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Kurs:Studienprojekt:Modultheorie über Hauptidealbereichen (Osnabrück 2011-2012)/Grundlagen zu Hauptidealbereichen/Textabschnitt

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Ein kommutativer, nullteilerfreier, von 0 verschiedener Ring heißt Integritätsbereich.


Lemma  

In einem Integritätsbereich ist ein Primelement stets irreduzibel.

Beweis  

Angenommen, wir haben eine Zerlegung  p=ab.  Wegen der Primeigenschaft teilt p einen Faktor, sagen wir  a=ps.  Dann ist  p=psb  bzw.  p(1sb)=0.  Da p kein Nullteiler ist, folgt  1=sb,  sodass also b eine Einheit ist.



Zwei Elemente a und b eines kommutativen Ringes R heißen assoziiert, wenn es eine Einheit  uR  derart gibt, dass  a=ub  ist.



Hauptidealbereiche

Ein Integritätsbereich, in dem jedes Ideal ein Hauptideal ist, heißt Hauptidealbereich.


Lemma  

Es sei R ein Hauptidealbereich, aiR,iI, eine Familie von Elementen und 𝔞=iI(ai) der Schnitt der davon erzeugten Hauptideale. Ein Element  aR  ist genau dann ein kleinstes gemeinsames Vielfaches von ai,iI, wenn (a)=𝔞, wenn a also 𝔞 als Hauptideal erzeugt.

Beweis  

Ein Element x𝔞 ist ein Vielfaches aller ai,iI, also nach Definition ein gemeinsames Vielfaches und jedes gemeinsame Vielfache liegt in 𝔞. Ein erzeugendes Element des Ideals 𝔞 ist Teiler aller anderen gemeinsamen Vielfachen und daher nach Definition ein kleinstes gemeinsames Vielfaches und jedes kleinste gemeinsame Vielfache erzeugt 𝔞.



Satz (Lemma von Bezout)  

Es sei R ein Hauptidealring. Dann gilt:

Elemente a1,,an besitzen stets einen größten gemeinsamen Teiler d, und dieser lässt sich als Linearkombination der a1,,an darstellen, d.h. es gibt Elemente  r1,,rnR  mit  r1a1+r2a2++rnan=d

Insbesondere besitzen teilerfremde Elemente a1,,an eine Darstellung der 1.

Beweis  

Es sei  I=(a1,,an)  das von den Elementen erzeugte Ideal. Da wir in einem Hauptidealring sind, handelt es sich um ein Hauptideal; es gibt also ein Element d mit  I=(d).  Wir behaupten, dass d ein größter gemeinsamer Teiler der a1,,an ist. Die Inklusionen  (ai)I=(d)  zeigen, dass es sich um einen gemeinsamen Teiler handelt. Es sei e ein weiterer gemeinsamer Teiler der a1,,an. Dann ist wieder  (d)=I(e),  was wiederum e|d bedeutet. Die Darstellungsaussage folgt unmittelbar aus  dI=(a1,,an)

Im teilerfremden Fall ist  I=(a1,,an)=R



Satz (Lemma von Euklid)  

Es sei R ein Hauptidealbereich und  a,b,cR.  Es seien a und b teilerfremd und a teile das Produkt bc.

Dann teilt a den Faktor c.

Beweis  

Da a und b teilerfremd sind, gibt es nach dem Lemma von Bézout Elemente  r,sR  mit  ra+sb=1.  Die Voraussetzung, dass a das Produkt bc teilt, schreiben wir als  bc=da.  Damit gilt

c=c1=c(ra+sb)=cra+csb=acr+ads=a(cr+ds),

was zeigt, dass c ein Vielfaches von a ist.



Lemma  

Es sei R ein Hauptidealbereich. Dann ist ein Element genau dann prim,

wenn es irreduzibel ist.

Beweis  

Ein Primelement in einem Integritätsbereich ist nach Lemma 3.2 stets irreduzibel. Es sei also umgekehrt p irreduzibel, und nehmen wir an, dass p das Produkt ab teilt, sagen wir  pc=ab.  Nehmen wir an, dass a kein Vielfaches von p ist. Dann sind aber a und p teilerfremd, da eine echte Inklusionskette  (p)(p,a)=(d)R  der Irreduzibilität von p widerspricht. Damit teilt p nach dem Lemma von Euklid den anderen Faktor b.



Lemma  

In einem Hauptidealbereich lässt sich jede Nichteinheit  a0  als ein Produkt von irreduziblen Elementen darstellen.

Beweis  

Angenommen, jede Zerlegung  a=p1pk  enthalte nicht irreduzible Elemente. Dann gibt es in jedem solchen Produkt einen Faktor, der ebenfalls keine Zerlegung in irreduzible Faktoren besitzt. Wir erhalten also eine unendliche Kette a1=a,a2,a3,, wobei an+1 ein nicht-trivialer Teiler von an ist. Somit haben wir eine echt aufsteigende Idealkette

(a1)(a2)(a3).

Die Vereinigung dieser Ideale ist aber nach Aufgabe 3.15 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) ebenfalls ein Ideal und nach Voraussetzung ein Hauptideal. Dies ist ein Widerspruch.



Satz  

In einem Hauptidealbereich lässt sich jede Nichteinheit  a0  darstellen als ein Produkt von Primelementen. Diese Darstellung ist eindeutig bis auf Reihenfolge und Assoziiertheit. Wählt man aus jeder Assoziiertheitsklasse von Primelementen einen festen Repräsentanten p, so gibt es eine bis auf die Reihenfolge eindeutige Darstellung  a=up1r1p2r2pkrk,  wobei u eine Einheit ist und die pi Repräsentanten sind.

Beweis  

Die erste Aussage folgt direkt aus Lemma 3.9 und Lemma 3.8.

Die behauptete Eindeutigkeit bis auf Umordnung bedeutet, dass, wenn

a=up1pk=vq1qm

zwei Primfaktorzerlegungen sind, dann  k=m  ist und es eine Permutation τ auf {1,,k} derart gibt, dass pi und qτ(i) für alle  i{1,,k}  assoziiert sind. Wir beweisen diese Aussage durch Induktion über k. Es sei zuerst  k=0  (das sei zugelassen). Dann steht links eine Einheit, also muss auch rechts eine Einheit stehen, was  m=0  bedeutet.

Es sei also  k>0  und die Aussage sei für alle kleineren k bewiesen. Die Gleichung () bedeutet insbesondere, dass pk das Produkt rechts teilt. Da pk prim ist, muss pk einen der Faktoren rechts teilen. Nach Umordnung kann man annehmen, dass qm von pk geteilt wird. Da qm ebenfalls prim ist, sind qm und pk assoziiert. Also ist

qm=wpk

mit einer Einheit w und man kann die Gleichung () nach pk kürzen und erhält

up1pk1=(vw)q1qm1.

Die Induktionsvoraussetzung liefert dann  k1=m1  und dass jedes pi zu einem qj assoziiert ist.


Diesen Satz kann man auch so ausdrücken, dass Hauptidealbereiche faktoriell sind im Sinne der folgenden Definition. Für solche Bereiche gilt ganz allgemein, dass die Primfaktorzerlegung eindeutig ist.


Ein Integritätsbereich heißt faktorieller Bereich, wenn die beiden folgenden Eigenschaften erfüllt sind.

  1. Jedes irreduzible Element in R ist prim.
  2. Jedes Element aR, a0, ist ein Produkt aus irreduziblen Elementen.



Korollar  

Jede positive natürliche Zahl lässt sich eindeutig als Produkt von Primzahlen darstellen.

Beweis  

Dies folgt sofort aus Satz 3.10.



Korollar  

Es sei R ein Hauptidealbereich und seien a und b zwei Elemente 0 mit Primfaktorzerlegungen

a=up1r1p2r2pkrk und b=vp1s1p2s2pksk

(wobei die Exponenten auch 0 sein können und u,v Einheiten sind). Dann gilt a|b genau dann, wenn  risi  für alle Exponenten  i=1,,k  ist.

Beweis  

Wenn die Exponentenbedingung erfüllt ist, so ist  siri0,  und man kann

b=a(vu1p1s1r1pkskrk)

schreiben, was die Teilbarkeit bedeutet. Die Umkehrung folgt aus der Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung in Hauptidealbereichen (siehe Satz 3.10).



Satz  

Es sei R ein Hauptidealbereich und  p0  ein Element. Dann sind folgende Bedingungen äquivalent.

  1. p ist ein Primelement.
  2. R/(p) ist ein Integritätsbereich.
  3. R/(p) ist ein Körper.

Beweis  

Die Äquivalenz (1) (2) gilt in jedem kommutativen Ring (auch für p=0), siehe Aufgabe 3.24 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)), und (3) impliziert natürlich (2). Es sei also (1) erfüllt und sei  aR/(p)  von 0 verschieden. Wir bezeichnen einen Repräsentanten davon in R ebenfalls mit a. Es ist dann  a(p)  und es ergibt sich eine echte Idealinklusion  (p)(a,p).  Ferner können wir  (a,p)=(b)  schreiben, da wir in einem Hauptidealring sind. Es folgt  p=cb.  Da c keine Einheit ist und p prim (also nach Lemma 3.2 auch irreduzibel) ist, muss b eine Einheit sein. Es ist also  (a,p)=(1),  und das bedeutet modulo p, also in R/(p), dass a eine Einheit ist. Also ist R/(p) ein Körper.




K[X] euklidischer Hauptidealbereich

Ein euklidischer Bereich (oder euklidischer Ring) ist ein Integritätsbereich R, für den eine Abbildung δ:R{0} existiert, die die folgende Eigenschaft erfüllt:

Für Elemente a,b mit  b0  gibt es  q,rR  mit

a=qb+r und r=0 oder δ(r)<δ(b).

Für einen Körper K ist der Polynomring K[X] in einer Variablen ein euklidischer Bereich, wobei die euklidische Funktion δ durch die Gradfunktion gegeben ist. Viele Parallelen zwischen dem Polynomring K[X] und beruhen auf dieser Eigenschaft. Die Gradfunktion hat die Eigenschaft

δ(fg)=δ(f)+δ(g).



Lemma  

Beweis  

Es sei I ein von 0 verschiedenes Ideal. Betrachte die nichtleere Menge

{δ(a)aI,a0}.

Diese Menge hat ein Minimum m, das von einem Element bI,b0, herrührt, sagen wir  m=δ(b).  Wir behaupten, dass  I=(b)  ist. Dabei ist die Inklusion „ “ klar. Zum Beweis der Inklusion „ “ sei  aI  gegeben. Aufgrund der Definition eines euklidischen Bereiches gilt  a=qb+r  mit  r=0  oder  δ(r)<δ(b).  Wegen  rI  und der Minimalität von δ(b) kann der zweite Fall nicht eintreten. Also ist  r=0  und a ist ein Vielfaches von b.



Satz  

Ein Polynomring über einem Körper

ist ein Hauptidealbereich.

Beweis  

Dies ist eine direkte Folge von Bemerkung 3.16 und Lemma 3.17.