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Kurs:Invariantentheorie (Bochum 2003)/Vorlesung 5

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Es sei ein Körper und eine positiv-graduierte kommutative - Algebra mit der Eigenschaft, dass für jedes    die Stufe endlichdimensional ist. Dann nennt man die Potenzreihe

die Hilbert-Reihe von .

Die lineare Operation von einer endlichen Gruppe auf einem - Vektorraum bzw. auf dem zugehörigen Polynomring    induziert eine -lineare Operation in jeder Stufe (standard-graduiert) und der Invariantenring ist selbst graduiert. Dies ermöglicht folgende Definition.


Die endliche Gruppe operiere linear auf dem Polynomring  .  Dann nennt man die Potenzreihe

die Hilbert-Reihe (oder Molien-Reihe) zu dieser Operation.

Die Dimensionen der homogenen Stufen sind endlich und daher ist diese Definition sinnvoll. Die Hilbert-Reihe zur Operation ist einfach die Hilbert-Reihe des Invariantenringes.

Die Dimension des Fixraumes zu einer linearen Operation kann man über die Spur der einzelnen Automorphismen berechnen.


Es sei ein Körper und ein endlichdimensionaler - Vektorraum, auf dem eine endliche Gruppe linear operiere. Die Gruppenordnung sei kein Vielfaches der Charakteristik von .

Dann besitzt der Fixraum der Operation (also der gemeinsame Eigenraum zum Eigenwert ) die Dimension

Wir betrachten die lineare Abbildung

Zu    ist -invariant und für    ist  .  Daher ist eine lineare Projektion

Eine lineare Projektion wird in einer geeigneten Basis durch eine Diagonalmatrix beschrieben, in der    Einsen und sonst Nullen stehen. Also ist  .  Die Behauptung folgt daraus, dass die Spur additiv ist.


Der folgende Satz berechnet die Hilbert-Reihe (Formel von Molien).



Es sei ein algebraisch abgeschlossener Körper der Charakteristik . Die endliche Gruppe operiere linear auf einem endlichdimensionalen - Vektorraum .

Dann ist

Der lineare Automorphismus ist nach Fakt ***** diagonalisierbar, da er endliche Ordnung hat. In einer geeigneten Basis besitzt die duale Abbildung die Gestalt

Auf der -ten Stufe induziert dies den linearen Automorphismus

mit . Die Eigenvektoren von sind die verschiedenen Monome

(es sei ) mit    mit den Eigenwerten . Die Spur von ist daher

Nach Fakt ***** ergibt sich

mit

Damit ist unter Verwendung der geometrischen Reihe


Die Formel besagt insbesondere, dass diese Potenzreihe eine rationale Funktion (also ein Quotient aus zwei Polynomen) ist und daher nur endlich viele Polstellen hat. Die Nennerpolynome in den Summanden sind im Wesentlichen die charakteristischen Polynome der Gruppenelemente, doch steht hier die Variable bei der linearen Abbildung, nicht bei der Identität.

Die Hilbert-Reihe eines Polynomringes, wobei die Variablen positiven Grad besitzen, hat folgende Gestalt.



Es sei ein Körper und es sei    der Polynomring über , wobei die den positiven Grad    haben mögen.

Dann ist die Hilbert-Reihe dieses Ringes gleich

Die Monome vom Gesamtgrad    bilden eine - Basis von . Die Dimension der -ten Stufe ist also die Anzahl der Elemente in der Menge

Die Behauptung folgt somit aus

wobei wir im letzten Schritt die Formel für die geometrische Reihe verwendet haben.


Wir wenden uns nun der Charakterisierung derjenigen linearen Operationen auf dem Polynomring zu, die zu einem Invariantenring führen, der selbst ein Polynomring ist.


Ein linearer Automorphismus auf einem endlichdimensionalen - Vektorraum heißt Pseudoreflektion (oder Pseudospiegelung), wenn er in einer geeigneten Basis durch eine Matrix der Form

wobei    eine Einheitswurzel ist, beschrieben werden kann.

Eine Pseudoreflektion besitzt also eine Hyperebene (einen -dimensionalen Untervektorraum), auf der sie fix ist (der Eigenraum zum Eigenwert ) und einen weiteren dazu linear unabhängigen Eigenvektor zum Eigenwert . Die Ordnung der Einheitswurzel bestimmt auch die Ordnung der Pseudoreflektion. Das Inverse einer Pseudoreflektion ist wieder eine Pseudoreflektion. Gelegentlich wird eine Pseudoreflektion etwas allgemeiner dadurch definiert, dass es einen -dimensionalen fixen Untervektorraum gibt und die Matrix endliche Ordnung besitzt. Im Fall eines algebraisch-abgeschlossenen Körpers der Charakteristik macht dies keinen Unterschied. In positiver Charakteristik ist auch eine Pseudoreflektion (der Ordnung ) in diesem allgemeineren Sinn. Zur Betonung nennt man die oben definierten Abbildungen dann auch diagonalisierbare Pseudoreflektionen.


Eine endliche Untergruppe    heißt Reflektionsgruppe (oder Spiegelungsgruppe), wenn sie durch Pseudoreflektionen erzeugt wird.

Man beachte, dass dies keine Eigenschaft der (abstrakten) Gruppe ist, sondern eine Eigenschaft der Untergruppe  .  In einer Reflektionsgruppe kann man jedes Element als ein Produkt    mit Pseudoreflektionen schreiben.

Die Bedeutung von Reflektionsgruppen in der Invariantentheorie kommt im folgenden wichtigen Satz, dem Satz von Chevalley-Shephard-Todd, zum Ausdruck.


Es sei ein algebraisch abgeschlossener Körper der Charakteristik null. Die endliche Gruppe operiere linear und treu auf dem - Vektorraum . Dann sind folgende Aussagen äquivalent.

  1.    ist eine Reflektionsgruppe.
  2. Der Invariantenring ist (isomorph zu einem) ein Polynomring (in Variablen).

Aus Dimensionsgründen ist klar, dass wenn der Invariantenring ein Polynomring ist, dieser Variablen besitzt. Die geometrische Relevanz ist, dass genau dann eine Operation einer Reflektionsgruppe auf dem affinen Raum vorliegt, wenn der Quotient selbst ein affiner Raum ist.

Der Beweis dieses Satzes benutzt verschiedene Lemmata und verwendet die Theorie der Hilbert-Reihen. Hierbei werden verschiedene elementare Hilfsmittel aus der Theorie der Potenzreihen verwendet.



Es sei ein algebraisch abgeschlossener Körper und    eine Pseudoreflektion. Es sei der Fixraum zu und eine Linearform , die auf verschwindet.

Dann ist für jedes Polynom    ein Teiler von .

Für    ist

Das Polynom verschwindet also auf der Nullstellenmenge von . Wir können zu einer Variablenmenge ergänzen und

schreiben. Das Polynom verschwindet auf und ist somit die Nullfunktion, also muss es gemäß Aufgabe ***** auch das Nullpolynom sein, da der Körper unendlich ist.



Es sei ein algebraisch abgeschlossener Körper der Charakteristik und    eine Reflektionsgruppe. Es sei das Ideal in , das durch die homogenen Invarianten von einem positiven Grad erzeugt wird. Es gelte

wobei die    homogene Polynome und die   

invariante Polynome seien.

Dann ist    oder  

Wir führen Induktion über den Grad von . Bei    gehört natürlich zu . Für    und    ist  .  Es sei also    und die Aussage für kleineren Grad bewiesen. Es sei    vorausgesetzt und es sei    eine Pseudoreflektion. Dann ist

Nach Fakt ***** kann man

schreiben, wobei eine beschreibende Linearform des Fixraumes zu ist und einen kleineren Grad als besitzt. Wir schreiben die obige Gleichung als

Daher ist die Summe rechts gleich und nach Induktionsvoraussetzung ist  ,  also auch  

Es sei nun    ein Produkt von Pseudoreflektionen. Dann ist

Da zu gehört und unter invariant ist, gehört auch zu . Mit dem Reynolds-Operator ist

Dies gehört zu und wegen    ist auch