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Kurs:Lineare Algebra/Teil I/11/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Punkte 3 3 1 4 3 3 3 8 3 3 11 4 4 4 2 3 2 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein Körper K.
  2. Eine Zerlegung eines K-Vektorraumes V als direkte Summe in die Untervektorräume U1,,Um.
  3. Die lineare Unabhängigkeit einer (nicht notwendigerweise endlichen) Familie von Vektoren vi, iI, in einem K-Vektorraum V.
  4. Eine alternierende Abbildung
    Φ:Vn=V××Vn-malW,

    wobei V und W Vektorräume über K sind.

  5. Die geometrische Vielfachheit von einem Eigenwert λ zu einer linearen Abbildung
    φ:VV

    auf einem endlichdimensionalen K-Vektorraum V.

  6. Ein affiner Unterraum eines K-Vektorraumes V.


Lösung

  1. Ein Körper K ist ein kommutativer Ring, wenn K0 ist und wenn jedes von 0 verschiedene Element in K ein multiplikatives Inverses besitzt.
  2. Man sagt, dass V die direkte Summe der Ui ist, wenn die beiden folgenden Bedingungen erfüllt sind.
    1.  Ui(jiUj)=0  für alle i.
    2. Jeder Vektor vV besitzt eine Darstellung
      v=u1+u2++um

      mit uiUi.

  3. Eine Familie von Vektoren vi, iI, heißt linear unabhängig, wenn eine Gleichung
    iJaivi=0 mit aiK für eine endliche Teilmenge JI

    nur bei ai=0 für alle i möglich ist.

  4. Die Abbildung
    Φ:Vn=V××Vn-malW

    heißt alternierend, wenn Φ multilinear ist und wenn Folgendes gilt: falls in v=(v1,,vn) zwei Einträge übereinstimmen, also vi=vj für ein Paar ij, so ist

    Φ(v)=0.
  5. Man nennt
    dimK(Eigλ(φ))

    die geometrische Vielfachheit des Eigenwerts.

  6. Unter einem affinen Unterraum von V versteht man (die leere Menge oder) eine Teilmenge der Form
    w+U={w+uuU},

    wobei UV ein Untervektorraum und wV ein Vektor ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Umkehrabbildung einer linearen Abbildung
  2. Der allgemeine Entwicklungssatz für die Determinante.
  3. Der Satz über baryzentrische Koordinaten.


Lösung

  1. Es sei K ein Körper und es seien V und W zwei K-Vektorräume. Es sei
    φ:VW

    eine bijektive lineare Abbildung. Dann ist auch die Umkehrabbildung

    φ1:WV
    linear.
  2. Es sei K ein Körper und sei M=(aij)ij eine n×n-Matrix über K. Zu i,j{1,,n} sei Mij diejenige Matrix, die entsteht, wenn man in M die i-te Zeile und die j-te Spalte weglässt. Dann ist (bei n2 für jedes feste i bzw. j)
    detM=i=1n(1)i+jaijdetMij=j=1n(1)i+jaijdetMij.
  3. Es sei Pi, iI, eine affine Basis in einem affinen Raum E über dem K-Vektorraum V. Dann gibt es für jeden Punkt PE eine eindeutige Darstellung
    P=iIaiPi

    mit

     iIai=1


Aufgabe (1 Punkt)

Wir betrachten den Satz „Diese Vorlesung versteht keine Sau“. Negiere diesen Satz durch eine Existenzaussage.


Lösung

Es gibt eine Sau, die diese Vorlesung versteht.


Aufgabe (4 (2+2) Punkte)

Es sei Tn, n+, eine Familie von Mengen. Wir setzen

Sn=Tn(i=1n1Ti).


a) Zeige

i=1nTi=i=1nSi.


b) Zeige, dass die Vereinigung i=1nSi disjunkt ist, dass also

SnSk=

für  nk  ist.


Lösung


a) Wegen  SnTn  gilt . Zum Nachweis der umgekehrten Inklusion sei  xi=1nTi.  Dann gibt es ein i zwischen 1 und n mit  xTi  und damit auch ein minimales k mit dieser Eigenschaft. Es ist also  xTk,  aber  xTi  für  i<k.  Damit ist  xTki=1k1Ti=Sk  und insbesondere  xi=1nSi


b) Es sei  kn  und sagen wir  k<n.  Es sei  xSn=Tni=1n1Ti.  Dann ist  xTn  und  xTi  für  i<n.  Also ist insbesondere  xTk  und damit auch  xSk.  Also sind Sn und Sk disjunkt.


Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)

Wir betrachten die durch die Wertetabelle

x 1 2 3 4 5 6 7
φ(x) 4 7 4 5 1 1 2

gegebene Abbildung

φ:{1,2,3,4,5,6,7}{1,2,3,4,5,6,7}.

a) Bestimme das Bild von {1,2,3} unter φ.

b) Bestimme das Urbild von {4,5,6,7} unter φ.

c) Erstelle eine Wertetabelle für

φ3=φφφ.


Lösung

a) Das Bild von {1,2,3} ist {4,7}.

b) Das Urbild von {4,5,6,7} ist {1,2,3,4}.

c)

x 1 2 3 4 5 6 7
φ(x) 1 7 1 4 5 5 2


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei K ein Körper und V ein K-Vektorraum der Dimension n. Es seien 𝔲=u1,,un,𝔳=v1,,vn und 𝔴=w1,,wn Basen von V. Zeige, dass die Übergangsmatrizen zueinander in der Beziehung

M𝔴𝔲=M𝔴𝔳M𝔳𝔲

stehen.


Lösung

Es sei

ui=j=1najivj

und

vj=k=1nbkjwk.

Dann ist

M𝔳𝔲=(aji)

und

M𝔴𝔳=(bkj).

Somit ist

ui=j=1najivj=j=1naji(k=1nbkjwk)=k=1n(j=1nbkjaji)wk.

Der Koeffizient vor wk ist dabei das Produkt aus der k-ten Zeile von M𝔴𝔳 und der i-ten Spalte von M𝔳𝔲, und dies ist der Eintrag (M𝔴𝔲)ik.


Aufgabe (3 Punkte)

Drücke in 3 den Vektor

(0,1,0)

als Linearkombination der Vektoren

(9,6,5),(2,2,5) und (7,3,4)

aus.


Lösung

Es geht um das lineare Gleichungssystem

9a+2b+7c=0,
6a+2b+3c=1,
5a+5b+4c=0.

Wir ersetzen die zweite Zeile durch III und die dritte durch 2III5I und erhalten

9a+2b+7c=0,
3a4c=1,
35a27c=0.

Wir ersetzen III durch 4III27II und erhalten

9a+2b+7c=0,
3a4c=1,
59a=27.

Somit ist

a=2759,
c=3a14=3275914=3559

und

b=12(9a7c)=12159(927+735)=159.


Aufgabe (8 Punkte)

Beweise den Basisaustauschsatz.


Lösung

Wir führen Induktion über k, also über die Anzahl der Vektoren in der Familie. Bei  k=0  ist nichts zu zeigen. Es sei die Aussage für k schon bewiesen und seien k+1 linear unabhängige Vektoren

u1,,uk,uk+1

gegeben. Nach Induktionsvoraussetzung, angewandt auf die

(ebenfalls linear unabhängigen) Vektoren
u1,,uk

gibt es eine Teilmenge  J={i1,i2,,ik}{1,,n}  derart, dass die Familie

u1,,uk,bi,iIJ,

eine Basis von V ist. Wir wollen auf diese Basis das Austauschlemma anwenden. Da eine Basis vorliegt, kann man

uk+1=j=1kcjuj+iIJdibi

schreiben.  Wären hierbei alle Koeffizienten  di=0,   so ergäbe sich sofort ein Widerspruch zur linearen Unabhängigkeit der uj, j=1,,k+1. Es gibt also ein  iIJ  mit  di0.  Wir setzen  ik+1:=i.  Damit ist  J={i1,i2,,ik,ik+1}  eine (k+1)-elementige Teilmenge von {1,,n}. Nach dem Austauschlemma kann man den Basisvektor bik+1 durch uk+1 ersetzen und erhält die neue Basis

u1,,uk,uk+1,bi,iIJ.
  Der Zusatz folgt sofort, da eine k-elementige Teilmenge einer n-elementigen Menge vorliegt.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme die Dimension des von den Vektoren

(1110),(1101),(1011),(0111)

erzeugten Untervektorraumes des 4.


Lösung

Die Summe der vier Vektoren ist

(1110)+(1101)+(1011)+(0111)=(3333).

Daher gehört (1111) zu dem von den Vektoren erzeugten Untervektorraum. Daher gehören auch die Differenzen

(1111)(1110)=(0001),
(1111)(1101)=(0010),
(1111)(1011)=(0100)

und

(1111)(0111)=(1000),

also die Standardvektoren, zu dem erzeugten Untervektorraum. Daher wird der ganze 4 erzeugt und die Dimension ist 4.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme, für welche  x  die Matrix

(x2+xxx3+2x2+5x1x2x)

invertierbar ist.


Lösung

Eine Matrix ist genau dann invertierbar, wenn ihre Determinante 0 ist. Die Determinante der Matrix ist

det(x2+xxx3+2x2+5x1x2x)=(x2+x)(x2x)+x(x3+2x2+5x1)=x4x2x4+2x3+5x2x=2x3+4x2x=x(2x2+4x1).

Dies ist gleich 0 bei  x=0,  was die Lösung  x1=0  ergibt, oder bei  2x2+4x1=0.  Diese quadratische Gleichung ist äquivalent zu  x2+2x12=0  bzw. zu

(x+1)2112=0.

Also ist

x+1=±32

und damit

x2=321 und x3=321.

Die einzigen komplexen Zahlen, bei denen die Matrix nicht invertierbar ist, sind also

0,321,321.


Aufgabe (11 (6+5) Punkte)

Es sei K ein Körper, V und W seien endlichdimensionale K-Vektorräume und sei

φ:VW

eine lineare Abbildung.

a) Zeige: φ ist genau dann surjektiv, wenn es eine lineare Abbildung

ψ:WV

mit

φψ=IdW

gibt.


b) Es sei nun φ surjektiv, es sei

S={ψ:WVψ linear,φψ=IdW}

und es sei  ψ0S  fixiert. Definiere eine Bijektion zwischen HomK(W,kernφ) und S, unter der 0 auf ψ0 abgebildet wird.


Lösung

a) Es gebe eine lineare Abbildung ψ mit der angegebenen Eigenschaft φψ=IdW. Dann ist für jedes wW

w=φ(ψ(w)),

also ist ψ(w) ein Urbild für w unter φ.

Es sei w1,,wn eine Basis von W und es seien v1,,vn Urbilder unter φ, also Elemente in V mit

φ(vi)=wi für alle i=1,,n.

Wir definieren nun eine lineare Abbildung ψ:WV durch

ψ(wi):=vi für alle i=1,,n.
Da man eine lineare Abbildung auf einer Basis frei vorgeben kann, ist dadurch in der Tat eine lineare Abbildung definiert.

Für die Verknüpfung φψ und einen beliebigen Vektor w=i=1naiwi gilt

(φψ)(i=1naiwi)=φ(ψ(i=1naiwi))=φ(i=1naiψ(wi))=φ(i=1naivi)=i=1naiφ(vi)=i=1naiwi.

Also ist diese Verknüpfung die Identität.

b) Wir definieren eine Abbildung durch

HomK(W,kernφ)S,θθ+ψ0,

wobei θ+ψ0 die Addition von linearen Abbildungen von W nach V ist. Unter dieser Abbildung geht die Nullabbildung auf ψ0. Wir müssen zuerst zeigen, dass θ+ψ0 zu S gehört. Dies folgt aus

(φ(θ+ψ0))(w)=φ((θ+ψ0)(w))=φ(θ(w)+ψ0(w))=φ(ψ0(w))=w

für alle wW.

Zur Injektivität. Seien θ1 und θ2 aus HomK(W,kernφ) gegeben, die auf das gleiche Element in S abgebildet werden. Dann ist

θ1(w)+ψ0(w)=θ2(w)+ψ0(w) für alle wW
und daher
θ1(w)=θ2(w) für alle wW.

Zur Surjektivität. Es sei ψS. Wir betrachten ψψ0 und behaupten, dass dies zu HomK(W,kernφ) gehört. Dies folgt aus

φ((ψψ0)(w))=φ(ψ(w)ψ0(w))=φ(ψ(w))φ(ψ0(w))=ww=0.

Damit ist ψ=(ψψ0)+ψ0 im Bild der Abbildung.


Aufgabe (4 Punkte)

Zeige, dass eine Permutation auf {1,,n} genau dann die Identität ist, wenn sie keinen Fehlstand besitzt.


Lösung

Wenn π die Identität ist, so ist für jedes  i<j  natürlich auch  π(i)=i<j=π(j),  sodass kein Fehlstand vorliegt. Die Umkehrung beweisen wir durch Induktion über n. Für  n=1  ist die Aussage richtig. Es sei sie für n schon bewiesen und sei eine Permutation π auf {1,,n+1} ohne Fehlstand gegeben. Für jedes  i<n+1  gilt dann  π(i)<π(n+1).  Die n verschiedenen Zahlen π(i), i={1,,n}, sind also kleiner als π(n+1), und daher ist die einzige verbleibende Möglichkeit

π(n+1)=n+1.

Daher ist n+1 ein Fixpunkt von π und somit kann man π als eine Permutation auf {1,,n} auffassen. Diese besitzt ebenfalls keinen Fehlstand und ist nach Induktionsvoraussetzung die Identität, also ist auch π die Identität.


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei K ein Körper und 𝔞K[X] ein Ideal, das die beiden Elemente X2+7X+5 und 6X+3 enthält. Zeige, dass 𝔞 das Einheitsideal ist.


Lösung

Es ist

X2+7X+5=(6X+3)(16X+1312)+74.

Da X2+7X+5 und (6X+3)(16X+1312) zum Ideal 𝔞 gehören, gehört auch

74=X2+7X+5(6X+3)(16X+1312)

zu 𝔞. Damit gehört auch

1=4774

zum Ideal und wegen P=P1 für alle Polynome P ist 𝔞 das Einheitsideal.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme die 2×2-Matrizen über der Form

M=(ab0d)

mit

M2+3M4E2=0.


Lösung

Die Gesamtbedingung führt wegen

(ab0d)(ab0d)=(a2ab+bd0d2)

auf

(a2ab+bd0d2)+3(ab0d)4(1001)=(0000)

und somit auf die drei Bedingungen

a2+3a4=0,
d2+3d4=0

und

(a+d+3)b=0.

Nach der Lösungsformel für quadratische Gleichungen gilt

a,d=1,4.

Bei  b=0  sind also

(1001),(1004),(4001),(4004)

Lösungen. Bei  b0  muss zusätzlich

a+d=3

sein, und daher sind

(1b04),(4b01) mit b0

weitere Lösungen.


Aufgabe (2 Punkte)

Was ist falsch an der folgenden Argumentation:

„Aussage: Es sei λ ein Eigenwert zur oberen Dreiecksmatrix

M=(d10d200dn100dn).

Dann ist

λ=dn.

Beweis: Es sei

x=(x1xn)

ein Eigenvektor der Matrix zum Eigenwert λ. Dies bedeutet die Gleichheit

(d10d200dn100dn)(x1xn)=λ(x1xn).

Diese Gleichheit bedeutet die entsprechende Gleichheit in jeder Zeile. Speziell ergibt sich für die letzte Zeile die Bedingung

dnxn=λxn.

Da x als Eigenvektor von 0 verschiedenen sein muss, kann man durch xn dividieren und erhält  dn=λ.  “


Lösung

Es ist zwar

x=(x1xn)0,

dies bedeutet aber nur, dass mindestens eine Komponente nicht 0 ist. Der letzte Eintrag kann 0 sein, und dann kann man die behauptete Division nicht durchführen.


Aufgabe (3 Punkte)

Eine lineare Abbildung

φ:33

werde bezüglich der Standardbasis durch die Matrix

(278022002)

beschrieben. Finde eine Basis, bezüglich der φ durch die Matrix

(210021002)

beschrieben wird.


Lösung

Es ist

M=(278022002)+2(100010001)=(078002000)

und

(078002000)(078002000)=(0014000000).

Der Vektor (001) gehört nicht zum Kern von M2, daher kann man aus den sukzessiven Bildern davon eine Basis wie gewünscht herstellen. Es ist

M(001)=(078002000)(001)=(820)

und

M2(001)=(1400).

Daher ist

(1400),(820),(001)

eine Basis, bezüglich der die jordansche Normalform

(210021002)

vorliegt.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei Pi, iI, eine Familie von Punkten in einem affinen Raum E. Zeige, dass durch eine baryzentrische Kombination iIaiPi ein eindeutiger Punkt in E definiert wird.


Lösung

Es seien  Q,QE.  Dann ist

Q+iIaiQPi=Q+QQ+iIaiQPi=Q+iIai(QQ+QPi)=Q+iIaiQPi,

der Punkt ist also wohldefiniert.