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Kurs:Körper- und Galoistheorie/10/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
Punkte 3 3 0 3 5 3 0 4 0 12 0 4 4 0 5 4 4 7 61




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein algebraisch abgeschlossener Körper.
  2. Eine einfache Radikalerweiterung (von Körpern).
  3. Ein Hauptidealbereich.
  4. Ein über einem Körper K algebraisches Element  fA  einer K-Algebra A.
  5. Eine normale Körpererweiterung  KL
  6. Ein aus einer Teilmenge  ME  einer Ebene E in einem Schritt konstruierbarer Punkt PE.


Lösung

  1. Ein Körper K heißt algebraisch abgeschlossen, wenn jedes nichtkonstante Polynom FK[X] eine Nullstelle in K besitzt.
  2. Eine Körpererweiterung  KL  heißt eine einfache Radikalerweiterung, wenn es ein bL gibt mit  L=K(b)  und ein n mit bnK.
  3. Ein Integritätsbereich, in dem jedes Ideal ein Hauptideal ist, heißt Hauptidealbereich.
  4. Das Element f heißt algebraisch über K, wenn es ein von 0 verschiedenes Polynom PK[X] mit P(f)=0 gibt.
  5. Eine Körpererweiterung  KL  heißt normal, wenn es zu jedem xL ein Polynom FK[X], F0, mit  F(x)=0  gibt, das über L zerfällt.
  6. Ein Punkt PE heißt aus M in einem Schritt konstruierbar, wenn eine der folgenden Möglichkeiten zutrifft.
    1. Es gibt zwei aus M elementar konstruierbare Geraden G1 und G2 mit  G1G2={P}
    2. Es gibt eine aus M elementar konstruierbare Gerade G und einen aus M elementar konstruierbaren Kreis C derart, dass P ein Schnittpunkt von G und C ist.
    3. Es gibt zwei aus M elementar konstruierbare Kreise C1 und C2 derart, dass P ein Schnittpunkt der beiden Kreise ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Beziehung zwischen prim und irreduzibel in einem Integritätsbereich R.
  2. Der Satz über die Charakterisierung normaler Körpererweiterungen.
  3. Der Satz über die Konstruktion der Quadratwurzel.


Lösung

  1. In einem Integritätsbereich ist ein Primelement stets irreduzibel.
  2. Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.
    1. Die Körpererweiterung ist normal.
    2. Wenn ein irreduzibles Polynom PK[X] eine Nullstelle in L besitzt, so zerfällt es in L[X].
    3. Es gibt ein K-Algebraerzeugendensystem xiL, iI, von L und über L zerfallende Polynome FiK[X], Fi0 , iI, mit  Fi(xi)=0
    4. Für jede Körpererweiterung  LM  und jeden K-Algebrahomomorphismus
      φ:LM

      ist  φ(L)L

  3. Es sei G eine mit zwei Punkten 0 und 1 markierte Gerade, die wir mit den reellen Zahlen identifizieren. Es sei  aG+  eine positive reelle Zahl. Dann ist die Quadratwurzel a aus 0,1,a mittels Zirkel und Lineal konstruierbar.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (3 Punkte)

Es sei  ζ1  eine n-te Einheitswurzel in einem Körper K. Zeige

ζn1+ζn2++ζ+1=0.


Lösung

Es ist

Xn1=(X1)(1+X+X2++Xn1),

wie sich durch Ausmultiplizieren der rechten Seite ergibt. Die n-te Einheitswurzel  ζ1  ist eine Nullstelle der linken Seite. Da wir in einem Körper sind, muss der rechte Faktor bei Einsetzen von ζ den Wert 0 ergeben. Also ist

ζn1+ζn2++ζ+1=0.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei R ein Hauptidealbereich und  p0  ein Element. Zeige, dass die folgende Bedingungen äquivalent sind.

  1. p ist ein Primelement.
  2. R/(p) ist ein Integritätsbereich.
  3. R/(p) ist ein Körper.


Lösung

Die Äquivalenz (1) (2) gilt in jedem kommutativen Ring (auch für p=0), siehe Aufgabe 7.1 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)), und (3) impliziert natürlich (2). Es sei also (1) erfüllt und sei  aR/(p)  von 0 verschieden. Wir bezeichnen einen Repräsentanten davon in R ebenfalls mit a. Es ist dann  a(p)  und es ergibt sich eine echte Idealinklusion  (p)(a,p).  Ferner können wir  (a,p)=(b)  schreiben, da wir in einem Hauptidealring sind. Es folgt  p=cb.  Da c keine Einheit ist und p prim (also nach Lemma 3.10 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) auch irreduzibel) ist, muss b eine Einheit sein. Es ist also  (a,p)=(1),  und das bedeutet modulo p, also in R/(p), dass a eine Einheit ist. Also ist R/(p) ein Körper.


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige, dass eine endliche Körpererweiterung  KL  algebraisch ist.


Lösung

Es sei n der Grad von L über K. Es sei  aL.  Wir betrachten die Potenzen

a0,a1,a2,a3,,an.

Da dies n+1 Elemente in einem n-dimensionalen K-Vektorraum sind, können sie nach Satz 8.2 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) nicht linear unabhängig sein. Also gibt es Koeffizienten  c0,c1,c2,,cnK,  die nicht alle gleich 0 sind, mit

c0a0+c1a1+c2a2++cnan=0.

Das zugehörige Polynom

c0+c1X1+c2X2++cnXn

ist nicht das Nullpolynom und es annulliert a. Somit ist a algebraisch.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (4 Punkte)

Es sei  /(p)𝔽q  eine Erweiterung endlicher Körper mit  q=pe  und es sei u eine primitive Einheitswurzel von 𝔽q. Was ist die erste Potenz un, n1, die zu /(p) gehört? Ist dieses un ein primitives Element von (/(p))×?


Lösung

Wir betrachten die Untergruppenbeziehung

(/(p))×(𝔽q)×.

Die Gruppen besitzen p1 bzw. q1 Elemente. Wegen

q1=pe1=(p1)(pe1+pe2++p2+p+1)

besitzt die Restklassengruppe

(𝔽q)×/(/(p))×

genau

pe1+pe2++p2+p+1

Elemente. Da alle beteiligten Gruppen zyklisch sind, ist der Restklassenhomomorphismus gleich

(𝔽q)×/(q1)/(pe1+pe2++p2+p+1),

wobei der Erzeuger auf einen Erzeuger geht. Deshalb wird der Kern von pe1+pe2++p2+p+1 erzeugt. Es ist also

upe1+pe2++p2+p+1

die erste Potenz, die in /(p) liegt, und dieses ist ein primitives Element.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (12 (3+1+6+2) Punkte)

Es sei p eine Primzahl.

a) Bestimme den Grad der Körpererweiterung

[p3].

Man gebe auch eine -Basis von [p3] an.

b) Zeige, dass in [p3] alle Elemente der Form m3p und n3p2 mit  m,n  eine dritte Wurzel besitzen.

c) Die rationale Zahl  x  besitze in [p3] eine dritte Wurzel. Zeige, dass x die Form

x=k3 oder x=m3p oder x=n3p2

mit  k,m,n  besitzt.

d) Es sei nun q eine weitere, von p verschiedene Primzahl. Bestimme den Grad der Körpererweiterung

[p3,q3].


Lösung

a) Wegen p3 besitzt das Polynom X3p keine Nullstelle in . Daher ist es nach Aufgabe 3.14 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) irreduzibel und somit ist X3p nach Lemma 7.12 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) das Minimalpolynom und somit besitzt die Körpererweiterung

[p3]

den Grad 3. Eine -Basis ist durch 1,p3,p32 gegeben.

b) Es ist

(mp3)3=m3p

und

(n(p3)2)3=n3p2.

c) Eine dritte Potenz in [p3] besitzt die Form y3 mit y[p3]. Sei

y=a+bp3+cp32=a+bp1/3+cp2/3

mit a,b,c. Dann ist

y3=r+sp1/3+tp2/3

mit

r=a3+b3p+c3p2+6abcp,
s=3a2b+3b2cp+3ac2p

und

t=3a2c+3ab2+3bc2p.

Wegen y3 müssen die beiden hinteren Komponenten 0 sein, also

s=t=0.

Daher ist auch

0=bsat=3b3cp3a3c=3c(b3pa3).

Es sei zuerst der hintere Faktor 0. Bei  b0  müsste

p=(ab)3

sein, was der Irrationalität dieser dritten Wurzel widerspricht. Also ist  b=0  und damit auch  a=0

Es sei nun

c=0.

Wegen  s=0  folgt daraus a=0 oder b=0. In jedem Fall sind also mindestens zwei der Koeffizienten a,b,c gleich 0. Die zugehörigen dritten Potenzen sind

a3,b3p,c3p2

und somit sind die rationalen Zahlen, die in diesem Körper eine dritte Wurzel besitzen, von der beschriebenen Art.

d) Wir betrachten die Körpererweiterung

[p3][p3,q3].

Nach Teil b) ist q3[p3]. Somit ist X3q irreduzibel über [p3] und daher besitzt nach der gleichen Argumentation wie unter a) die Körpererweiterung

[p3]=[p3][q3]

den Grad 3. Nach der Gradformel besitzt die Gesamterweiterung

[p3][q3]=[p3,q3]

den Grad  33=9


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (4 Punkte)

Es sei  Xna[X]  mit  n4  gerade. Zeige, dass der Zerfällungskörper von Xna maximal den Grad n!2 besitzt.


Lösung

Wenn das Polynom schon über eine Nullstelle besitzt, so ist die Aussage klar, da es dann um den Zerfällungskörper eines Polynoms vom maximalen Grad n1 handelt, dessen Grad maximal gleich

(n1)!n!2

ist. Es sei  K  eine Körpererweiterung vom Grad n, unter der das Polynom eine Nullstelle uK bekommt. Zu K gehört auch uu, und da n gerade ist, ist dies ebenfalls eine Nullstelle. Somit gilt über K

Xna=(Xu)(X+u)Q,

und man braucht maximal den Grad (n2)!, um Q zu zerfällen. Insgesamt ist der benötigte Grad also gleich n(n2)!. Dabei ist

n(n2)!n!2,

da dies zu

2nn(n1)

äquivalent ist, was wegen  n4  erfüllt ist.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme das Kreisteilungspolynom Φ9.


Lösung

Es gilt die Gleichung

X91=Φ1Φ3Φ9
mit Φ1=X1. Das dritte

Kreisteilungspolynom errechnet sich aus

X31=(X1)Φ3
zu

(Division mit Rest)

Φ3=X2+X+1.

Wegen (X91)/(X1)=X8+X7+X6+X5+X4+X3+X2+X+1 berechnet man das neunte Kreisteilungspolynom durch die Divison

(X8+X7+X6+X5+X4+X3+X2+X+1)/(X2+X+1).

Dies ergibt

Φ9=X6+X3+1.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (5 Punkte)

Berechne die Schnittpunkte der beiden Kreise K1 und K2, wobei K1 den Mittelpunkt (3,4) und den Radius 6 und K2 den Mittelpunkt (8,1) und den Radius 7 besitzen.


Lösung

Die Kreisgleichungen der beiden Kreise sind

(x3)2+(y4)2=x26x+y28y+25=36

und

(x+8)2+(y1)2=x2+16x+y22y+65=49.

Die Differenz der beiden Gleichungen ergibt

22x+6y+40=13.

Also ist

y=22x276.

Dies setzen wir in die erste Kreisgleichung ein und erhalten

x26x+(22x276)2822x27611=x2+1219x26x+33x+814+883x+3611=1309x2+1693x+1814=0.

Nach der Lösungsformel für eine quadratische Gleichung ist

x1,2=1693±2856194130918142609=169±285611301812603=3169±32856123530260=507±35031260=507±9559260.

Somit ist

y1=22x1276=22507+9559260276=11169+355926092=33559260+11132092=33559260+5320

und

y2=22x2276=225079559260276=11169355926092=33559260+11132092=33559260+5320.

Die Schnittpunkte sind also

(507+9559260,33559260+5320)

und

(5079559260,33559260+5320).


Aufgabe (4 Punkte)

Zeige, dass zu zwei konstruierbaren positiven reellen Zahlen a und b die Potenz ab nicht konstruierbar sein muss.


Lösung

Es sei  a=2  und

b=13.

Die Zahl

ab=213=23

ist algebraisch und wird von X32 annulliert. Da  23  liegt, gibt es nur eine reelle Nullstelle und keine rationale Nullstelle. Daher ist nach Aufgabe 3.14 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) das Polynom irreduzibel und daher nach Lemma 7.12 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) gleich dem Minimalpolynom. Also besitzt die Körpererweiterung

[23][X]/(X32)

den Grad 3. Nach Korollar 25.6 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) kann daher 23 nicht konstruierbar sein.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Satz, dass man zu einer positiven reellen Zahl ihre Quadratwurzel mit Zirkel und Lineal konstruieren kann.


Lösung

Der Punkt a sei auf einer Geraden G gegeben, auf der auch Punkte 0 und 1 markiert seien. Wir zeichnen den Kreis mit Mittelpunkt 0 durch 1 und markieren den zweiten Schnittpunkt dieses Kreises mit G als 1. Wir halbieren die Strecke zwischen 1 und a gemäß Lemma 24.6 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) und erhalten den konstruierbaren Punkt  M=a12G.  Der Abstand von M zu a als auch zu 1 ist dann a+12. Wir zeichnen den Kreis mit Mittelpunkt M und Radius a+12 und markieren einen der Schnittpunkte des Kreises mit der zu G senkrechten Geraden H durch 0 als x. Wir wenden den Satz des Pythagoras auf das Dreieck mit den Ecken 0,x,M an. Daraus ergibt sich

x2=(a+12)2(a12)2=a2+2a+1(a22a+1)4=4a4=a.

Also repräsentiert (der Abstand von 0 zu) x die Quadratwurzel aus a.


Aufgabe (7 Punkte)

Beweise das Austauschlemma für Transzendenzbasen.


Lösung

Wir zeigen, dass man fm durch eines der gj ersetzen kann. Da die Körpererweiterung  K(f1,,fm)L  algebraisch ist, gibt es zu jedem gj ein irreduzibles Polynom PjK(f1,,fm)[T] mit  Pj(gj)=0.  Wir multiplizieren mit dem Hauptnenner sämtlicher Koeffizienten der Pj und können dann annehmen, dass PjK[f1,,fm][T] gilt. Nehmen wir an, dass sämtliche Pj sogar zu K[f1,,fm1][T] gehören. Dann wäre die Körperkette

K(f1,,fm1)K(g1,,gn)L

eine nach Aufgabe 10.4 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) algebraische Erweiterung und insbesondere wäre fm algebraisch über K(f1,,fm1) im Widerspruch zur Voraussetzung, dass die fi algebraisch unabhängig sind. Es gibt also ein Pj mit PjK[f1,,fm1][T]. Wir schreiben

Pj=k=0rαkTk

mit

αk==0sβk,fm

und βk,K[f1,,fm1]. Dabei ist zumindest ein  βk,0  für ein  1.  Daher können wir die Gleichung  Pj(gj)=0  als eine algebraische Gleichung für fm über K[f1,,fm1,gj] lesen. Dies bedeutet, dass fm algebraisch über K(f1,,fm1,gj) ist.

Wir behaupten, dass f1,,fm1,gj eine Transzendenzbasis von L über K ist, wobei wir gerade gezeigt haben, dass L darüber algebraisch ist. Es ist zu zeigen, dass diese Elemente algebraisch unabhängig sind. Wären sie algebraisch abhängig, so müsste gj algebraisch über K(f1,,fm1) sein. Doch dann wäre, wieder wegen der Transitivität von algebraisch, auch fm algebraisch über K(f1,,fm1) im Widerspruch zur Voraussetzung.