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Kurs:Körper- und Galoistheorie/T1/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
Punkte 3 3 3 4 3 3 4 3 6 7 8 5 4 5 61




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine endliche Körpererweiterung KL.
  2. Eine Einheit u in einem kommutativen Ring R.
  3. Eine n-te Einheitswurzel z in einem Körper K (n+).
  4. Ein innerer Automorphismus einer Gruppe G.
  5. Eine algebraische Zahl  z
  6. Die Galoisgruppe einer Körpererweiterung KL.


Lösung

  1. Eine Körpererweiterung KL heißt endlich, wenn L ein endlichdimensionaler Vektorraum über K ist.
  2. Ein Element u heißt Einheit, wenn es ein Element vR mit uv=1 gibt.
  3. Ein Element zK heißt n-te Einheitswurzel, wenn zn=1 ist.
  4. Ein Automorphismus
    GG

    der Form xgxg1 zu einem festen Element gG heißt innerer Automorphismus.

  5. Eine Zahl z heißt algebraisch, wenn es ein von 0 verschiedenes Polynom P[X] gibt mit P(z)=0.
  6. Unter der Galoisgruppe versteht man die Gruppe aller K-Algebra-Automorphismen von L, also
    AutK(L).


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Die Gradformel für endliche Körpererweiterungen KL und LM.
  2. Die trigonometrische Darstellung der n-ten komplexen Einheitswurzeln (n+).
  3. Der Satz über den Einsetzungshomomorphismus zu einer R-Algebra A und einem Element fA.


Lösung

  1. Die Gradformel besagt, dass KM eine endliche Körpererweiterung ist und dass
    gradKM=gradKLgradLM
    gilt.
  2. Die n-ten komplexen Einheitswurzeln besitzen die Darstellung
    cos2πkn+isin2πkn,k=0,1,,n1.
  3. Es gibt einen eindeutig bestimmten R-Algebrahomomorphismus
    ψ:R[X]A
    mit ψ(X)=f.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme eine ganze Zahl n derart, dass die Lösungen der quadratischen Gleichung

x2+3x+73=0

in [n] liegen.


Lösung

Wir schreiben die Gleichung als

(x+32)2=73+94=28+2712=112.

Daher ist

x+32=±112=±1213=±163.

Also liegen die Lösungen in [3].


Aufgabe (4 Punkte)

Forme die Gleichung

x5+10x4+x5=0

in eine äquivalente Gleichung der Form

y5+b3y3+b2y2+b1y+b0=0

mit  bi  um.


Lösung

Wir machen den Ansatz x=y+c. Einsetzen ergibt

(y+c)5+10(y+c)4+y+c5=0,
wobei der Koeffizient zu y4 gleich 0 werden soll. Dieser Koeffizient ist 5c+10, also muss man
c=2
wählen. Damit wird das Polynom zu
=(y+c)5+10(y+c)4+y+c5=(y2)5+10(y2)4+y25=y552y4+10(2)2y3+10(2)3y2+5(2)4y25+10(y4+4(2)y3+6(2)2y2+4(2)3y+16)+y7=y5+40y380y2+80y3280y3+240y2320y+160+y7=y540y3+160y2239y+121

und die äquivalente Gleichung ist

y540y3+160y2239y+121=0.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme das Minimalpolynom der komplexen Zahl 2+5i über .


Lösung

Es ist

(2+5i)2=425+20i=21+20i.

Dies ist eine -Linearkombination von 1 und 2+5i, nämlich

21+20i=291+4(2+5i).

Daher ist

Z24Z+29

ein annullierendes Polynom von 2+5i. Wegen 2+5i∉ kann es kein annullierendes Polynom von einem kleineren Grad geben, also handelt es sich um das Minimalpolynom.


Aufgabe (3 Punkte)

Betrachte den Körper

K=𝔽4=/(2)[U]/(U2+U+1).

Führe im Polynomring K[X] die Polynomdivision

X4+uX3+(u+1)X+1 durch uX2+X+u+1

aus, wobei u die Restklasse von U in K bezeichnet.


Lösung

Die Division mit Rest ergibt

X4+uX3+(u+1)X+1=(uX2+X+u+1)((u+1)X2+(u+1)X+(u+1))+uX+u+1.


Aufgabe (4 Punkte)

Finde im Polynomring /(2)[X] ein irreduzibles Polynom vom Grad vier.


Lösung

Wir betrachten das Polynom

F=X4+X+1.

Da weder 0 noch 1 eine Nullstelle von F sind, besitzt es keinen Linearfaktor. Die einzige verbleibende Faktorzerlegung wäre als ein Produkt von zwei irreduziblen Polynomen vom Grad zwei. Das einzige irreduzible Polynom vom Grad zwei ist X2+X+1. Wegen

(X2+X+1)2=X4+X2+1F

ist F irreduzibel.


Aufgabe (3 Punkte)

Berechne in

/(7)[X]/(X3+4X2+X+5)
das Produkt
(2x2+5x+3)(3x2+x+6)

(x bezeichne die Restklasse von X).


Lösung

Es ist

x3=3x2+6x+2

und

x4=x(3x2+6x+2)=3x3+6x2+2x=3(3x2+6x+2)+6x2+2x=x2+6x+6.

Daher ist

(2x2+5x+3)(3x2+x+6)=6x4+3x3+5x2+5x+4=6(x2+6x+6)+3(3x2+6x+2)+5x2+5x+4=6x2+3x+4.


Aufgabe (6 Punkte)

Beweise die „Gradformel“ für eine Kette von endlichen Körpererweiterungen KLM.


Lösung

Wir setzen gradKL=n und gradLM=m. Es sei  x1,,xnL  eine K-Basis von L und  y1,,ymM  eine L-Basis von M. Wir behaupten, dass die Produkte

xiyj,1in,1jm,

eine K-Basis von M bilden. Wir zeigen zuerst, dass diese Produkte den Vektorraum M über K erzeugen. Es sei dazu  zM.  Wir schreiben

z=b1y1++bmym mit Koeffizienten bjL.

Wir können jedes bj als bj=a1jx1++anjxn mit Koeffizienten aijK ausdrücken. Das ergibt

z=b1y1++bmym=(a11x1++an1xn)y1++(a1mx1++anmxn)ym=1in,1jmaijxiyj.

Daher ist z eine K-Linearkombination der Produkte xiyj.
Um zu zeigen, dass diese Produkte linear unabhängig sind, sei

0=1in,1jmcijxiyj

mit  cijK  angenommen. Wir schreiben dies als  0=j=1m(i=1ncijxi)yj.  Da die yj linear unabhängig über L sind und die Koeffizienten der yj zu L gehören, folgt, dass  i=1ncijxi=0  ist für jedes j. Da die xi linear unabhängig über K sind und die  cijK  sind, folgt  cij=0  für alle i,j.


Aufgabe (7 Punkte)

Es seien k und n ganze Zahlen. Zeige, dass die folgenden Aussagen äquivalent sind:

  1. k teilt n.
  2. Es ist  nk
  3. Es gibt einen Ringhomomorphismus
    /(n)/(k).
  4. Es gibt einen surjektiven Gruppenhomomorphismus
    /(n)/(k).


Lösung

(1)(2). Wenn k ein Teiler von n ist, so ist n=ak mit einem a und daher ist nk. Somit gilt die Idealinklusion nk.
(2)(3). Wegen der Idealinklusion nk wird unter dem Restklassen-Ringhomomorphismus

/(k)

das Ideal n auf 0 abgebildet. Daher gibt es aufgrund des Satzes über die induzierte Abbildung einen Ringhomomorphismus

/(n)/(k).

(3)(4). Es sei
φ:/(n)/(k)
der gegebene Ringhomomorphismus. Dieser ist insbesondere ein Gruppenhomomorphismus, und es gilt φ(1)=1. Da die 1/(k) diese Gruppe erzeugt, ist φ surjektiv.
(4)(1). Es sei
φ:/(n)/(k)
ein surjektiver Gruppenhomomorphismus. Bei n=0 ist die Aussage richtig. Es sei also n0, sodass die angegebenen Gruppen die endlichen Ordnungen n bzw. k besitzen. Dabei ist nach dem Isomorphiesatz die Gruppe /(k) isomorph zu einer Restklassengruppe von /(n) und aufgrund der Indexformel ist k (die Anzahl der Nebenklassen) ein Teiler von n.


Aufgabe (8 Punkte)

Es sei  n+  und es sei  μn  die Menge der n-ten komplexen Einheitswurzeln. Es sei  F[X]  ein Polynom. Zeige, dass  F[Xn]  (d.h., dass F als Polynom in Xn geschrieben werden kann) genau dann gilt, wenn für jedes  zμn  die Gleichheit

F(zX)=F(X)

gilt.


Lösung

Es sei zunächst F[Xn]. Dann schreiben wir F=i=0kai(Xn)i. Für zμn ist somit

F(zX)=i=0kai((zX)n)i=i=0kai(znXn)i=i=0kai(Xn)i=F(X).

Für die Umkehrung sei

F=i=0kciXi.

Es sei z eine primitive n-te Einheitswurzel, sodass man alle Einheitswurzeln eindeutig als zj, j=0,,n1, schreiben kann. Es ist

nF(X)=j=0n1F(zjX)=j=0n1(i=0kci(zj)iXi)=i=0k(cij=0n1(zi)j)Xi.

Wir zeigen, dass die Koeffizienten zu Xi, wenn i kein Vielfaches von n ist, gleich 0 sind. Dies gilt dann auch für F.

Es sei also i kein Vielfaches von n. Da z primitiv ist, ist w=zi eine n-te Einheitswurzel, aber nicht 1. Wegen der Faktorisierung

Xn1=(X1)(Xn1++X+1)

ist daher j=0n1wj=0.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei K ein Körper und K[X] der Polynomring über K. Zeige unter Verwendung der Division mit Rest, dass K[X] ein Hauptidealbereich ist.


Lösung

Es sei I ein von 0 verschiedenes Ideal in K[X]. Betrachte die nichtleere Menge

{grad(P)PI,P0}.

Diese Menge hat ein Minimum  m,  das von einem Element FI, F0, herrührt, sagen wir  m=grad(F).  Wir behaupten, dass  I=(F)  ist. Die Inklusion ist klar. Zum Beweis von sei  PI  gegeben. Aufgrund von Satz 19.4 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) gilt

P=FQ+R mit grad(R)<grad(F) oder R=0.

Wegen  RI  und der Minimalität von grad(F) kann der erste Fall nicht eintreten. Also ist  R=0  und P ist ein Vielfaches von F.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme die Galoisgruppe (einschließlich der Gruppenstruktur) der Körpererweiterung [i].


Lösung

Es ist  [i][X]/(X2+1).  Ein -Algebrahomomorphismus muss i auf eine Nullstelle von X2+1 schicken, also auf i oder auf i. Die dadurch definierten surjektiven Einsetzungshomomorphismen

[X][i]

legen nach dem Isomorphiesatz einen -Algebraautomorphismus

[i][i]

fest. Die Galoisgruppe besteht also aus der Identität und der Konjugation a+biabi. Die Identität ist das neutrale Element dieser Gruppe und die Hintereinanderausführung der Konjugation ist die Identität, was die Gruppenstruktur festlegt.


Aufgabe (5 (3+2) Punkte)

Es seien D1 und D2 kommutative Gruppen und seien D1 und D2 die zugehörigen Charaktergruppen zu einem Körper K.

  1. Zeige, dass zu einem Gruppenhomomorphismus
    φ:D1D2

    durch die Zuordnung χχφ ein Gruppenhomomorphismus

    φ:D2D1

    definiert wird.

  2. Es sei D3 eine weitere kommutative Gruppe und sei
    ψ:D2D3

    ein Gruppenhomomorphismus. Zeige die Gleichheit

    (ψφ)=φψ.


Lösung

  1. Ein Charakter χD2 ist ein Gruppenhomomorphismus
    D2K×,
    daher ist die Verknüpfung
    χφ:D1K×
    ein Element aus D1, die Abbildung ist also wohldefiniert. Zu zwei Charakteren χ1,χ2D2 und einem beliebigen Element dD1 ist
    ((χ1χ2)φ)(d)=(χ1χ2)(φ(d))=χ1(φ(d))χ2(φ(d))=((χ1φ)(d))((χ2φ)(d))=((χ1φ)(χ2φ))(d).

    Also ist

    φ(χ1χ2)=(χ1χ2)φ=(χ1φ)(χ2φ)=φ(χ1)φ(χ2)

    und die Zuordnung ist ein Gruppenhomomorphismus.

  2. Dies ergibt sich für χD3 direkt aus
    (ψφ)(χ)=χ(ψφ)=(χψ)φ=φ(χψ)=φ(ψ(χ))=(φψ)(χ).