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Kurs:Invariantentheorie (Bochum 2003)/Vorlesung 4

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Proposition  

Es sei G eine Gruppe, die auf einem Integritätsbereich R als Gruppe von Ringautomorphismen operiere. Dann gelten folgende Eigenschaften.

  1. Der Invariantenring RG ist ein Integritätsbereich.
  2. Die Operation induziert eine Operation von G auf dem Quotientenkörper Q(R) als Gruppe von Körperautomorphismen.
  3. Es ist  Q(RG)(Q(R))G
  4. Es ist
    R(Q(R))G=RG.

Beweis  

(1) ist wegen  RGR  klar.
(2). Es sei  K=Q(R)  der Quotientenkörper von R. Zu jedem  σG  setzt sich der Ringautomorphismus ffσ aufgrund der universellen Eigenschaft der Nenneraufnahme zu einem Körperautomorphismus fgfσgσ fort.
(3). Ein Element aus dem Quotientenkörper Q(RG) hat die Form fg mit invarianten Elementen  f,gRG.  Es ist also insbesondere invariant unter der induzierten Operation auf K. Daher gilt  Q(RG)(Q(R))G
(4). Die Inklusion  RGRQ(R)G  ist direkt klar. Die andere Inklusion ergibt sich, da die Operation von G auf Q(R) eingeschränkt auf R die ursprüngliche Operation ist. Wenn also  fR  ist und aufgefasst in Q(R) invariant ist, so ist es überhaupt invariant.



Bei einer endlichen Gruppe gilt in Fakt *****  (3) sogar Gleichheit, wie die folgende Aussage zeigt.


Lemma  

Es sei G eine endliche Gruppe, die auf einem Integritätsbereich als Gruppe von Ringautomorphismen operiere.

Dann ist

Q(RG)=(Q(R))G.

Beweis  

Die Inklusion  Q(RG)(Q(R))G  gilt nach Fakt *****  (3) für jede Gruppe. Zum Beweis der Umkehrung seien f,gR, g0, mit  fg(Q(R))G  gegeben. Wir betrachten

h=σG,σeGgσ.

Dann gelten in Q(R) die Identitäten

fg=hfhg=hf(σG,σeGgσ)g=hfσGgσ.

Nach Voraussetzung ist der Bruch und in dieser Darstellung offenbar auch der Nenner (siehe Aufgabe *****) invariant. Also muss auch der Zähler invariant sein und somit ist  fg(RG)



Es sei K ein unendlicher Körper. Wir betrachten auf  R=K[X,Y]  die Operation von K× durch skalare Multiplikation. Zu  λK×  gehört also der durch XλX,YλY gegebene K-Algebrahomomorphismus. Der Invariantenring dazu ist K, also ein Körper. Der Quotientenkörper von K[X,Y] ist der Funktionenkörper K(X,Y) in zwei Variablen. Sein Invariantenring unter der Operation ist K(XY), also der Funktionenkörper in einer Variablen. In dieser Situation gilt also

Q(RG)(Q(R))G.

Für einen Invariantenring RGR nennt man einen RG-Modul-Homomorphismus

ρ:RRG

mit ρι=IdRG einen Reynolds-Operator. Ein Reynolds-Operator muss im Allgemeinen nicht existieren, er existiert aber unter der folgenden Bedingung.


Lemma  

Es sei G eine endliche Gruppe, die auf einer kommutativen K-Algebra R als Gruppe von K-Algebraautomorphismen operiere. Die Gruppenordnung sei kein Vielfaches der Charakteristik von K.

Dann ist die Abbildung

ρ:RRG,f1#(G)σGfσ,

ein Reynolds-Operator.

Insbesondere ist  RGR  ein direkter Summand.

Beweis  

Aufgrund der Voraussetzung an die Charakteristik ist #(G) eine Einheit in K und damit in R, also ist die angegebene Abbildung wohldefiniert. Die Abbildung ist offenbar ein Gruppenhomomorphismus. Für  gRG  und  fR  ist ferner

ρ(gf)=1#(G)σG(gf)σ=1#(G)σG(gσ)(fσ)=1#(G)σGg(fσ)=g(1#(G)σGfσ)=gρ(f),

daher liegt ein RG-Modulhomomorphismus vor. Für  gRG  ist

ρ(g)=1#(G)σGgσ=1#(G)σGg=1#(G)(#(G)g)=g,

also ist

ρι=IdRG.


Die Bedingung, dass die Gruppenordnung zur Charakteristik teilerfremd ist, ist für viele Resultate der Invariantentheorie eine wesentliche Voraussetzung. Der andere Fall, dass die Gruppenordnung ein Vielfaches der Charakteristik ist, bildet ein eigenes Kapitel der Invariantentheorie, und besitzt sogar einen eigenen Namen. Man spricht von modularer Invariantentheorie.



Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring, auf dem eine endliche Gruppe G durch Ringautomorphismen operiere.

Dann ist  RGR  eine ganze Erweiterung.

Beweis  

Zu  fR  betrachten wir das Produkt

P=σG(Xfσ)R[X].

Die Koeffizienten dieses Polynoms gehören zum Invariantenring RG. Ferner ist P normiert und es ist  P(f)=0  (da ja XfeG=Xf ein Linearfaktor ist). Somit liefert P eine Ganzheitsgleichung für f über RG und daher ist  RGR  ganz.



Satz  

Es sei K ein Körper, R eine endlich erzeugte kommutative K-Algebra, auf der eine endliche Gruppe G durch K-Algebraautomorphismen operiere.

Dann ist der Invariantenring RG eine endlich erzeugte K-Algebra.

Beweis  

Es sei

R=K[f1,,fn].

Nach Fakt ***** ist  RGR  eine ganze Erweiterung. Zu jedem fi gibt es daher eine Ganzheitsgleichung

fini+ai,ni1fini1++ai,1fi+ai,0=0

mit  ai,jRG.  Wir betrachten die von den Koeffizienten ai,j erzeugte K-Unteralgebra von RG, also

S:=K[ai,j,1in,0j<ni]RG.

Dabei ist S endlich erzeugt, und sämtliche Ganzheitsgleichungen sind über S formulierbar, d.h. nach Fakt *****, dass R auch über S ganz ist. Da R über K endlich erzeugt ist, ist R insbesondere über S endlich erzeugt, sodass  SR  nach Fakt ***** sogar endlich ist. Da S noethersch ist, muss nach Fakt ***** auch die S-Unteralgebra  RGR  ein endlicher S-Modul sein. Damit ist insgesamt RG eine endlich erzeugte K-Algebra.


Das 14. Hilbertsche Problem ist die Frage, ob für jede Gruppenoperation auf einer endlich erzeugten K-Algebra auch der Invariantenring RG endlich erzeugt ist. Es wurde von Hilbert 1900 auf dem internationalen Mathematikerkongress in Paris als eines seiner 23 mathematischen Probleme vorgestellt und in den späten Fünfzigern durch ein Gegenbeispiel von Masayoshi Nagata negativ beantwortet.




Satz  

Es sei R ein normaler Integritätsbereich und G eine Gruppe, die auf R als Gruppe von Ringautomorphismen operiere.

Dann ist auch der Invariantenring normal.

Beweis  

Es sei  qQ(RG)Q(R)  und q erfülle eine Ganzheitsgleichung über RG. Wegen  RGR  ist q auch ganz über R und wegen der Normalität von R muss  qR  gelten. Wegen

RQ(RG)=RG

gemäß Fakt ***** ist somit  qRG,  also ist RG normal.



Satz  

Es sei R ein faktorieller Bereich und es sei G eine endliche Gruppe, die auf R als Gruppe von Ringautomorphismen operiere. Die Charaktergruppe zu G mit Werten in der Einheitengruppe R× sei trivial, d.h. es ist

Hom(G,R×)=0.

Dann ist auch der Invariantenring faktoriell.

Beweis  

Wir zeigen, dass FRG, F0, eine im Wesentlichen eindeutige Zerlegung in irreduzible Faktoren besitzt. Es sei

F=F1r1Fnrn

die Zerlegung in R in irreduzible Faktoren, wobei die Fi paarweise nicht (in R) assoziiert seien. Für jedes  σG  ist dann auch

F=Fσ=(F1σ)r1(Fnσ)rn.

Wegen der Faktorialität von R muss diese Zerlegung mit der ursprünglichen Faktorzerlegung übereinstimmen, d.h. zu jedem i gibt es ein j und eine Einheit  aijR×  mit

Fiσ=aijFj.

Es sei

{1,,n}=jJIj

die disjunkte Zerlegung der Indexmenge, bei der zwei Indizes i,j in der gleichen Teilmenge landen, wenn es ein  σG  derart gibt, dass Fiσ und Fj assoziiert sind. Wir setzen

Hj:=iIjFi.

Insbesondere ist dann

F=jJHjrj.

Es ist

Hjσ=(iIjFi)σ=iIj(Fiσ)=aj(σ)iIjFi=aj(σ)Hj

mit einer (von σ abhängigen) Einheit

aj(σ)=HjσHj.

An dieser letzten Darstellung sieht man, dass die Zuordnung GR×, σaj(σ), ein Charakter ist. Nach Voraussetzung ist dieser also trivial, und damit sind die Hj invariant. Somit ist

F=jJHj
eine Faktorzerlegung in RG. Die Hj sind dabei irreduzibel in RG, da eine Faktorzerlegung

 Hj=AB  sofort zu einer Zerlegung von  Hj=iIjFi  in Teilprodukte führt, die aber wegen der Wahl der Ij nicht invariant sein können. Wenn  F=A  eine beliebige Zerlegung von F in irreduzible Faktoren  ARG  ist, so sind die A, aufgefasst in R, Produkte gewisser Fi, und wegen der Wahl der Ij wird A sogar von einem Hj (in R und in RG) geteilt. Es liegt also eine eindeutige Zerlegung in irreduzible Faktoren vor und damit ist RG nach Fakt *****  (2) faktoriell.



Korollar  

Es sei K ein Körper und  R=K[X1,,Xn].  Es sei G eine endliche Gruppe, die auf R als Gruppe von K-Algebraautomorphismen operiere. Die Charaktergruppe G sei trivial.

Dann ist auch der Invariantenring faktoriell.

Beweis  

Dies folgt aus Fakt *****.