Zum Inhalt springen

Kurs:Studienprojekt:Modultheorie über Hauptidealbereichen (Osnabrück 2011-2012)/Grundlagen zu Moduln/Textabschnitt

Aus Wikiversity

Zunächst sollen einige grundlegende Definitionen wiedergegeben werden. Diese sind sehr analog zu den Definitionen zu Vektorräumen, nur dass der Grundring hier im Allgemeinen kein Körper ist.



Moduln

Es sei R ein kommutativer Ring und  M=(M,+,0)  eine additiv geschriebene kommutative Gruppe. Man nennt M einen R-Modul, wenn eine Operation

R×MM,(r,v)rv=rv,

(Skalarmultiplikation genannt) festgelegt ist, die folgende Axiome erfüllt (dabei seien r,sR und u,vM beliebig):

  1.  r(su)=(rs)u
  2.  r(u+v)=(ru)+(rv)
  3.  (r+s)u=(ru)+(su)
  4.  1u=u

Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Eine Teilmenge  UM  heißt R-Untermodul, wenn sie eine Untergruppe von (M,0,+) ist und wenn für jedes  uU  und  rR  auch  ruU  ist.


Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Eine Familie viM, iI, heißt Erzeugendensystem für M, wenn es für jedes Element  vM  eine Darstellung

v=iJrivi

gibt, wobei  JI  endlich ist und  riR


Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Der Modul M heißt endlich erzeugt oder endlich, wenn es ein endliches Erzeugendensystem vi, iI, für ihn gibt (also mit einer endlichen Indexmenge).


Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. M heißt zyklisch, wenn M von einem Element erzeugt wird, wenn also gilt M=Rx für ein xM.


Es gibt zu jedem kommutativen Ring R einen Modul, der nur aus einem Element besteht: Die triviale Gruppe mit der einzig möglichen Art diese als R-Modul aufzufassen. Man nennt ihn den Nullmodul.



Jede kommutative Gruppe G ist auf natürliche Weise ein -Modul.

Die Skalarmultiplikation ist folgendermaßen definiert:

×GG,(z,g)zg.

Daher ist ein Erzeugendensystem von G als Gruppe auch ein Erzeugendensystem von G als -Modul und umgekehrt.

Da jeder Modul als Grundmenge definitionsgemäß eine kommutative Gruppe besitzt und alle Vektorräume über Körpern insbesondere Moduln sind, zeigt uns dieses Beispiel unter Anderem, dass es im Allgemeinen viele Möglichkeiten gibt, eine gegebene Gruppe als Grundmenge eines Moduls zu interpretieren.



Es sei R ein kommutativer Ring und Mi,iI, eine Familie von R-Moduln. Das Produkt

M=iIMi={(xi)iIxiMi für alle iI}

der Moduln wird mit komponentenweiser Addition und Skalarmultiplikation zum R-Modul. Das bedeutet für (xi)iI,(yi)iIM und rR

(xi)iI+(yi)iI=(xi+yi)iI

und

s(xi)iI=(sxi)iI.

M heißt dann das direkte Produkt der Mi,iI. Das I-fache direkte Produkt eines Moduls M mit sich selbst wird als MI geschrieben.


Der Untermodul

iIMiiIMi,

der aus allen (xi)iI besteht, für die xi=0 für fast alle iI ist, heißt direkte Summe der Mi.

Die I-fache direkte Summe eines Moduls M mit sich selbst wird als M(I) geschrieben.



Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Eine Familie viM, iI, heißt linear unabhängig, wenn für jede endliche Summe

iJrivi=0

mit  riR  und  JI  endlich gilt, dass alle  ri=0


Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Ein linear unabhängiges Erzeugendensystem heißt eine Basis (oder genauer: eine R-Basis) von M.


Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. M heißt frei (über R), wenn er eine R-Basis besitzt.


Es sei R ein vom Nullring verschiedener kommutativer Ring und M ein freier R-Modul. Man nennt dann die Kardinalität einer Basis von M den Rang von M.

Dies ist eine Definition, die so nur für Moduln über kommutativen Ringen, wie wir sie hier behandeln, gilt.


Es sei R ein kommutativer Ring. Das Produkt Rn ist ein endlicher, freier Modul mit Rang n. Er besteht aus den n-Tupeln von Elementen aus R:

(r1,,rn).

Addition und Skalarmultiplikation werden komponentenweise definiert, es ist also

(a1,,an)+(b1,,bn)=(a1+b1,,an+bn)

und

s(a1,,an)=(sa1,,san).

Eine Basis

von Rn bilden die Elemente
e1,,en,
wobei ei=(0,,0,1,0,,0 ) so definiert ist, dass an der i-ten Stelle des Tupels eine 1 steht und alle anderen Koordinaten 0 sind.

Der Rangbegriff lässt sich über Integritätsbereichen sogar auf nichtfreie Moduln erweitern. In Moduln über Integritätsbereichen besitzt nämlich jedes maximale linear unabhängige System von Elementen die selbe Anzahl an Elementen. Es gibt dafür Beweise mit Methoden, die hier nicht zentral sind. Die interessierte Leserin mag das Lehrbuch der Algebra von Günter Scheja und Uwe Storch in §25 Bemerkung 2 konsultieren. Es gilt umgekehrt immer, dass eine Basis über einem freien Modul maximal linear unabhängig ist. Dies gibt Anlass zu folgender sinnvollen Definition.


Es sei R ein Integritätsbereich und M ein R-Modul.

Dann heißt die eindeutig bestimmte Kardinalität eines maximal linear unabhängigen Systems von Elementen xi,iI, der Rang von M.



Modulhomomorphismen

Es sei R ein kommutativer Ring und M, N zwei R-Moduln. Eine Abbildung φ:MN heißt R-(Modul-)homomorphismus, wenn folgende beiden Eigenschaften erfüllt sind.

  1. φ(u+v)=φ(u)+φ(v) für alle u,vM.
  2. φ(sv)=sφ(v) für alle sR und vM.

Ein Modulhomomorphismus wird manchmal auch lineare Abbildung genannt.

Ein bijektiver Modulhomomorphismus heißt (Modul-)isomorphismus.

Wenn M=N ist, dann heißt φ ein (Modul-)endomorphismus, oder linearer Operator, im bijektiven Fall auch (Modul-)automorphismus.


Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring und M, N zwei R-Moduln. Es sei xi, iI, ein Erzeugendensystem von M und seien yi, iI, Elemente aus N.

Dann gibt es höchstens einen R-Modulhomomorphismus φ:MN, für den

φ(xi)=yi

für alle  iI  gilt.

Beweis  

Es sei uM mit der Darstellung

u=iJIaixi.

Für einen Homomorphismus φ mit φ(xi)=yi für alle iI gilt

φ(u)=φ(iJIaixi)=iJIaiφ(xi)=iJIaiyi.

Dies legt φ auf ganz M fest.



Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring und M, N zwei R-Moduln, wobei M frei sei. Es seien xi,iI, eine Basis von M und yi,iI, Elemente aus N.

Dann gibt es genau einen R-Modulhomomorphismus φ:MN, für den

φ(xi)=yi
für alle iI gilt.

Beweis  

Wir definieren φ für ein uM mit u=iJIaixi als

φ(u)=iJIaiyi.

Weil die xi,iI, linear unabhängig sind, gibt es nur eine einzige Darstellung für jedes uU, deshalb ist φ wohldefiniert.

Die Linearität überprüfen wir wie folgt.

Es seien zwei Modulelemente u=iJIsixi und v=iKItixi gegeben.

In dem wir weitere Summanden mit si=0 bzw. ti=0 hinzufügen können wir J=K erreichen. Deshalb nehmen wir das gleich an.

Wir zeigen die Additivität von φ.

φ(u+v)=φ((iJIsixi)+(iJItixi))=φ(iJI(si+ti)xi)=iJI(si+ti)φ(xi)=iJIsiφ(xi)+iJItiφ(xi)=φ(iJIsixi)+φ(iJItixi)=φ(u)+φ(v).

Wir zeigen die Verträglichkeit von φ mit der skalaren Multiplikation.

φ(au)=φ(aiJIsixi)=φ(iJI(asi)xi)=iJI(asi)φ(xi)=aiJIsiφ(xi)=aφ(iJIsixi)=aφ(u).

Dass dieses φ der einzige Modulhomomorphismus ist, der die Voraussetzungen erfüllt, folgt aus Lemma 1.16.


Es sei R ein Ring und I und J zwei Indexmengen. Eine I×J-Matrix ist eine Abbildung

I×JR,(i,j)aij.

Bei  I={1,,m}  und  J={1,,n}  spricht man von einer m×n-Matrix. In diesem Fall schreibt man eine Matrix zumeist tabellarisch als

(a11a12a1na21a22a2nam1am2amn).

Es sei R ein kommutativer Ring und M, N zwei endliche R-Moduln mit den Erzeugendensystemen x1,,xm und y1,,yn.

Zu einem Modulhomomorphismus

φ:MN
heißt eine

n×m-Matrix

M=(aij)ij,

wobei aij die i-te Komponente von φ(xj) bezüglich einer Darstellung φ(xj)=a1jy1++anjyn im Erzeugendensystem y1,,yn ist, eine beschreibende Matrix zu φ bezüglich der Erzeugendensysteme.

Wenn zudem x1,,xn linear unabhängig ist, also eine Basis ist, dann heißt zu einer Matrix M=(aij)ijMatn×m(R) der durch

xji=1naijyi

gemäß Satz 19.11 (Kommutative Algebra) definierte Modulhomomorphismus φ(M) der durch M festgelegte Modulhomomorphismus.


Es sei R ein kommutativer Ring, M und N R-Moduln und φ:MN ein Modulhomomorphismus. Dann sind kernφ und bildφ Untermoduln von M bzw. N.

Denn seien u,vkernφ und rR, dann gilt

φ(u+v)=φ(u)+φ(v)=0+0=0
und
φ(ru)=rφ(u)=r0=0.

Es seien nun x,ybildφ und rR. Dann gibt es u, v mit uφ1(x) und vφ1(y). Es gilt

φ(u+v)=φ(u)+φ(v)=x+y

und

φ(ru)=rφ(u)=rx.

Zu einer Matrix A kann man über den durch die Matrix bezüglich einer Basis in M und einem Erzeugendensystem in N beschriebenen Modulhomomorphismus genauso auch kernA und bildA als Untermoduln beschreiben.

Für bildA schreibt man auch oft AM, sinnbildlich als den Untermodul, der aus allen Elementen besteht, die entstehen, wenn man an A alle Elemente aus M von rechts multipliziert.




Restklassenmoduln

Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Es sei  UM  ein R-Untermodul von M. Die kommutative Restklassengruppe M/U trägt eine kanonische Modulstruktur, die durch

r[m]:=[rm]

für  rR  und  mM  gegeben ist. Mit dieser Skalarmultiplikation versehen heißt M/U der Restklassenmodul von M nach U.

Es muss geprüft werden, ob diese Definition wohldefiniert ist. Es ist also zu zeigen, dass aus [m]=[m] folgt: [rm]=[rm]. Sei [m]=[m]. Es gibt also ein uU mit m=m+u. Daraus folgt rm=rm+ru und daher, weil ruU ist, zwingend [rm]=[rm].


Satz  

Es sei R ein kommutativer Ring, M und N zwei R-Moduln und sei

φ:MN

ein Modulhomomorphismus.

Dann gibt es eine kanonische Faktorisierung

MqM/kernφθbildφιN,

wobei q die kanonische Projektion, θ ein Modulisomorphismus und ι die kanonische Inklusion der Bildgruppe ist.

Beweis  

Dies folgt direkt aus Satz 5.12 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2011)), dem entsprechenden Satz für Gruppen, weil jeder Modulhomomorphismus insbesondere ein Gruppenhomomorphismus ist und weil die resultierenden Gruppenhomomorphismen q, θ und ι Modulhomomorphismen sind. Bei q ist das so, weil es die kanonische Projektion ist; bei ι ist das so, weil es die Inklusion eines Untermoduls darstellt. Bei θ muss die selbe Eigenschaft dann zwingend gelten, da ansonsten niemals ιθq=φ gelten könnte.


Es sei φ:MN ein Modulhomomorphismus.

Der Restklassenmodul N/(bildφ) heißt Kokern von φ.


Es sei R ein kommutativer Ring und M ein endlicher R-Modul. Eine m×n-Matrix P, für die gilt

MRm/(PRn),
heißt

Präsentierungsmatrix von M.

Es handelt sich bei dem Modul also um den Kokern von P. Präsentierungsmatrizen sind eine beliebte Form der Darstellung von Moduln.