anzahl der Buchstaben in Pn(w) zum Startwort  w=x


Lösung

  1. Es ist
    P(axxax)=axaxxaxaxax.
  2. Es sei
    wn=Pn(x),

    insbesondere ist  w0=x.  Wir behaupten, dass in wn die Anzahl der x gleich 2n und die Anzahl der a gleich 2n1 und somit die Anzahl der Buchstaben gleich 2n+11 ist. Diese Aussagen beweisen wir durch Induktion über n. Für  n=0  sind sie richtig. Es seien sie nun für n bewiesen, wir wissen also, dass es in wn genau 2n viele x und 2n1 viele a gibt. Beim Ersetzungsprozess bleiben die a stehen, und die x werden durch xax ersetzt. Daher ist die Anzahl der x in wn+1 gleich

    2n2=2n+1

    und die Anzahl der a in wn+1 gleich

    2n1+2n=2n+11.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei LV die Sprache der Aussagenlogik zu einer Aussagenvariablenmenge V und es sei λ eine Wahrheitsbelegung der Variablen mit zugehöriger Interpretation I. Zeige, dass I maximal widerspruchsfrei ist.


Lösung

Sei  Γ=I.  Da der Ableitungskalkül korrekt ist, ist Γ abgeschlossen unter Ableitungen. Aufgrund der rekursiv definierten Wahrheitsbelegung gilt für jedes αLV entweder αΓ oder ¬αΓ. Somit ist Γ widerspruchsfrei. Sobald man zu Γ einen Ausdruck α hinzunimmt, hat man α,¬αΓ und daraus kann man einen Widerspruch ableiten. Die Menge ist also maximal widerspruchsfrei.


Aufgabe (4 Punkte)

Es seien A,B,C einstellige Relationssymbole. Erstelle eine Ableitung im Prädikatenkalkül für den Modus Disamis, also die Aussage

(x(AxBx)x(AxCx))x(CxBx).


Lösung

Es gilt die aussagenlogische Ableitbarkeit

(AxCx)(AxBxCxBx).

Dies fassen wir als eine Aussage vom Typ

p(qr)

auf. Nach Aufgabe 11.7 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) gilt in dieser Situation auch

xpx(qr).

Nach Lemma 11.9 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))  (3) ist

x(qr)(xqxr).

Dies zusammengenommen ergibt mit dem Kettenschluss

xp(xqxr),

was im obigen Spezialfall die Ableitbarkeit

x(AxCx)(x(AxBx)x(CxBx))

liefert. Eine aussagenlogische Umformulierung liefert

(x(AxBx)x(AxCx))x(CxBx).


Aufgabe (3 Punkte)

In einem angeordneten Körper ist durch

|x||y|

eine zweistellige Relation gegeben. Drücke diese Relation mit den üblichen Symbolen 0,,, Variablen und aussagenlogischen Junktoren aus.


Lösung

Der Betrag von x ist durch

|x|:={x, falls x0x sonst,

definiert. Daher können wir die Bedingung

|x||y|

entlang der vier möglichen Fälle auflösen. Die Bedingung ist somit äquivalent zu

(x0y0xy)(x00yxy)(0xy0xy)(0x0yxy).


Aufgabe (8 Punkte)

Beweise den Satz von Henkin.


Lösung

Es sei M das konstruierte Modell zu Γ und I die zugehörige Interpretation mit der natürlichen Belegung für die Variablen. Wir zeigen die Äquivalenz

αΓ genau dann, wenn Iα

für alle Ausdrücke α, durch Induktion über den Rang der Ausdrücke. Zum Induktionsanfang sei der Rang von α gleich 0, also α atomar. D.h. α ist entweder von der Form s=t oder Rt1tn. Im ersten Fall ist  s=tΓ  äquivalent zu  st  bzw.  [s]=[t]  in M. Dies ist nach Lemma 14.9 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) äquivalent zu  I(s)=I(t)  und das bedeutet Is=t.

Im zweiten Fall ist  Rt1tnΓ  - nach Konstruktion von M und RM - äquivalent zu RM([t1],,[tn]), und dies ist äquivalent zu IRt1tn.

Es sei nun die Aussage für alle Ausdrücke vom Rang r bewiesen und sei α ein Ausdruck vom Rang r+1. Wir betrachten die mögliche Struktur von α gemäß Definition .. Bei

α=¬β

ergibt sich die Äquivalenz aus der Induktionsvoraussetzung (β hat kleineren Rang als α) und Lemma 14.6 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))  (1). Bei

α=β1β2

besitzen die beiden Bestandteile kleineren Rang als α. Die Zugehörigkeit  αΓ  ist nach Lemma 14.6 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))  (3) äquivalent zur gemeinsamen Zugehörigkeit  β1,β2Γ.  Nach Induktionsvoraussetzung bedeutet dies Iβ1 und Iβ2. Dies bedeutet wiederum Iβ1β2 aufgrund der Modellbeziehung. Bei

α=xβ

besitzt wieder β einen kleineren Rang. Die Zugehörigkeit  αΓ  ist aufgrund der Eigenschaft, Beispiele zu enthalten und aufgrund von Axiom 11.1 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) äquivalent zur Existenz eines Terms t und der Zugehörigkeit  βtxΓ.  Die Substitution von β nach βtx verändert nach Aufgabe 14.17 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) nicht den Rang. Wir können also auf βtx die Induktionsvoraussetzung anwenden und erhalten die Äquivalenz zu Iβtx. Nach dem Substitutionslemma ist dies äquivalent zu II(t)xβ bzw. I[t]xβ wegen Lemma 14.9 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)). Dies ist äquivalent zu Ixβ aufgrund der Modellbeziehung und der Surjektivität der Termabbildung.


Aufgabe weiter

Es sei S das Symbolalphabet, das neben Variablen aus dem einzigen zweistelligen Relationssymbol G besteht. Wir betrachten die KO-Runden (also ab dem Achtelfinale) der Fußballweltmeisterschaften von 2014 und von 2018, ohne das Spiel um Platz 3, als S-Modelle, wobei wir G als die Gewinnrelation interpretieren, d.h. xGy besagt, dass x gegen y (gespielt und) gewonnen hat.

  1. Welche der folgenden Relationen sind für die WM 2014 wahr: Brasilien G Deutschland, Deutschland G Brasilien, Deutschland G Argentinien, Mexiko G Japan.
  2. Ist yxGy eine Charakterisierung des Weltmeisters?
  3. Charakterisiere durch einen S-Ausdruck in der einen freien Variablen x, dass eine Mannschaft mindestens das Halbfinale erreicht hat.
  4. Charakterisiere durch einen S-Ausdruck in der einen freien Variablen x, dass eine Mannschaft das Halbfinale, aber nicht das Finale erreicht hat.
  5. Betrachte Schweden bei der WM 2018. Man gebe einen S-Ausdruck in der einen freien Variablen x, der Schweden charakterisiert.
  6. Welche(n) Mannschaft(en) der WM 2014 erfüllt (erfüllen) den S-Ausdruck, der Schweden bei der WM 2018 charakterisiert?
  7. Definiere einen S-Isomorphismus zwischen der WM 2014 und der WM 2018.
  8. Ist dies auch ein Isomorphismus, wenn man das Spiel um Platz 3 mitberücksichtigt?


Lösung

  1. Deutschland G Brasilien und Deutschland G Argentinien treffen zu, die beiden anderen nicht.
  2. Nein, da der Weltmeister nicht gegen alle Mannschaften gewinnt, da er gar nicht gegen alle spielt.
  3. yz(yzxGyxGz).
  4. yz(yzxGyxGzw(xGw(w=yw=z)).
  5. Schweden ist diejenige Mannschaft, die das Viertelfinale erreicht hat und gegen diejenige Mannschaft (England) ausgeschieden ist, die gegen diejenige Mannschaft (Kroatien) ausgeschieden ist, die im Finale unterlag. In einer Formel
    yzvw(xGyzGxvGzwGv).
  6. Costa Rica.
  7. Wir definieren induktiv, ausgehend vom Weltmeister, Finalist, Halbfinalisten, Viertelfinalisten einen Isomorphismus, wobei die Fortsetzung dadurch festgelegt wird, wer gegen wen in der Runde zuvor verloren hat. Dies liefert einen eindeutig bestimmten Isomorphismus. Es ergibt sich
    Deutschland Frankreich
    Argentinien Kroatien
    Brasilien Belgien
    Niederlande England
    Frankreich Uruguay
    Belgien Russland
    Kolumbien Brasilien
    CostaRica Schweden
    Algerien Argentinien
    Schweiz Dänemark
    Chile Japan
    Mexiko Kolumbien
    Nigeria Portugal
    USA Spanien
    Uruguay Mexiko
    Griechenland Schweiz
  8. Im Jahr 2014 verlor der Halbfinalist, der gegen den Weltmeister verloren hat, das Spiel um Platz3, 2018 gewann er es hingegen. Deshalb ist die Abbildung bei Berücksichtigung des Spiels um Platz 3 kein Isomorphismus mehr.


Aufgabe (5 Punkte)

Schreibe einen Programmabschnitt C(i,j,k) für eine Registermaschine, das zum Befehl j wechselt, wenn im i-ten Register der Wert k steht, und ansonsten weiterläuft. Man verwende nur die Grundbefehle.


Lösung

Wir arbeiten mit den 2k+1 Programmzeilen (in relativer Nummerierung)

1.C(i,2k+2)
2.i
3.C(i,2k+2)
4.i
2k3.C(i,2k+2)
2k2.i
2k1.C(i,2k+2)
2k.i
2k+1.C(i,j)

Das Programm reduziert also höchstens k-mal den Registerinhalt von Ri um 1. Wenn der Registerinhalt von Ri am Anfang kleiner als k ist, so wird dieser Registerinhalt in weniger als k Schritten geleert und in diesem Fall landet man durch einen der bedingten Sprungbefehle C(i,2k+2) unmittelbar hinter dem Programmabschnitt. Wenn der Registerinhalt von Ri am Anfang gleich k ist, so wird der Registerinhalt genau im Befehl 2k geleert und in diesem Fall wird man im letzten Befehl zum Befehl j geleitet. Wenn der Registerinhalt von Ri am Anfang größer als k ist, so wird der Registerinhalt bis zum Befehl 2k nicht geleert und in diesem Fall wird man im letzten Befehl unmittelbar weitergeleitet. Das Programm leistet also das Gewünschte.


Aufgabe (3 Punkte)

Es seien  T1,T2LS  aufzählbar axiomatisierbare Theorien. Zeige, dass dann auch (T1T2) aufzählbar ist.


Lösung erstellen


Aufgabe (6 Punkte)

Es sei

T=2

die Menge der geraden natürlichen Zahlen. Es sei Γ die Ausdrucksmenge, die besagt, dass + eine assoziative, kommutative Verknüpfung mit 0 als neutralem Element ist. Es sei

ψ=y(x=y+y).

Zeige, dass T durch ψ in Γ schwach repräsentiert wird, aber nicht stark.


Lösung

Wir zeigen zuerst die schwache Repräsentierbarkeit, dass also für alle n die Zugehörigkeit n2 genau dann vorliegt, wenn die Ableitbarkeit Γψ(n) gilt.

Wenn n eine gerade natürliche Zahl ist, so ist

n=1++1=(1++1)+(1++1)=n2+n2,

wobei wir die n Einsen in zwei gleichgroße Hälften aufgeteilt haben. Da in Γ die Assoziativität und Kommutativität ableitbar ist (was auch der Grund dafür ist, dass wir in der Darstellung von n als Summe von 1 keine Klammerung festlegen müssen), ist auch

Γn=n2+n2,

wobei n und n2 Abkürzungen für Einsersummen sind. Aufgrund der Existenzeinführung im Sukzedens ist

Γn=n2+n2y(n=y+y)

und mit Modus ponens auch

Γy(n=y+y),

also

Γψ(n).

Wenn n ungerade ist, so ist definitiv nicht

Γψ(n),

da wegen ΓPA dies auch in gelten würde, was aber nicht der Fall ist.

Es liegt aber keine starke Repräsentierbarkeit vor. In diesem Fall würde nämlich für n ungerade die Ableitbarkeit

Γ¬ψ(n)

gelten. Dies würde dann in jedem Modell, das Γ erfüllt, gelten. Da die Gültigkeit von Γ nur bedeutet, dass ein kommutatives Monoid vorliegt, ist beispielsweise auch (,0,+) ein Modell für Γ. Innerhalb der rationalen Zahlen besitzt aber jede Zahl eine Hälfte.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei Γ eine arithmetische Ausdrucksmenge und α ein einstelliges Prädikat mit

Γα(n)

für alle n. Zeige, dass es einen Satz q mit

Γα(GN(q))q

gibt.


Lösung

Es sei q eine in der arithmetischen Sprache formulierbare prädikatenlogische Tautologie ohne freie Variable, beispielsweise 0=0. Dann ist insbesondere Γq und nach Voraussetzung ist auch Γα(GN(q)). Also ist auch Γα(GN(q))q.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise das Unvollständigkeitslemma.


Lösung

Aus der Repräsentierbarkeit von Γ folgt, dass es einen arithmetischen Ausdruck in einer freien Variablen gibt, sagen wir a(x), mit der Eigenschaft, dass

Γs

genau dann gilt, wenn

Γa(GN(s))

gilt. Wir betrachten die Negation  β=¬a.  Nach Satz 22.8 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) gibt es für β einen Fixpunkt, also einen Satz q mit

Γqβ(GN(q))

bzw.

Γq¬a(GN(q)).

Sowohl aus Γq als auch aus Γ¬q ergibt sich dann direkt ein ableitbarer Widerspruch, was der Widerspruchsfreiheit des Systems widerspricht.