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Kurs:Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)/Vorlesung 16

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Fixkörper

Es sei L ein Körper und  HAut(L)  eine Untergruppe der Automorphismengruppe von L. Dann heißt

Fix(H)={xLφ(x)=x für alle φH}

der Fixkörper zu H.

Es ist unmittelbar klar, dass es sich dabei um einen Unterkörper von L handelt. Dies gilt auch dann, wenn H eine beliebige Menge von Ringendomorphismen ist, die nicht notwendigerweise bijektiv sein müssen.

Zur trivialen Untergruppe  {Id}Aut(L)  gehört der Fixkörper L, und für jede andere Untergruppe ist der Fixkörper ein echter Unterkörper. Den Fixkörper zur gesamten Automorphismengruppe kann man dagegen nicht einfach charakterisieren (es ist nicht immer der Primkörper).




Es sei L ein Körper und  G=AutL  die Automorphismengruppe von L. Dann gelten folgende Eigenschaften.

  1. Für Untergruppen  H1H2G  ist  Fix(H1)Fix(H2)
  2. Für Unterkörper  M1M2L  ist  Gal(L/M1)Gal(L/M2)
  3. Für eine Untergruppe  HG  ist  HGal(L/Fix(H))
  4. Für einen Unterkörper  ML  ist  MFix(Gal(L/M))

Beweis

Siehe Aufgabe 16.3.



Charakterisierung von Galoiserweiterungen

Wir streben eine umfassende Charakterisierung von Galoiserweiterungen an, was einige Vorbereitungen erfordert.


Lemma  

Es sei L ein Körper und sei  HAut(L)  eine endliche Untergruppe der Automorphismengruppe von L. Es sei  K=Fix(H)

Dann ist  KL  eine algebraische Körpererweiterung, die normal und separabel ist.

Für jedes  xL  ist der Grad des Minimalpolynoms von x über K maximal gleich #(H).

Beweis  

Es sei  xL  fixiert. Wir betrachten die endliche Menge

M={φ(x)φH}={x1,,xn},

wobei  x1=x  sei. Wir setzen

F:=(Xx1)(Xx2)(Xxn)=a0+a1X+a2X2++an1Xn1+Xn

(L[X]). Es ist  F(x)=0.  Wir zeigen zuerst, dass die Koeffizienten ai dieses Polynoms zu K gehören. Es sei dazu  φH.  Dann ist

i=0nφ(ai)Xi=i=1n(Xφ(xi))=i=1n(Xxi)=i=0naiXi.

Daher ist  φ(ai)=ai.  Somit gehören die Koeffizienten zum Fixkörper  K=Fix(H)  und daher ist  FK[X].  Dies bedeutet, dass x algebraisch über K ist, und dass sein Minimalpolynom einen Grad

Grad(F)=n=#(M)#(H)

besitzt. Da F über L in Linearfaktoren zerfällt, und da alle Nullstellen von F einfach sind, ist die Erweiterung normal und separabel.


Der folgende Satz heißt Satz von Artin.


Satz  

Es sei L ein Körper und sei  HAut(L)  eine endliche Untergruppe der Automorphismengruppe von L. Es sei  K=Fix(H)

Dann ist

gradKL=#(H).

Insbesondere ist  KL  eine Galoiserweiterung mit Galoisgruppe H.

Beweis  

 Nehmen wir an, dass  #(H)<gradKL  ist. Wir können annehmen, dass L endlich über K ist, da wir L durch einen (über K endlichen) Zwischenkörper der Form K[φ(xi),φH,i=1,,n] mit beliebig hohem Grad ersetzen können. Nach Lemma 16.4 ist die Körpererweiterung separabel und nach dem Satz vom primitiven Element kann man  L=K[x]  schreiben. Dabei ist der Grad des Minimalpolynoms von x gleich dem Grad der Körpererweiterung, sodass sich ein Widerspruch zu Lemma 16.4 ergibt. Also ist  KL  eine endliche Körpererweiterung mit  #(H)gradKL.  Nach Satz 14.7 muss hierbei Gleichheit gelten. Die Inklusion  HGal(L/K)  ist trivial. Da H nach Satz 14.7 schon die maximal mögliche Anzahl von K-Automorphismen enthält, gilt hier Gleichheit.


Der nächste Satz fasst die verschiedenen Charakterisierungen einer Galoiserweiterung zusammen.


Satz  

Es sei  KL  eine endliche Körpererweiterung und sei  G=Gal(L/K)  die Galoisgruppe. Dann sind folgende Eigenschaften äquivalent.

  1. Die Körpererweiterung  KL  ist eine Galoiserweiterung.
  2. Es ist  Fix(G)=K
  3. Die Körpererweiterung  KL  ist normal und separabel.
  4. L ist Zerfällungskörper eines separablen Polynoms  FK[X]

Beweis  

Zum Beweis der Implikation von (1) nach (2) betrachten wir die Körperkette  KFix(G)L.  Nach der Gradformel und da eine Galoiserweiterung vorliegt, ist

gradKFix(G)gradFix(G)L=gradKL=#(G).

Nach dem Satz von Artin ist  gradFix(G)L=#(G),  also ist  gradKFix(G)=1
Die Implikation von (2) nach (3) folgt aus Lemma 16.4.
Die Äquivalenz von (3) und (4) ergibt sich sofort aus Satz 15.7.
Es sei nun (3) erfüllt. Wir schreiben  L=K[x1,,xm].  Die Minimalpolynome  FiK[X]  der xi zerfallen wegen der Normalität in L[X] in Linearfaktoren. Daher können wir Lemma 13.7 mit  M=L  anwenden und erhalten  n=gradKL  Einbettungen von L nach L (über K), und somit besitzt die Galoisgruppe n Elemente.



Korollar  

Es sei  KL  eine endliche Galoiserweiterung und M, KML, ein Zwischenkörper.

Dann ist auch  ML  eine Galoiserweiterung.

Beweis  

Nach Lemma 15.2  (3) ist  ML  eine normale Körpererweiterung. Nach Lemma 13.5 ist sie auch separabel. Somit handelt es sich aufgrund von Satz 16.6 um eine Galoiserweiterung.


In der vorstehenden Situation ist die Körpererweiterung  KM  im Allgemeinen nicht galoissch.



Endliche Körper als Galoiserweiterung

Wir besprechen zuerst endliche Körper im Rahmen der Galoistheorie.

Zu jeder Primzahl p und jedem Exponenten m gibt es nach Satz 11.11 einen eindeutig bestimmten endlichen Körper mit pm Elementen.



Lemma  

Es sei L ein endlicher Körper der Charakteristik p.

Dann ist der Frobeniushomomorphismus

Φ:LL,xxp,

ein Automorphismus, dessen Fixkörper /(p) ist.

Beweis  

Der Frobeniushomomorphismus ist stets ein Ringhomomorphismus. Die Injektivität ergibt sich aus Korollar 6.8, und daraus ergibt sich die Surjektivität wegen der Endlichkeit aus Lemma 10.5 (Analysis (Osnabrück 2021-2023)). Wegen  Φ(1)=1  werden die Elemente aus /(p) auf sich selbst abgebildet. Daher gibt es p Elemente in K mit  xp=x.  Mehr kann es wegen Korollar 19.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2017-2018)) nicht geben.



Satz  

Es sei p eine Primzahl und  q=pm  mit  m+

Dann ist die Körpererweiterung  𝔽p𝔽q  eine Galoiserweiterung mit einer zyklischen Galoisgruppe der Ordnung m, die vom Frobeniushomomorphismus erzeugt wird.

Beweis  

Es sei

Φ:𝔽q𝔽q

der Frobeniushomomorphismus, der nach Lemma 16.8 ein 𝔽p-Automorphismus ist. Daher sind auch die Iterationen Φk Automorphismen, und zwar gilt

Φk(x)=xpk.

Bei  k=m  ist nach Korollar 4.17  xpm=x  für alle  x𝔽q,  also ist  Φm=Id.  Für  k<m  kann Φk nicht die Identität sein, da dies sofort Korollar 19.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2017-2018)) widersprechen würde. Also gibt es m verschiedene Potenzen des Frobeniusautomorphismus. Nach Satz 14.7 kann es keine weiteren Automorphismen geben und die Körpererweiterung ist galoissch mit der vom Frobenius erzeugten Gruppe als Galoisgruppe.



Korollar  

Es sei p eine Primzahl und  m,n+.  Es seien K und L endliche Körper mit pm bzw. pn Elementen.

Dann ist K genau dann ein Unterkörper von L, wenn m ein Teiler von n ist.

In diesem Fall ist  KL  eine Galoiserweiterung vom Grad n/m mit einer zyklischen Galoisgruppe der Ordnung n/m, die von der m-ten Iteration des Frobenius erzeugt wird.

Beweis  

Es sei  q=pm.  Wenn K ein Unterkörper von L ist, so ist L ein K-Vektorraum einer gewissen endlichen Dimension. Daher muss die Elementanzahl von L eine Potenz von q sein. Aus

pn=qk=(pm)k=pmk
ergibt sich sofort, dass n ein Vielfaches von m ist.

Es sei umgekehrt m ein Teiler von n. Die Frobeniusiteration Φm auf L erzeugt eine Untergruppe H der nach Satz 16.9 zyklischen Galoisgruppe von  𝔽pL.  Die Ordnung von H ist n/m. Es sei  M=Fix(H)L  der zugehörige Fixkörper. Dann besitzt die Körpererweiterung  ML  nach Korollar 16.7 den Grad n/m und somit besitzt  𝔽pM  den Grad m. Daher besitzt M gerade pm Elemente und ist daher wegen Satz 11.11 isomorph zu K.


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