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Kurs:Differentialgeometrie (Osnabrück 2023)/Vorlesung 24

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Zu einer differenzierbaren Hyperfläche  Yn  ist für jeden Punkt  PY  der Tangentialraum ein Untervektorraum  TPYn  und das Standardskalarprodukt des n erlaubt über die orthogonale Projektion

πP:nTPY,

Daten im umgebenden Raum auf der Hyperfläche zu interpretieren und dadurch wichtige Konzepte für Y einzuführen, wie beispielsweise die tangentiale Beschleunigung, geodätische Kurven, die Krümmung, die kovariante Ableitung eines Vektorfeldes, ein paralleles Vektorfeld und den Paralleltransport. Das Standardskalarprodukt definiert aber auch eine riemannsche Struktur auf Y, und es erhebt sich die Frage, ob man die eben erwähnten Konzepte auch intrinsisch, nur durch Kenntnis von Y und ihrer riemannschen Struktur, definieren kann (beispielsweise für die hyperbolische Fläche). Um diese Frage beantworten zu können, muss man eine neue Technik einführen, die sogenannten Zusammenhänge auf einem Vektorbündel und insbesondere auf dem Tangentialbündel einer differenzierbaren Mannigfaltigkeit. Im Fall einer riemannschen Mannigfaltigkeit ergibt sich in kanonischer Weise der sogenannte Levi-Civita-Zusammenhang (siehe Satz 26.12), mit dem man die oben erwähnten Konzepte intrinsisch erfassen kann.



Zusammenhänge

Es sei X eine reelle differenzierbare Mannigfaltigkeit und

p:EX

ein Vektorbündel über X, das wir ebenfalls als eine differenzierbare Mannigfaltigkeit ansetzen. Die Tangentialabbildung ist eine Abbildung T(p):TETX, die in dem kommutativen Diagramm

TET(p)TXEpX

liegt, und wobei für jeden Punkt  eE  mit Basispunkt  x=p(e)  die lineare Tangentialabbildung

Te(p):TeETxX

vorliegt. Diese ist surjektiv, was beispielsweise daraus folgt, dass es bei einem Vektorbündel E lokal durch jeden Punkt  eE  einen Schnitt gibt. Um eine gemeinsame Basis zu haben, fassen wir T(p) als Bündelabbildung

Tp:TEpTX

von Vektorbündeln über E auf. Dabei ist

pTX=ETX=E×XTX

die direkte Summe von Vektorbündeln über X, siehe Aufgabe 12.24, wobei wir hier pTX als Vektorbündel über E auffassen. Die Faser von pTX über einem Punkt  eE  mit Basispunkt  x=p(e)  ist einfach TxX und die Abbildung in der Faser ist nach wie vor

Te(p):TeETxX,

wobei es in pTX für jedes  eE  eine Kopie von TxX gibt.

Es sei p:EX ein differenzierbares Vektorbündel über einer differenzierbaren Mannigfaltigkeit X. Für eine offene Menge  UX,  über der E trivialisiert, also die Gestalt  E|UU×W  mit einem -Vektorraum W hat, ist

T(E|U)=T(U×W)=TU×TW=TU×W×W,

und die Tangentialabbildung zu pU:E|UU ist dabei die Projektion auf TU. Als Bündelhomomorphismus über U×W muss man

pTU=TU×W=TU×U(U×W)

und

T(E|U)=TU×W×WTU×W

mit der Projektion auf TU und der zweiten Projektion auf W nehmen.



Es sei p:EX ein differenzierbares Vektorbündel auf einer differenzierbaren Mannigfaltigkeit X. Das Kernbündel des surjektiven Bündelhomomorphismus

T(p):TEpTX

über E heißt Vertikalbündel. Es wird mit V bezeichnet.

Das Vertikalbündel ist ein Vektorbündel über E nach Aufgabe 12.19 und zwar ein Untervektorbündel von TE.



Lemma  

Es sei p:EX ein differenzierbares Vektorbündel auf einer C2-differenzierbaren Mannigfaltigkeit X. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Es liegt eine kurze exakte Sequenz
    0VTEpTX0

    von Homomorphismen von Vektorbündeln über E vor.

  2. Für das Vertikalbündel liegt eine Bündelisomorphie  VpE=EE  vor.
  3. Für jeden Punkt  eE  liegt eine kurze exakte Sequenz von Vektorräumen
    0Ep(e)TeETp(e)X0

    vor.

Beweis  

  1. Dies ist klar.
  2. Es gibt einen injektiven Homomorphismus von Vektorbündeln
    pE=EETE

    über E, der (P,u),  uEP,  auf den Tangentialvektor abbildet, der durch die (vertikale) differenzierbare Kurve

    E,t(P,tu),

    gegeben ist. Unter

    TEpTX

    werden diese Tangentialvektoren auf 0 abgebildet, da ja die repräsentierende Kurve unter p:EX auf P abgebildet wird. Daher ist  EV  und aus Ranggründen liegt eine Isomorphie vor.


Häufig ist das Vektorbündel E gleich dem Tangentialbündel von X, dann liegt eine kurze exakte Sequenz

0pTXTTXpTX0

vor, und man muss stets sorgfältig unterscheiden, ob man das Tangentialbündel links oder rechts meint.

Es sei

f:n

eine zweifach stetig differenzierbare Funktion und  Y=f1(0)  die zugehörige differenzierbare Hyperfläche, die in jedem Punkt regulär sei. Das Tangentialbündel TY lässt sich ebenfalls als eine Faser von Funktionen beschreiben, nämlich als

TY={(P,u)f(P)=0,(Df)P(u)=0}={(P,u1,,un)f(P)=0,i=1nuifxi(P)=0}n×n,

siehe Aufgabe 10.15. Wir fassen dabei f als Funktion auf dem 2n auf, die nur von den ersten n Variablen abhängt, und wir setzen

g(P,u)=i=1nuifxi(P).

Das zweite Tangentialbündel TTY, also das Tangentialbündel zu TY, können wir entsprechend mit dem totalen Differential zu

φ=(f,g):2n2

beschreiben, es ist

TTY={(P,u,v,w)(P,u)TY,(Dφ)(P,u)((v,w))=0}4n.

Die Jacobi-Matrix, die das totale Differential Dφ beschreibt, ist

(fx1(P)fxn(P)00i=1nuix1fxi(P)i=1nuixnfxi(P)fx1(P)fxn(P)).

Dies ergibt neben den beiden Bedingungen für den TY, die sich nur auf P und u beziehen, die beiden zusätzlichen Bedingungen an alle Variablen, nämlich

j=1nvjfxj(P)=0

und

j=1nvj(i=1nuixifxj(P))+k=1nwkfxk(P)=0.


Es sei

f:n

eine zweifach stetig differenzierbare Funktion und  Y=f1(0)  die zugehörige differenzierbare Hyperfläche, die in jedem Punkt regulär sei. Wir knüpfen an die Beschreibung des zweiten Tangentialbündels TTY aus Bemerkung 24.4 mit den dortigen Bezeichnungen an. Das zurückgezogene Tangentialbündel πTY zu

π:TYY,

das zugleich das Vertikalbündel ist, ist

VπTY=TY×YTY={(P,u,z)f(P)=0,i=1nuifxi(P)=0,k=1nzkfxk(P)=0}.

Wir müssen bestimmen, wie die tangentiale Abbildung T(π):TTYπTY und wie die Einbettung des Vertikalbündels in TTY aussieht. Nach Aufgabe 24.2 ist

T(π):TTYπTY,(P,u,v,w)(P,u,v).

Der Kern davon ist

V={(P,u,0,w)(P,u,0,w)TTY}TTY,

wobei man direkt sieht, dass dann (P,u,w) die Bedingung für πTY erfüllt. Die Bündelhomomorphismen in der kurzen exakten Sequenz

0πTYTTYπTY0

kann man also in Koordinaten als (P,u,w)(P,u,0,w) und (P,u,v,w)(P,u,v) schreiben.

Wenn E das triviale Bündel ist, also  E=X×r,  so gibt es eine direkte Zerlegung (über E)  TE=VpTX.  Für jeden Punkt  eE  repräsentieren dann die Tangentialvektoren  tV  die vertikalen Richtungen und  tpTxX  die „horizontalen Richtungen“. Für jedes Vektorbündel kann man lokal mithilfe von Trivialisierungen den Tangentialraum TeE in die direkte Summe aus vertikalem Raum und horizontalem Raum zerlegen. Allerdings hängen die horizontalen Unterräume wesentlich von der gewählten Trivialisierung ab und lassen sich nicht ohne Weiteres (im Gegensatz zu den vertikalen Unterräumen, die zusammen das Vertikalbündel bilden) zu einem Unterbündel zusammenfassen. Die Existenz eines solchen Bündels wird durch den Begriff des Zusammenhangs beschrieben.


Es sei X eine differenzierbare Mannigfaltigkeit und E ein differenzierbares Vektorbündel auf X. Unter einem Zusammenhang auf E versteht man eine direkte Summenzerlegung des Tangentialbündels  TE=VH  in zwei Untervektorbündel V und H, wobei  VTE  das Vertikalbündel ist. Das Unterbündel  HTE  nennt man das Horizontalbündel des Zusammenhangs.

Ein Zusammenhang wird zumeist kurz als bezeichnet, insbesondere, wenn man die durch einen Zusammenhang bestimmten Ableitungsprozesse betonen möchte. Gemäß dieser Definition ist also ein Zusammenhang nichts anderes als ein zum Vertikalbündel komplementäres Unterbündel des Tangentialbündels TE. Es gibt einige inhaltlich äquivalente Beschreibungen eines Zusammenhangs. Ein Zusammenhang ist äquivalent zu einem Bündelhomomorphismus (der Vertikalprojektion des Zusammenhangs)

πvert:TEV

mit

πvertι=IdV,

wobei ι die Einbettung von V in TE bezeichne. Das horizontale Bündel ist dann der Kern von πvert, und umgekehrt liefert die Summenzerlegung eine Projektion auf die beiden Summanden. Eine solche Summenzerlegung nennt man auch eine Spaltung der kurzen exakten Sequenz. Einen Zusammenhang kann man auf jede offene Teilmenge  UX  einschränken.


Auf dem trivialen Bündel

p:X×W=WXX,

wobei W einen reellen Vektorraum der Dimension r und X eine differenzierbare Mannigfaltigkeit bezeichnet, liegt die kurze exakte Sequenz

0p(X×W)=X×W×WpT(X×W)=TX×W×WpTX=TX×W0

von Vektorbündeln über X×W vor. Die Produkte werden dabei absolut genommen, wobei links die Identifizierung  (X×W)×X(X×W)=X×W×W  und rechts die Identifizierung  TX×X(X×W)=TX×W  vorgenommen wurde. Zu einem Punkt  (x,w)X×W  gehört die exakte Sequenz der Fasern, also

0WTxX×WTxX0.

Die triviale Spaltung dieser kurzen exakten Sequenz von Vektorbündeln nennt man den trivialen Zusammenhang auf dem trivialen Bündel.


Es sei

f:n

eine zweifach stetig differenzierbare Funktion und  Y=f1(0)  die zugehörige differenzierbare Hyperfläche, die in jedem Punkt regulär sei. Wir knüpfen an die Beschreibung des zweiten Tangentialbündels TTY aus Bemerkung 24.4 und an die Bündelhomomorphismen aus Bemerkung 24.5 an. Durch die orthogonale Projektion nTPY erhält man die vertikale Projektion

TTYV=pTY,(P,u,v,w)(P,u,πP(w)),

auf das Vertikalbündel. Durch die orthogonale Projektion gehört πP(w) zum Tangentialraum an Y, wenn man mit einem Vektor  (P,u,w)V  startet, so ist in (P,u,0,w) das hintere w automatisch im Tangentialraum, die orthogonale Projektion bildet solche Elemente also auf (P,u,w) zurück ab. Es ergibt sich also ein Zusammenhang auf TY.



Vertikale Ableitung

Es sei X eine differenzierbare Mannigfaltigkeit und E ein differenzierbares Vektorbündel auf X, das mit einem Zusammenhang versehen sei. Unter der vertikalen Ableitung versteht man die Abbildung

:C1(E)C0(ETX),s(s)=πvertT(s).

Zu einem differenzierbaren Schnitt s in E (über X oder einer beliebigen offenen Teilmenge UX) wird also die Abbildung

TXT(s)TEπvertVpEE

zugeordnet, wobei wir  Hom(TX,E)ETX  auffassen.

Wenn zusätzlich ein Vektorfeld F auf X, also ein Schnitt F:XTX im Tangentialbündel TX gegeben ist, so erhält man die Abbildung

F:C1(E)C0(E),sF(s)=(s)F,

die man die vertikale Ableitung in Richtung F nennt. Man beachte, dass dabei die Abhängigkeit vom Vektorfeld F nur punktweise ist, die Abhängigkeit von s aber infinitesimal ist, da die Tangentialabbildung T(s) eingeht.



Lemma  

Es sei X eine differenzierbare Mannigfaltigkeit und E ein differenzierbares Vektorbündel auf X, das mit einem Zusammenhang versehen sei. Es bezeichne

F:C1(E)C0(E)

den zugehörigen Ableitungsoperator zu einem Vektorfeld F. Dann gelten die folgenden Eigenschaften.

  1. (F(s))(P) hängt nur von F(P) (und s ab).
  2. Es ist
    g1F1+g2F2=g1F1+g2F2

    für Vektorfelder F1,F2 und Funktionen g1,g2:X.

Beweis  

  1. Zu einem fixierten Punkt  PX  und einem fixierten Schnitt  sC1(U,E)  zu einer offenen Menge  PUX  ist
    F(s)(P)=(πvertTP(s))(F(P)).
  2. Die Tangentialabbildung und die vertikale Projektion sind linear. Wegen (1) ist die Abhängigkeit von F linear und auch mit der Multiplikation von Funktionen verträglich.



Lemma  

Es sei  YWnW offen, eine differenzierbare Hyperfläche und sei

F:Yn

ein tangentiales Vektorfeld.

Dann stimmt die vertikale Ableitung F zum Zusammenhang aus Bemerkung 24.8 mit der kovarianten Ableitung überein.

Beweis  

Die vertikale Ableitung längs F des Zusammenhangs eines differenzierbaren Schnittes s:YTY ist

YFTYT(s)TTYπvertTY.

Dabei bildet T(s) einen Punkt (P,u) auf (P,u,s(P),(Ds)P(u)) in der Notation von Bemerkung 24.8 ab und dieses wird auf (P,πP((Ds)P(u))) abgebildet. Dies stimmt mit der Definition der kovarianten Ableitung überein.



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