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Kurs:Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)/Teil II/Vorlesung 56

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Basiswechsel bei Tensorprodukten



Lemma  

Es sei K ein Körper und seien V1,,Vn endlichdimensionale Vektorräume über K. Es seien v1j,jJ1,,vnj,jJn, und w1j,jJ1,,wnj,jJn, Basen von V1,,Vn mit den Basiswechselmatrizen

Bi=M𝔴i𝔳i=(airs)1r,sdimK(Vi).

Dann ist die Basiswechselmatrix (mit J=J1××Jn) zwischen den Basen

v1j1vnjn,(j1,,jn)J und w1j1wnjn,(j1,,jn)J

des Tensorproduktes durch die J×J-Matrix mit den Einträgen

c(j1,,jn),(k1,,kn)=a1j1k1anjnkn

beschrieben.

Beweis  

Nach der Definition 9.2 der Basiswechselmatrix ist

vis=rJiairswir.

Somit ist unter Verwendung von Lemma 55.9  (3)

v1k1vnkn=(j1J1a1j1k1w1j1)(jnJnanjnknwnjn)=(j1,,jn)Ja1j1k1anjnknw1j1wnjn,

und diese Koeffizienten bilden die Basiswechselmatrix.



Wir betrachten den 2 mit den Basen  𝔳=(56),(38)  und der Standardbasis 𝔴 und als reellen Vektorraum mit den Basen  𝔵=32i,4+5i  und  𝔶=1,i.  Damit sind die Basiswechselmatrizen, wie sie in Lemma 56.1 auftreten, gleich

B1=(5368)

und

B2=(3425).

Wir folgen der Anordnung (1,1),(1,2),(2,1),(2,2) und erhalten die Basiswechselmatrix

(152091210256151824243212301640).

In der zweiten Spalte steht beispielsweise, wie man v1x2 als Linearkombination der w1y1,w1y2,w2y1,w2y2 ausdrückt.




Tensorprodukt und Dualraum



Satz  

Es sei K ein Körper und seien V1,,Vn endlichdimensionale Vektorräume über K.

Dann gibt es eine natürliche Isomorphie

V1Vn(V1Vn),f1fn(v1vnf1(v1)fn(vn)).

Beweis  

Für fixierte Linearformen f1V1,,fnVn ist die Abbildung

V1××VnK,(v1,,vn)f1(v1)fn(vn),

nach Aufgabe 16.39 multilinear und definiert daher eine Linearform auf V1Vn. Dies ergibt die Abbildung

Ψ:V1××Vn(V1Vn),(f1,,fn)((v1vn)f1(v1)fn(vn)).

Diese Gesamtzuordnung Ψ ist ebenfalls multilinear und ergibt somit eine lineare Abbildung

V1Vn(V1Vn).

Nach Korollar 55.13 und Korollar 13.12 haben die Räume die gleiche Dimension. Es seien vij, 1jdimK(Vi), Basen der Vi. Dann bilden die v1j1vnjn nach Satz 55.12  (3) eine Basis von V1Vn und die Dualbasis dazu eine Basis des Dualraumes. Wir behaupten die Gleichheit der linearen Abbildungen

Ψ(v1j1vnjn)=(v1j1vnjn).

Diese ergibt sich, da beide Abbildungen, angewendet auf die Basiselemente v1k1vnkn, bei  (k1,,kn)=(j1,,jn)  den Wert 1 und andernfalls den Wert 0 ergeben. Daher ist Ψ surjektiv und damit auch injektiv.



Es sei K ein Körper und U,V,W seien K-Vektorräume. Dann gelten folgende Aussagen (im Sinne einer kanonischen Isomorphie).

  1. Es ist
    UKVVKU.
  2. Es ist
    UK(VKW)(UKV)KW.

Beweis

Siehe Aufgabe 56.2.




Tensorprodukte von linearen Abbildungen



Lemma  

Es sei K ein Körper und seien V1,,Vn,W1,,Wn Vektorräume über K. Es seien

φi:ViWi

K-lineare Abbildungen.

Dann gibt es eine wohldefinierte lineare Abbildung

V1VnW1Wn

mit

ψ(v1vn):=φ1(v1)φn(vn).

Beweis  

Die Gesamtabbildung

V1××Vnφ1××φnW1××WnπW1Wn

ist nach Aufgabe 16.30 multilinear. Dies induziert nach Satz 55.4 eine lineare Abbildung

V1VnW1Wn,v1vnφ(v1)φ(vn).



Es sei K ein Körper und seien V1,,Vn,W1,,Wn Vektorräume über K. Zu K-linearen Abbildungen

φi:ViWi

heißt die lineare Abbildung

V1VnW1Wn,v1vnφ1(v1)φn(vn),

das Tensorprodukt der φi. Es wird mit φ1φn bezeichnet.



Proposition  

Es sei K ein Körper und seien U,V,Z Vektorräume über K. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Zu einer K-linearen Abbildung φ:UV gibt es eine natürliche K-lineare Abbildung φKIdZ:UKZVKZ.
  2. Wenn φ surjektiv ist, ist auch φKIdZ surjektiv.
  3. Wenn φ injektiv ist, so ist auch φKIdZ injektiv.

Beweis  

(1). Dies ist ein Spezialfall von Lemma 56.5.

(2). Die Surjektivität der Abbildung

UKZVKZ

ist klar, da die vz ein K-Erzeugendensystem von VKZ bilden und diese im Bild der Abbildung liegen.

(3). Wegen der Injektivität können wir

UV

als Untervektorraum auffassen. Eine Basis ui, iI, von U können wir zu einer Basis ui, iJ, mit  IJ  von V ergänzen. Sei z, L, eine Basis von Z. Dann ist nach Satz 55.12  (3) die Familie vjz, (j,)J×L, eine Basis von VZ und viz, (i,)I×L, ist eine Teilmenge davon, die eine Basis von UZ ist. Also wird unter

UZVZ

eine Basis auf linear unabhängige Elemente abgebildet und somit ist diese Abbildung injektiv.

Von daher werden wir zu Untervektorräumen U1V1,,UnVn das Tensorprodukt U1Un als Untervektorraum von V1Vn auffassen.



Es sei K ein Körper und U,V,W seien K-Vektorräume.

Dann ist

UK(VW)(UKV)(UKW).

Beweis

Siehe Aufgabe 56.5.



Körperwechsel

Schon häufig haben wir ein reelles Problem dadurch vereinfacht, dass wir es als Problem über den komplexen Zahlen aufgefasst haben. Wenn die Situation mit einer reellen Matrix formuliert werden kann, so kann man diese direkt als eine komplexe Matrix auffassen und dafür die (nichtreellen) komplexen Eigenwerte berechnen und ähnliches. Matrizen sind im Allgemeinen von der Wahl von Basen abhängige Beschreibungen mathematischer Objekte. Mit dem Tensorprodukt kann man den Übergang zum Komplexen auf der Ebene der Objekte selbst sinnvoll beschreiben. Wir betrachten daher hier den Fall des Tensorproduktes, wenn über K ein K-Vektorraum V und eine Körpererweiterung  KL  vorliegt. Wir fixieren die verwendeten Sprechweisen.


Eine Teilmenge  KL  eines Körpers L heißt Unterkörper von L, wenn folgende Eigenschaften gelten.

  1. Es ist  0,1K
  2. Mit  a,bK  ist auch  a+bK
  3. Mit  a,bK  ist auch  abK
  4. Mit  aK  ist auch  aK
  5. Mit aK, a0, ist auch  a1K

Es sei L ein Körper und  KL  ein Unterkörper von L. Dann heißt L ein Erweiterungskörper (oder Oberkörper) von K und die Inklusion  KL  heißt eine Körpererweiterung.



Lemma  

Es sei  KL  eine Körpererweiterung.

Dann ist L in natürlicher Weise ein K-Vektorraum.

Beweis  

Die Skalarmultiplikation

K×LL,(λ,x)λx,

wird einfach durch die Multiplikation in L gegeben. Die Vektorraumaxiome folgen dann direkt aus den Körperaxiomen.



Zu einem K-Vektorraum V über einem Körper K und einer Körpererweiterung  KL  nennt man LKV den durch Körperwechsel gewonnenen L-Vektorraum.

Statt LKV schreibt man auch VL.



Proposition  

Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und  KL  eine Körpererweiterung. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Das Tensorprodukt LKV ist ein L-Vektorraum.
  2. Es gibt eine kanonische K-lineare Abbildung
    VLKV,v1v.

    Bei  K=L  ist dies ein Isomorphismus.

  3. Zu einer K-linearen Abbildung φ:VW ist die induzierte Abbildung
    IdLφ:LKVLKW

    eine L-lineare Abbildung.

  4. Zu  V=Kn  ist
    LKKnLn.
  5. Zu einem endlichdimensionalen K-Vektorraum V ist
    dimK(V)=dimL(LKV).
  6. Zu einer weiteren Körpererweiterung  LM  ist
    MKVML(LKV)

    (eine Isomorphie von M-Vektorräumen).

Beweis  

(1). Die Multiplikation

L×LL,(r,s)rs,

ist L-bilinear und insbesondere K-bilinear und führt nach Satz 55.4 zu einer K-linearen Abbildung

LKLL.

Dies induziert nach Lemma 56.4  (2) und nach Proposition 56.7 eine K-lineare Abbildung

LK(LKV)(LKL)KVLKV.

Dies ergibt eine wohldefinierte Skalarmultiplikation

L×(LKV)(LKV),

die explizit durch

s(j=1nrjmj)=j=1n(srj)mj

gegeben ist. Aus dieser Beschreibung folgen direkt die Eigenschaften einer Skalarmultiplikation.
(2). Die K-Homomorphie folgt direkt aus der Bilinearität des Tensorprodukts. Bei  L=K  ist die Abbildung surjektiv. Die Skalarmultiplikation K×VV induziert eine K-lineare Abbildung

KKVV.

Die Verknüpfung der kanonischen Abbildung VKKV mit dieser Abbildung ist die Identität auf V, sodass die erste Abbildung auch injektiv ist.
(3) folgt aus der expliziten Beschreibung in (1).
(4) folgt aus Korollar 56.8.
(5) folgt aus (4).
(6). Nach Teil (2) haben wir einerseits eine K-lineare Abbildung VLKV. Dies führt zu einer K-multilinearen Abbildung

M×VM×(LKV)ML(LKV),

die eine K-lineare Abbildung

MKVML(LKV)

induziert. Andererseits haben wir eine L-lineare Abbildung

LKVMKV.

Rechts steht ein M-Vektorraum, daher kann man die Skalarmultiplikation als eine L-multilineare Abbildung

M×(LKV)MKV

auffassen, die ihrerseits zu einer L-linearen Abbildung

ML(LKV)MKV

führt. Diese beiden Abbildungen sind invers zueinander, was man auf den zerlegbaren Tensoren überprüfen kann. Daran sieht man auch, dass sich die M-Multiplikationen entsprechen.



Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und  KL  eine Körpererweiterung. Es sei vi, iI, eine Familie von Vektoren aus V. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Die Familie vi, iI, ist genau dann ein K-Erzeugendensystem von V, wenn 1vi, iI, ein L-Erzeugendensystem von LV ist.
  2. Die Familie vi, iI, ist genau dann K-linear unabhängig in V, wenn 1vi, iI, linear unabhängig (über L) in LV ist.
  3. Die Familie vi, iI, ist genau dann ein K-Basis von V, wenn 1vi, iI, ein L-Basis von LV ist.

Beweis

Siehe Aufgabe 56.17.

Es sei V ein reeller Vektorraum. Die Tensorierung mit der -Algebra , also

V:=V,

nennt man die Komplexifizierung von V. Wenn V die Dimension n besitzt, so besitzt V als komplexer Vektorraum ebenfalls die Dimension n. Wenn man V als reellen Vektorraum betrachtet, so besitzt er die reelle Dimension 2n.



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