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Kurs:Körper- und Galoistheorie/13/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Punkte 3 3 0 3 4 0 2 3 0 3 0 0 0 7 4 4 4 3 2 3 48




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine Einheit u in einem kommutativen Ring R.
  2. Ein innerer Automorphismus einer Gruppe G.
  3. Eine algebraische Zahl  z
  4. Die Galoisgruppe einer Körpererweiterung KL.
  5. Ein vollkommener Körper.
  6. Eine auflösbare Gruppe G.


Lösung

  1. Ein Element u heißt Einheit, wenn es ein Element vR mit uv=1 gibt.
  2. Ein Automorphismus
    GG

    der Form xgxg1 zu einem festen Element gG heißt innerer Automorphismus.

  3. Eine Zahl z heißt algebraisch, wenn es ein von 0 verschiedenes Polynom P[X] gibt mit P(z)=0.
  4. Unter der Galoisgruppe versteht man die Gruppe aller K-Algebra-Automorphismen von L, also
    AutK(L).
  5. Ein Körper K heißt vollkommen, wenn jedes irreduzible Polynom PK[X] separabel ist.
  6. Eine Gruppe G heißt auflösbar, wenn es eine Filtrierung
    {e}=G0G1G2Gk1Gk=G

    gibt derart, dass Gi ein Normalteiler in Gi+1 ist und die Restklassengruppe Gi+1/Gi abelsch ist (für jedes i=0,,k1).


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Die Struktur von quadratischen Körpererweiterungen in Charakteristik 2.
  2. Der Satz über die Norm und die Spur im Minimalpolynom zu einem Element einer Körpererweiterung.
  3. Die Klassengleichung.


Lösung

  1. Es sei K ein Körper mit einer Charakteristik 2 und es sei KL eine quadratische Körpererweiterung. Dann gibt es ein xL , xK und x2K.
  2. Es sei  KL=K[f]  eine einfache endliche Körpererweiterung vom Grad n. Dann hat das Minimalpolynom P von f die Gestalt
    P=XnS(f)Xn1++(1)nN(f).
  3. Es sei G eine endliche Gruppe und seien K1,,Kr die Konjugationsklassen von G mit mindestens zwei Elementen. Dann ist
    ord(G)=ord(Z(G))+i=1r#(Ki).


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (3 Punkte)

Es sei (,+,0) versehen mit der üblichen Addition. Es sei  c0  fixiert. Zeige, dass mit der Verknüpfung

xy:=xyc

ein Körper vorliegt. Was ist dabei das neutrale Element zur neuen Multiplikation ?


Lösung

Wir betrachten die Abbildung

φ:,xcx.

Da dies eine lineare bijektive Funktion ist, wird die Addition in die Addition übersetzt. Wegen  φ(1)=c  und

φ(xy)=cxy=cxcyc=(cx)(cy)=φ(x)φ(y)

wird die übliche Multiplikation auf in die neue Multiplikation übersetzt. Daher übertragen sich sämtliche algebraischen Eigenschaften von (,0,1,+,) auf (,0,c,+,) und es liegt ein Körper mit c als neutralem Element für vor.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Satz über Normalteiler und Restklassengruppe.


Lösung

Da die kanonische Projektion zu einem Gruppenhomomorphismus werden soll, muss die Verknüpfung durch

[x][y]=[xy]

gegeben sein. Wir müssen also zeigen, dass durch diese Vorschrift eine wohldefinierte Verknüpfung auf G/H definiert ist, die unabhängig von der Wahl der Repräsentanten ist. D.h. wir haben für [x]=[x] und [y]=[y] zu zeigen, dass  [xy]=[xy]  ist. Nach Voraussetzung können wir x=xh und hy=h~y=yh mit  h,h~,hH  schreiben. Damit ist

xy=(xh)y=x(hy)=x(yh)=xyh.

Somit ist  [xy]=[xy].  Aus der Wohldefiniertheit der Verknüpfung auf G/H folgen die Gruppeneigenschaften, die Homomorphieeigenschaft der Projektion und die Eindeutigkeit.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (2 Punkte)

Es seien p,q verschiedene Primzahlen und

[p,q]=:L

die zugehörige Körpererweiterung. Erstelle die Multiplikationsmatrix zu einem Element a+bp+cq+dpqL bezüglich der Basis 1,p,q,pq.


Lösung

Es ist

(a+bp+cq+dpq)p=ap+pb+cpq+pdq,
(a+bp+cq+dpq)q=aq+bpq+qc+qdp

und

(a+bp+cq+dpq)pq=apq+pbq+qcp+pqd.

Somit ist die Multiplikationsmatrix gleich

(apbqcpqdbaqdqccpdapbdcba).


Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)

Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung. Zeige, dass die Norm

N:LK,fN(f),

folgende Eigenschaften besitzt.

  1. Es ist N(fg)=N(f)N(g).
  2. Für fK ist N(f)=fn, wobei n den Grad der Körpererweiterung bezeichne.
  3. Es ist N(f)=0 genau dann, wenn f=0 ist.


Lösung

  1. Dies folgt aus dem Determinantenmultiplikationssatz und aus Lemma 8.2 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)).
  2. Zu einer beliebigen Basis von L wird die Multiplikation mit einem Element  fK  durch die Diagonalmatrix beschrieben, bei der jeder Diagonaleintrag f ist. Die Determinante ist daher fn nach Lemma 16.4 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)).
  3. Die eine Richtung ist klar, sei also  f0.  Dann ist f eine Einheit in L und daher ist die Multiplikation mit f eine bijektive K-lineare Abbildung LL, und deren Determinante ist 0 nach Satz 16.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)).


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (3 Punkte)

Es sei  KL  eine endliche separable Körpererweiterung und M, KML, ein Zwischenkörper. Zeige, dass auch  ML  eine separable Körpererweiterung ist.


Lösung

Es sei  xL  mit dem Minimalpolynom  FK[X],  das nach Voraussetzung separabel ist. Es sei  GM[X]  das Minimalpolynom zu x, aufgefasst in der Körpererweiterung  ML.  Wegen  F(x)=0  gilt in M[X] die Beziehung ist  F(G),  d.h. es gibt ein  HM[X]  mit

F=GH.

Da F in jedem Erweiterungskörper von K nur einfache Nullstellen besitzt, gilt dies auch für den Teiler G und damit ist auch G separabel.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (7 (1+1+2+3) Punkte)

  1. Bestimme die Zerlegung von X47 in .
  2. Bestimme den Zerfällungskörper L von X47[X].
  3. Bestimme den Grad der Körpererweiterung  L
  4. Beschreibe, welche Permutationen auf der Nullstellenmenge von X47 von der Galoisgruppe herrühren.


Lösung

  1. Über den komplexen Zahlen liegt die Faktorzerlegung
    X47=(X74)(X+74)(Xi74)(X+i74)=(X27)(X2+7),
    wobei 74 die positive reelle vierte Wurzel der 7 bezeichnet. Die Zerlegung ist korrekt, da in den Linearformen sämtliche vierte Wurzeln aus der 7 vorkommen.
  2. Die vier Nullstellen aus Teil (1) müssen zum Zerfällungskörper L gehören, daher ist insbesondere
    i7474=i

    ein Element von L. Es ist also

    L=[74,i].
  3. Das Polynom X47 ist irreduzibel in [X], da die obige reelle Zerlegung in quadratische Polynome nicht rational durchführbar ist. Daher haben im kommutativen Diagramm
    [74][i]L

    die horizontalen Erweiterungen den Grad 4 und die vertikalen Erweiterungen den Grad 2 (da [74] reell ist, gehört die imaginäre Einheit da nicht dazu). Die Gesamterweiterung hat also den Grad 8.

  4. Ein -Automorphismus sendet i auf sich selbst oder auf i. Im ersten Fall handelt es sich um einen [i]-Automorphismus. Diese schauen wir zuerst an. Unter einem solchen Automorphismus kann 74 auf jede andere Nullstelle von X47 abgebildet werden, dadurch ist dann alles festgelegt. Dies führt zu den Permutationen
    x 74 74 i74 i74
    φ(x) 74 74 i74 i74
    x 74 74 i74 i74
    φ(x) 74 74 i74 i74
    x 74 74 i74 i74
    φ(x) i74 i74 74 74
    x 74 74 i74 i74
    φ(x) i74 i74 74 74

    Wenn i auf i abgebildet wird, so kann ebenfalls 74 auf jede andere Nullstelle von X47 abgebildet werden. Dies führt zu den Permutationen

    x 74 74 i74 i74
    φ(x) 74 74 i74 i74
    x 74 74 i74 i74
    φ(x) 74 74 i74 i74
    x 74 74 i74 i74
    φ(x) i74 i74 74 74
    x 74 74 i74 i74
    φ(x) i74 i74 74 74


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Satz über konjugierte Elemente bei einer normalen Körpererweiterung.


Lösung

Wenn es einen K-Automorphismus φ mit  φ(α)=β  gibt, so induziert dieser einen Isomorphismus K[α]K[β]. Da diese erzeugten Unterkörper jeweils durch die Minimalpolynome von α bzw. β festgelegt sind, müssen die Minimalpolynome übereinstimmen. Also sind α und β konjugiert.
Wenn umgekehrt die beiden Elemente konjugiert sind, so gibt es einen K-Isomorphismus K[α]K[β]. Mit der Inklusion  K[β]L  führt dies zu einem K-Homomorphismus

K[α]L,

den man nach Korollar 15.8 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) zu einem Automorphismus auf L fortsetzen kann.


Aufgabe (4 (2+2) Punkte)

Wir betrachten den fünften Kreisteilungskörper K5 mit der -Basis 1,ζ,ζ2,ζ3, wobei  ζ=e2πi/5  ist.

  1. Bestimme die Multiplikationsmatrizen zu ζi, i=0,1,2,3, bezüglich dieser Basis.
  2. Bestimme die Matrizen zu den Elementen der Galoisgruppe Gal(K5/) bezüglich dieser Basis.


Lösung

  1. Für  i=0  ist die beschreibende Matrix gleich
    (1000010000100001),

    für  i=1  ist die beschreibende Matrix gleich

    (0001100101010011),

    für  i=2  ist die beschreibende Matrix gleich

    (0011001010100110),

    für  i=3  ist die beschreibende Matrix gleich

    (0110010101001100).
  2. Die Identität wird durch
    (1000010000100001)

    beschrieben. Der Automorphismus ζζ2 schickt ζ2 auf

    ζ4=1ζζ2ζ3

    und ζ3 auf

    ζ6=ζ.

    Die beschreibende Matrix ist also

    (1010001101100010).

    Der Automorphismus ζζ3 schickt ζ2 auf

    ζ6=ζ

    und ζ3 auf

    ζ9=ζ4=1ζζ2ζ3.

    Die beschreibende Matrix ist also

    (1001001100010101).

    Der Automorphismus ζζ4 schickt ζ2 auf

    ζ8=ζ3

    und ζ3 auf

    ζ12=ζ2.

    Die beschreibende Matrix ist also

    (1100010001010110).


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme das Kreisteilungspolynom Φ12.


Lösung

Es ist

X121=(X61)(X6+1)=Φ1Φ2Φ3Φ4Φ6Φ12.

Wegen

X61=Φ1Φ2Φ3Φ6

muss also

X6+1=Φ4Φ12=(X2+1)Φ12.

Polynomdivision ergibt

Φ12=X4X2+1.


Aufgabe (3 Punkte)

Es seien zwei verschiedene Punkte M,P in der Ebene gegeben. Es bezeichne K den Kreis mit Mittelpunkt M durch den Punkt P. Konstruiere (ohne andere Konstruktionen zu verwenden) die Tangente an den Kreis K durch P. Skizziere die Situation.


Lösung

Wir zeichnen den Kreis C mit Mittelpunkt P durch den Punkt M. Die Verbindungsgerade G durch M und P hat mit C (neben M) noch einen weiteren Schnittpunkt, den wir mit S bezeichnen. Wir zeichnen Kreise K1 und K2 mit Mittelpunkt S durch M und mit Mittelpunkt M durch S. Die beiden Schnittpunkte von K1 und K2 definieren eine Gerade H, und diese verläuft durch P und steht senkrecht auf G (H ist die halbierende Senkrechte der Strecke von M nach S), sodass H die Tangente an P ist.


Aufgabe (2 Punkte)

Es seien  z,w  konstruierbare Zahlen. Bestimme, ob die Zahl

z23zw+z+w257+4z+w+11

konstruierbar ist.


Lösung

Da rationale Zahlen konstruierbar sind, ist 57 konstruierbar. Mit jeder konstruierbaren reellen Zahl ist auch die Quadratwurzel konstruierbar. Also sind 11,w konstruierbar. Da die Summe und das Produkt von konstruierbaren Zahlen wieder konstruierbar ist, sind auch z2,3zw,z+w2 und z+w konstruierbar. Damit ist auch 4z+w konstruierbar und damit ist die Summe dieser Ausdrücke konstruierbar.


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige, dass die rationalen Funktionen (in den beiden Variablen U und V)

P=U15(1+V)7V3,
Q=U10(1+V)5V2

und

R=U6(1+V)3V

die Relation

P2+Q3+R5=0

erfüllen.


Lösung

Es ist

P2+Q3+R5=(U15(1+V)7V3)2+(U10(1+V)5V2)3+(U6(1+V)3V)5=U30(1+V)14V6+U30(1+V)15V6+U30(1+V)15V5=U30(1+V)14V5(1V1(1+V)V11+V)=U30(1+V)14V51+V1V(1+V)V=0.