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Kurs:Analysis 3/7/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
Punkte 3 3 3 2 6 8 3 4 5 13 3 5 3 4 65




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Die von einem Mengensystem auf einer Menge M erzeugte σ-Algebra σ().
  2. Das Zählmaß auf einer Menge M.
  3. Ein translationsinvariantes Maß auf (n,(n)).
  4. Eine C1-differenzierbare Mannigfaltigkeit M.
  5. Die Tangentialabbildung in einem Punkt  PM  zu einer differenzierbaren Abbildung
    φ:MN,

    wobei M und N differenzierbare Mannigfaltigkeiten sind.

  6. Ein überdeckungskompakter topologischer Raum.


Lösung

  1. Unter der von erzeugten σ-Algebra versteht man die kleinste σ-Algebra, die enthält.
  2. Man nennt das auf (M,𝔓(M)) durch
    z(T)={#(T), falls T endlich, sonst,

    definierte Maß das Zählmaß auf M.

  3. Ein Maß auf (n,(n)) heißt translationsinvariant, wenn für alle messbaren Teilmengen Tn und alle Vektoren vn die Gleichheit
    μ(T)=μ(T+v)

    gilt.

  4. Ein topologischer Hausdorffraum M zusammen mit einer offenen Überdeckung M=iIUi und Karten
    αi:UiVi

    mit Vin offen derart, dass die Übergangsabbildungen

    αj(αi)1:Viαi(UiUj)Vjαj(UiUj)

    C1-Diffeomorphismen für alle i,jI sind, heißt differenzierbare Mannigfaltigkeit.

  5. Unter der Tangentialabbildung im Punkt P versteht man die Abbildung
    TPMTφ(P)N,[γ][φγ].
  6. Ein topologischer Raum X heißt überdeckungskompakt, wenn es zu jeder offenen Überdeckung
    X=iIUi mit Ui offen und einer beliebigen Indexmenge 

    eine endliche Teilmenge JI derart gibt, dass

    X=iJUi

    ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Das Lemma von Fatou.
  2. Der Satz von Heine-Borel.
  3. Der Satz von Green für den Flächeninhalt.


Lösung

  1. Es sei (M,𝒜,μ) ein σ-endlicher Maßraum und es sei
    fn:M0

    eine Folge von nichtnegativen messbaren numerischen Funktionen. Dann gilt

    Mliminf(fn)dμliminf(Mfndμ)
  2. Es sei Tn eine Teilmenge. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.
    1. T ist überdeckungskompakt.
    2. Jede Folge (xn)n in T besitzt einen Häufungspunkt in T.
    3. Jede Folge (xn)n in T besitzt eine in T konvergente Teilfolge.
    4. T ist abgeschlossen und beschränkt.
  3. Es sei M2 eine kompakte Mannigfaltigkeit mit Rand δM. Dann ist der Flächeninhalt von M gleich
    λ2(M)=Mxdy=Mydx.


Aufgabe (3 Punkte)

Eine Klorolle hat einen äußeren Durchmesser von 12 cm und einen inneren Durchmesser von 4 cm. Das ausgewickelte Klopapier ergibt eine Länge von 20 Metern. Wie dick ist das Klopapier?


Lösung

Es sei b die Breite des Papiers (alles in Zentimetern). Das Volumen des aufgewickelten Papiers ist

bπ(6222)=bπ32.

Die unbekannte Dicke sei d. Das abgewickelte Klopapier bilden einen Quader mit dem gleichen Volumen, also

2000bd=bπ32.

Somit ist

d=π3220001002000=120.

Die Dicke ist also ungefähr ein halber Millimeter.


Aufgabe (2 Punkte)

Auf der Menge der natürlichen Zahlen sei ein Maß μ durch

μ({n})=n

gegeben. Bestimme

μ({0,1,2,,n}).


Lösung

Aufgrund der Additivitätseigenschaft eines Maßes ist

μ({0,1,2,,n})=μ({0})+μ({1})+μ({2})++μ({n})=0+1+2++n=n(n+1)2

nach der bekannten Regel für die Summe der ersten n Zahlen.


Aufgabe (6 (1+4+1) Punkte)

Es sei M eine Menge und es seien

T1,T2,,TnM

Teilmengen (n1). Wir betrachten die Menge 𝒜, die aus allen Teilmengen von M besteht, die man als Durchschnitte der Form

S1Sk

erhalten kann, wobei die Menge Si jeweils ein Tj oder ein MTj ist.

a) Zeige, dass man auf diese Art nur endlich viele Teilmengen von M erhalten kann.


b) Zeige, dass es in 𝒜 eindeutig bestimmte, nichtleere Mengen A1,,Am mit

M==1mA

und mit der Eigenschaft gibt, dass jedes A𝒜, A, ein A umfasst.


c) Zeige, dass man jede Menge Tj als

Tj=LjA

mit einer eindeutig bestimmten Teilmenge  Lj{1,,m}  darstellen kann.


Lösung


a) Da die Wiederholung einer Menge in einem Durchschnitt den Durchschnitt nicht ändert, und da  Tj(MTj)=  ist, muss man nur Durchschnitte betrachten, wo jede Menge maximal einmal vorkommt, und zwar entweder selbst oder ihr Komplement. Da nur endlich viele Mengen zur Verfügung stehen, gibt es nur endlich viele Durchschnitte.


b) Es seien A1,,Am die nichtleeren Mengen aus 𝒜 derart, dass es zwischen und A keine weiteren Mengen aus 𝒜 gibt. Diese Mengen sind zueinander disjunkt, da ein Durchschnitt AA nach Konstruktion zu 𝒜 gehört und bei echt in A enthalten sein muss, also leer sein muss. Jedes Element  xM  liegt entweder in Tj oder in MTj und somit in einer Schnittmenge der Form

jJTjj{1,,n}JMTj

für eine gewisse Teilmenge  J{1,,n}.  Solche Mengen sind minimal in 𝒜, da jede Menge Tj verarbeitet ist. Zu  A  gibt es daher auch ein A mit  AA.  Wegen der Wahl der A ist dann aber direkt

AA.

Wenn B1,,Bm eine weitere Familie mit den angegebenen Eigenschaften wäre, so gäbe es für jedes B ein A mit nichtleerem Durchschnitt. Dann ist direkt AB und somit gilt Gleichheit.


c) Es sei Tj gegeben. Bei  Tj=  nimmt man die leere Vereinigung. Es sei also  Tj.  Bei  TjA  ist sogar  TjA,  und Tj ist die Vereinigung dieser A.


Aufgabe (8 Punkte)

Es sei μ ein translationsinvariantes Maß auf dem n, das auf dem Einheitswürfel endlich sei. Es sei Un ein echter Untervektorraum. Zeige μ(U)=0.


Lösung

 Es sei  Un  ein Untervektorraum der Dimension  d<n  und nehmen wir an, dass  μ(U)>0  ist. Es sei u1,,ud eine Basis von U und

P={a1u1++adudai[0,1]}

das davon erzeugte d-dimensionale Parallelotop. Dies lässt sich durch endlich viele verschobene Einheitswürfel überpflastern und besitzt demnach ein endliches Maß. Die verschobenen Parallelotope

Pk=P+k1u1++kdud,k=(k1,,kd)d

besitzen wegen der Translationsinvarianz alle dasselbe Maß und bilden eine Überpflasterung von U. Da es abzählbar viele sind, muss  μ(P)>0  gelten. Es sei nun ud+1,,un eine Ergänzung der Basis zu einer Basis von V, und sei

R={a1u1++adud++anunai[0,1]}

das zugehörige n-dimensionale Parallelotop. Für dieses ist

μ(R)<.

Wir betrachten nun die abzählbar unendlich vielen Parallelotope

Pq=P+qun mit q[0,1].

Diese liegen alle innerhalb von R und besitzen wegen der Translationsinvarianz alle das gleiche Maß wie P. Ferner sind sie paarweise disjunkt, da andernfalls ein nichttriviales Vielfaches von un zu U gehören würde. Aus

q[0,1] μ(Pq)=μ(q[0,1]Pq)μ(R)

folgt  μ(R)=,  ein Widerspruch.


Aufgabe (3 Punkte)

Berechne das Integral zur Funktion

f(r,s,t)=rst+tsins

über dem Einheitswürfel W=[0,1]3.


Lösung

Aufgrund des Satzes von Fubini ist

Wrst+tsinsdλ3=010101(rst+tsins)drdsdt=0101(12r2st+rtsins)|01dsdt=0101(12st+tsins)dsdt=01(14s2ttcoss)|01dt=01(14ttcos1+t)dt=01((54cos1)t)dt=(12(54cos1)t2)|01=5812cos1.


Aufgabe (4 Punkte)

Berechne den Flächeninhalt des Bildes des Rechtecks  Q=[1,3]×[0,2]  unter der Abbildung

φ:22,(x,y)(x3,yx2).


Lösung

Die Abbildung ist bijektiv mit der Umkehrabbildung

22,(u,v)(u13,v+u23).

Die Jacobi-Matrix ist

(3x202x1)

mit der Jacobi-Determinante

3x2.

Für die Punkte mit x=0 liegt also kein lokaler Diffeomorphismus vor und für die Punkte mit x0 liegt ein Diffeomorphismus auf das Bild vor. Auf {0}× ist also die Transformationsformel anwendbar. Die Ausnahmemenge Q{(x,y)x=0} hat den Flächeninhalt 0 und das gilt nach Fakt ***** auch für das Bild davon. Daher kann man die Transformationsformel anwenden und nach Fubini ist somit

λ2(φ(Q))=Q3x2dλ2=3(13x2dx)(021dy)=2x3|13=2(27+1)=56.


Aufgabe (5 Punkte)

Man gebe ein Beispiel einer zweidimensionalen zusammenhängenden differenzierbaren Mannigfaltigkeit M und einem Punkt  PM  derart, dass M und M{P} zueinander diffeomorph sind.


Lösung

Es sei

M=2+=2{(1,0),(2,0),(3,0),},

es werden also aus dem 2 die auf der x-Achse platzierten positiven natürlichen Zahlen herausgenommen. Dies ist eine offene Teilmenge im 2 und damit eine differenzierbare Mannigfaltigkeit. Diese ist wegzusammenhängend, da man beispielsweise jeden Punkt aus M mit y0 durch einen geraden Weg mit (0,1) und jeden Punkt aus M mit y0 durch einen geraden Weg mit (0,1) verbinden kann und diese beiden Punkte ebenfalls gerade verbindbar sind. Es sei nun

P=(0,0)

und

M=M{P}.

Die Abbildung

22,(x,y)(x1,y),

ist (als Verschiebung) ein Diffeomorphismus und das Bild von M ist genau M. Daher sind M und M=M{P} zueinander diffeomorph.


Aufgabe weiter

Wir betrachten den  6=(2)3  als Menge aller (auch entarteter) Dreiecke, indem wir ein Dreieck mit den (geordneten) Eckpunkten  P1=(x1y1),   P2=(x2y2)  und  P3=(x3y3),  mit dem Koordinatentupel

(x1,y1,x2,y2,x3,y3)

identifizieren.

  1. Zeige, dass die Menge der Dreiecke, bei denen zwei Eckpunkte zusammenfallen, eine abgeschlossene Teilmenge des 6 ist (das Komplement davon ist somit eine offene Menge in 6, die wir U nennen).
  2. Zeige, dass die Menge der Dreiecke, bei denen alle drei Eckpunkte auf einer Geraden liegen, eine abgeschlossene Teilmenge des 6 ist (das Komplement davon, das aus allen nichtentarteten Dreiecken besteht, ist somit eine offene Menge in 6, die wir V nennen).
  3. Erstelle eine Funktionsvorschrift, die die Abbildung
    F:6

    beschreibt, die einem Dreieck seinen Umfang zuordnet.

  4. Zeige, dass die Funktion F aus Teil (3) auf der Menge U stetig differenzierbar ist.
  5. Berechne die partielle Ableitung von F nach x1 auf U.
  6. Zeige, dass die Menge der nichtentarteten Dreiecke mit Umfang 1 eine abgeschlossene Untermannigfaltigkeit von V bildet. Was ist die Dimension?


Lösung

  1. Die Eckpunkte P1 und P2 stimmen genau dann überein, wenn ihre beiden Koordinaten übereinstimmen, wenn also  x1=x2  und  y1=y2  ist. Eine solche Bedingung definiert eine abgeschlossene Teilmenge, da es sich um die Faser einer (stetigen) linearen Abbildung handelt. Da eine endliche Vereinigung von abgeschlossenen Teilmengen wieder abgeschlossen ist, ist die in Frage stehende Menge abgeschlossen.
  2. Wir betrachten die Verbindungsvektoren
    P2P1=(x2x1y2y1) und P3P1=(x3x1y3y1)

    Die drei Punkte sind genau dann kollinear, wenn diese zwei Vektoren linear abhängig sind, und dies ist genau dann der Fall, wenn ihre Determinante 0 ist. Die Kollinearitätssbedingung lautet somit

    H(x1,x2,x3,y1,y2,y3)=(x2x1)(y3y1)(x3x1)(y2y1)=0.

    Da H eine polynomiale Abbildung und damit stetig ist, ist die Faser zu 0 eine abgeschlossene Teilmenge.

  3. Da der Umfang einfach die Summe der drei beteiligten Dreiecksseiten ist, gilt
    F(x1,x2,x3,y1,y2,y3)=d(P1,P2)+d(P1,P3)+d(P2,P3)=(x2x1)2+(y2y1)2+(x3x1)2+(y3y1)2+(x3x2)2+(y3y2)2.
  4. Für einen Punkt aus U ist jeder Radikand als polynomiale Funktion stetig differenzierbar und echt positiv, somit sind auch die Quadratwurzeln daraus stetig differenzierbar.
  5. Die partielle Ableitung ist
    Fx1=12((x2x1)2+(y2y1)2)1/2(2x12x2)+12((x3x1)2+(y3y1)2)1/2(2x12x3)=((x2x1)2+(y2y1)2)1/2(x1x2)+((x3x1)2+(y3y1)2)1/2(x1x3).
  6. Auf U sind die Radikanden positiv, somit verschwindet die partielle Ableitung nach x1 nur, falls x1=x2=x3 ist. Ein Dreieck mit dieser Bedingung ist aber kollinear. Das bedeutet, dass auf V die partielle Ableitung nach x1 nie 0 wird und das bedeutet insbesondere, dass der Gradient auf V nirgends verschwindet, also regulär ist. Nach Fakt ***** ist die Faser eine abgeschlossene Untermannigfaltigkeit, und zwar der Dimension
    61=5.


Aufgabe (3 (2+1) Punkte)

Wir betrachten im 3 die drei Vektoren

(123),(022),(x57).


a) Wie muss man x wählen, damit diese drei Vektoren die Standardorientierung des 3 repräsentieren?


b) Wie muss man x wählen, damit diese drei Vektoren die der Standardorientierung entgegengesetzte Orientierung repräsentieren?


Lösung

a) Die Vektoren repräsentieren die Standardorientierung genau dann, wenn ihre Determinante positiv ist. Diese ist

det(10x225327)=144x6x+10=10x+24,

und dies ist positiv genau dann, wenn x<2,4 ist.

b) Die entgegengesetzte Orientierung liegt genau dann vor, wenn die Determinante negativ ist, und dies ist genau bei x>2,4 der Fall.


Aufgabe (5 Punkte)

Zeige, dass der Flächeninhalt der Rotationsfläche, die entsteht, wenn man den Graphen

Γ={(x,ex)x0}

um die x-Achse rotieren lässt, kleiner als 10 ist.


Lösung

Wir betrachten die Oberfläche für sx0 mit einer beliebigen negativen Zahl s. Der Flächeninhalt ist nach der Rotationsformel gleich

2πs01+e2tetdt.

Da t sich im negativen Bereich bewegt, ist e2t1 und somit ist der Integrand 2et. Damit ist dieses Integral kleiner/gleich

2π2s0etdt=2π2(1es)2π223,21,5=24,8<10.

Diese Abschätzung gilt auch für s.


Aufgabe (3 Punkte)

Berechne die äußere Ableitung dω der 1-Differentialform

ω=x2ydxxy2dy

auf  U={(x,y)2y0}


Lösung

Es ist

dω=dx2ydxdxy2dy=x2y2dydx1y2dxdy=x21y2dxdy.


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei M eine Mannigfaltigkeit mit Rand. Zeige, dass jede offene Teilmenge  NM  ebenfalls eine Mannigfaltigkeit mit (eventuell leerem) Rand ist, und dass

N=MN

gilt.


Lösung

Es sei PN und PU ein Kartengebiet von M. Es sei

α:UV

eine Karte mit einer offenen Menge VH, H=0×n1. Diese Karte induziert einen Homöomorphismus

NUα(NU).

Diese Karten nehmen wir für N. Die Diffeomorphieeigenschaft der Kartenwechsel zu M überträgt sich direkt auf die Karten zu N. Es sei PNM. Dann wird P unter einer Karte auf einen Randpunkt von H abgebildet, und da die Karten für N Einschränkungen von solchen Karten sind, bleibt diese Eigenschaft erhalten. Wenn umgekehrt PN ist, so ist natürlich einerseits PNM. Andererseits gibt es zu P eine Karte zu N, die durch Einschränkung von einer Karte zu M herrührt, in der P auf einen Randpunkt von H abgebildet wird.