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Kurs:Körper- und Galoistheorie/9/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
Punkte 3 3 0 0 6 1 3 3 3 0 7 0 7 0 0 4 2 2 3 47




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine quadratische Körpererweiterung.
  2. Ein Integritätsbereich.
  3. Die formale Ableitung eines Polynoms FK[X].
  4. Der Exponent zu einer endlichen Gruppe G.
  5. Eine einfache Körpererweiterung  KL
  6. Der Fixkörper zu einer Untergruppe H der Automorphismengruppe eines Körpers L.


Lösung

  1. Eine Körpererweiterung  KL  vom Grad zwei heißt eine quadratische Körpererweiterung.
  2. Ein kommutativer, nullteilerfreier, von null verschiedener Ring heißt Integritätsbereich.
  3. Zu einem Polynom  F=i=0naiXiK[X]  heißt das Polynom
    F=nanXn1+(n1)an1Xn2++3a3X2+2a2X+a1

    die formale Ableitung von F.

  4. Der Exponent exp(G) von G ist die kleinste positive Zahl n mit der Eigenschaft, dass xn=1 für alle xG ist.
  5. Die Körpererweiterung  KL  heißt einfach, wenn es ein Element  xL  mit
    L=K(x)

    gibt.

  6. Der Fixkörper zu H ist
    Fix(H)={xLφ(x)=x für alle φH}.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Zerlegungssatz für Polynome FK[X] über einem Körper K.
  2. Der Satz über die Charakterisierung von separablen Polynomen.
  3. Der Satz über die Wohldefiniertheit des Transzendenzgrades.


Lösung

  1. Es sei  F0.  Dann gibt es eine (bis auf die Reihenfolge der Faktoren) eindeutige Produktdarstellung
    F=aF1Fr

    mit aK× und irreduziblen normierten Polynomen

    Fi, i=1,,r.
  2. Es sei K ein Körper und sei PK[X] ein Polynom. Dann sind die folgenden Aussagen äquivalent.
    1. P ist separabel.
    2. Es gibt eine Körpererweiterung  KL  derart, dass P über L in einfache Linearfaktoren zerfällt.
    3. P und die Ableitung P sind teilerfremd.
    4. P und die Ableitung P erzeugen das Einheitsideal.
  3. Es sei K ein Grundkörper und  KL  eine Körpererweiterung mit einer endlichen Transzendenzbasis. Dann besitzt jede Transzendenzbasis von L über K gleich viele Elemente.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (6 Punkte)

Beweise die „Gradformel“ für eine Kette von endlichen Körpererweiterungen KLM.


Lösung

Wir setzen gradKL=n und gradLM=m. Es sei  x1,,xnL  eine K-Basis von L und  y1,,ymM  eine L-Basis von M. Wir behaupten, dass die Produkte

xiyj,1in,1jm,

eine K-Basis von M bilden. Wir zeigen zuerst, dass diese Produkte den Vektorraum M über K erzeugen. Es sei dazu  zM.  Wir schreiben

z=b1y1++bmym mit Koeffizienten bjL.

Wir können jedes bj als bj=a1jx1++anjxn mit Koeffizienten aijK ausdrücken. Das ergibt

z=b1y1++bmym=(a11x1++an1xn)y1++(a1mx1++anmxn)ym=1in,1jmaijxiyj.

Daher ist z eine K-Linearkombination der Produkte xiyj.
Um zu zeigen, dass diese Produkte linear unabhängig sind, sei

0=1in,1jmcijxiyj

mit  cijK  angenommen. Wir schreiben dies als  0=j=1m(i=1ncijxi)yj.  Da die yj linear unabhängig über L sind und die Koeffizienten der yj zu L gehören, folgt, dass  i=1ncijxi=0  ist für jedes j. Da die xi linear unabhängig über K sind und die  cijK  sind, folgt  cij=0  für alle i,j.


Aufgabe (1 Punkt)

Es sei G eine Gruppe und sei HZ eine Untergruppe des Zentrums von G. Zeige, dass H ein Normalteiler in G ist.


Lösung

Es sei xG und xH die Linksnebenklasse von x. Ein Element daraus hat die Form xh mit

hHZ

und daher ist

xh=hxHx.

D.h. die Linksnebenklassen stimmen mit den Rechtsnebenklassen überein.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme in [X]/(X37) das Inverse von 3x+4 (x bezeichnet die Restklasse von X).


Lösung

Wir machen Division mit Rest von X37 durch 3X+4. Das ergibt

X37=(3X+4)(13X249X+1627)25327.

Also ist

(3x+4)(13x249x+1627)=25327modX37

und daher ist das Inverse von 3x+4 gegeben durch

27253(13x249x+1627)=9253x212253x+16253.


Aufgabe (3 Punkte)

Das Polynom  F=X33X+1[X]  ist irreduzibel und definiert daher eine Körpererweiterung

[X]/(X33X+1)=:L

vom Grad 3. Die Restklasse von X in L sei mit α bezeichnet. Zeige, dass auch die Elemente aus L

β=α22

und

γ=α2α+2

Nullstellen von F sind.


Lösung

Dies beruht unter Verwendung von

α3=3α1

auf den Rechnungen

β33β+1=(α22)33(α22)+1=α66α4+12α283α2+6+1=α66α4+9α21=9α26α+16α(3α1)+9α21=0

und

γ33γ+1=(α2+α2)3+3(α2+α2)+1=α63α5+3α4+11α36α212α+8+3α2+3α6+1=(3α1)23α2(3α1)+3α(3α1)+11(3α1)3α29α+3=9α2+6α9(3α1)+3α2+9α23α+33α113α29α+2=9α2+6α27α+9+3α2+9α23α+33α113α29α+2=0.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei p eine Primzahl,  q=pe  mit  e1  und sei 𝔽q der Körper mit q Elementen und  R=𝔽q[X]  der Polynomring darüber. Zeige, dass jeder Restklassenring R/𝔞 zu einem Ideal  𝔞0  endlich ist.


Lösung

Sei  𝔞0  ein Ideal. Der Polynomring über einem Körper ist ein Hauptidealbereich, daher ist  𝔞=(P)  mit einem Polynom  P0.  Man kann annehmen, dass P normiert ist, dass also der Leitkoeffizient 1 ist. Dann ist

R/𝔞=R/(P)=𝔽q[X]/(Xn+an1Xn1++a1X+a0).

Dies bedeutet, dass man im Restklassenring die Potenz Xn< durch kleinere Potenzen ausdrücken kann. Iterativ kann man dann überhaupt jede Potenz Xk durch Polynome vom Grad n1 ausdrücken, d.h. die Potenzen X0,X1,,Xn1 bilden ein 𝔽q-Erzeugendensystem (sogar eine Basis) dieser 𝔽q-Algebra. Damit liegt ein endlichdimensionaler Vektorraum über einem endlichen Körper vor, und dieser hat nur endlich viele Elemente.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (7 (3+1+3) Punkte)

Es sei  ϵ=1+3i2  die dritte komplexe Einheitswurzel. Wir betrachten die Körpererweiterung

[ϵ73]=L.


a) Bestimme das Minimalpolynom von ϵ73.


b) Zeige, dass der Grad der Körpererweiterung  L  gleich 3 ist.


c) Zeige, dass die komplexe Konjugation nicht L in L überführt.


Lösung


a) Es ist

(ϵ73)3=ϵ37=7.

Daher annulliert X37 das Element. Als Minimalpolynom kommt nur ein Teiler (mit rationalen Koeffizienten) dieses Polynoms in Frage. Die andern komplexen Nullstellen dieses Polynoms sind 73 und ϵ273. Die Faktorzerlegung dieses Polynoms über ist daher

X37=(X73)(Xϵ73)(Xϵ273).

Die echten Teiler des Polynoms, die den mittleren Linearfaktor als Faktor enthalten, sind

(X73)(Xϵ73)=X2(1+ϵ)73X+ϵ723

und

(Xϵ73)(Xϵ273)=X2(ϵ+ϵ2)73X+723=X2+73X+723,

die beide keine rationalen Koeffizienten besitzen. Also ist X37 das Minimalpolynom.


b) Der Grad der Körpererweiterung ist 3, da nach Satz 7.11 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) die Isomorphie

[ϵ73][X]/(X37)

gilt und somit der Grad 3 vorliegt.


c) Die konjugiert-komplexe Zahl zu ϵ ist ϵ2 und somit ist die konjugiert-komplexe Zahl von ϵ73 gleich ϵ273. Wir behaupten, dass diese Zahl nicht zu L gehört. Nehmen wir an, sie würde doch dazugehören. Dann ist auch

ϵ73+ϵ273=(ϵ+ϵ2)73=73L

und somit würde auch  73L  gelten. Es ist aber

L=,

da der Durchschnitt ein Zwischenkörper ist, dessen Grad ein Teiler des Gesamtgrades sein muss. Wegen  ϵ73  ist aber der Grad 3 ausgeschlossen und der Grad muss 1 sein. Dies ist ein Widerspruch, da 73 reell, aber nicht rational ist.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (7 Punkte)

Beweise den Satz von Artin über Fixkörper.


Lösung

 Nehmen wir an, dass  #(H)<gradKL  ist. Wir können annehmen, dass L endlich über K ist, da wir L durch einen (über K endlichen) Zwischenkörper der Form K[φ(xi),φH,i=1,,n] mit beliebig hohem Grad ersetzen können. Nach Lemma 16.4 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) ist die Körpererweiterung separabel und nach dem Satz vom primitiven Element kann man  L=K[x]  schreiben. Dabei ist der Grad des Minimalpolynoms von x gleich dem Grad der Körpererweiterung, sodass sich ein Widerspruch zu Lemma 16.4 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) ergibt. Also ist  KL  eine endliche Körpererweiterung mit  #(H)gradKL.  Nach Satz 14.7 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) muss hierbei Gleichheit gelten. Die Inklusion  HGal(L/K)  ist trivial. Da H nach Satz 14.7 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) schon die maximal mögliche Anzahl von K-Automorphismen enthält, gilt hier Gleichheit.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (4 Punkte)

Man gebe ein irreduzibles Polynom F[X] vom Grad 4 an, das in genau zwei reelle Nullstellen hat und dessen Galoisgruppe nicht die S4 ist.


Lösung

Wir betrachten das Polynom

F=X42,

das nach dem Lemma von Eisenstein irreduzibel ist. Es ist

X42=(X22)(X2+2)=(X24)(X+24)(Xi24)(X+i24),

woraus ersichtlich ist, dass es genau zwei reelle Nullstellen gibt. Wir betrachten die Körperkette

[i][i,24]=:L.

Dabei ist L der Zerfällungskörper des Polynoms, da L die vier Nullstellen enthält. Die Grade in der Körperkette sind aber 2 und 4, sodass die Gesamterweiterung den Grad 8 besitzt. Die S4 hat aber 24 Elemente.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei

z2+pz+q=0

eine quadratische Gleichung mit  p,q.  Zeige, dass die Koordinaten der Schnittpunkte der Geraden

x+y=p

und des Kreises

x2+y2=p22q

die Lösungen der quadratischen Gleichung sind.


Lösung

Es sei (x,y) ein Schnittpunkt der Geraden und des Kreises. Dann ist

xy=(x+y)2x2y22=(p)2(p22q)2=q.

Nach dem Satz von Vieta (genauer der Umkehrung) sind x und y die Lösungen der quadratischen Gleichung.


Aufgabe (2 Punkte)

Ist die Zahl 21024 konstruierbar?


Lösung

Wegen  1024=210  geht es um die Zahl, die entsteht, wenn man aus der 2 zehnmal sukzessive die Quadratwurzel zieht. Diese Zahl ist nach Lemma 24.10 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) konstruierbar.


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige, dass die Winkeldreiteilung mit Zirkel und Lineal im Allgemeinen nicht möglich ist.


Lösung

Es genügt, einen (konstruierbaren) Winkel α derart anzugeben, dass α/3 nicht konstruierbar ist. Wir betrachten  α=120,  welcher konstruierbar ist, da die dritten Einheitswurzeln konstruierbar sind, weil sie nämlich in einer quadratischen Körpererweiterung von liegen. Dagegen ist der Winkel  α/3=120/3=40  nicht konstruierbar, da andernfalls das regelmäßige 9-Eck konstruierbar wäre, was nach Korollar 27.4 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) aber nicht der Fall ist.