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Kurs:Lineare Algebra/Teil I/18/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Punkte 3 3 2 3 4 5 10 4 3 5 3 3 5 8 3 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Die Assoziativität einer Verknüpfung
    :M×MM,(x,y)xy.
  2. Der Kern einer linearen Abbildung
    φ:VW

    zwischen zwei K-Vektorräumen V und W.

  3. Der Homomorphismenraum HomK(V,W) zu K-Vektorräumen V und W.
  4. Das von den Elementen a1,a2,,anR in einem kommutativen Ring R erzeugte Ideal.
  5. Eine alternierende Abbildung
    Φ:Vn=V××Vn-malW,

    wobei V und W Vektorräume über K sind.

  6. Die algebraische Vielfachheit von einem Eigenwert λ zu einer linearen Abbildung
    φ:VV

    auf einem endlichdimensionalen K-Vektorraum V.


Lösung

  1. Eine Verknüpfung
    :M×MM,(x,y)xy,

    heißt assoziativ, wenn für alle x,y,zM die Gleichheit

    (xy)z=x(yz)

    gilt.

  2. Man nennt
    kernφ:={vVφ(v)=0}

    den Kern von φ.

  3. Unter dem Homomorphismenraum versteht man
    HomK(V,W)={f:VWf lineare Abbildung},

    versehen mit der Addition, die durch

    (f+g)(v):=f(v)+g(v)

    definiert wird, und der Skalarmultiplikation, die durch

    (λf)(v):=λf(v)

    definiert wird.

  4. Zu einer Familie von Elementen a1,a2,,anR in einem kommutativen Ring R bezeichnet (a1,a2,,an) das von diesen Elementen erzeugte Ideal. Es besteht aus allen Linearkombinationen
    r1a1+r2a2++rnan,

    wobei r1,r2,,rnR sind.

  5. Die Abbildung
    Φ:Vn=V××Vn-malW

    heißt alternierend, wenn Φ multilinear ist und wenn Folgendes gilt: falls in v=(v1,,vn) zwei Einträge übereinstimmen, also vi=vj für ein Paar ij, so ist

    Φ(v)=0.
  6. Den Exponenten des linearen Polynoms Xλ im charakteristischen Polynom χφ nennt man die algebraische Vielfachheit von λ.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über das direkte Komplement in einem endlichdimensionalen K-Vektorraum V.
  2. Der Satz über die Dualbasis.
  3. Der Satz über die Beziehung zwischen geometrischer und algebraischer Vielfachheit zu einer linearen Abbildung
    φ:VV
    auf einem endlichdimensionalen K-Vektorraum V.


Lösung

  1. Zu einem Untervektorraum UV gibt es einen Untervektorraum WV derart, dass eine direkte Summenzerlegung
    V=UW
    vorliegt.
  2. Es sei V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum mit einer Basis v1,,vn. Dann bildet die Dualbasis
    v1,,vnV
    eine Basis des Dualraums.
  3. Es sei λK. Dann besteht zwischen der geometrischen und der algebraischen Vielfachheit die Beziehung
    dimK(Eigλ(φ))μλ(φ).


Aufgabe (2 Punkte)

Heinz Ngolo und Mustafa Müller wollen wissen, wie viele Kaulquappen sich im Teich im Wald befinden. Der Teich ist einen Meter tief und ist quadratisch mit einer Seitenlänge von zehn Metern, die Kaulquappen sind darin gleichmäßig verteilt. Heinz hat eine Teekanne dabei, in die ein halber Liter Wasser hineinpasst. Sie trinken den Tee leer und füllen die Kanne mit Teichwasser. Sie zählen, dass in der Kanne genau 23 Kaulquappen sind und schütten alles zurück. Wie viele Kaulquappen befinden sich im Teich?


Lösung

Der Teich enthält 100 Kubikmeter Wasser. In einen Kubikmeter passen 1000 Liter und somit der Inhalt von 2000 Teekannen. In den Teich passen also

10010002=200000

Teekannen. Somit befinden sich im Teich ca.

20000023=4600000

Kaulquappen.


Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)

Die Funktionen

f,g,h:

seien durch

f(x)=x3+x,
g(y)=y21

und

h(z)=3z+4

gegeben.

  1. Berechne gf.
  2. Berechne hg.
  3. Berechne hgf auf zwei unterschiedliche Arten.


Lösung

  1. Es ist
    (gf)(x)=g(f(x))=(f(x))21=(x3+x)21=x6+2x4+x21.
  2. Es ist
    (hg)(y)=h(g(y))=3(g(y))+4=3(y21)+4=3y23+4=3y2+1.
  3. Es ist einerseits
    (hgf)(x)=h((gf)(x))=h(x6+2x4+x21)=3(x6+2x4+x21)+4=3x6+6x4+3x23+4=3x6+6x4+3x2+1
    und andererseits
    (hgf)(x)=(hg)(f(x))=3(f(x))2+1=3(x3+x)2+1=3(x6+2x4+x2)+1=3x6+6x4+3x2+1.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Satz über die Existenz von Basen in einem endlich erzeugten K-Vektorraum V.


Lösung

Es sei vi, iI, ein Erzeugendensystem von V mit einer endlichen Indexmenge I. Wir wollen mit der Charakterisierung aus Satz 7.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025))  (2) argumentieren. Falls die Familie schon minimal ist, so liegt eine Basis vor. Andernfalls gibt es ein  kI  derart, dass die um vk reduzierte Familie, also vi, iI{k}, ebenfalls ein Erzeugendensystem ist. In diesem Fall kann man mit der kleineren Indexmenge weiterargumentieren.
Mit diesem Verfahren gelangt man letztlich zu einer Teilmenge  JI  derart, dass vi, iJ, ein minimales Erzeugendensystem, also eine Basis ist.


Aufgabe (5 (1+1+1+1+1) Punkte)

Es sei  𝔳=v1,,vn  eine Basis eines K-Vektorraumes V. Es seien  a1,,anK  von 0 verschiedene Elemente.

a) Zeige, dass  𝔴=a1v1,a2v2,a3v3,,anwn  ebenfalls eine Basis von V ist.

b) Bestimme die Übergangsmatrix M𝔳𝔴.

c) Bestimme die Übergangsmatrix M𝔴𝔳.

d) Berechne die Koordinaten bezüglich der Basis 𝔳 für denjenigen Vektor, der bezüglich der Basis 𝔴 die Koordinaten (123n) besitzt.

e) Berechne die Koordinaten bezüglich der Basis 𝔴 für denjenigen Vektor, der bezüglich der Basis 𝔳 die Koordinaten (12222n) besitzt.


Lösung

a) Es ist

vi=ai1wi

für alle i=1,,n. Daher ist w1,,wn ebenfalls ein Erzeugendensystem von V und somit eine Basis, da die Dimension n ist und n Vektoren vorliegen.

b) In den Spalten von M𝔳𝔴 müssen die Koordinaten der Vektoren wj bezüglich der Basis vi stehen, also ist

M𝔳𝔴=(a1000000an).

c) Es ist

M𝔴𝔳=(a11000000an1).

d) Die Koordinaten ergeben sich aus

M𝔳𝔴(12n)=(a1000000an)(12n)=(a12a2nan).

e) Die Koordinaten ergeben sich aus

M𝔴𝔳(122n)=(a11000000an1)(122n)=(a12a12nan1).


Aufgabe weiter

Es sei n+ und es sei M der reelle Vektorraum aller n×n-Matrizen.

a) Zeige, dass die Menge S der symmetrischen n×n-Matrizen ein Untervektorraum von M ist.

b) Bestimme die Dimension von S.

c) Zeige, dass die Menge A der antisymmetrischen n×n-Matrizen ein Untervektorraum von M ist.

d) Bestimme die Dimension von A.

e) Schreibe die Matrix

(3612)

als Summe einer symmetrischen und einer antisymmetrischen Matrix.

f) Zeige, dass M die direkte Summe aus S und A ist.


Lösung

a) Die Nullmatrix ist symmetrisch und antisymmetrisch. Für zwei symmetrische Matrizen T1=(aij)ij und T2=(bij)ij und Skalare r,s ist

rT1+sT2=(raij+sbij)ij

offenbar wieder symmetrisch, daher liegt eine Untervektorraum vor.

b) Alle Diagonalmatrizen sind symmetrisch und die Diagonalmatrizen Di, für die der i-te Diagonaleintrag eine 1 ist und für die alle anderen Einträge 0 sind, bilden eine Basis davon. Ferner sind für i>j die Matrizen Eij, für die

aij=aji=1

und alle übrigen Einträge 0 sind, ebenfalls symmetrisch. Diese bilden eine Basis aller symmetrischen Matrizen, wie man sieht, wenn man von allen Matrizen die oberen Dreiecksausschnitte betrachtet. Die Dimension dieses Raumes ist somit

n+1+2++n1=n(n+1)2.

c) Für eine Linearkombination zweier antisymmetrischer Matrizen wie in a) ist der Eintrag cij gleich

raij+sbij=

und der Eintrag cji gleich

cji=raji+sbji=r(aij)+s(bij)=(raij+sbij)=cij,

daher ergibt dies wieder antisymmetrische Matrizen.

d) Wegen

aii=aii

müssen die Diagonaleinträge von antisymmetrischen Matrizen gleich 0 sein. Für i>j legt der Eintrag aij den Eintrag aji fest. Für i>j seien Fij die antisymmetrischen Matrizen mit  aij=1  und  aji=1,  wobei alle übrigen Einträge gleich 0 seien. Diese bilden eine Basis des Raumes aller antisymmetrischen Matrizen, dessen Dimension somit n(n1)2 ist.

e) Es ist

(3612)=(372722)+(052520).

f) Es sei T eine sowohl symmetrische als auch antisymmetrische Matrix. Dann ist direkt

aij=aji=aij

und daher ist

aij=0.

Es liegt also die Nullmatrix vor und somit ist

SA=0.

Wegen

n(n+1)2+n(n1)2=n2

ist die Summe der Dimensionen der beiden Unterräume gleich der Dimension des Matrizenraumes, daher liegt eine direkte Summenzerlegung

M=SA

vor.


Aufgabe (4 (2+2) Punkte)

Wir betrachten die lineare Abbildung φ:22, die durch die Matrix (2534) gegeben ist.

  1. Bestimme das Bild der durch die Gleichung
    3x7y=0

    gegebenen Geraden.

  2. Bestimme das Urbild der durch die Gleichung
    4x3y=0

    gegebenen Geraden.


Lösung

  1. Die Gerade kann man auch als
    (73)={t(73)t}

    auffassen. Das Bild des erzeugenden Vektors ist

    (2534)(73)=(2933).

    Alle Vielfache von (73) werden auf Vielfache von (2933) abgebildet, somit ist die Bildgerade gleich

    (2933).
  2. Wir schreiben die Koordinaten des ersten Raumes als (x,y) und die Koordinaten den zweiten Raumes als (u,v). Aus der Beziehung
    (uv)=(2534)(xy)

    ergibt sich

    4u3v=4(2x+5y)3(3x+4y)=x+8y.

    Somit wird die Urbildgerade durch die Gleichung

    x+8y=0

    beschrieben.


Aufgabe (3 Punkte)

Man gebe ein Beispiel für einen K-Vektorraum V und eine lineare Abbildung φ:VV, die injektiv, aber nicht surjektiv ist.


Lösung

Wir betrachten den Vektorraum K() mit der Basis en, n. Wir betrachten die durch den Festlegungssatz gegebene lineare Abbildung, die das Basiselement en auf en+1 schickt. Dann wird e0 nicht getroffen und die Abbildung ist daher nicht surjektiv. Eine Linearkombination anen wird dabei auf anen+1 abgebildet, und dies ist nur dann 0, wenn alle Koeffizienten 0 sind. Somit ist nach dem Kernkriterium diese lineare Abbildung injektiv.


Aufgabe (5 Punkte)

Beweise die Cramersche Regel zur Lösung eines linearen Gleichungssystems.


Lösung

Für eine invertierbare Matrix M ergibt sich die Lösung für das lineare Gleichungssystem  Mx=c,  indem man M1 anwendet, d.h. es ist  x=M1c.  Unter Verwendung von Satz 17.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) bedeutet dies  x=1detM(Madj)c.  Für die j-te Komponente bedeutet dies

xj=1detM(k=1n(1)k+j(detMkj)ck).

Der rechte Faktor ist dabei die Entwicklung der Determinante der Matrix im Zähler nach der j-ten Spalte.


Aufgabe (3 Punkte)

Berechne das Ergebnis, wenn man im Polynom

X73X6+4X4+5X3+7X24X+5

die Variable X durch die 3×3-Matrix

(024001000)

ersetzt.


Lösung

Es ist

(024001000)2=(024001000)(024001000)=(002000000)

und

(024001000)3=(002000000)(024001000)=(000000000).

Dies gilt auch für die höheren Potenzen. Daher ergibt die Einsetzung

7(024001000)24(024001000)+5(100010001)=7(002000000)4(024001000)+5(100010001)=(582054005).


Aufgabe (3 Punkte)

Führe in /(7)[X] die Division mit RestP durch T“ für die beiden Polynome P=2X3+4X2+5 und T=3X2+X+1 durch.


Lösung

Es ist

2X3+4X2+5=(3X2+X+1)(3X+5)+6X.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei χφ[X] das charakteristische Polynom zu einer linearen Abbildung

φ:VV

auf einem reellen Vektorraum V endlicher Dimension. Kann man daraus das charakteristische Polynom zu den Hintereinanderschaltungen φn bestimmen?


Lösung

Es sei M eine beschreibende Matrix. Diese können wir auch über den komplexen Zahlen auffassen, dadurch ändert sich weder das charakteristische Polynom noch die Matrizenmultiplikation. Wir können also über arbeiten. Über ist die Matrix trigonalisierbar, d.h. es gibt eine Basis, bezüglich der die beschreibende Matrix obere Dreiecksgestalt hat, sagen wir

(λ10λ200λd100λd).

Das charakteristische Polynom hat somit die Form

(Xλ1)(Xλd).

Die n-te Potenz dieser Matrix hat die Form

(λ1n0λ2n00λd1n00λdn).

Daher ist deren charakteristisches Polynom gleich

(Xλ1n)(Xλdn).

Das charakteristische Polynom der Potenzen hängt also nur vom charakteristischen Polynom der Ausgangsmatrix ab.


Aufgabe (8 Punkte)

Beweise den Satz über die Dimension der Haupträume.


Lösung

Wir schreiben das charakteristische Polynom zu φ als

χφ=(Xλ)kQ,

wobei (Xλ) in Q nicht als Linerarfaktor vorkommt, d.h. k ist die algebraische Vielfachheit von λ. Dann sind P=(Xλ)k und Q teilerfremd und nach Lemma 26.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist dann

V=kernP(φ)kernQ(φ)

und

P(φ)=(φλId)k:kernQ(φ)kernQ(φ)

ist eine Bijektion. Es ist ferner

H:=Hauptλ(φ)=kernP(φ),

wobei die Inklusion klar ist und die andere Inklusion sich daraus ergibt, dass höhere Potenzen von φλId wegen der eben erwähnten Bijektivität auf kernQ(φ) keine weiteren Elemente annullieren. Für das charakteristische Polynom gilt wegen der direkten Summenzerlegung nach Lemma 23.7 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) die Beziehung

χφ=χ1χ2,

wobei χ1 das charakteristische Polynom zu φ|H und χ2 das charakteristische Polynom zu φ|kernQ(φ) ist. Da (φλId)k auf H die Nullabbildung ist, ist das Minimalpolynom zu φ|H und damit auch das charakteristische Polynom χ1 eine Potenz von (Xλ), sagen wir

χ1=(Xλ)d,

wobei

d=dimK(H)

sei. Insbesondere ist somit  dk,  da χ1 ein Teiler von χφ ist. Bei  d<k  müsste λ eine Nullstelle von χ2 sein und λ wäre ein Eigenwert von φ|kernQ(φ). Dies ist aber ein Widerspruch dazu, dass P(φ) auf diesem Raum eine Bijektion ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Beschreibe die affine Gerade

G={(124)+s(542)s}

als Urbild über (1,2) einer affinen Abbildung ψ:32.


Lösung

Der Richtungsvektor (542) gehört jeweils zum Kern der beiden linear unabhängigen Linearformen (4,5,0) und (0,1,2). Daher machen wir den Ansatz

ψ(xyz)=(4x5y+ay2z+b).

Für den Aufpunkt (124) ergibt sich die Bedingung

ψ(124)=(14+a10+b)=(12),

also ist  a=13  und  b=12.  Somit ist

ψ(xyz)=(4x5y13y2z+12)

die gesuchte Abbildung.