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Kurs:Körper- und Galoistheorie/17/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Punkte 3 3 0 7 1 3 3 2 3 0 0 8 4 12 0 0 49




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein irreduzibles Element in einen kommutativen Ring .
  2. Ein Ideal in einem kommutativen Ring .
  3. Ein separables Polynom über einem Körper .
  4. Eine (endliche) Galoiserweiterung .
  5. Eine auflösbare Körpererweiterung .
  6. Ein aus einer Teilmenge    einer Ebene konstruierbarer Punkt .


Lösung

  1. Eine Nichteinheit in einem kommutativen Ring heißt irreduzibel, wenn eine Faktorisierung nur dann möglich ist, wenn einer der Faktoren eine Einheit ist.
  2. Ein Ideal ist eine nichtleere Teilmenge , für die die beiden folgenden Bedingungen erfüllt sind:
    1. Für alle ist auch .
    2. Für alle und ist auch .
  3. Ein Polynom heißt separabel, wenn es über keinem Erweiterungskörper mehrfache Nullstellen besitzt.
  4. Eine endliche Körpererweiterung heißt eine Galoiserweiterung, wenn

    gilt.

  5. Eine Körpererweiterung    heißt auflösbar, wenn es eine Radikalerweiterung    mit    gibt.
  6. Ein Punkt heißt aus konstruierbar, wenn es eine Folge von Punkten

    derart gibt, dass jeweils aus in einem Schritt konstruierbar ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz von Lagrange für die Ordnung eines Elementes.
  2. Der Satz über die Konstruktion von Zerfällungskörpern.
  3. Der Satz über die Beschreibung der Galoisgruppe von Kreisteilungskörpern über .


Lösung

  1. Es sei eine endliche Gruppe und sei    ein Element. Dann teilt die Ordnung von die Gruppenordnung.
  2. Es sei ein Körper und ein Polynom aus . Dann gibt es einen Erweiterungskörper    derart, dass über in Linearfaktoren zerfällt.
  3. Es sei der - te Kreisteilungskörper. Dann ist    eine Galoiserweiterung mit der Galoisgruppe
    Dabei entspricht der Einheit derjenige Automorphismus , der eine -te Einheitswurzel auf abbildet.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (7 (3+2+2) Punkte)


a) Es sei ein Körper. Zeige, dass die Einheitengruppe von nicht zyklisch unendlich ist.


b) Es sei ein kommutativer Ring, dessen Charakteristik nicht zwei sei. Zeige, dass die Einheitengruppe von nicht zyklisch unendlich ist.


c) Beschreibe einen kommutativen Ring, dessen Einheitengruppe zyklisch unendlich ist.


Lösung


a)


b) Der Ring enthält die , die wegen der Voraussetzung über die Charakteristik nicht gleich ist, und dessen multiplikative Ordnung gleich ist. In einer unendlichen zyklischen Gruppe gibt es aber nur die Ordnung und die Ordnung unendlich.


c) In der Nenneraufnahme sind genau die Potenzen mit    Einheiten, die Einheitengruppe ist also isomorph zu .


Aufgabe (1 Punkt)

Zeige, dass das Bild eines Ideals unter einem Ringhomomorphismus nicht unbedingt wieder ein Ideal ist.


Lösung

Beispielsweise ist in ein Ideal (das Einheitsideal), aber ist als Teilmenge von kein Ideal.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei eine Gruppe. Zeige, dass sich Gruppenelemente    und Gruppenhomomorphismen von nach über die Korrespondenz

entsprechen.


Lösung

Es sei    fixiert. Dass die Abbildung

ein Gruppenhomomorphismus ist, ist eine Umformulierung der Potenzgesetze. Wegen    erhält man aus der Potenzabbildung das Gruppenelement zurück. Umgekehrt ist ein Gruppenhomomorphismus durch eindeutig festgelegt, da    für positiv und    für negativ gelten muss.


Aufgabe (3 Punkte)

Beweise den Isomorphiesatz für Gruppen.


Lösung

Wir wenden Satz 5.10 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) auf    und die kanonische Projektion an. Dies induziert einen Gruppenhomomorphismus

mit  ,  der surjektiv ist. Sei und . Dann ist

also  .  Damit ist  ,  d.h. der Kern von ist trivial und nach Lemma 4.9 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) ist auch injektiv.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei eine Primzahl. Man gebe einen Körper der Charakteristik an, der unendlich viele Elemente besitzt.


Lösung

Wir starten mit  ,  das ist ein Körper der Charakteristik . Dazu betrachten wir den Quotientenkörper    des Polynomrings . Der Polynomring und sein Quotientenkörper enthalten , sodass ebenfalls die Charakteristik besitzt. Ferner enthält die unendlich vielen Potenzen , , die alle untereinander verschieden sind.


Aufgabe (3 Punkte)

Ein angeordneter Körper enthalte die Wurzeln und . Zeige, dass auch enthält.


Lösung

Aus

erhält man durch Division durch die Gleichung

Somit ist

Da nach Voraussetzung der Körper die beiden Zahlen und enthält, muss er auch das inverse Element und somit auch das angegebene Produkt enthalten.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (8 (3+5) Punkte)

Es seien    und sei


a) Zeige, dass es ein Polynom    der Form

mit    gibt.


b) Es seien nun zusätzlich und verschiedene Primzahlen. Zeige, dass das Polynom aus Teil a) das Minimalpolynom zu ist.


Lösung


a) Es ist

und

Es ist also eine - Linearkombination aus und . Daher kann man auch als -Linearkombination von    und ausdrücken, und dies ergibt ein annullierendes Polynom wie gewünscht.


b) Es ist

wobei die Teilerweiterungen den Grad zwei besitzen. Daher hat nach der Gradformel die Gesamterweiterung den Grad vier. Wegen

kommt als Grad des Minimalpolynoms nur in Frage. Wegen    ist die irrationale Zahl , sodass der Grad eins ausgeschlossen ist. Es ist

Durch Subtraktion mit

ergibt sich

und damit

und letztlich


Aufgabe (4 Punkte)

Wir starten mit einer Geraden und den beiden darauf markierten Punkten und . Wir betrachten Zirkelkonstruktionen, wobei nur Punkte auf dieser Geraden und Kreise erlaubt sind, die durch schon konstruierte Punkte auf dieser Geraden gegeben sind. Wir definieren rekursiv die Eigenschaft, dass ein Punkt in (höchstens) Schritten konstruierbar ist, wenn er auf dieser Geraden und auf einem Kreis liegt, der durch zwei Punkte gegeben ist, die in (höchstens) Schritten konstruierbar sind. Im nullten Schritt sind nur die beiden vorgegebenen Punkte konstruierbar. Erstelle eine rekursive Formel für , die angibt, wie viele Punkte man in (höchstens) Schritten konstruieren kann. Was ist ?


Lösung

Wir behaupten, dass die nach (höchstens) Schritten konstruierbaren Zahlen die lückenfreien ganzzahligen Zahlen sind, die symmetrisch zu liegen, und dass dabei die rekursive Beziehung

gilt. Dies beweisen wir durch Induktion über , wobei die Aussage für    stimmt. Die Aussage sei für bekannt, d.h. es gibt ganzzahlige lückenfreie Zahlen auf der Geraden, die symmetrisch zu liegen. Mit dem äußersten Punkt rechts als Mittelpunkt kann man durch jeden der anderen Punkte einen Kreis ziehen und erhält rechts von diesem Punkt neue Punkte, die ganzzahlig sind und lückenfrei nebeneinander liegen. Das gleiche geschieht mit dem äußersten Punkt links als Mittelpunkt, wodurch die Symmetrie gewahrt bleibt. Da man auch die alten Punkte mitberücksichtigen muss, ist

Es ist


Aufgabe (12 Punkte)

Beweise den Satz über die galoistheoretische Charakterisierung von auflösbaren Körpererweiterungen in Charakteristik .


Lösung

Es sei zuerst die Körpererweiterung    auflösbar, und zwar sei    eine Körpererweiterung derart, dass    eine Radikalerweiterung ist. Es sei dabei ein gemeinsamer „Radikalexponent“ der beteiligten einfachen Radikalerweiterungen. Da wir in Charakteristik sind, können wir zu eine -te primitive Einheitswurzel adjungieren und erhalten eine -Radikalerweiterung  .  Wir ersetzen durch seine normale Hülle , die nach Lemma 22.5 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) ebenfalls eine -Radikalerweiterung von ist. Da wir in Charakteristik sind, ist    eine Galoiserweiterung. Wir können also davon ausgehen, dass eine Kette

vorliegt, wobei    galoissch ist und wo die sukzessiven Körpererweiterungen    einfache Radikalerweiterungen sind. Es sei    und wir setzen

Dabei gelten nach Lemma 16.3 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019))  (2) die natürlichen Inklusionen

Da die Zwischenerweiterungen    für    einfache Radikalerweiterungen und in die benötigten Einheitswurzeln vorhanden sind, folgt aus Satz 18.5 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)), dass es sich um Galoiserweiterungen mit abelscher Galoisgruppe handelt. Aufgrund von Satz 17.5 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019))  (2) sind daher die Normalteiler in und die Restklassengruppen sind kommutativ. Die Erweiterung    besitzt nach Aufgabe 20.21 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) ebenfalls eine abelsche Galoisgruppe. Daher liegt insgesamt eine Filtrierung vor, die als auflösbar erweist. Da    eine Galoiserweiterung ist, gilt wieder nach Satz 17.5 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) die Beziehung

sodass auch wegen Lemma 21.3 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) eine auflösbare Gruppe ist.

Es sei nun vorausgesetzt, dass die Galoisgruppe    auflösbar ist, und sei

eine Filtrierung mit Untergruppen derart, dass jeweils    ein Normalteiler ist mit abelscher Restklassengruppe . Wir setzen  ,  sodass nach Lemma 16.3 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019))  (1) und Satz 16.6 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) die Körperkette

vorliegt. Dabei sind nach Korollar 16.7 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) die Körpererweiterungen    galoissch, und ihre Galoisgruppen sind gemäß Satz 17.1 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)). Da die Normalteiler in sind, sind aufgrund von Satz 17.5 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) die Körpererweiterungen    galoissch mit Galoisgruppe  .  Diese sukzessiven Erweiterungen sind also Galoiserweiterungen mit abelscher Galoisgruppe. Es sei der Exponent von . Es sei    ein -ter Kreisteilungskörper, also ein Zerfällungskörper von über , und sei eine -te primitive Einheitswurzel. Es ist somit  .  Wir setzen    (innerhalb von ) und haben dann die Körperkette

Hierbei gilt  .  Nach Satz 20.7 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) ist    ebenfalls galoissch, und es gilt die Untergruppenbeziehung

sodass diese Galoisgruppen auch abelsch sind. Da die -te primitive Einheitswurzel zu gehört, sind die Erweiterungen    allesamt Kummererweiterungen und damit nach Korollar 18.4 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) auch Radikalerweiterungen. Da auch    eine (einfache) Radikalerweiterung ist, ist insgesamt    eine Radikalerweiterung, die umfasst. Somit ist    auflösbar.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (0 Punkte)


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