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Kurs:Lineare Algebra/Teil I/23/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Punkte 3 3 1 4 4 4 1 8 1 6 4 3 3 4 7 4 4 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein inverses Element zu einem Element xM bezüglich einer Verknüpfung
    :M×MM,(x,y)xy,

    mit einem neutralen Element eM.

  2. Ein kommutativer Ring R.
  3. Die transponierte Matrix zu einer m×n-Matrix M=(aij)1im,1jn.
  4. Der i-te Standardvektor im Kn.
  5. Eine multilineare Abbildung
    Φ:V1××VnW,

    wobei V1,,Vn,W Vektorräume über einem Körper K sind.

  6. Das Minimalpolynom zu einer linearen Abbildung
    f:VV

    auf einem endlichdimensionalen K-Vektorraum V.


Lösung

  1. Zu  xM  heißt  yM  ein inverses Element, wenn die Gleichheit
    xy=e=yx

    gilt.

  2. Ein Ring R heißt kommutativ, wenn die Multiplikation kommutativ ist.
  3. Man nennt die Matrix
    Mtr=(bij)ij mit bij:=aji

    die transponierte Matrix zu M.

  4. Der Vektor
    ei:=(00100),

    wobei die 1 an der i-ten Stelle steht, heißt i-ter Standardvektor.

  5. Die Abbildung
    Φ:V1××VnW

    heißt multilinear, wenn für jedes i{1,,n} und jedes (n1)-Tupel (v1,,vi1,vi+1,,vn) mit vjVj die induzierte Abbildung

    ViW,viΦ(v1,,vi1,vi,vi+1,,vn),

    K-linear ist.

  6. Das eindeutig bestimmte normierte Polynom μfK[X] minimalen Grades mit
    μf(f)=0

    heißt das Minimalpolynom von f.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über n Vektoren in einem n-dimensionalen K-Vektorraum V.
  2. Der Satz über die universelle Eigenschaft der Determinante.
  3. Der Festlegungssatz für affine Abbildungen.


Lösung

  1. Es sei K ein Körper und V ein K-Vektorraum mit endlicher Dimension n=dimK(V). Für n Vektoren v1,,vn in V sind folgende Eigenschaften äquivalent.
    1. v1,,vn bilden eine Basis von V.
    2. v1,,vn bilden ein Erzeugendensystem von V.
    3. v1,,vn sind linear unabhängig.
  2. Es sei K ein Körper und n+. Dann gibt es genau eine Determinantenfunktion
    :Matn(K)=(Kn)nK

    mit  (e1,e2,,en)=1,  wobei ei die Standardvektoren sind, nämlich die

    Determinante.
  3. Es sei K ein Körper und seien E und F affine Räume über den Vektorräumen V bzw. W. Es sei Pi, iI, eine affine Basis von E und Qi, iI, eine Familie von Punkten in F. Dann gibt es eine eindeutig bestimmte affin-lineare Abbildung
    ψ:EF

    mit

    ψ(Pi)=Qi
    für alle iI.


Aufgabe (1 Punkt)

Es sei M eine Menge. Wir betrachten die Verknüpfung

𝔓(M)×𝔓(M)𝔓(M),(A,B)AB.

Ist diese Verknüpfung assoziativ?


Lösung

Diese Verknüpfung ist bei  M  nicht assoziativ. Um dies zu zeigen, kann man einfach

A=B=C=M

nehmen, wobei M eine nichtleere Menge sei. Dann ist  MM=  und somit ist einerseits

(MM)M=M=

und andererseits

M(MM)=M=M.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise

i=0n(1)i(ni)2i=(1)n.


Lösung

Der Induktionsanfang bei  n=1  ist klar. Unter Verwendung der Pascalschen Rekursionsformel und der Induktionsvoraussetzung ist

i=0n+1(1)i(n+1i)2i=i=0n+1(1)i((ni)+(ni1))2i=i=0n(1)i(ni)2i+i=1n+1(1)i(ni1)2i=(1)n2i=1n+1(1)i1(ni1)2i1=(1)n2j=0n(1)j(nj)2j=(1)n2(1)n=(1)n+1.


Aufgabe (4 Punkte)

Löse das inhomogene lineare Gleichungssystem

x+y+zw=32x+5y3z+w=0xy+2z=25x+2yz=1.


Lösung

Wir eliminieren zuerst die Variable w, indem wir die erste Gleichung mit der zweiten addieren. Dies führt auf

x+6y2z=3xy+2z=25x+2yz=1.

Nun addieren wir die erste Gleichung mit der zweiten Gleichung und es ergibt sich

5y=5

und

y=1.

Rückwärts gelesen ergibt sich

x=311,
z=1811

und

w=711.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Satz über die Dimension eines Untervektorraum  UV


Lösung

Es sei  n=dimK(V).  Jede linear unabhängige Familie in U ist auch linear unabhängig in V. Daher kann es aufgrund des Basisaustauschsatzes in U nur linear unabhängige Familien der Länge n geben. Es sei  kn  derart, dass es in U eine linear unabhängige Familie mit k Vektoren gibt, aber nicht mit k+1 Vektoren. Es sei  𝔲=u1,,uk  eine solche Familie. Diese ist dann insbesondere eine maximal linear unabhängige Familie in U und daher wegen Satz 7.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) eine Basis von U.


Aufgabe (1 Punkt)

Bestimme den Rang der Matrix

(1xx2xx2x3x2x3x4)

zu  xK


Lösung

Die zweite Zeile ergibt sich aus der ersten Zeile durch Multiplikation mit x, die dritte Zeile ergibt sich aus der ersten Zeile durch Multiplikation mit x2. Somit ist der Rang maximal 1. Wegen der 1 links oben ist der Rang genau 1.


Aufgabe (8 Punkte)

Beweise den Satz über die natürliche Abbildung eines Vektorraumes in sein Bidual.


Lösung

Es sei  vV  fixiert. Zuerst ist zu zeigen, dass Ψ(v) eine Linearform auf dem Dualraum V ist. Offenbar ist Ψ(v) eine Abbildung von V nach K. Die Additivität ergibt sich aus

(Ψ(v))(f1+f2)=(f1+f2)(v)=f1(v)+f2(v)=(Ψ(v))(f1)+(Ψ(v))(f2),

wobei wir die Definition der Addition auf dem Dualraum verwendet haben. Die Verträglichkeit mit der Skalarmultiplikation ergibt sich entsprechend mittels

(Ψ(v))(sf)=(sf)(v)=s(f(v))=s((Ψ(v))(f)).

Zum Beweis der Additivität der Gesamtabbildung seien  v,wV.  Es ist die Gleichheit

Ψ(v+w)=Ψ(v)+Ψ(w)

zu zeigen. Da dies eine Gleichheit in (V) ist, also insbesondere eine Gleichheit von Abbildungen, sei  fV  beliebig. Dann folgt die Additivität aus

(Ψ(v+w))(f)=f(v+w)=f(v)+f(w)=(Ψ(v))(f)+(Ψ(w))(f).

Entsprechend ergibt sich die skalare Verträglichkeit aus

(Ψ(sv))(f)=f(sv)=s(f(v))=s((Ψ(v))(f)).

Zum Nachweis der Injektivität sei  vV  mit  Ψ(v)=0  gegeben. D.h. für alle Linearformen  fV  ist  f(v)=0.  Dann ist aber nach Lemma 14.7 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) schon

v=0

und nach dem Injektivitätskriterium ist Ψ injektiv.

Im endlichdimensionalen Fall folgt die Bijektivität aus der Injektivität und aus Korollar 13.12 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)).


Aufgabe (1 Punkt)

Berechne die Determinante der Matrix

(2+6i83i5i3+7i).


Lösung

Die Determinante von

(2+6i83i5i3+7i)

ist

(2+6i)(3+7i)(5i)(83i)=36+32i37+23i=73+55i.


Aufgabe (6 Punkte)

Wir betrachten die durch die Wertetabelle

x 1 2 3 n2 n1 n
π(x) 2 3 4 n1 n 1

gegebene Permutation π zu

n2.

Bestimme das Signum von π auf möglichst viele unterschiedliche Arten.


Lösung

  1. Gemäß der Definition des Signums ist
    sgn(π)=1i<jnπ(j)π(i)ji=1i<jn1π(j)π(i)ji1i<j=nπ(n)π(i)ni=1i<jn1j+1(i+1)ji1i<n1(i+1)ni=1i<jn1jiji1i<nini=11i<j=n(1)n1ini=1i<j=n(1)n112(n2)(n1)(n1)(n2)21=(1)n1.
  2. Wir bestimmen die Fehlstände der Permutation. Zu i<j<n liegt kein Fehlstand vor. Dagegen liegt zu i<n stets ein Fehlstand vor. Es gibt also insgesamt n1 Fehlstände, und das Signum ist (1)n1.
  3. Die Permutation π kann man als Produkt der Transpositionen
    π=1,22,3n1,n

    darstellen, da ja n mit jeder Transposition um 1 nach unten transportiert wird und jede Zahl i<n durch die Transposition i,i+1 auf i+1 abgebildet wird, was von den Transpositionen weiter links nicht mehr verändert wird. Es liegt also eine Zerlegung in n1 Transpositionen vor und das Signum ist (1)n1.


Aufgabe (4 Punkte)

Von einem Rechteck sind der Umfang U und die Fläche A bekannt. Bestimme die Längen der Seiten des Rechtecks.


Lösung

Zwei Seiten haben die Länge a, zwei andere Seiten die Länge b; gegebenenfalls ist a=b. Es gilt U=2a+2b und A=ab.

Auflösen der ersten Gleichung nach b ergibt b=U2a. Einsetzen in die zweite Gleichung: A=a(U2a)=aU2a2. Umstellen in die Normalform einer quadratischen Gleichung: a2U2a+A=0.

Man beachte, dass der Wert unter der Wurzel nie negativ wird und nur für den Spezialfall eines Quadrats null wird: Alle allgemeinen Rechtecke haben im Verhältnis zum Quadrat bei gleicher Fläche einen größeren Umfang.

Also hat diese Gleichung typischerweise zwei Lösungen für a, nämlich U4±U216A. Eine der beiden Lösungen ist dann a, die andere ist b. Wenn unter der Wurzel der Wert null steht, hat man ein Quadrat und es gibt nur eine Lösung a=b=U/4.


Aufgabe (3 (2+1) Punkte)

Es sei  n2

  1. Führe in [X] die Division mit RestP durch T“ für die beiden Polynome P=Xn1+Xn2++X2+X+1 und T=X1 durch.
  2. Finde eine Darstellung der 1 mit diesen beiden Polynomen.


Lösung

  1. Es ist
    Xn1+Xn2++X2+X+1=(Xn2+2Xn3++(n3)X2+(n2)X+n1)(X1)+n.
  2. Es ist
    1=1n(Xn1+Xn2++X2+X+1)1n(Xn2+2Xn3++(n3)X2+(n2)X+n1)(X1).


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei K ein Körper und es sei V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum. Es sei

φ:VV

eine lineare Abbildung und sei Q das Minimalpolynom von φ. Zeige, dass 0 genau dann eine Nullstelle von Q ist, wenn φ nicht injektiv ist.


Lösung

Da das Minimalpolynom und das charakteristische Polynom nach Lemma 24.5 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) die gleichen Nullstellen haben, und dies die Eigenwerte von φ sind, bedeutet die eine Eigenschaft, dass 0 ein Eigenwert ist. Dies ist äquivalent dazu, dass der Eigenraum

Eig0(φ)=kernφ

nicht der Nullraum ist, was wiederum nach dem Injektivitätskriterium bedeutet, dass φ nicht injektiv ist.


Aufgabe (4 Punkte)

Zeige, dass das charakteristische Polynom zu einer linearen Abbildung φ:VV auf einem endlichdimensionalen K-Vektorraum V wohldefiniert ist, also unabhängig von der gewählten Basis.


Lösung

Es seien M und N die beschreibenden Matrizen von φ bezüglich zweier Basen. Dann besteht zwischen ihnen die Beziehung

M=BNB1

mit der invertierbaren Basiswechselmatrix B. Es besteht die Beziehung

B(xEnN)B1=B(xEn)B1BNB1=xEnBNB1=xEnM,

da die Streckungsmatrizen xEn mit jeder Matrix vertauschbar sind. Aufgrund des Determinantenmultiplikationssatz gilt daher

χM=det(xEnM)=det(B(xEnN)B1)=det(B)det(xEnN)det(B1)=det(xEnN)=χN.


Aufgabe (7 Punkte)

Es sei V ein n-dimensionaler K-Vektorraum über einem Körper K. Es sei

0=V0V1Vn1Vn=V

eine Fahne in V. Zeige, dass es eine bijektive lineare Abbildung

φ:VV

derart gibt, dass diese Fahne die einzige φ-invariante Fahne ist.


Lösung

Wir wählen eine Basis v1,,vn von V mit

Vi=v1,,vi

für alle i, was nach dem Basisergänzungssatz möglich ist. Wir betrachten die bijektive lineare Abbildung φ, die durch

φ(vi):=v1+v2++vi1+vi

festgelegt ist. Offensichtlich ist dazu die vorgegebene Fahne φ-invariant. Es sei nun eine beliebige φ-invariante Fahne

0W1W2Wn1Wn=V

gegeben. Es ist zu zeigen, dass diese mit der vorgegebenen Fahne übereinstimmt. Dies beweisen wir durch Induktion über k, wobei der Induktionsanfang wegen  V0=0=W0  klar ist. Es sei also als Induktionsvoraussetzung die Übereinstimmungen  V1=W1,   V2=W2,,   Vk=Wk  schon bekannt. Es ist  Vk+1=Wk+1  zu zeigen. Der Raum Wk+1 besitzt die Basis v1,,vk,w mit

w=j=1najvj

und wegen der Invarianz von Wk+1 unter φ ist einerseits

φ(w)=j=1kbjvj+cw=j=1k(bj+caj)vj+j=k+1ncajvj

(mit c0 wegen der Bijektivität) und andererseits

φ(w)=φ(j=1najvj)=j=1najφ(vj)=j=1naj(v1+v2++vj)=j=1n(i=jnai)vj.

Koeffizientenvergleich für die Vektoren vk+1,,vn liefert

i=k+1nai=cak+1,
i=k+2nai=cak+2,,
i=nnai=can.

Indem man sukzessive diese Gleichungen von unten nach oben betrachtet, erhält man bei  c1  direkt

0=an=an1==ak+1

und bei  c=1  erhält man

0=an=an1==ak+2.

Damit ist jedenfalls wVk+1 und somit  Wk+1=Vk+1


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei

M=(0100001000010000)

eine Jordan-Matrix. Bestimme die jordansche Normalform der Potenzen Mn für alle n+.


Lösung

Es ist

M2=(0100001000010000)(0100001000010000)=(0010000100000000)

und

M3=(0100001000010000)(0010000100000000)=(0001000000000000),

die höheren Potenzen sind die Nullmatrix. Die Wirkungsweise von M2 ist somit e4e20 und e3e10, die jordansche Normalform ist also

(0100000000010000).

Die Wirkungsweise von M3 ist e4e10 und e2,e30, die jordansche Normalform ist also

(0100000000000000).

Von allen höheren Potenzen ist die Nullmatrix die jordansche Normalform.


Aufgabe (4 Punkte)

Finde eine affine Basis für die Lösungsmenge der inhomogenen Gleichung

7x+y3z+5w=1.


Lösung

Eine spezielle Lösung der Gleichung ist durch

(00015)

gegeben. Für die zugehörige homogene Gleichung sind

(1700),(0310),(0053)

Lösungen, die offenbar linear unabhängig sind. Da der Rang des Gleichungssystems 1 ist, handelt es sich um eine Basis des Lösungsraumes der homogenen Gleichung. Daher bildet

(00015),(00015)+(1700)=(17015),(00015)+(0310)=(03115),(00015)+(0053)=(005165)

eine affine Basis der Lösungsmenge der inhomogenen Gleichung.