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Kurs:Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)/Vorlesung 8

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Norm und Spur bei einer Körpererweiterung

Ein Element  fL  einer Körpererweiterung (oder allgemeiner einer K-Algebra A)  KL  definiert durch Multiplikation eine K-lineare Abbildung

μf:LL,yfy.

Dies erlaubt es, Begriffe und Methoden der linearen Algebra anzuwenden. Zu einer K-Basis von L wird die Multiplikationsabbildung durch eine (n×n)-Matrix beschrieben, wobei n den Grad der Körpererweiterung bezeichnet. Für  fK  liegt bezüglich einer beliebigen Basis die Streckungsmatrix

(f0000f0000f0000f)

vor, für beliebige Elemente  fL  werden die Matrizen ziemlich kompliziert, was man teilweise durch Wahl einer geeigneten Basis korrigieren kann. Insbesondere sind Konzepte relevant, die nicht von der Wahl einer Basis abhängen.


Es sei  F=Xn+an1Xn1++a2X2+a1X+a0K[X]  ein irreduzibles Polynom über einem Körper K und

KK[X]/(Xn+an1Xn1++a2X2+a1X+a0)=:L

die zugehörige endliche Körpererweiterung. Nach Proposition 7.9 bilden die Potenzen xi, 0in1, (wobei x die Restklasse von X bezeichnet) eine K-Basis von L. Zu einem  gL  wird die Multiplikationsabbildung

μg:LL,ygy,

bezüglich der gegebenen Basis durch die n×n-Matrix beschrieben, deren Spalten aus den Koordinaten zu den Produkten gxi, 0in1, bezüglich der Basis besteht. Wegen  x0=1  stehen in der ersten Spalte einfach die Koordinaten von g selbst. Zu x ist diese Matrix gleich

(000a0100a1010a2001an1)

beschrieben. Zu einem beliebigen Element

g=b0+b1x+b2x2++bn1xn1

wird die Matrix schnell kompliziert, wir führen nur die ersten beiden Spalten an

(b0a0bn1b1b0a1bn1b2b1a2bn1bn1bn2an1bn1).

In der folgenden Aussage wird zu einem K-Vektorraum V mit EndK(V) der (nichtkommutative) Ring bezeichnet, der aus allen K-linearen Abbildungen besteht und wobei die Multiplikation durch die Hintereinanderschaltung von Abbildungen gegeben ist.


Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung.

Dann ist die Abbildung

LEndK(L),fμf,

ein injektiver Ringhomomorphismus.

Beweis

Siehe Aufgabe 8.6.

Über diese Konstruktion bzw. Zuordnung werden Norm und Spur von f erklärt.

Zu einer linearen Abbildung

φ:VV

eines endlichdimensionalen K-Vektorraumes V in sich wird die Determinante det(φ) und die Spur S(φ) wie folgt berechnet. Man wählt eine K-Basis  v1,,vnV  und repräsentiert die lineare Abbildung bezüglich dieser Basis durch eine quadratische n×n-Matrix

(λ1,1λ1,nλn,1λn,n)

mit  λijK  und rechnet dann die Determinante aus. Es folgt aus dem Determinantenmultiplikationssatz, dass dies unabhängig von der Wahl der Basis ist. Die Spur ist durch

S(φ)=λ1,1+λ2,2++λn,n

gegeben, und dies ist nach Aufgabe 8.17 ebenfalls unabhängig von der Wahl der Basis.



Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung. Zu einem Element  fL  nennt man die Determinante der K-linearen Abbildung

μf:LL,yfy,

die Norm von f. Sie wird mit N(f) bezeichnet.


Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung. Zu einem Element  fL  nennt man die Spur der K-linearen Abbildung

μf:LL,yfy,

die Spur von f. Sie wird mit Spur(f) bezeichnet.


Es sei  KL=K[X]/(Xna)  eine Körpererweiterung, die durch die Hinzunahme einer n-ten Wurzel aus einem Element aK entstehe. Es sei x die Restklasse von X. Dann wird μx bezüglich der K-Basis 1,x,x2,,xn1 von L durch die Matrix

(000a100001000010)

beschrieben. Somit ist die Norm von x gleich ±a (das Vorzeichen hängt davon ab, ob n gerade oder ungerade ist) und die Spur ist 0.




Lemma  

Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung. Dann hat die Norm

N:LK,fN(f),

folgende Eigenschaften:

  1. Es ist  N(fg)=N(f)N(g)
  2. Für  fK  ist  N(f)=fn,  wobei n den Grad der Körpererweiterung bezeichne.
  3. Es ist  N(f)=0  genau dann, wenn  f=0  ist.

Beweis  

  1. Dies folgt aus dem Determinantenmultiplikationssatz und aus Lemma 8.2.
  2. Zu einer beliebigen Basis von L wird die Multiplikation mit einem Element  fK  durch die Diagonalmatrix beschrieben, bei der jeder Diagonaleintrag f ist. Die Determinante ist daher fn nach Lemma 16.4 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)).
  3. Die eine Richtung ist klar, sei also  f0.  Dann ist f eine Einheit in L und daher ist die Multiplikation mit f eine bijektive K-lineare Abbildung LL, und deren Determinante ist 0 nach Satz 16.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)).



Lemma  

Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung vom Grad n. Dann hat die Spur

S:LK,fS(f),

folgende Eigenschaften:

  1. Die Spur ist K-linear, also  S(f+g)=S(f)+S(g)  und  S(λf)=λS(f)  für  λK
  2. Für  fK  ist  S(f)=nf

Beweis  

Dies folgt aus den Definitionen.


Norm und Spur sind Elemente aus K.



Lemma  

Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung und fL mit der zugehörigen K-linearen Abbildung

μf:LL,xfx.

Dann stimmt das Minimalpolynom von f mit dem Minimalpolynom von μf überein.

Beweis  

Dies folgt aus dem kommutativen Diagramm

K[X]XfLXμfμEnd(L)

von Ringhomomorphismen, in dem horizontal die Einsetzungshomomorphismen stehen, und Lemma 8.2.


Im Minimalpolynom zu  fL  finden sich Norm und Spur in folgender Weise wieder.


Satz  

Es sei  KL=K[f]  eine einfache endliche Körpererweiterung vom Grad n.

Dann hat das Minimalpolynom P von f die Gestalt

P=XnS(f)Xn1++(1)nN(f).

Beweis  

Das Minimalpolynom und das charakteristische Polynom der durch f definierten K-linearen Multiplikationsabbildung

μf:LL,yfy,

haben beide den Grad n. Nach dem Satz von Cayley-Hamilton annulliert das charakteristische Polynom die lineare Abbildung und ist somit ein Vielfaches des Minimalpolynoms, sodass sie übereinstimmen. Diese lineare Abbildung μf sei bezüglich einer Basis v1,,vn von L durch die Matrix (λij)ij gegeben. Dann ist das charakteristische Polynom gleich

χμfχμf=det(Xλ1,1λ1,nλn,1Xλn,n)=Xn+an1Xn1++a1X+a0.

Zum Koeffizienten an1 leisten (in der Leibniz-Formel zur Berechnung der Determinante) nur diejenigen Permutationen einen Beitrag, bei denen (n1)-mal die Variable X vorkommt, und das ist nur bei der identischen Permutation (also der Diagonalen) der Fall. Multipliziert man die Diagonale distributiv aus, so ergibt sich Xni=1nλi,iXn1+, sodass also  an1=S(f)  gilt. Setzt man in der obigen Gleichung  X=0,  so ergibt sich, dass a0 die Determinante der negierten Matrix ist, woraus  a0=(1)nN(f)  folgt.

Weitere Beschreibungen des Minimalpolynoms und der Norm und der Spur finden sich in Korollar 13.9 und Korollar 13.10.



Diskriminante

Die Lösbarkeit einer quadratischen Gleichung  x2+px+q=0  über einem Körper K hängt im Wesentlichen davon ab, ob die „Diskriminante“ p24q eine Quadratwurzel in K besitzt. Für die Lösungen einer kubischen Gleichung  x3+px+q=0  spielt nach Satz 1.2 der Ausdruck 4p327q2 (bzw. das 3-fache davon) eine wichtige Rolle. Beide Terme fallen unter das allgemeine Konzept einer Diskriminante, das wir kurz vorstellen.


Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und seien b1,,bn Elemente in L. Dann wird die Diskriminante von b1,,bn durch

Δ(b1,,bn)=det(Spur(bibj)i,j)

definiert.

Die Produkte bibj, 1i,jn, sind dabei Elemente in L, von denen man jeweils die Spur nimmt, die in K liegt. Man erhält also eine quadratische n×n-Matrix über K. Deren Determinante ist nach Definition die Diskriminante. Im folgenden werden wir vor allem an der Diskriminante von speziellen Basen interessiert sein.


Wir betrachten eine quadratische Gleichung  X2+pX+q=0  und (unter der Voraussetzung, dass das Polynom irreduzibel ist) die zugehörige quadratische Körpererweiterung  KL=K[X]/(X2+pX+q).  Wir bestimmen die Diskriminante dieser Erweiterung zur Basis 1,x. Wir müssen also die Spuren der Elemente 1,x,x2=pxq bestimmen. Die Matrizen dieser Elemente sind

(1001),(0q1p) und (qpqpp2q)

und ihre Spuren sind 2,p und p22q. Somit ist die Diskriminante gleich

(1,x)=det(2ppp22q)=2(p22q)p2=p24q.


Wir betrachten die kubische Gleichung

x3+px+q=0

und (unter der Voraussetzung, dass das Polynom irreduzibel ist) die zugehörige kubische Körpererweiterung  KL=K[X]/(X3+pX+q).  Wir bestimmen die Diskriminante dieser Erweiterung zur Basis 1,x,x2. Die Matrix zu x ist (00q10p010), die Matrix zu x2 ist (0q00pq10p), die Matrix zu  x3=pxq  ist (q0pqpqp20pq), die Matrix zu  x4=px2qx  ist (0pqq2qp22pqpqp2). Die Diskriminante ist daher die Determinante der Matrix

(302p02p3q2p3q2p2),

also gleich

3(4p39q2)2p(4p2)=4p327q2.

Dies ist die Zahl D aus Satz 1.2.


Bei einem Basiswechsel verhält sich die Diskriminante wie folgt.


Lemma  

Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und seien b1,,bn und c1,,cn K-Basen von L. Der Basiswechsel werde durch  c=Tb  mit der Übergangsmatrix  T=(tij)ij  beschrieben.

Dann gilt für die Diskriminanten die Beziehung

Δ(c1,,cn)=(det(T))2Δ(b1,,bn).

Beweis  

Ausgeschrieben haben wir die Beziehungen  ci=j=1ntijbj  für jedes i. Damit gilt

cick=(j=1ntijbj)(m=1ntkmbm)=j,mtijtkmbjbm.

Wir schreiben  cik:=S(cick)  und  bjm:=S(bjbm).  Wegen der K-Linearität der Spur gilt

cik=S(cick)=S(j,mtijtkmbjbm)=j,mtijtkmS(bjbm)=j,mtijtkmbjm.

Wir schreiben diese Gleichung mit den Matrizen  C=(cik),   B=(bjm)  und  T=(tij)  als

C=TtranspBT

und die Behauptung folgt dann aus dem Determinantenmultiplikationssatz und Satz 17.5 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)).



Es sei K ein Körper der Charakteristik 0 und sei  KL  eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und sei b1,,bn eine K-Basis von L. Dann ist

(b1,,bn)0.

Beweis

Siehe Aufgabe 8.22.



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