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Kurs:Körper- und Galoistheorie/2/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
Punkte 3 3 3 4 4 3 5 4 3 3 5 5 10 7 62




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein Normalteiler N in einer Gruppe G.
  2. Eine n-te primitive Einheitswurzel ζ in einem Körper K (n+).
  3. Ein separables Polynom PK[X] über einem Körper K.
  4. Die Kommutatorgruppe einer Gruppe G.
  5. Eine transitive Untergruppe einer Permutationsgruppe.
  6. Eine rein transzendente Körpererweiterung  KL


Lösung

  1. Eine Untergruppe
    HG

    ist ein Normalteiler, wenn

    xH=Hx

    für alle  xG  ist.

  2. Eine n-te Einheitswurzel heißt primitiv, wenn sie die Ordnung n besitzt.
  3. Ein Polynom PK[X] heißt separabel, wenn es über keinem Erweiterungskörper KL mehrfache Nullstellen besitzt.
  4. Die Kommutatorgruppe in G ist die von allen Kommutatoren aba1b1, a,bG, erzeugte Untergruppe.
  5. Eine Untergruppe  HG=S(M)  einer Permutationsgruppe zu einer Menge M heißt transitiv, wenn es zu je zwei Elementen x,yM ein σH mit  σ(x)=y  gibt.
  6. Die Körpererweiterung  KL  heißt rein transzendent, wenn es algebraisch unabhängige Elemente f1,,fnL mit  L=K(f1,,fn)  gibt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Das Lemma von Dedekind für Charaktere auf einem Monoid G in einen Körper K.
  2. Der Satz über die Galoiskorrespondenz bei einer endlichen Galoiserweiterung KL.
  3. Der Satz über das Delische Problem.


Lösung

  1. Es sei G ein Monoid, K ein Körper und χ1,,χnChar(G,K) seien n Charaktere. Dann sind diese Charaktere linear unabhängig (als Elemente in HomK(G,K)).
  2. Es sei  KL  eine endliche Galoiserweiterung mit der Galoisgruppe  G=Gal(L/K).  Dann sind die Zuordnungen
    MGal(L/M) und HFix(H)

    zueinander inverse Abbildungen zwischen der Menge der Zwischenkörper M, KML,

    und der Menge der Untergruppen von G.
  3. Die Würfelverdopplung mit Zirkel und Lineal ist nicht möglich.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme das Minimalpolynom der komplexen Zahl π+ei über .


Lösung

Wegen  e0  gehört diese Zahl nicht zu , daher besitzt das Minimalpolynom den Grad 2. Es ist

(π+ei)2=π2e2+2πei=π2e2+2π(π+ei)2π2=2π(π+ei)π2e2.

Daher ist

X22πX+π2+e2

das Minimalpolynom.


Aufgabe (4 (1+1+2) Punkte)


a) Zeige, dass durch

K=/(7)[T]/(T32)

ein Körper mit 343 Elementen gegeben ist.


b) Berechne in K das Produkt (T2+2T+4)(2T2+5).


c) Berechne das (multiplikativ) Inverse zu T+1.


Lösung


a) Es ist

13=1,23=1,33=6,43=1,53=6,63=6.

Also besitzt das Polynom T32 keine Nullstelle in /(7) und ist somit irreduzibel, also ist /(7)[T]/(T32) ein Körper. Die Restklassen von 1,T,T2 bilden eine /(7)-Basis, sodass dieser Körper  73=343  Elemente besitzt.


b) Es ist

(T2+2T+4)(2T2+5)=2T4+4T3+6T2+3T+6=4T+1+6T2+3T+6=6T2.


c) Polynomdivision liefert

T32=(T2+6T+1)(T+1)+4.

In K gilt somit

(T+1)(T2+6T+1)=3.

Das Inverse von 3 in /(7) ist 5, also ist

5T2+2T+5
das Inverse von T+1.


Aufgabe (4 (1+1+1+1) Punkte)

Wir betrachten das Polynom

P=X7129+105X103+15X+45.

Bestimme für die folgenden Körper K, ob P irreduzibel in K[X] ist.

a) K=.

b) K=.

c) K=/(2).

d) K=[T]/(T7129+105T103+15T+45).


Lösung

a) Wir können das Eisenstein-Kriterium mit der Primzahl 5 anwenden. Die 5 teilt alle Koeffizienten von P außer dem Leitkoeffizienten, und 52 teilt nicht den konstanten Term. Also ist P irreduzibel in [X].

b) Das Polynom hat ungeraden Grad, daher besitzt es aufgrund des Zwischenwertsatzes eine reelle Nullstelle und ist daher nicht irreduzibel in [X].

c) Über K=/(2) wird das Polynom zu X7129+X103+X+1, das die Nullstelle 1 besitzt. Also ist P nicht irreduzibel in /(2)[X].

d) Zunächst ist K ein Körper aufgrund von Teil (a). Es sei t die Restklasse von T. In K ist nach Konstruktion P(t)=0, also ist t eine Nullstelle von P und P ist nicht irreduzibel in K[X].


Aufgabe (3 (1+2) Punkte)

Es sei K eine endliche normale Körpererweiterung und sei

κ:

die komplexe Konjugation.

a) Zeige, dass κ(K)K gilt.

b) Zeige, dass κ|K=IdK genau dann gilt, wenn K ist.


Lösung

a) Die Verknüpfung Kικ (ι die Inklusion) ist ein -Algebrahomomorphismus, daher ist das Bild dieser Abbildung nach Satz 15.4 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) gleich K.

b) Bei K ist natürlich κ|K=IdK, da die komplexe Konjugation auf die Identität ist und sich diese Eigenschaft auf eine Teilmenge überträgt. Wenn andererseits K⊈ ist, so gibt es (wegen K) ein a+biK mit b0. Für dieses Element ist κ(a+bi)=abia+bi, sodass die komplexe Konjugation nicht die Identität auf K ist.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei K ein Körper. Beweise die Produktregel für das formale Ableiten

D:K[X]K[X],FF.


Lösung

Die Produktregel besagt

(FG)=FG+FG.
Nach Definition ist die Ableitung FF eine K-lineare Abbildung. Deshalb und aufgrund des Distributivgesetzes sind für festes G die Abbildungen
FFG(FG),
FFG
und
FFG
K-linear. Da jedes F eine eindeutige Darstellung als K-Linearkombination mit den Potenzen

Xn, n, besitzt, genügt es, die Aussage für  F=Xn  zu zeigen. Die gleiche Überlegung zeigt, dass man lediglich G=Xm betrachten muss. Dann gilt einerseits

(XnXm)=(Xn+m)=(n+m)Xn+m1

und andererseits

Xn(Xm)+(Xn)Xm=mXnXm1+nXn1Xm=mXn+m1+nXn+m1=(n+m)Xn+m1,

sodass Gleichheit gilt.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise das Lemma von Dedekind für zwei Charaktere

χ1,χ2:GK

auf einem Monoid G in einen Körper K.


Lösung

Wir müssen zeigen, dass χ1 und χ2 als Abbildungen von G nach K linear unabhängig sind. Das bedeutet, dass sie sich nicht um einen konstanten Faktor unterscheiden. Wir nehmen χ2=aχ1 mit aK× an. Wegen χ1(e)=χ2(e)=1 für das neutrale Element eG muss a=1 sein. Dann ist aber χ2=χ1 und es würden nicht zwei verschiedene Charaktere vorliegen.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme die Matrix des Frobeniushomomorphismus

Φ:𝔽25𝔽25

bezüglich einer geeigneten 𝔽5-Basis von 𝔽25.


Lösung

Wegen 12=(1)2=1 und 22=32=4 in 𝔽5=/(5) ist X22 irreduzibel über 𝔽5. Daher ist 𝔽25=/(5)[X]/(X22). Wir betrachten den Frobeniushomomorphismus bezüglich der Basis 1 und x (x sei die Restklasse von X). Dabei ist 15=1 und

x5=x2x2x=22x=4x.

Also ist

(1004)

die beschreibende Matrix.


Aufgabe (3 Punkte)

Wie viele Unterkörper besitzt der endliche Körper 𝔽625?


Lösung

Wegen 625=54 ist die Galoisgruppe der Körpererweiterung 𝔽5𝔽625 zyklisch der Ordnung 4, also isomorph zu /(4). Diese Gruppe besitzt drei Untergruppen, nämlich 0, die durch 2 erzeugte Untergruppe und sich selbst. Nach dem Satz über die Galoiskorrespondenz besitzt daher 𝔽625 drei Zwischenkörper.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei D=/(n) und sei K ein Körper, der eine n-te primitive Einheitswurzel ζ enthält. Es sei L eine D-graduierte Körpererweiterung von K. Beschreibe die Matrizen der K-Algebraautomorphismen auf L (also die Elemente der Galoisgruppe Gal(L/K)) bezüglich einer geeigneten K-Basis von L.


Lösung

Die Automorphismen auf L entsprechen den Charakteren auf D=/(n). Diese entsprechen wiederum eindeutig dem Bild der 1, welches eine n-te Einheitswurzel sein muss, also sich mittels der gegebenen primitiven Einheitswurzel als ζi mit einem eindeutigen i zwischen 0 und n1 schreiben lässt. Es sei xL1 ein von 0 verschiedenes Element der ersten Stufe. Dann bilden die xd, 0dn1, eine K-Basis von L. Der zu einem Charakter χ gehörende Automorphismus wirkt dabei in der d-ten Stufe durch Multiplikation mit χ(d). Daher besitzt der Automorphismus zum Charakter χ mit χ(1)=ζi bzgl. dieser Basis die Matrixdarstellung

(ζ0000ζi0000ζ2i0000ζi(n1)).


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei  KL  eine endliche Galoiserweiterung mit Galoisgruppe G und es seien H1,H2G Untergruppen mit den zugehörigen Fixkörpern K1=Fix(H1) und K2=Fix(H2). Zeige, dass der Durchschnitt K1K2 gleich dem Fixkörper zu H ist, wobei H die von H1 und H2 erzeugte Untergruppe bezeichnet (das ist die kleinste Untergruppe von G, die sowohl H1 als auch H2 enthält).


Lösung

Es sei zuerst xFix(H). Wegen H1,H2H ist insbesondere xFix(H1) und xFix(H2), also auch xFix(H1)Fix(H2)=K1K2.

Aufgrund der Galoiskorrespondenz können wir die andere Inklusion K1K2Fix(H) dadurch zeigen, dass wir die umgekehrte Inklusion der Galoisgruppen nachweisen. D.h. wir müssen HGal(L/K1K2) zeigen. Da rechts eine Gruppe steht und H die von H1 und H2 erzeugte Untergruppe ist, müssen wir lediglich H1,H2Gal(L/K1K2) zeigen. Wegen K1K2K1 ist aber H1Gal(L/K1K2) (ebenso für H2).


Aufgabe (10 (4+6) Punkte)

Es sei  Kn  (in ) der n-te Kreisteilungskörper und sei ζ eine n-te primitive Einheitswurzel. Wir betrachten die Elemente ζi, i(/(n))×.

a) Zeige, dass für eine Primzahl  n=p  diese Elemente eine -Basis von Kn bilden.


b) Es sei p eine Primzahl und  n=p2.  Zeige, dass diese Elemente keine -Basis von Kn bilden.


Lösung


a) Der Kreisteilungskörper Kn wird als Kn=[X]/(Φn) beschrieben mit dem n-ten Kreisteilungspolynom Φn. Dieses hat den Grad φ(n) (mit der eulerschen φ-Funktion), und X wird durch ζ ersetzt. Daher ist ζ0,ζ1,,ζφ(n)1 eine -Basis von Kn. Bei n=p ist φ(p)=p1 und wir betrachten die Elemente ζi,i=1,,p1. Das p-te Kreisteilungspolynom ist Xp1+Xp2++X+1. Daher ist

1=ζp1ζp2ζ,

sodass man die 1 als Linearkombination der angegebenen Elemente darstellen kann. Daher bilden sie ein Erzeugendensystem und somit auch eine Basis, da es sich um φ(p) Elemente handelt.


b) Die Einheiten in /(p2) sind alle Zahlen, die keine Vielfachen von p sind. Es gilt

0=1+ζ+ζ2++ζn1.

Wir schreiben diese Summe als

0=i=0n1ζi=i=0,pin1ζi+i=0,p∤in1ζi=j=0p1ζpj+i=0,p∤in1ζi.

Da ζ eine p2-te primitive Einheitswurzel ist, ist ζp eine p-te primitive Einheitswurzel. Die linke Summe ist daher

j=0p1ζpj=j=0p1(ζp)j=0.

Also ist auch die rechte Summe

i=0,p∤in1ζi=0.

Dies ist aber die Summe über alle Elemente aus unserer Familie, sodass diese Familie linear abhängig ist.


Aufgabe (7 Punkte)

Es sei G eine auflösbare Gruppe und

q:GH

ein surjektiver Gruppenhomomorphismus. Zeige, dass auch H auflösbar ist.


Lösung

Wir fixieren eine auflösende Filtrierung

{e}=G0G1G2Gk1Gk=G.
Es sei
q:GH
der Restklassenhomomorphismus. Wir setzen Hi=q(Gi), dies ist eine Filtrierung von H mit Untergruppen. Wir betrachten das kommutative Diagramm
GiGi+1HiHi+1,

wobei die vertikalen Homomorphismen surjektiv sind. Wir behaupten, dass Hi ein Normalteiler in Hi+1 ist, und ziehen dazu Lemma 5.4 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) heran. Es sei also hHi und xHi+1, die wir durch h~Gi bzw. x~Gi+1 repräsentieren. Dann ist  xhx1=q(x~h~x~1)  und wegen der Normalität von Gi ist x~h~x~1Gi und somit xhx1Hi. Wir betrachten die zusammengesetzte surjektive Abbildung

Gi+1Hi+1Hi+1/Hi.

Da Gi zum Kern dieser Abbildung gehört, gibt es aufgrund von Satz 5.10 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) eine surjektive Abbildung

Gi+1/GiHi+1/Hi,

weshalb Hi+1/Hi ebenfalls kommutativ ist.