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Kurs:Bündel, Garben und Kohomologie (Osnabrück 2019-2020)/Vorlesung 12

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Das projektive Spektrum eines graduierten Ringes

Das projektive Spektrum wird üblicherweise für -graduierte Ringe eingeführt. Da man aber in der Konstruktion Nenneraufnahmen an homogenen Elementen betrachtet, wobei auch negative Grade auftreten, ist es sinnvoller, von Anfang an mit -Graduierungen zu arbeiten.


Zu einem -graduierten Ring nennt man das von allen homogenen Elementen von einem Grad 0 erzeugte Ideal das irrelevante Ideal. Es wird mit R+ bezeichnet.

Im positiv-graduierten Fall ist dies einfach das Ideal n1Rn. Bei negativen Graden kann es auch das Einheitsideal sein.


Es sei R ein -graduierter kommutativer Ring. Dann nennt man die Menge der homogenen Primideale von R, die nicht R+ umfassen, das projektive Spektrum von R. Es wird mit Proj(R) bezeichnet.


Es sei R ein -graduierter kommutativer Ring. Dann nennt man die Menge der homogenen Primideale von R, die nicht R+ umfassen, zusammen mit der Topologie, bei der die Teilmengen

D+(𝔞)={𝔭Proj(R)𝔞⊈𝔭}

als offen erklärt werden, das projektive Spektrum von R.

Es handelt sich in der Tat um eine Topologie. Es ist

D+(𝔞)=f𝔞 homogenD+(f)

mit

D+(f)={𝔭Proj(R)f𝔭}.

Diese D+(f) bilden eine Basis der Topologie.


Das projektive Spektrum des Polynomrings R[X0,X1,,Xn] nennt man den projektiven Raum der Dimension n über R.

Zu einem -graduierten Ring S bezeichnet man den Ring der nullten Stufe mit S0. Wenn R -graduiert ist, so ist R0 häufig ein einfacher Ring, beispielsweise ein Körper, aber wenn  fR  ein homogenes Element mit einem positiven Grad ist, so ist die Nenneraufnahme Rf in natürlicher Weise -graduiert und (Rf)0 kann beliebig kompliziert sein.

Zu einem homogenen Primideal 𝔭 ist R𝔭 ein multiplikatives System und entsprechend ist der Durchschnitt von R𝔭 mit der Menge aller homogenen Elemente ein multiplikatives System. Der Ring der nullten Stufe zu dieser Nenneraufnahme spielt eine besondere Rolle, er wird mit

R(𝔭)=(R(R𝔭){homogene Elemente})0

bezeichnet.



Lemma  

Zu einem homogenen Primideal 𝔭 in einem -graduierten Ring R

ist R(𝔭) ein lokaler Ring.

Beweis  

Seien  r,sR(𝔭)  Nichteinheiten. Dann ist  r=af  und  s=bg  mit homogenen Elementen  f,g𝔭  und homogenen Elementen  a,bR,  die jeweils den gleichen Grad wie ihre Nenner haben. Dabei ist  a,b𝔭,  da andernfalls eine Einheit vorliegen würde. Daher ist  ag+bf𝔭  und somit ist

af+bg=ag+bffg

ebenfalls eine Nichteinheit in R(𝔭).



Es sei R ein -graduierter Ring und  Y=Proj(R)  das mit der Zariski-Topologie versehene projektive Spektrum von R. Unter der Strukturgarbe auf Y versteht man die Zuordnung, die jeder offenen Menge  UY  den kommutativen Ring

Γ(U,𝒪Y)={(s𝔭)𝔭U𝔭UR(𝔭) für alle 𝔭U gibt es homogene Elemente a,bR mit 𝔭D+(b)U und s𝔮=ab in R(𝔮) für alle 𝔮D+(b)}

und jeder Inklusion  UV  die natürliche Projektion zuordnet.

Diese Definition beinhaltet insbesondere, dass in jeder Darstellung die Differenz Grad(a)Grad(b) gleich 0 ist. Man kann dies als Vergarbung der durch
D+(𝔞)colimD+(𝔞)D+(f)(Rf)0
definierten Prägarbe auffassen, wodurch klar wird, dass eine Garbe aus kommutativen Ringen vorliegt.

Es sei R ein -graduierter Ring. Unter dem projektiven Spektrum  Y=Proj(R)  versteht man das mit der Zariski-Topologie und der Strukturgarbe versehene projektive Spektrum von R.



Lemma  

Es sei R ein -graduierter Ring, der zumindest eine homogene Einheit positiven Grades besitze.

Dann ist die Abbildung

Proj(R)Spek(R0),𝔭𝔭R0,

eine Bijektion, die bezüglich der Zariski-Topologien eine Homöomorphie und bezüglich der Strukturgarben ein Isomorphismus ist. Ferner ist dabei

R(𝔭)=(R0)𝔭R0.

Beweis  

Zunächst ist  𝔭0:=𝔭R0  ein Primideal und die Abbildung ist wohldefiniert. Es sei g eine Einheit positiven Grades. Wir behaupten, dass sich 𝔭 aus 𝔭0 rekonstruieren lässt, und zwar sind die homogenen Elemente von 𝔭, die ja das Ideal festlegen, gleich

𝔭H={h homogen es gibt i,j+ mit gihj𝔭0}.

Dabei ist die Inklusion klar, da man i und j so wählen kann, dass der Grad von gihj gleich 0 wird. Wenn umgekehrt  gihj𝔭0  ist, so ist zunächst  hj𝔭  und wegen der Primeigenschaft dann auch  h𝔭.  Damit ist die Abbildung injektiv. Zum Nachweis der Surjektivität sei 𝔮 ein Primideal aus R0 und wir betrachten das von

{h homogen es gibt i,j+ mit gihj𝔮}

erzeugte Ideal. Dieses enthält keine Einheit und somit auch nicht ganz R+, da es nicht g enthält, da 𝔮 nicht die 1 enthält. Wenn h1h2 zu dieser Menge gehört, so ist  gih1jh2j𝔮  für gewisse i,j und für eine gewisse Potenz davon können wir dies als

(gih1jh2j)n=(gah1b)(gch2d)

derart schreiben, dass beide Faktoren den Grad 0 haben. Dann muss ein Faktor zu 𝔮 gehören und somit h1 oder h2 zu der angegebenen Menge.

Zum Nachweis der Homöomorphie beachte man, dass die Mengen D+(f) bzw. D(f) zu homogenen Elementen (vom Grad 0) jeweils eine Basis der Topologie bilden, dass das Urbild von D(f) gleich D+(f) ist und dass  D+(f)=D+(fgj)  ist.



Lemma  

Zu einem -graduierten Ring R und einem homogenen Element  fR  von einem Grad 0 ist

D+(f)Spek((Rf)0)

als beringte Räume. Insbesondere ist das projektive Spektrum Proj(R) ein Schema.

Beweis  

Dies folgt aus Lemma 12.8, angewendet auf Rf, unter Berücksichtigung, dass die homogenen Primideale von D+(f) den homogenen Primidealen von Rf entsprechen. Die Schemaeigenschaft folgt, da die D+(f) zu  fR+  das projektive Spektrum überdecken.



Das projektive Spektrum zum standard-graduierten Polynomring R[X0,X1,,Xn], also der projektive Raum, wird durch die D+(Xi) überdeckt. Man spricht von der affinen Standardüberdeckung des projekiven Raumes. Dabei ist

Γ(D+(Xi),𝒪Rn)=(R[X0,X1,,Xn]Xi)0=R[X0Xi,X1Xi,,Xi1Xi,Xi+1Xi,,XnXi]

ein Polynomring in n Variablen und daher ist (mit Yj=XjXi für ji)

D+(Xi)=Spek(R[Y0,Y1,,Yi1,Yi+1,,Yn])=𝔸Rn.

Der projektive n-dimensionale Raum wird also durch n+1 affine Räume überdeckt.




Satz  

Es seien A und B -graduierte Ringe über einem kommutativen Ring  R=A0  und sei θ:AB ein homogener Ringhomomorphismus.

Dann gibt es einen natürlichen Schemamorphismus

D+(θ(A+)B)Proj(A),𝔭θ1(𝔭).

Beweis  

Das Urbild eines Primideals unter einem Ringhomomorphismus ist wieder ein Primideal und das Urbild eines homogenen Ideals ist wieder ein homogenes Ideal. Für

𝔭D+(θ(A+)B)=Proj(B)

gibt es ein homogenes Element  fA+  mit  θ(f)𝔭.  Daher ist  A+⊈θ1(𝔭)  und somit ist  θ1(𝔭)Proj(A).  Es gibt also eine Abbildung

φ:D+(θ(A+)B)Proj(A).

Für ein homogenes Element  fA+  ist dabei  φ1(D+(f))=D+(θ(f)),  da dies auch für die Spektrumsabbildung gilt. Daher ist die Abbildung stetig. Nach Korollar 10.10 ist die Spektrumsabbildung in eindeutiger Weise ein Morphismus von Schemata. Auf jedem D(f) ist dieser durch den Ringhomomorphismus

θf:AfBθ(f)

gegeben. Bei f homogen ist dieser Ringhomomorphismus wieder homogen und induziert insbesondere einen Ringhomomorphismus

(θf)0:(Af)0(Bθ(f))0

in der nullten Stufe. Da dies nach Lemma 12.9 die Schnittringe zu D+(f) bzw. D+(θ(f)) sind, und da diese Ringhomomorphismen mit den Restriktionen verträglich sind, und da das Diagramm

D+(θ(f))φ=θ1D+(f)Spec((Bθ(f))0)(θf)01Spec((Af)0)

kommutiert, handelt es sich um einen Morphismus lokal beringter Räume.



Die Unterringbeziehung

K[X1,,Xn]K[X0,X1,,Xn]

führt im Sinne von Satz 12.11 zu einem Schemamorphismus

KnD+(X1,,Xn)Kn1.

Einem K-Punkt mit den homogenen Koordinaten (x0,x1,,xn) wird der Punkt (x1,,xn) zugeordet, und diese Abbildung ist nur auf der angegebenen offenen Teilmenge definiert, es gibt keine sinnvolle Fortsetzung auf den Punkt (1,0,,0). Man spricht von der Projektion weg von einem Punkt. In den affinen Räumen 𝔸Kn+1 bzw. 𝔸Kn interpretiert bedeutet die Abbildung, dass eine jede Gerade auf eine Hyperebene projiziert wird. Für die Gerade, die „senkrecht“ auf der Hyperebene steht, ist dies nicht wohldefiniert, da die Projektion keine Gerade liefert.


Die folgende Definition werden wir insbesondere über einem Körper verwenden.


Ein Schema (X,𝒪X) über einem kommutativen Ring R heißt projektiv, wenn es eine Faktorisierung

XiRnSpek(R)

gibt, bei der i eine abgeschlossene Einbettung ist.



Lemma  

Zu einem standard-graduierten Ring A

ist das projektive Spektrum Proj(A) ein projektives Schema über Spec(A0).

Beweis  

Es ist

A=A0[X0,X1,,Xn]/𝔞

mit einem homogenen Ideal  𝔞A0[X0,X1,,Xn].  Zur Restklassenabbildung

θ:A0[X0,X1,,Xn]A

gehört nach Satz 12.11 der Schemamorphismus

i:Proj(A)A0n.

So wie die Spektrumsabbildung

Spek(A)V(𝔞)𝔸A0n+1,𝔭θ1(𝔭),

eine Homöomorphie ist, ist auch die vorliegende projektive Variante eine Homöomorphie auf V+(𝔞). D.h. insbesondere, dass Proj(A) in natürlicher Weise einer abgeschlossenen Teilmenge des projektiven Raumes über A0 entspricht. Wir müssen noch zeigen, dass der Garbenhomomorphismus

𝒪A0ni𝒪Proj(A)

surjektiv ist. Auf D+(f) zu einem homogenen Element  fA0[X0,X1,,Xn]+  ist dies aber die Abbildung

(A0[X0,X1,,Xn]f)0(Af)0,

und diese ist surjektiv.


In der vorstehenden Aussage sind die Ringhomomorhismen nur auf den Mengen der Form D+(f) surjektiv, nicht auf allen offenen Mengen. Da diese aber eine Basis der Topologie bilden, liegt auch die Surjektivität in den Halmen vor. Daher handelt es sich einen surjektiven Garbenhomomorphismus.


Zu einem homogenen Polynom  FK[X0,X1,,Xn]  über einem Körper K nennt man

V+(F)=Proj(K[X0,X1,,Xn]/(F))Kn

die projektive Hyperfläche zu F.


Zu einer projektiven Hyperfläche

V+(F)=Proj(K[X0,X1,,Xn]/(F))Kn

zu einem homogenen Polynom  FK[X0,X1,,Xn]  nennt man den Grad von F auch den Grad der Hyperfläche.

Eine Hyperfläche vom Grad 1 nennt man Hyperebene, das sind projektiv-lineare Unterräume der Kodimension 1.



Lemma  

Es sei  R=K[X0,X1,,Xd]/(f1,,fs)  ein standard-graduierter Ring mit homogenen Erzeugern fj vom Grad dj.

Dann ist  (RXi)0=K[X0Xi,,Xi1Xi,Xi+1Xi,,XdXi]/(f1Xid1,,fsXids)

Dieser Restklassenring wird durch die Dehomogenisierungen der f bezüglich der Variablen Xi beschrieben.

Beweis  

Es ist

RXi=K[X0,,Xd,Xi1]/(f1,,fs)=K[X0Xi,,Xi1Xi,Xi+1Xi,,XdXi,Xi,Xi1]/(f1Xid1,,fsXids)=(K[X0Xi,,Xi1Xi,Xi+1Xi,,XdXi]/(f1Xid1,,fsXids))[Xi,Xi1].

In dieser letzten Beschreibung ist klar, was der Ring in Grad 0 ist.

Wenn man  Yk=XkXi  (mit Yi=1) schreibt, so ist

fXid=νaνXνXid=νaνYν,

und dies ist die Dehomogenisierung von f bezüglich der Variablen Xi.



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