Kurs:Einführung in die mathematische Logik/3/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 2 | 5 | 3 | 3 | 4 | 7 | 6 | 2 | 4 | 4 | 3 | 6 | 4 | 5 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Die Termmenge zu einer Grundtermmenge .
- Eine maximal widerspruchsfreie prädikatenlogische Ausdrucksmenge .
- Die Multiplikation mit in einem Dedekind-Peano-Modell .
- Die Befehle für eine Registermaschine.
- Das modallogische Löb-Axiom.
- Ein modallogisches Modell.
- Die Termmenge ist diejenige Teilmenge der Wörter über dem Termalphabet , die durch die folgenden rekursiven Vorschriften festgelegt wird.
- Jede Variable ist ein Term.
- Jede Konstante ist ein Term.
- Für jedes und Terme ist auch ein Term.
- Die Menge heißt maximal widerspruchsfrei, wenn sie widerspruchsfrei ist und wenn jede Hinzunahme eines jeden Ausdrucks die Menge widersprüchlich macht.
- Die Multiplikation mit ist diejenige aufgrund von
Satz 12.2 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))
eindeutig bestimmte Abbildung
für die
gilt.
- Die Befehle für eine Registermaschine sind
(dabei bezeichnen Register und Befehlszeilen).
- (erhöhe den Inhalt des Registers um , d.h. um einen Strich).
- (reduziere den Inhalt des Registers um , d.h. ziehe einen Strich ab; wenn der Inhalt leer ist, so lasse ihn leer).
- (wenn das -te Register leer ist, so gehe zum Befehl , andernfalls zum nächsten Befehl).
- Drucke (drucke den Inhalt des ersten Registers).
- Halte an.
- Das
modallogische Axiomenschema
nennt man Löb-Axiom.
- Unter einem modallogischen Modell versteht man einen gerichteten Graphen zusammen mit einer Wahrheitsbelegung für die Aussagenvariablen für jeden Knotenpunkt .
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Das Lemma von Zorn.
- Der Vollständigkeitssatz für Tautologien (Prädikatenlogik).
- Der zweite Gödelsche Unvollständigkeitssatz.
- Es sei eine geordnete Menge mit der Eigenschaft, dass jede total geordnete Teilmenge eine obere Schranke in besitzt. Dann gibt es in maximale Elemente.
- Es sei ein Symbolalphabet und ein -Ausdruck. Dann ist genau dann eine ableitbare Tautologie, wenn allgemeingültig ist.
- Es sei eine arithmetische Ausdrucksmenge, die
widerspruchsfrei
und
entscheidbar
sei und die
Peano-Arithmetik
umfasse. Dann ist die Widerspruchsfreiheit nicht aus ableitbar, d.h. es ist
Aufgabe (2 (1+1) Punkte)
Im Pokal spielt Bayern München gegen den TSV Wildberg. Der Trainer vom TSV Wildberg, Herr Tor Acker, sagt „Wir haben in dem Spiel nichts zu verlieren“. Die Logiklehrerin von Wildberg, Frau Loki Schummele, sagt „Wenn die Wildberger in dem Spiel nichts zu verlieren haben, dann haben auch die Münchner in dem Spiel nichts zu gewinnen“. Der Trainer von Bayern München, Herr Roland Rollrasen, sagt „Wir haben in dem Spiel etwas zu gewinnen“.
- Ist die Aussage von Frau Schummele logisch korrekt?
- Es sei vorausgesetzt, dass die Aussage des Bayerntrainers wahr ist. Welche Folgerung kann man dann für die Aussage von Herrn Acker ziehen?
- Die Aussage ist logisch korrekt.
- Die Kontraposition der korrekten Aussage aus Teil (1) ist: Wenn die Münchner in dem Spiel etwas zu gewinnen haben, dann haben die Wildberger in dem Spiel etwas zu verlieren. Da der Vordersatz, der die Aussage des Bayerntrainers ist, vorausgesetzt werden soll, so folgt mit Modus ponens, dass die Wildberger in dem Spiel etwas zu verlieren haben. Dies steht im Widerspruch zur Aussage des Trainers von Wildberg, seine Aussage ist also falsch.
Aufgabe (5 (1+1+3) Punkte)
- Löse das folgende Minisudoku
- Begründe, dass das Minisudoku aus (1) nur eine Lösung besitzt.
- Welche mathematischen Beweisverfahren finden sich als typische Argumentationsschemata beim Lösen eines Sudokus wieder?
- Wir gehen von
aus. In der dritten Stelle der zweiten Zeile muss eine sein und somit muss rechts oben eine stehen. Dies ergibt
An der vierten Stelle der dritten Zeile muss eine stehen. In der vierten Zeile muss an der dritten Stelle eine und somit muss in der vierten Zeile an der ersten Stelle eine stehen. Dies ergibt
Dies erzwingt
An der zweiten Stelle der ersten Zeile muss eine stehen, dies ergibt dann die eindeutige Lösung
-
- Direkter Beweis: Durch Betrachten der schon gefundenen Zahlen erschließt man, welche Zahl in ein bestimmtes Feld gesetzt werden muss.
- Beweis durch Fallunterscheidung: Man weiß, dass in einem gewissen Feld nur noch zwei Zahlen, sagen wir oder möglich sind. Wenn man nun in beiden Fällen, dass es sich um oder um handelt, jeweils erschließen kann, dass in einem bestimmten anderen Feld die Zahl stehen muss, so steht diese Zahl fest.
- Beweis durch Widerspruch: Man weiß, dass in einem gewissen Feld nur noch zwei Zahlen, sagen wir oder möglich sind. Man nimmt nun an, dass es sich um handelt. Wenn man nun erschließen kann, dass sich daraus an irgendeiner Stelle ein Widerspruch ergibt, so kann die Belegung durch nicht gelten und ist richtig.
Aufgabe (3 Punkte)
Beweise durch Induktion über den rekursiven Aufbau der Sprache , dass in jeder Aussage die Anzahl der linken Klammern mit der Anzahl der rechten Klammern übereinstimmt.
Wenn eine Aussagenvariable ist, so kommt darin weder eine linke noch eine rechte Klammer vor und die Anzahl stimmt überein. Zum Beweis der Rekursionsschritte sei zunächst und vorausgesetzt, dass die Anzahl der linken und die Anzahl der rechten Klammern in übereinstimmen. Dann besitzt sowohl eine linke als auch eine rechte Klammer mehr als , sodass die Anzahlen wieder übereinstimmen. Es sei nun mit und sei vorausgesetzt, dass linke und auch rechte Klammern und linke und auch rechte Klammern besitzt. Dann besitzt linke und auch rechte Klammern.
Aufgabe (3 Punkte)
Zeige, dass eine Regel der Form
Wenn , dann gelten kann, ohne dass gilt.
Es gilt die Regel: Wenn , dann , wobei zwei verschiedene Aussagenvariablen sind, und zwar aus dem einfachen Grund, dass nicht gilt. Dagegen gilt nicht.
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei eine Ausdrucksmenge in der Sprache der Aussagenlogik zu einer Aussagenvariablenmenge . Begründe die Kettenschlussregel für die Ableitungsbeziehung: Wenn und , dann auch .
Die Voraussetzung bedeutet, dass es Ausdrücke mit
und mit
gibt. Daraus ergibt sich mit Hilfe (der Regelversion) von Lemma 3.16 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) (2)
Es gilt die Tautologie (Axiom 3.8 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) (2),)
Aus der Regelversion dieses Axioms ergibt sich
Dies bedeutet .
Aufgabe (7 (3+4) Punkte)
Es sei eine Variablenmenge, eine Konstante und zweistellige Funktionssymbole, die wir zentral unter der Zuhilfenahme von Klammern schreiben. Wir betrachten den prädikatenlogischen Ausdruck , der durch
gegeben ist.
- Zeige, dass bei Interpretation in einem Körper wahr wird, wenn man als und als Subtraktion, Addition und Multiplikation interpretiert.
- Welcher wichtige mathematische Satz verbirgt sich dahinter?
- Es sei ein Körper mit Elementen gegeben und sei vorausgesetzt, dass
ist. Unter Verwendung des Distributivgesetzes (bzw. der zweiten binomischen Formel) bedeutet dies
Entsprechend ist
Wenn wir davon zweimal abziehen, und zwar in der oben etablierten Form, so ändert sich der Wert nicht und dies ist gleich
was insgesamt die Behauptung ist.
- Es handelt sich bei
um den Satz des Pythagoras. Die sechs Variablen definieren drei Punkte in der Ebene , sagen wir
Die Verbindungsvektoren sind dann
und
Das Skalarprodukt dieser beiden Vektoren ist
Dass dies gleich ist, bedeutet, dass diese beiden Vektoren aufeinander senkrecht stehen, dass also ein rechtwinkliges Dreieck mit dem rechten Winkel an bilden. Das Quadrat der Länge der Strecke von nach ist
und entsprechend ist
und
Der Nachsatz drückt also die Längenbeziehung im rechtwinkligen Dreieck aus.
Aufgabe (6 Punkte)
Beweise die Termaussage des Substitutionslemmas.
Dies wird über den induktiven Aufbau der Terme bewiesen. (1). Für eine Konstante ist die Aussage richtig, da ihre Interpretation unverändert ist. Für eine Variable macht man eine Fallunterscheidung. Wenn
mit einer der an der Substitution beteiligten Variablen ist, so ist
Bei einer an der Substitution nicht beteiligten Variablen ist
Wenn ein -stelliges Funktionssymbol ist und Terme sind, für die die Gleichheit schon bekannt ist, so ist
Aufgabe (2 Punkte)
Formalisiere prädikatenlogisch mit einem geeigneten Symbolalphabet , dass ein Untervektorraum in einem Vektorraum über einem Körper vorliegt.
Wir gehen davon aus, dass wir für und schon eine prädikatenlogische Beschreibung wie in Beispiel 8.8 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) gefunden haben. Zur prädikatenlogischen Beschreibung eines Untervektorraumes führen wir ein weiteres einstelliges Relationssysmbol ein. Die folgenden Axiome charakterisieren dann einen Untervektorraum.
Aufgabe (4 Punkte)
Zeige, dass in einem Peano-Halbring zu die Division mit Rest eindeutig ist.
Es gelte
mit
Ohne Einschränkung können wir annehmen. Dann ist
mit einem und somit ist
Aufgrund der Abziehregel ergibt sich
Bei ist nach Lemma 13.4 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)). Dann ergibt sich der Widerspruch
wegen der Verträglichkeit der Ordnung mit der Multiplikation. (siehe Lemma 13.6 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))). Also ist und damit und .
Aufgabe (4 Punkte)
Beschreibe die wesentlichen Punkte bei der Konstruktion eines Modells, mit dem man die Erfüllbarkeit einer maximal widerspruchsfreien Ausdrucksmenge, die Beispiele enthält, nachweist.
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme die Äquivalenzklassen zur elementaren Äquivalenz in der Gruppe zum Symbolalphabet .
Die Äquivalenzklassen sind und . Die in der angegebenen Sprache formulierbare Eigenschaft wird nur durch das neutrale Element erfüllt und ist somit ein charakterisierender Ausdruck für . Nach (dem Zusatz zu) Satz 16.7 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) sind Elemente, die unter einem Automorphismus aufeinander abgebildet werden, zueinander elementar äquivalent. Die Komponentenvertauschung bildet auf ab und die invertierbare Matrix (wir fassen als Vektorraum über auf) ergibt einen Automorphismus, der auf abbildet.
Aufgabe (6 Punkte)
Es sei eine endliche Teilmenge. Man gebe ein Programm für eine Registermaschine an, das nur auf einen einzigen Register Bezug nimmt, das bei jeder Eingabe (in ) immer anhält und das im Anhaltezustand in genau dann den Wert besitzt, wenn die Eingabe zu gehört.
Wir ordnen die endlich vielen, sagen wir , Zahlen aus in aufsteigender Reihenfolge, also
Wir setzen
und
für . Die sind also einfach die Differenzen zwischen den aufeinanderfolgenden Zahlen aus , und es ist
Wir erstellen das Programm mit Hilfe von Programmblöcken der Länge der Form
Der Inhalt von wird also abwechselnd um reduziert und abwechselnd wird gefragt, ob der Inhalt leer ist, wobei im leeren Fall auf die Befehlszeile verwiesen, aber die allerletzte Abfrage des Blockes auf die -te Befehlszeile verweist. Bei
besteht der erste Block allein aus . Diese Blöcke werden hintereinander geschrieben, und das Programm wird durch
abgeschlossen.
Die Wirkungsweise des Programms macht man sich folgendermaßen klar. Zu jedez zu testenden Zahl gibt es ein eindeutiges mit
(wobei als zu lesen ist) oder aber
In den ersten Programmblöcken bleibt der Inhalt des Registers positiv, da ja insgesamt nur
von abgezogen wird. Daher gelangt man in den entscheidenden -ten Block. Wenn dieser Block begonnen wird, steht im Register der Wert , und für diesen Wert gilt
Bei
ist
sodass durch das Abziehen in diesem Block die erreicht wird, und zwar vor dem vorletzten Befehl des Blocks, sodass nach umgeleitet wird. Dort wird um erhöht (was nur bei benötigt wird) und das Endergebnis ist nicht , was korrekt ist.
Bei
ist
sodass durch das Abziehen in diesem Block die erreicht wird, und zwar genau im vorletzten Befehl des Blocks. Im nächsten Befehl wird nach umgeleitet und das Programm hält an mit der als Ausgabe, was auch korrekt ist. Bei werden alle Blöcke ohne Umleitung durchlaufen, in wird erhöht und anschließend wird angehalten mit einen positivem Inhalt des ersten Registers.
Aufgabe (4 Punkte)
Nach Voraussetzung gibt es einen -Ausdruck in freien Variablen derart, dass für alle -Tupel die Äquivalenz genau dann, wenn gilt. Es sei
ein Punkt. Dabei gilt insbesondere für beliebige die Gleichheit genau dann, wenn gilt. Diese Gleichung bedeutet, dass zur Faser über gehört. Daher ist der Ausdruck
in den freien Variablen ein Ausdruck, der die Faser über arithmetisch repräsentiert.
Aufgabe (5 Punkte)
Zeige, dass eine aufzählbar axiomatisierbare Theorie auch -aufzählbar ist.
Es sei eine -aufzählbare Satzmenge, die axiomatisiert, und es sei , , eine -Aufzählung von . Es sei , , eine -Aufzählung der prädikatenlogischen Tautologien aus . Wenn ein Satz aus ableitbar ist, so gibt es eine endliche Auswahl aus (bzw. aus der gewählten Aufzählung) derart, dass
eine prädikatenlogische Tautologie ist. Daher leistet das folgende Verfahren, bei dem wächst, das Gewünschte: Für jedes notiert man die Tautologien in der Form
Wenn überhaupt diese Form besitzt, so ist diese eindeutig bestimmt. Danach überprüft man für jedes , ob alle zu gehören. Falls ja, und wenn ein Satz ist, so wird notiert. Danach geht man zum nächsten . Wenn man , erreicht hat, so geht man zu , wobei man aber wieder bei anfängt.