Zum Inhalt springen

Kurs:Analysis (Osnabrück 2014-2016)/Teil III/Vorlesung 80

Aus Wikiversity



Eigenschaften des Dachprodukts

Die folgende Aussage beschreibt die universelle Eigenschaft des Dachproduktes.


Satz  

Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und  n.  Es sei

ψ:VnW

eine alternierende multilineare Abbildung in einen weiteren K-Vektorraum W.

Dann gibt es eine eindeutig bestimmte lineare Abbildung

ψ~:nVW

derart, dass das Diagramm

VnnVW

kommutiert.

Beweis  

Wir verwenden die Notation aus Konstruktion 79.4. Durch die Zuordnung

e(v1,,vn)ψ(v1,,vn)

wird nach Satz 10.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) eine K-lineare Abbildung

ψ¯:HW

definiert. Da ψ multilinear und alternierend ist, wird unter ψ¯ der Untervektorraum  UH  auf 0 abgebildet. Nach Satz 47.16 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) gibt es daher eine K-lineare Abbildung

ψ~:H/UW,

die mit ψ¯ verträglich ist.
Die Eindeutigkeit ergibt sich daraus, dass die v1vn ein Erzeugendensystem von nV bilden und diese auf ψ(v1,,vn) abgebildet werden müssen.


Es bezeichne Altn(V,K) die Menge aller alternierenden Abbildungen von Vn nach K. Diese Menge kann man mit einer natürlichen K-Vektorraumstruktur versehen.


Korollar  

Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und  n

Dann gibt es eine natürliche Isomorphie

(nV)Altn(V,K),ψ((v1,,vn)ψ(v1vn)).

Beweis  

Die Abbildung ist einfach die Verknüpfung ψψδ, wobei δ:V××VnV die kanonische Abbildung bezeichnet. Die Linearität der Zuordnung ergibt sich aus den linearen Strukturen des Dualraumes und des Raumes der alternierenden Formen. Die Bijektivität der Abbildung folgt aus Satz 80.1, angewendet auf  W=K



Satz  

Es sei K ein Körper und V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum der Dimension m. Es sei v1,,vm eine Basis von V und es sei  n

Dann bilden die Dachprodukte

vi1vin mit 1i1<<inm

eine Basis von nV.

Beweis  

Wir zeigen zuerst, dass ein Erzeugendensystem vorliegt.  Da die Elemente der Form w1wn nach Lemma 79.6  (1) ein Erzeugendensystem von nV bilden, genügt es zu zeigen, dass man diese durch die angegebenen Elemente darstellen kann. Für jedes wj gibt es eine Darstellung  wj=i=1maijvi,  daher kann man nach Lemma 79.6  (4) die w1wn als Linearkombinationen von Dachprodukten der Basiselemente darstellen, wobei allerdings jede Reihenfolge vorkommen kann. Es sei also vk1vkn gegeben mit  kj{1,,m}.  Durch Vertauschen von benachbarten Vektoren kann man nach Lemma 79.6  (3) (unter Inkaufnahme eines anderen Vorzeichens) erreichen, dass die Indizes (nicht notwendigerweise streng) aufsteigend geordnet sind. Wenn sich ein Index wiederholt, so ist nach Lemma 79.6  (2) das Dachprodukt 0. Also wiederholt sich kein Index und diese Dachprodukte sind in der gewünschten Form.

Zum Nachweis der linearen Unabhängigkeit zeigen wir unter Verwendung von Lemma 14.8 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)), dass es zu jeder n-elementigen Teilmenge  I={i1,,in}{1,,m}  (mit i1<<in) eine K-lineare Abbildung

nVK

gibt, die vi1vin nicht auf 0 abbildet, aber alle anderen in Frage stehenden Dachprodukte auf 0 abbildet. Dazu genügt es nach Satz 80.1, eine alternierende multilineare Abbildung

:VnK

anzugeben mit  (vi1,,vin)0,  aber mit  (vj1,,vjn)=0  für jedes andere aufsteigende Indextupel. Es sei U der von den vi, iik, erzeugte Untervektorraum von V und  W=V/U  der Restklassenraum. Dann bilden die Bilder der vik, k=1,,n, eine Basis von W, und die Bilder von allen anderen n-Teilmengen der gegebenen Basis bilden dort keine Basis, da mindestens ein Element davon auf 0 geht. Wir betrachten nun die zusammengesetzte Abbildung

:VnWn(Kn)ndetK.

Diese Abbildung ist nach Satz 16.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) multilinear und nach Satz 16.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) alternierend. Nach Satz 16.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist  (z1,,zn)=0  genau dann, wenn die Bilder von zi in W keine Basis bilden.


Bei  V=Km  mit der Standardbasis e1,,em nennt man die ei1ein mit i1<<in die Standardbasis von nKm.



Korollar  

Es sei K ein Körper und V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum der Dimension m.

Dann besitzt das n-te äußere Produkt nV die Dimension

(mn).

Beweis  

Dies folgt direkt aus Satz 80.3 und Aufgabe 3.15.

Insbesondere ist die äußere Potenz für  n=0  eindimensional (es ist 0V=K) und für  n=1  m-dimensional (es ist 1V=V). Für  n=m  ist mV eindimensional, und die Determinante induziert (nach einer Identifizierung von V mit Km) einen Isomorphismus

mVK,(v1,,vm)det(v1,,vm).

Für  n>m  sind die äußeren Produkte der Nullraum und besitzen die Dimension 0.

Wir erweitern die oben gezeigte natürliche Isomorphie  (nV)Altn(V,K)  zu einer natürlichen Isomorphie

nV(nV)Altn(V,K).



Satz  

Es sei K ein Körper und V ein endlichdimensionaler Vektorraum. Es sei  k

Dann gibt es eine natürliche Isomorphie

ψ:kV(kV)

mit

(ψ(f1fk))(v1vk)=det(fi(vj))ij

(mit fiV und vjV).

Beweis  

Wir betrachten die Abbildung (mit k Faktoren)

V××VAbb(V××V,K)

mit

(f1,,fk)((v1,,vk)det(fi(vj))ij).

Für fixierte f1,,fk ist die Abbildung rechts multilinear und alternierend, wie eine direkte Überprüfung unter Verwendung der Determinantenregeln zeigt. Daher entspricht diese nach Korollar 80.2 einem Element in (kV). Insgesamt liegt also eine Abbildung

V××V(kV)

vor. Eine direkte Prüfung zeigt, dass die Gesamtzuordung ebenfalls multilinear und alternierend ist. Aufgrund der universellen Eigenschaft gibt es daher eine lineare Abbildung

ψ:kV(kV).

Diese müssen wir als Isomorphismus nachweisen. Es sei dazu v1,,vn eine Basis von V mit der zugehörigen Dualbasis v1,,vn. Nach Satz 80.3 bilden die

vi1vik,1i1<<ikn,

eine Basis von kV. Ebenso bilden die

vi1vik,1i1<<ikn,

eine Basis von kV mit zugehöriger Dualbasis (vi1vik). Wir zeigen, dass vi1vik unter ψ auf (vi1vik) abgebildet wird. Für  1j1<<jkn  ist

(ψ(vi1vik))(vj1vjk)=det(vir(vjs)1r,sk).

Bei  {i1,,ik}{j1,,jk}  gibt es ein ir, das von allen js verschieden ist. Daher ist die r-te Zeile der Matrix 0 und somit ist die Determinante 0. Wenn dagegen die Indexmengen übereinstimmen, so ergibt sich die Einheitsmatrix mit der Determinante 1. Diese Wirkungsweise stimmt mit der von (vi1vik) überein.



Dachprodukte bei linearen Abbildungen



Korollar  

Es sei K ein Körper, V und W seien K-Vektorräume und

φ:VW

sei eine K-lineare Abbildung.

Dann gibt es zu jedem  n  eine K-lineare Abbildung

nφ:nVnW
mit v1vnφ(v1)φ(vn).

Beweis  

Die Abbildung

Vnφ××φWnδnW

ist nach Aufgabe 16.29 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) multilinear und alternierend. Daher gibt es nach Satz 80.1 eine eindeutig bestimmte lineare Abbildung

nVnW

mit v1vnφ(v1)φ(vn).



Proposition  

Es sei K ein Körper, V und W seien K-Vektorräume und

φ:VW

sei eine K-lineare Abbildung. Zu  n  sei

nφ:nVnW

die zugehörige K-lineare Abbildung. Dann gelten folgende Eigenschaften.

  1. Wenn φ surjektiv ist, dann ist auch nφ surjektiv.
  2. Wenn φ injektiv ist, dann ist auch nφ injektiv.
  3. Wenn U ein weiterer K-Vektorraum und
    ψ:UV

    eine weitere K-lineare Abbildung ist, so gilt

    n(φψ)=(nφ)(nψ).

Beweis  

(1). Es seien  w1,,wnW  gegeben und seien  v1,,vnV  Urbilder davon, also  φ(vi)=wi.  Dann ist

(nφ)(v1vn)=w1wn.

Nach Lemma 79.6  (1) ergibt sich die Surjektivität.
(2). Wir können aufgrund der Konstruktion des Dachproduktes annehmen, dass V und W endlichdimensional sind. Die Aussage folgt dann aufgrund der expliziten Beschreibung der Basen in Satz 80.3.
(3). Es genügt, die Gleichheit für das Erzeugendensystem u1un mit  uiU  zu zeigen, wofür es klar ist.



Lemma  

Es sei V ein K-Vektorraum und n,m.

Dann gibt es eine eindeutig bestimmte multilineare Abbildung

(nV)×(mV)n+mV

mit

(v1vn,w1wm)v1vnw1wm.

Beweis  

Da die Dachprodukte v1vn bzw. w1wm jeweils Erzeugendensysteme sind, kann es maximal eine multilineare Abbildung geben, die für die Dachprodukte einfach die Verkettung ist. Für beliebige Linearkombinationen α=iIaivi1vin und β=jJbjwj1wjm muss dann (wegen der geforderten Multilinearität)

αβ=(iIaivi1vin)(jJbjwj1wjm)=(i,j)I×Jaibjvi1vinwj1wjm

gelten. Wir müssen zeigen, dass dadurch eine wohldefinierte Abbildung gegeben ist, d.h. dass die Summe rechts nicht von den für α bzw. β gewählten Darstellungen abhängt. Es sei also α=iIcivi1vin eine zweite Darstellung, wobei wir die Indexmenge als gleich annehmen dürfen, da wir fehlende Summanden mit dem Koeffizienten 0 versehen können. Die Differenz iI(aici)vi1vin ist dann eine (im Allgemeinen nicht triviale) Darstellung der 0. D.h. iI(aici)evi1,,vin ist eine Linearkombination aus den in Konstruktion 79.4 beschriebenen Standardrelationen für das Dachprodukt. Wenn man eine solche Standardrelation der Länge n in jedem Summanden um das Indextupel w1,,wm erweitert, so erhält man eine Standardrelation der Länge n+m. Dies bedeutet, dass aus einer Darstellung der 0 bei der Verknüpfung mit einem beliebigen β eine Darstellung der 0 entsteht. Daher ist das Dachprodukt αβ unabhängig von der gewählten Darstellung für α. Da man die Rollen von α und β vertauschen kann, ist die Darstellung auch unabhängig von der gewählten Darstellung für β. Die Multilinearität folgt unmittelbar aus der expliziten Beschreibung.



<< | Kurs:Analysis (Osnabrück 2014-2016)/Teil III | >>

PDF-Version dieser Vorlesung

Arbeitsblatt zur Vorlesung (PDF)