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Kurs:Mathematik für Anwender/Teil I/11/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
Punkte 3 3 2 4 2 3 4 3 4 5 5 3 3 3 5 4 4 1 3 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine Abbildung F von einer Menge L in eine Menge M.
  2. Die Konvergenz einer reellen Folge (xn)n gegen x.
  3. Die Differenzierbarkeit einer Abbildung
    f:
    in einem Punkt

     a

  4. Die Riemann-Integrierbarkeit einer Funktion
    f:I

    auf einem kompakten Intervall I.

  5. Eine lineare Abbildung
    φ:VW

    zwischen den K-Vektorräumen V und W.

  6. Eine invertierbare n×n-Matrix M über einem Körper K.


Lösung

  1. Eine Abbildung F von L nach M ist dadurch gegeben, dass jedem Element der Menge L genau ein Element der Menge M zugeordnet wird.
  2. Die Konvergenz gegen x bedeutet, dass es zu jedem reellen ϵ>0 ein n0 derart gibt, dass für alle nn0 die Abschätzung
    |xxn|ϵ

    gilt.

  3. Die Funktion f heißt differenzierbar in a, wenn der Limes
    limx{a},xaf(x)f(a)xa

    existiert.

  4. Die Funktion f heißt Riemann-integrierbar auf I, wenn Ober- und Unterintegral von f existieren und übereinstimmen.
  5. Eine Abbildung
    φ:VW

    heißt lineare Abbildung, wenn die beiden folgenden Eigenschaften erfüllt sind.

    1. φ(u+v)=φ(u)+φ(v) für alle u,vV.
    2. φ(sv)=sφ(v) für alle sK und vV.
  6. Die Matrix M heißt invertierbar, wenn es eine Matrix AMatn(K) mit
    AM=En=MA

    gibt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Interpolation durch Polynome.
  2. Der Zwischenwertsatz.
  3. Das Injektivitätskriterium für eine lineare Abbildung.


Lösung

  1. Es sei K ein Körper und es seien n verschiedene Elemente a1,,anK und n Elemente b1,,bnK gegeben. Dann gibt es ein Polynom PK[X] vom Grad n1 derart, dass P(ai)=bi für alle i ist.
  2. Es seien ab reelle Zahlen und sei f:[a,b] eine stetige Funktion. Es sei y eine reelle Zahl zwischen f(a) und f(b). Dann gibt es ein x[a,b] mit f(x)=y.
  3. Es sei K ein Körper, V und W seien K-Vektorräume und
    φ:VW
    sei eine K-lineare Abbildung. Dann ist φ injektiv genau dann, wenn kernφ=0 ist.


Aufgabe (2 (1+1) Punkte)

Im Pokal spielt Bayern München gegen den TSV Wildberg. Der Trainer vom TSV Wildberg, Herr Tor Acker, sagt „Wir haben in dem Spiel nichts zu verlieren“. Die Logiklehrerin von Wildberg, Frau Loki Schummele, sagt „Wenn die Wildberger in dem Spiel nichts zu verlieren haben, dann haben auch die Münchner in dem Spiel nichts zu gewinnen“. Der Trainer von Bayern München, Herr Roland Rollrasen, sagt „Wir haben in dem Spiel etwas zu gewinnen“.

  1. Ist die Aussage von Frau Schummele logisch korrekt?
  2. Es sei vorausgesetzt, dass die Aussage des Bayerntrainers wahr ist. Welche Folgerung kann man dann für die Aussage von Herrn Acker ziehen?


Lösung

  1. Die Aussage ist logisch korrekt.
  2. Die Kontraposition der korrekten Aussage aus Teil (1) ist: Wenn die Münchner in dem Spiel etwas zu gewinnen haben, dann haben die Wildberger in dem Spiel etwas zu verlieren. Da der Vordersatz, der die Aussage des Bayerntrainers ist, vorausgesetzt werden soll, so folgt mit Modus ponens, dass die Wildberger in dem Spiel etwas zu verlieren haben. Dies steht im Widerspruch zur Aussage des Trainers von Wildberg, seine Aussage ist also falsch.


Aufgabe (4 Punkte)

Zeige, dass für jede ungerade Zahl n die Zahl 25n217 ein Vielfaches von 8 ist.


Lösung

Eine ungerade Zahl n besitzt die Form n=2k+1 mit einer ganzen Zahl k. Somit ist

25n217=25(2k+1)217=25(4k2+4k+1)17=254k(k+1)+2517=254k(k+1)+8.

Die 8 hinten ist ein Vielfaches von 8. Genau eine der beiden Zahlen k und k+1 ist gerade, also von der Form 2m. Daher ist 4k(k+1) ein Vielfaches von 8 und somit ist die gesamte Zahl ein Vielfaches von 8.


Aufgabe (2 Punkte)

Löse die lineare Gleichung

(2+5i)z=(37i)

über und berechne den Betrag der Lösung.


Lösung

Es ist

z=(37i)(2+5i)1=(37i)(25i)29=63514i15i29=2929i29=1i.

Der Betrag ist

|1i|=2.


Aufgabe (3 Punkte)

Berechne die Summe

n=3(25)n.


Lösung

Mit der Formel für die geometrische Reihe ist

n=0(25)n=1125=552=53.

Ferner ist

n=02(25)n=1+25+(25)2=25+10+425=3925.

Also ist insgesamt

n=3(25)n=533925=12511775=875.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise das Quotientenkriterium für Reihen.


Lösung

Die Konvergenz ändert sich nicht, wenn man endlich viele Glieder ändert. Daher können wir  k0=0  annehmen. Ferner können wir annehmen, dass alle ak positive reelle Zahlen sind. Es ist

ak=akak1ak1ak2a1a0a0a0qk.

Somit folgt die Konvergenz aus dem Majorantenkriterium und der Konvergenz der geometrischen Reihe.


Aufgabe (3 Punkte)

Wir betrachten die Funktion

f:,xx33x+1.

Bestimme, ausgehend vom Intervall [0,1], mit der Intervallhalbierungsmethode ein Intervall der Länge 1/8, in dem eine Nullstelle von f liegen muss.


Lösung

Wegen  f(0)=1  und  f(1)=1  muss nach dem Zwischenwertsatz im Intervall [0,1] eine Nullstelle von f liegen.

Die Intervallmitte ist 12, dort hat f den Wert

f(12)=(12)33(12)+1=112+88=38.

Dies ist negativ, also muss eine Nullstelle im Intervall [0,12] liegen.

Die Intervallmitte von diesem Intervall ist 14, dort hat f den Wert

f(14)=(14)33(14)+1=148+6464=1764.
Dies ist positiv, also muss eine Nullstelle im Intervall [14,12] liegen.

Die Intervallmitte von diesem Intervall ist 38, dort hat f den Wert

f(38)=(38)33(38)+1=27576+512512=37512.

Dies ist negativ, also muss eine Nullstelle im Intervall [14,38]=[28,38] liegen. Die Länge dieses Intervalls ist 18.


Aufgabe (4 (2+2) Punkte)

Es seien die beiden Polynome

P=X2+3X5 und Q=X24X+7

gegeben.

a) Berechne P(Q) (es soll also Q in P eingesetzt werden).

b) Berechne die Ableitung von P(Q) direkt und mithilfe der Kettenregel.


Lösung

a) Es ist

P(Q)=(X24X+7)2+3(X24X+7)5=X4+16X2+498X3+14X256X+3X212X+215=X48X3+33X268X+65.

b) Die Ableitung von P(Q) ist

(X48X3+33X268X+65)=4X324X2+66X68.

Es ist P=2X+3 und

P(Q)=2(X24X+7)+3=2X28X+17.

Nach der Kettenregel ist daher

(P(Q))=P(Q)Q=(2X28X+17)(2X4)=4X38X216X2+32X+34X68=4X324X2+66X68.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei

f(x)=ax

eine Exponentialfunktion mit  a1.  Zu jedem  x  definiert die Gerade durch die beiden Punkte (x,f(x)) und (x+1,f(x+1)) einen Schnittpunkt mit der x-Achse, den wir mit s(x) bezeichnen. Zeige

s(x+1)=s(x)+1.

Skizziere die Situation.


Lösung

Aufgrund des Strahlensatzes muss die Beziehung

f(x)xs(x)=f(x+1)x+1s(x)

gelten. Wegen

f(x+1)=f(x)f(1)

folgt daraus

1xs(x)=f(1)x+1s(x).

Umstellen ergibt

f(1)(xs(x))=x+1s(x)

und

x(f(1)1)=1+s(x)(f(1)1)

und schließlich

s(x)=x1f(1)1.

Somit ist auch

s(x+1)=x+11f(1)1

und daher ist

s(x+1)s(x)=x+11f(1)1(x1f(1)1)=1.


Aufgabe (5 Punkte)

Es seien

g1,g2,,gn:{0}

differenzierbare Funktionen. Beweise durch Induktion über n die Beziehung

(1g1g2gn)=1g1g2gn(g1g1+g2g2++gngn).


Lösung

Für n=1 ist nach der Kettenregel

(1g1)=g1g12=1g1g1g1.

Zum Induktionsschluss sei die Aussage für n Funktionen schon bewiesen, und seien n+1 Funktionen gegeben. Dann ist aufgrund der Produktregel und der Induktionsvoraussetzung

(1g1g2gngn+1)=(1g1g2gn1gn+1)=(1g1g2gn)1gn+1+1g1g2gn(1gn+1)=1g1g2gn(g1g1+g2g2++gngn)1gn+1+1g1g2gn(1gn+1gn+1gn+1)=1g1g2gngn+1(g1g1+g2g2++gngn)1g1g2gngn+1gn+1gn+1=1g1g2gngn+1(g1g1+g2g2++gngn+gn+1gn+1).


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige, dass die Funktion  f(x)=x+sinx  streng wachsend ist.


Lösung

Die Ableitung von f ist

f(x)=1+cosx.

Wegen

1cosx1

ist  f(x)0,  und da der Kosinus nur bei reellen Zahlen der Form π+n2πn ) den Wert 1 besitzt, besitzt f nur dort eine Nullstelle. Nach Satz 15.17 (Mathematik für Anwender (Osnabrück 2020-2021))  (2) (angewendet auf ein beliebiges beschränktes Teilintervall) ist die Funktion streng wachsend.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme das Taylor-Polynom vom Grad 2 zur Funktion  f(x)=ex3  im Nullpunkt.


Lösung

Die relevanten Ableitungen sind

f(x)=3x2ex3

und

f(x)=6xex3+9x4ex3.

Daher ist  f(0)=1,   f(0)=0  und  f(0)=0.  Das Taylor-Polynom zu dieser Funktion im Nullpunkt ist daher das konstante Polynom 1.


Aufgabe (3 Punkte)

Berechne den Flächeninhalt der Fläche, die durch die beiden Graphen zu  f(x)=x2  und  g(x)=x  eingeschlossen wird.


Lösung

Für x zwischen 0 und 1 ist 0x2xx1 und für x1 ist x2x. Die eingeschlossene Fläche liegt also innerhalb des Einheitsquadrates. Daher ist der Flächeninhalt gleich dem bestimmten Integral der Wurzelfunktion von 0 bis 1 minus dem bestimmten Integral (in den gleichen Grenzen) zur Parabel. Daher ist der Flächeninhalt gleich

A=01xdx01x2dx=23x32|0113x3|01=2313=13.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei W ein n-dimensionaler K-Vektorraum (K ein Körper) und seien  U,VW  Untervektorräume der Dimension  dimK(U)=r  und  dimK(V)=s.  Es gelte  r+s>n.  Zeige, dass  UV0  ist.


Lösung

Es sei u1,,ur eine Basis von U und v1,,vs eine Basis von V. Wir betrachten die Familie der Vektoren

u1,,ur,v1,,vs.

Wegen  r+s>n  kann diese Familie nicht linear unabhängig sein, da es sonst einen (r+s)-dimensionalen Untervektorraum von W geben würde. Also gibt es Koeffizienten a1,,ar,b1,,bs, die nicht alle 0 sind, mit

a1u1++arur=b1v1++bsvs.

Dieser Vektor gehört zu UV. Er ist nicht 0, da andernfalls beidseitig alle Koeffizienten 0 sein müssten.


Aufgabe (4 Punkte)

Löse das inhomogene lineare Gleichungssystem

4x+2yz+2w=3x+y+2zw=1xz+3w=23x+3z2w=0.


Lösung

Wir eliminieren zuerst die Variable y, indem wir die zweite Gleichung zweimal von der ersten Gleichung abziehen . Dies führt auf

2x5z+4w=1xz+3w=23x+3z2w=0.

Nun eliminieren wir die Variable x, indem wir (bezogen auf das vorhergehende System) 2II+I und 3II+III ausrechnen. Dies führt auf

7z+10w=5+7w=6.

Es ergibt sich

7w=6

und

w=67.

Rückwärts gelesen ergibt sich

z=2549,
x=349

und

y=3849.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme die inverse Matrix zu

(240103011).


Lösung

(240103011) (100010001)
(240023011) (1001210001)
(2400230012) (100121014121)
(1200132001) (1200141201212)
(120010001) (120012131212)
(100010001) (322612131212)


Aufgabe (1 Punkt)

Was ist falsch an der folgenden Argumentation:

„Zu zwei quadratischen n×n-Matrizen M,N gilt für die charakteristischen Polynome die Beziehung

χMN=χMχN.

Nach Definition ist nämlich

χMN=det(XEnMN)=det(XEnM)det(XEnN)=χMχN,

wobei die mittlere Gleichung auf dem Determinantenmultiplikationssatz beruht“.


Lösung

Es ist

XEnMN(XEnM)(XEnN),

daher ist der Determinantenmultiplikationssatz nicht anwendbar.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und

φ:VV

eine lineare Abbildung und seien  λ1λ2  Elemente in K. Zeige, dass

Eigλ1(φ)Eigλ2(φ)=0

ist.


Lösung

Es sei  vEigλ1(φ)Eigλ2(φ).  Dann ist

λ1v=φ(v)=λ2v.

Also ist

(λ1λ2)v=0,

woraus wegen  λ1λ2  direkt  v=0  folgt.