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Kurs:Mathematik für Anwender (Osnabrück 2023-2024)/Teil I/Vorlesung 25/kontrolle

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Die Dimensionsformel

Die folgende Aussage heißt Dimensionsformel .


Satz  Satz 25.1 ändern

Es sei K ein Körper, V und W seien K-Vektorräume und

φ:VW

sei eine K-lineare Abbildung und V sei endlichdimensional.

Dann gilt

dimK(V)=dimK(kernφ)+dimK(bildφ).

Beweis  



Es sei K ein Körper, V und W seien K-Vektorräume und

φ:VW

sei eine K-lineare Abbildung und V sei endlichdimensional. Dann nennt man

rangφ:=dimK(bildφ)

den Rang von φ.

Die Dimensionsformel kann man auch als

dim(V)=dim(kernφ)+rangφ

ausdrücken.


Wir betrachten die durch die Matrix

M=(011022134246)

gegebene lineare Abbildung

φ:34,(xyz)M(xyz)=(y+z2y+2zx+3y+4z2x+4y+6z).

Zur Bestimmung des Kerns müssen wir das homogene lineare Gleichungssystem

(y+z2y+2zx+3y+4z2x+4y+6z)=(0000)

lösen. Der Lösungsraum ist

L={s(111)s}

und dies ist der Kern von φ. Der Kern ist also eindimensional und daher ist die Dimension des Bildes nach der Dimensionsformel gleich 2.




Korollar  Korollar 25.4 ändern

Es sei K ein Körper und es seien V und W Vektorräume über K der gleichen Dimension n. Es sei

φ:VW

eine lineare Abbildung.

Dann ist φ genau dann injektiv, wenn φ surjektiv ist.

Beweis  

Dies folgt aus der Dimensionsformel und Lemma 24.14.



Verknüpfung von linearen Abbildungen und Matrizen



Lemma  

Bei der Korrespondenz zwischen linearen Abbildungen und Matrizen entsprechen sich die Hintereinanderschaltung von linearen Abbildungen und die Matrizenmultiplikation.

Damit ist folgendes gemeint: es seien U,V,W Vektorräume über einem Körper K mit Basen

𝔲=u1,,up,𝔳=v1,,vn und 𝔴=w1,,wm.

Es seien

ψ:UV und φ:VW

lineare Abbildungen. Dann gilt für die beschreibenden Matrizen von ψ,φ und der Hintereinanderschaltung φψ die Beziehung

M𝔴𝔲(φψ)=(M𝔴𝔳(φ))(M𝔳𝔲(ψ)).

Beweis  

Wir betrachten die Abbildungskette

UψVφW.

Bezüglich der Basen werde ψ durch die n×p-Matrix  B=(bjk)jk  und φ durch die m×n-Matrix  A=(aij)ij  beschrieben. Die Hintereinanderschaltung φψ wirkt auf einen Basisvektor uk folgendermaßen.

(φψ)(uk)=φ(ψ(uk))=φ(j=1nbjkvj)=j=1nbjkφ(vj)=j=1nbjk(i=1maijwi)=i=1m(j=1naijbjk)wi=i=1mcikwi.

Dabei sind diese Koeffizienten  cik=j=1naijbjk  gerade die Einträge in der Produktmatrix AB.

Daraus folgt beispielsweise, dass das Produkt von Matrizen assoziativ ist.



Invertierbare Matrizen

Es sei K ein Körper und sei M eine n×n-Matrix über K. Dann heißt M invertierbar, wenn es eine weitere Matrix  AMatn(K)  mit

AM=En=MA

gibt.


Es sei K ein Körper. Zu einer invertierbaren Matrix  MMatn(K)  heißt die Matrix  AMatn(K)  mit

AM=En=MA

die inverse Matrix von M. Man schreibt dafür

M1.



Lineare Abbildungen und Basiswechsel



Lemma  Lemma 25.8 ändern

Es sei K ein Körper und es seien V und W endlichdimensionale K-Vektorräume. Es seien 𝔳 und 𝔲 Basen von V und 𝔴 und 𝔷 Basen von W. Es sei

φ:VW

eine lineare Abbildung, die bezüglich der Basen 𝔳 und 𝔴 durch die Matrix M𝔴𝔳(φ) beschrieben werde.

Dann wird φ bezüglich der Basen 𝔲 und 𝔷 durch die Matrix

M𝔷𝔴(M𝔴𝔳(φ))(M𝔲𝔳)1

beschrieben, wobei M𝔲𝔳 und M𝔷𝔴 die Übergangsmatrizen sind, die die Basiswechsel von 𝔳 nach 𝔲 und von 𝔴 nach 𝔷 beschreiben.

Beweis  



Korollar  Korollar 25.9 ändern

Es sei K ein Körper und es sei V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum. Es sei

φ:VV

eine lineare Abbildung. Es seien 𝔲 und 𝔳 Basen von V.

Dann besteht zwischen den Matrizen, die die lineare Abbildung bezüglich 𝔲 bzw. 𝔳 (beidseitig) beschreiben, die Beziehung

M𝔲𝔲(φ)=M𝔲𝔳M𝔳𝔳(φ)(M𝔲𝔳)1.

Beweis  

Dies folgt direkt aus Lemma 25.8.



Zwei quadratische Matrizen  M,NMatn(K)  heißen ähnlich, wenn es eine invertierbare Matrix B mit  M=BNB1  gibt.

Nach Korollar 25.9 sind zu einer linearen Abbildung φ:VV die beschreibenden Matrizen bezüglich zweier Basen ähnlich zueinander.



Eigenschaften von linearen Abbildungen



Lemma  Lemma 25.11 ändern

Es sei K ein Körper und es seien V und W Vektorräume über K der Dimension n bzw. m. Es sei

φ:VW

eine lineare Abbildung, die bezüglich zweier Basen durch die Matrix  MMatm×n(K)  beschrieben werde. Dann gelten folgende Eigenschaften.

  1. φ ist genau dann injektiv, wenn die Spalten der Matrix linear unabhängig sind.
  2. φ ist genau dann surjektiv, wenn die Spalten der Matrix ein Erzeugendensystem von Km bilden.
  3. Bei  m=n  ist φ genau dann bijektiv, wenn die Spalten der Matrix eine Basis von Km bilden, und dies ist genau dann der Fall, wenn M invertierbar ist.

Beweis  

Es seien  𝔳=v1,,vn  und  𝔴=w1,,wm  Basen von V bzw. W und es seien s1,,sn die Spaltenvektoren von M. (1). Die Abbildung φ hat die Eigenschaft

φ(vj)=i=1msijwi,

wobei sij der i-te Eintrag des j-ten Spaltenvektors sj ist. Daher ist

φ(j=1najvj)=j=1naj(i=1msijwi)=i=1m(j=1najsij)wi.

Dies ist genau dann 0, wenn  j=1najsij=0  für alle i ist, und dies ist äquivalent zu

j=1najsj=0.

Dafür gibt es ein nichttriviales (Lösungs-)Tupel (a1,,an) genau dann, wenn die Spalten linear abhängig sind und genau dann, wenn der Kern von φ nicht trivial ist. Dies ist gemäß Lemma 24.14 äquivalent dazu, dass φ nicht injektiv ist.
(2). Siehe Aufgabe 25.3.
(3). Sei  n=m.  Die erste Äquivalenz folgt aus (1) und (2). Wenn φ bijektiv ist, so gibt es die (lineare) Umkehrabbildung φ1 mit

φφ1=IdW und φ1φ=IdV.

Es sei M die Matrix zu φ und N die Matrix zu φ1. Die Matrix zur Identität ist die Einheitsmatrix. Nach Lemma 25.5 ist daher

MN=En=NM

und somit ist M invertierbar. Die Umkehrung wird ähnlich bewiesen.




Auffinden der inversen Matrix

Es sei M eine quadratische Matrix. Wie kann man entscheiden, ob die Matrix invertierbar ist, und wie kann man die inverse Matrix M1 finden?

Dazu legt man eine Tabelle an, wo in der linken Seite zunächst die Matrix M steht und in der rechten Seite die Einheitsmatrix. Jetzt wendet man auf beide Matrizen schrittweise die gleichen elementaren Zeilenumformungen an. Dabei soll in der linken Seite die Ausgangsmatrix in die Einheitsmatrix umgewandelt werden. Dies ist genau dann möglich, wenn diese Matrix invertierbar ist. Wir behaupten, dass bei dieser Vorgehensweise in der rechten Seite die Matrix M1 als Endmatrix entsteht. Dies beruht auf folgendem Invarianzprinzip . Jede elementare Zeilenumformung kann nach Fakt ***** als eine Matrizenmultiplikation mit einer Elementarmatrix E von links realisiert werden. Wenn in der Tabelle

(M1,M2)

steht, so steht im nächsten Schritt

(EM1,EM2).

Wenn man das Inverse (das man noch nicht kennt, das es aber unter der Voraussetzung, dass die Matrix invertierbar ist, gibt.) der linken Seite mit der rechten Seite multipliziert, so ergibt sich

(EM1)1EM2=M11E1EM2=M11M2.

D.h., dass sich dieser Ausdruck bei den Einzelschritten nicht ändert. Zu Beginn ist dieser Ausdruck gleich M1En, daher muss zum Schluss für (En,N) gelten

N=En1N=M1En=M1.

Wir wollen zur Matrix (131412011) gemäß dem in Verfahren 25.12 beschriebenen Verfahren die inverse Matrix M1 bestimmen.

(131412011) (100010001)
(1310112011) (100410001)
(1310110112) (100001410)
(131011009) (1000014111)
(131011001) (1000014919119)
(102011001) (1030014919119)
(100010001) (1929594919294919119)