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Kurs:Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 4



Die Restklassenringe ℤ/(n)



Satz  

Genau dann ist  a∈ℤ  eine Einheit modulo n (d.h. a repräsentiert eine Einheit in ℤ/(n)), wenn a und n teilerfremd sind.

Beweis  

Sind a und n teilerfremd, so gibt es nach Satz 26.8 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) eine Darstellung der 1, es gibt also ganze Zahlen r,s mit

ra+sn=1.

Betrachtet man diese Gleichung modulo n, so ergibt sich  ra=1  in ℤ/(n). Damit ist a eine Einheit mit dem inversen Element  a−1=r. 

Ist umgekehrt a eine Einheit in ℤ/(n), so gibt es ein  r∈ℤ/(n)  mit  ar=1  in ℤ/(n). Das bedeutet aber, dass ar−1 ein Vielfaches von n ist, sodass also

ar−1=sn

gilt. Dann ist aber wieder  ar−sn=1  und a und n sind teilerfremd.

◻



Korollar  

Es sei  n∈ℕ.  Der Restklassenring ℤ/(n) ist genau dann ein Körper,

wenn n eine Primzahl ist.

Beweis  

Die Zahl  n≥2  ist genau dann prim, wenn sie teilerfremd zu jeder Zahl a, 0<a<n, ist. Dies ist nach Satz 4.1 genau dann der Fall, wenn in ℤ/(n) jedes von 0 verschiedene Element eine Einheit ist.

◻




Zu einer natürlichen Zahl n bezeichnet φ(n) die Anzahl der Elemente von (ℤ/(n))×. Man nennt φ(n) die Eulersche Funktion.

Die Eulersche Funktion φ(n) gibt also für  n≥1  nach Satz 4.1 an, wie viele Zahlen r, 0≤r<n, zu n teilerfremd sind.




Satz  

Es sei n eine natürliche Zahl.

Dann gilt für jede zu n teilerfremde Zahl a die Beziehung

aφ(n)=1modn.

Beweis  

Das Element a gehört zur Einheitengruppe (ℤ/(n))×, die φ(n) Elemente besitzt. Nach dem Satz von Lagrange ist aber die Gruppenordnung ein Vielfaches der Ordnung des Elementes.

◻



Als Spezialfall erhalten wir den sogenannten kleinen Fermatschen Satz:



Lemma  

Für eine Primzahl p und eine beliebige ganze Zahl a gilt

ap≡amodp.

Anders ausgedrückt: ap−a ist durch p teilbar.

Beweis  

Ist a nicht durch p teilbar, so definiert a ein Element a¯ in der Einheitengruppe (ℤ/(p))×; diese Gruppe hat die Ordnung p−1, und nach dem Satz von Lagrange gilt  a¯p−1=1.  Durch Multiplikation mit a ergibt sich die Behauptung. Für Vielfache von p gilt die Aussage ebenso, da dann beidseitig 0 steht.

◻




Es sei beispielsweise  p=5.  Dann ist für

a=1:15=1mod5
a=2:25=32=2mod5
a=3:35=243=3mod5
a=4:45=1024=4mod5.


Ein Körper heißt endlich, wenn er nur endlich viele Elemente besitzt.



Satz  

Es sei K ein endlicher Körper.

Dann ist das Produkt aller von 0 verschiedenen Elemente aus K gleich −1.

Beweis  

Die Gleichung  x2=1  hat in einem Körper nur die Lösungen 1 und −1, die allerdings gleich sein können. Das bedeutet, dass für  x≠1,−1  immer  x≠x−1  ist. Damit kann man das Produkt aller Einheiten als

1(−1)x1x1−1⋯xkxk−1

schreiben. Ist  −1≠1,  so ist das Produkt −1. Ist hingegen  −1=1,  so fehlt in dem Produkt der zweite Faktor und das Produkt ist  1=−1. 

◻



Korollar  

Es sei p eine Primzahl.

Dann ist  (p−1)!=−1modp. 

Beweis  

Dies folgt unmittelbar aus Satz 4.9, da ja die Fakultät durch alle Zahlen zwischen 1 und p−1 läuft, also durch alle Einheiten im Restklassenkörper ℤ/(p).

◻


Wir wollen im folgenden die Struktur der Restklassenringe ℤ/(n) verstehen, insbesondere, wenn die Primfaktorzerlegung von n bekannt ist.


Lemma  

Es seien n und k positive natürliche Zahlen, und k teile n.

Dann gibt es einen kanonischen Ringhomomorphismus

ℤ/(n)⟶ℤ/(k),(amodn)⟼(amodk).

Beweis  

Wir betrachten die Ringhomomorphismen

ℤ⟶φℤ/(k)ϕ↓ℤ/(n)

Aufgrund der Teilerbeziehung haben wir die Beziehung

kern⁡ϕ=(n)⊆(k)=kern⁡φ.

Aufgrund des Homomorphiesatzes hat man daher einen kanonischen Ringhomomorphismus von links unten nach rechts oben.

◻


Zur Formulierung des Chinesischen Restsatzes erinnern wir an den Begriff des Produktringes.


Es seien R1,…,Rn kommutative Ringe. Dann heißt das Produkt

R1×⋯×Rn,

versehen mit komponentenweiser Addition und Multiplikation, der Produktring der Ri, i=1,…,n.



Satz  

Es sei n eine positive natürliche Zahl mit kanonischer Primfaktorzerlegung

n=p1r1⋅p2r2⋯pkrk

(die pi seien also verschieden und ri≥1).

Dann induzieren die kanonischen Ringhomomorphismen ℤ/(n)→ℤ/(piri) einen Ringisomorphismus

ℤ/(n)≅ℤ/(p1r1)×ℤ/(p2r2)×⋯×ℤ/(pkrk).

Zu gegebenen ganzen Zahlen (a1,a2,…,ak) gibt es also genau eine natürliche Zahl  a<n,  die die simultanen Kongruenzen

a=a1modp1r1,a=a2modp2r2,…,a=akmodpkrk

löst.

Beweis  

Da die Ringe links und rechts beide endlich sind und die gleiche Anzahl von Elementen haben, nämlich n, genügt es, die Injektivität zu zeigen. Es sei x eine natürliche Zahl, die im Produktring (rechts) zu 0 wird, also modulo piri den Rest 0 hat für alle  i=1,2,…,k.  Dann ist x ein Vielfaches von piri für alle  i=1,2,…,k,  d.h. in der Primfaktorzerlegung von x muss pi zumindest mit dem Exponenten ri vorkommen. Also muss x nach Korollar 3.10 ein Vielfaches des Produktes sein, also ein Vielfaches von n. Damit ist  x=0  in ℤ/(n) und die Abbildung ist injektiv.

◻



Aufgabe


a) Bestimme für die Zahlen 3, 5 und 7 modulare Basislösungen, finde also die kleinsten positiven Zahlen, die in

ℤ/(3)×ℤ/(5)×ℤ/(7)

die Restetupel (1,0,0),(0,1,0) und (0,0,1) repräsentieren.


b) Finde mit den Basislösungen die kleinste positive Lösung x der simultanen Kongruenzen

x=2mod3,x=4mod5 und x=3mod7.


Lösung



a) (1,0,0): Alle Vielfachen von  5⋅7=35  haben modulo 5 und modulo 7 den Rest 0. Unter diesen Vielfachen muss also die Lösung liegen. 35 hat modulo 3 den Rest 2, somit hat 70 modulo 3 den Rest 1. Also repräsentiert 70 das Restetupel (1,0,0).

(0,1,0): Hier betrachtet man die Vielfachen von 21, und 21 hat modulo 5 den Rest 1. Also repräsentiert 21 das Restetupel (0,1,0).

(0,0,1): Hier betrachtet man die Vielfachen von 15, und 15 hat modulo 7 den Rest 1. Also repräsentiert 15 das Restetupel (0,0,1).


b) Man schreibt (in ℤ/(3)×ℤ/(5)×ℤ/(7))

(2,4,3)=2(1,0,0)+4(0,1,0)+3(0,0,1).

Die Lösung ist dann

2⋅70+4⋅21+3⋅15=140+84+45=269.

Die minimale Lösung ist dann  269−2⋅105=59. 





Die Einheiten im Restklassenring

Wir wollen zeigen, dass die Einheitengruppe (ℤ/(p))×, wenn p eine Primzahl ist, eine zyklische Gruppe ist, also von einem Element erzeugt wird. Der Restklassenring ℤ/(p) ist ein Körper, und wir werden hier nach einigen Vorbereitungen allgemeiner zeigen, dass jede endliche Untergruppe der multiplikativen Gruppe eines Körpers zyklisch ist. Dazu benötigen wir einige Resultate über kommutative Gruppen und zu Polynomringen über Körpern. Wir beginnen mit zwei gruppentheoretischen Lemmata. Wir verwenden multiplikative Schreibweise.



Lemma  

Es sei G eine kommutative Gruppe und  x,y∈G  Elemente der endlichen Ordnungen n=ord⁡(x) und m=ord⁡(y), wobei n und m teilerfremd seien.

Dann hat xy die Ordnung nm.

Beweis  

Es sei  (xy)k=1.  Wir müssen zeigen, dass k ein Vielfaches von nm ist. Es ist

1=(xkyk)n=xknykn=ykn,

da ja n die Ordnung von x ist. Aus dieser Gleichung erhält man, dass kn ein Vielfaches der Ordnung von y, also von m sein muss. Da n und m teilerfremd sind, folgt aus Lemma 3.4, dass k ein Vielfaches von m ist. Ebenso ergibt sich, dass k ein Vielfaches von n ist, sodass k, wieder aufgrund der Teilerfremdheit, ein Vielfaches von nm sein muss.

◻



Der Exponent exp⁡(G) einer endlichen Gruppe G ist die kleinste positive Zahl n mit der Eigenschaft, dass  xn=1  für alle  x∈G  ist.



Lemma  

Es sei G eine endliche kommutative Gruppe und sei  exp⁡(G)=ord⁡(G),  wobei exp⁡(G) den Exponenten der Gruppe bezeichnet.

Dann ist G zyklisch.

Beweis  

Es sei

n=ord⁡(G)=p1r1⋯pkrk

die Primfaktorzerlegung der Gruppenordnung. Der Exponent der Gruppe ist

exp⁡(G)=kgV⁡(ord⁡(x):x∈G).

Es sei pi ein Primteiler von n. Wegen

exp⁡(G)=ord⁡(G)

gibt es ein Element  x∈G,  dessen Ordnung ein Vielfaches von piri ist. Dann gibt es auch (in der von x erzeugten zyklischen Untergruppe) ein Element xi der Ordnung piri. Dann hat das Produkt  x1⋯xk∈G  nach Lemma 4.14 die Ordnung n.

◻


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