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Kurs:Algebraische Zahlentheorie (Osnabrück 2020-2021)/Vorlesung 13

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Divisoren

Die Menge der effektiven Divisoren zu einem Dedekindbereich bilden mit der natürlichen Addition ein kommutatives Monoid, aber keine Gruppe, da ja die Koeffizienten alle nichtnegativ sind. Lässt man auch negative ganze Zahlen zu, so gelangt man zum Begriff des Divisors, die eine Gruppe bilden. Auch den Begriff des Hauptdivisors kann man so erweitern, dass er nicht nur für ganze Elemente aus , sondern auch für rationale Elemente, also Elemente aus dem Quotientenkörper , definiert ist.


Es sei ein Dedekindbereich. Ein Divisor ist eine formale Summe

die sich über alle Primideale aus erstreckt und wobei ganze Zahlen mit für fast alle sind.

Für einen diskreten Bewertungsring lässt sich die Ordnung , , zu einer Ordnungsfunktion auf dem Quotientenkörper fortsetzen,

siehe Aufgabe 13.1, wobei sich die Eigenschaften von Lemma 10.15 hierher übertragen.


Es sei ein Dedekindbereich und , . Dann heißt die Abbildung, die jedem Primideal in die Ordnung zuordnet, der durch definierte Hauptdivisor. Er wird mit bezeichnet und als formale Summe

geschrieben.

Wenn man die rationale Funktion als mit ansetzt, so gilt

da dies punktweise an jedem Primideal gilt. Bei

sagt man auch, dass einen Pol an der Stelle besitzt, und zwar mit der Polordnung .

Die Menge der Divisoren bildet eine additive kommutative freie Gruppe, die wir mit bezeichnen.



Es sei ein Dedekindbereich mit Quotientenkörper , und seien . Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Es ist .
  2. Es ist .
  3. Es ist genau dann, wenn der Hauptdivisor effektiv ist.
  4. Zu jedem Divisor gibt es ein derart, dass effektiv ist.

Für (1) und (2) siehe Aufgabe 13.2, für (3) siehe Aufgabe 13.3, für (4) siehe Aufgabe 13.4.


Es liegt also insbesondere ein Gruppenhomomorphismus

vor. Das Bild unter diesem Gruppenhomomorphismus ist die Untergruppe der Hauptdivisoren, die wir mit bezeichnen.



Gebrochene Ideale

In Satz 11.13 haben wir eine Bijektion zwischen effektiven Divisoren und von verschiedenen Idealen (und von effektiven Hauptdivisoren mit von verschiedenen Hauptidealen) gestiftet. Von daher liegt die Frage nahe, welche „Ideal-ähnlichen“ Objekte den Divisoren entsprechen. Wir wollen also wissen, durch welche Objekte wir das Fragezeichen im folgenden Diagramm ersetzen müssen.

Da wir einen Divisor stets als mit effektiven Divisoren und schreiben können, liegt die Vermutung nahe, nach etwas wie dem Inversen (bezüglich der Multiplikation) eines Ideals zu suchen. Im Fall eines faktoriellen Dedekindbereichs entsprechen sich (bis auf die Einheiten) Elemente und Hauptdivisoren, und zwar sowohl auf der Ringebene (siehe Bemerkung 11.4) als auch auf der Ebene des Quotientenkörpers. Zu einer rationale Funktion bzw. dem Hauptdivisor gehört in diesem Fall einfach der von erzeugte - Untermodul des Quotientenkörpers . Im Fall der rationalen Zahlen sind dies Untergruppen der Form oder . Für allgemeine Integritätsbereiche führt man ganz allgemein die sogenannten gebrochenen Ideale ein.


Es sei ein Integritätsbereich mit Quotientenkörper . Dann nennt man einen endlich erzeugten - Untermodul des - Moduls ein gebrochenes Ideal.



Es sei ein Integritätsbereich mit Quotientenkörper und sei eine Teilmenge. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.

  1. ist ein gebrochenes Ideal.
  2. Es gibt ein endlich erzeugtes[1] Ideal in und ein Element , , derart, dass

    gilt.

Es sei zunächst ein gebrochenes Ideal. Dann ist

Nach Übergang zu einem Hauptnenner kann man annehmen, dass ist. Dann hat man mit dem Ideal eine Beschreibung der gewünschten Art. Ist umgekehrt , so ist dies natürlich ein endlich erzeugter - Untermodul von .


Wie für Ideale spielen diejenigen gebrochenen Ideale, die von einem Element erzeugt sind, eine besondere Rolle.


Es sei ein Integritätsbereich mit Quotientenkörper . Dann nennt man ein gebrochenes Ideal der Form mit ein gebrochenes Hauptideal.

Aus Lemma 13.5 ergibt sich sofort, dass für einen Hauptidealbereich jedes gebrochene Ideal ein gebrochenes Hauptideal ist.


Es sei ein Integritätsbereich mit Quotientenkörper . Dann definiert man für gebrochene Ideale und das Produkt als den von allen Produkten erzeugten - Untermodul von , also

wobei die Produkte in zu nehmen sind.

Wird das gebrochene Ideal als -Modul von erzeugt und wird das gebrochene Ideal von erzeugt, so wird das Produkt von den Produkten , , , erzeugt. Also ist das Produkt in der Tat wieder endlich erzeugt und damit ein gebrochenes Ideal. Für Ideale stimmt natürlich das Idealprodukt mit dem hier definierten Produkt von gebrochenen Idealen überein. Das Produkt von gebrochenen Hauptidealen ist wieder ein gebrochenes Hauptideal.

In einem beliebigen Integritätsbereich bilden die gebrochenen Ideale keine Gruppe. Für stärkere Aussagen müssen wir jetzt wieder voraussetzen, dass ein Dedekindbereich ist.


Zu einem gebrochenen Ideal in einem Dedekindbereich nennt man

das zugehörige inverse gebrochene Ideal.



Es sei ein Dedekindbereich. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Zu gebrochenen Idealen mit der Beziehung mit , , gilt für die inversen gebrochenes Ideale die Beziehung .
  2. Zu einem gebrochenen Ideal ist das inverse gebrochene Ideal in der Tat ein gebrochenes Ideal.
  3. Es ist .
  1. Der - Modulisomorphismus , , führt direkt zu einem Isomorphismus , , da ja zu äquivalent ist.
  2. Es ist klar, dass ein von verschiedener - Untermodul von ist. Wenn durch erzeugt wird, so betrachten wir mit , wobei jetzt ein Erzeugendensystem der Form mit besitzt. Die Bedingung

    impliziert . Daher ist das inverse gebrochene Ideal zu selbst ein Ideal, also endlich erzeugt. Dies überträgt sich wegen (1) auf .

  3. Für das Produkt ist offenbar

    Wenn diese Inklusion echt wäre, so würde es auch ein maximales Ideal oberhalb von geben. Es sei mit einer Ortsuniformisierenden und mit . Es gibt dann auch ein Element , das an der Stelle die Ordnung besitzt. Dazu gibt es auch ein , das an der Stelle die Ordnung und sonst überall eine hinreichend große Ordnung besitzt derart, dass ist. Dies ist ein Widerspruch, da an der Stelle die Ordnung besitzt.



Wir betrachten im quadratischen Zahlbereich das Ideal

Aufgrund der Gleichung

ist

Wir behaupten, dass das inverse gebrochene Ideal gleich

ist, wobei sich die Inklusion aus der vorstehenden Zeile ergibt. Andererseits gilt wegen

für das Produkt

und dies impliziert nach Aufgabe 13.2 die Gleichheit .


Ein gebrochenes Ideal in einem Dedekindbereich ist ein sogenannter invertierbarer Modul. D.h. es ist lokal isomorph zum Ring selbst. Mit diesen Formulierungen ist folgendes gemeint: Für ein maximales Ideal (also für ein von verschiedenes Primideal) ist (dies ist die Lokalisierung eines Moduls an einem Primideal) ein endlich erzeugter -Modul , der zugleich im Quotientenkörper liegt. Solche Moduln sind isomorph zu . Siehe Aufgabe 4.29.



Es sei ein Dedekindbereich und

ein Divisor (wobei durch die Menge der Primideale läuft). Dann nennt man

das gebrochene Ideal zum Divisor . Es wird mit bezeichnet.

Das folgende Lemma zeigt, dass man in der Tat ein gebrochenes Ideal erhält, und dass diese Definition mit der früheren Definition 11.12 verträglich ist.


Es sei ein Dedekindbereich und ein Divisor.

Dann ist die Menge ein gebrochenes Ideal.

Ist ein effektiver Divisor, dann ist das so definierte gebrochene Ideal ein Ideal und stimmt mit dem Ideal überein, das einem effektiven Divisor gemäß der Definition 11.12 zugeordnet wird.

Es sei . Gemäß der Konvention, dass zu interpretieren ist, ist . Für Elemente mit gilt nach Lemma 13.3

und

für , da ja effektiv ist. Also liegt in der Tat ein -Modul vor.

Bevor wir die endliche Erzeugtheit nachweisen, betrachten wir die zweite Aussage. Es sei also ein effektiver Divisor. Wir haben zu zeigen, dass

ist, wobei die Inklusion klar ist. Die andere Inklusion folgt aus Lemma 13.3  (3).

Zum Nachweis der endlichen Erzeugtheit bemerken wir, dass es nach Lemma 13.3  (4) zu jedem Divisor ein derart gibt, dass effektiv ist. Das zu gehörige gebrochene Ideal ist dann ein Ideal, also endlich erzeugt, und dies überträgt sich auf das gebrochene Ideal zu .



Es sei ein Dedekindbereich und ein von verschiedenes gebrochenes Ideal. Dann nennt man den Divisor

mit

den Divisor zum gebrochenen Ideal .

Da das gebrochene Ideal nach Definition endlich erzeugt ist, muss man das Minimum nur über eine endliche Menge nehmen. Insbesondere ist der zugehörige Divisor wohldefiniert. Für ein Ideal stimmt diese Definition offensichtlich mit der alten überein.



Es sei ein Dedekindbereich. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Es sei ein gebrochenes Ideal mit einer Darstellung mit und einem Ideal . Dann ist
  2. Zu einem Divisor mit effektiv ist

Beweis

Siehe Aufgabe 13.33.


Auch die Einzelheiten des Beweises des folgenden Satzes überlassen wir dem Leser, siehe Aufgabe 13.34.



Es sei ein Dedekindbereich. Dann sind die Zuordnungen

zueinander inverse Abbildungen zwischen der Menge der von verschiedenen gebrochenen Ideale und der Menge der Divisoren. Diese Bijektion ist ein Isomorphismus von Gruppen.

Wir haben zu zeigen, dass die hintereinandergeschalteten Abbildungen jeweils die Identität ergeben. Dies kann man mittels Lemma 13.15 auf den effektiven Fall zurückführen. Die Zuordnung führt die Multiplikation von gebrochenen Idealen in die Addition von Divisoren über, da dies an jedem diskreten Bewertungsring gilt. Wegen der Bijektivität liegt dann auch links eine Gruppe vor und die Abbildungen sind Gruppenisomorphismen.



Fußnoten
  1. Dies ist bei noethersch natürlich automatisch erfüllt.


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