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Kurs:Lineare Algebra/Teil I/6/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Punkte 3 3 2 2 3 4 8 5 6 7 1 6 3 1 7 3 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Die Potenzmenge zu einer Menge M.
  2. Eine lineare Abbildung
    φ:VW

    zwischen den K-Vektorräumen V und W.

  3. Die Spur zu einer quadratischen Matrix M über einem Körper K.
  4. Die Determinante einer n×n-Matrix M.
  5. Eine nilpotente lineare Abbildung
    φ:VV

    auf dem K-Vektorraum V.

  6. Ein affiner Isomorphismus
    ψ:EF

    zwischen den affinen Räumen E und F über den K-Vektorräumen V bzw. W.


Lösung

  1. Zu einer Menge M nennt man die Menge aller Teilmengen von M die Potenzmenge von M.
  2. Eine Abbildung
    φ:VW

    heißt lineare Abbildung, wenn die beiden folgenden Eigenschaften erfüllt sind.

    1. φ(u+v)=φ(u)+φ(v) für alle u,vV.
    2. φ(sv)=sφ(v) für alle sK und vV.
  3. Sei
    M=(aij)1i,jn.

    Dann heißt

    Spur(M):=i=1naii

    die Spur von M.

  4. Zu i{1,,n} sei Mi diejenige (n1)×(n1)-Matrix, die entsteht, wenn man in M die erste Spalte und die i-te Zeile weglässt. Dann definiert man rekursiv die Determinante von M durch
    detM={a11,falls n=1,i=1n(1)i+1ai1detMi für n2.
  5. Die lineare Abbildung
    φ:VV

    heißt nilpotent, wenn es eine natürliche Zahl n derart gibt, dass die n-te Hintereinanderschaltung

    φn=0

    ist.

  6. Eine bijektive affine Abbildung
    ψ:EF

    heißt affiner Isomorphismus.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Die Dimensionsformel für eine lineare Abbildung
    φ:VW.
  2. Der Satz über die Matrixbeschreibung für die duale Abbildung.
  3. Der Satz über Diagonalisierbarkeit und Vielfachheiten.


Lösung

  1. Unter der Bedingung, dass V endlichdimensional ist, gilt
    dimK(V)=dimK(kernφ)+dimK(bildφ).
  2. Es sei K ein Körper und sei V ein n-dimensionaler K-Vektorraum mit einer Basis  𝔳=v1,,vn  und sei W ein m-dimensionaler Vektorraum mit einer Basis  𝔴=w1,,wm.  Es seien v1,,vn bzw. w1,,wm die zugehörigen Dualbasen. Es sei
    φ:VW

    eine lineare Abbildung, die bezüglich der gegebenen Basen durch die m×n-Matrix

    M=M𝔴𝔳(φ)=(aij)ij

    beschrieben werde. Dann wird die duale Abbildung

    φ:WV

    bezüglich der Dualbasen von V bzw. W durch die transponierte Matrix

    (M𝔴𝔳(φ))tr beschrieben.
  3. Es sei K ein Körper und es sei V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum. Es sei
    φ:VV

    eine lineare Abbildung. Dann ist φ genau dann diagonalisierbar, wenn das charakteristische Polynom χφ in Linearfaktoren zerfällt und wenn für jede Nullstelle λ mit der algebraischen Vielfachheit μλ die Gleichheit

    μλ=dimK(Eigλ(φ))
    gilt.


Aufgabe (2 Punkte)

Anfang März beträgt die Zeitdifferenz zwischen Deutschland und Paraguay 4 Stunden (in Paraguay wurde es 4 Stunden später hell). Am 25. März 2018 wurde in Deutschland die Uhr von der Winterzeit auf die Sommerzeit umgestellt, die Uhr wurde also um eine Stunde nachts von 2 auf 3 vorgestellt. In der gleichen Nacht wurde die Uhr in Paraguay umgestellt. Wie groß war die Zeitdifferenz nach der Umstellung?


Lösung

Da Paraguay auf der Südhalbkugel liegt, wird dort Ende März von der dortigen Sommerzeit auf die dortige Winterzeit umgestellt, dort wird also die Uhr zurückgestellt. Daher beträgt die Zeitdifferenz zwischen Deutschland und Paraguay danach ganze 6 Stunden.


Aufgabe (2 Punkte)

Es seien L,M,N Mengen und f:LM und g:MN Abbildungen. Zeige, dass für jede Teilmenge  UN  die Beziehung

f1(g1(U))=(gf)1(U)

gilt.


Lösung

Es sei UN fixiert. Es sei xf1(g1(U)). Das bedeutet

f(x)g1(U)

und das bedeutet

g(f(x))U,

also

x(gf)1(U).

Wenn umgekehrt

x(gf)1(U)

ist, so bedeutet dies

g(f(x))U.

Also ist

f(x)g1(U)

und damit

xf1(g1(U)).


Aufgabe (3 Punkte)

Drücke in 3 den Vektor

(1,0,0)

als Linearkombination der Vektoren

(1,2,5),(4,0,3) und (2,1,1)

aus.


Lösung

Es geht darum, das lineare Gleichungssystem

x+4y+2z=12x+z=05x+3y+z=0

zu lösen. Wir eliminieren mit Hilfe der dritten Gleichung die Variable y aus der ersten Gleichung. Das resultierende System ist (I=3I4III)

17x+2z=32x+z=05x+3y+z=0.

Wir eliminieren nun aus I mittels II die Variable z, das ergibt (I2II)

13x=32x+z=05x+3y+z=0.
Wir können jetzt dieses System lösen. Es ist
x=313,
z=2x=613

und

y=5xz3=15+639=2139=713.

Also ist

(100)=313(125)+713(403)613(211).


Aufgabe (4 Punkte)


a) Bestimme, ob die komplexe Matrix

M=(2+5i12i34i62i)

invertierbar ist.


b) Finde eine Lösung für das inhomogene lineare Gleichungssystem

M(z1z2)=(54+72i0).


Lösung

a) Wir berechnen die Determinante der Matrix. Diese ist

detM=(2+5i)(62i)(34i)(12i)=12+10+30i4i(384i6i)=27+36i.

Insbesondere ist die Matrix invertierbar.

b) Es ist

(54+72i0)=2(detM0)

Daher können wir direkt eine Lösung angeben, nämlich

(z1z2)=2(62i(34i))=(124i6+8i).

Es ist ja

(2+5i12i34i62i)(2(62i)2(3+4i))=2((2+5i)(62i)+(12i)(3+4i)(34i)(62i)+(62i)(3+4i))=(2detM0).


Aufgabe (8 (2+2+4) Punkte)

Es sei K ein endlicher Körper mit q Elementen.

a) Es sei V ein K-Vektorraum der Dimension d. Wie viele Elemente besitzt V?


b) Zeige, dass ein K-Vektorraum genau dann endlich ist, wenn er endlichdimensional ist.


c) Wie viele Basen besitzt ein d-dimensionaler K-Vektorraum?


Lösung


a) Da es eine Basis v1,,vd gibt, ist V isomorph zu Kd. Dieser Raum besteht aus allen d-Tupeln und besitzt damit qd Elemente.


b) Wenn V endlichdimensional ist, so folgt die Endlichkeit der Menge V direkt aus a). Wenn V endlich ist, so kann man ganz V als endliches Erzeugendensystem wählen. Eine Teilmenge davon bildet eine endliche Basis. Also ist V endlichdimensional.


c) Wir überlegen uns, auf wie viele Arten wir eine Basis v1,,vd zusammenstellen können. Damit müssen wir nur beachten, dass vi+1 jeweils nicht im dem von den v1,,vi erzeugten Untervektorraum liegt. Durch diese Bedingung besitzt dieser Untervektorraum insbesondere qi Elemente. Das bedeutet, dass man für vi+1 genau qdqi Auswahlmöglichkeiten hat. Daher gibt es insgesamt

(qd1)(qdq)(qdq2)(qdqd2)(qdqd1)=qd(d1)2(qd1)(qd11)(qd21)(q21)(q1)

Basen.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei φ:22 die durch die Matrix  M=(5123)  (bezüglich der Standardbasis) festgelegte lineare Abbildung. Bestimme die beschreibende Matrix zu φ bezüglich der Basis (14) und (42).


Lösung

Es ist

φ(14)=(5123)(14)=(914)

und

φ(42)=(5123)(42)=(2214).

Diese Bildvektoren müssen wir bezüglich der Basis ausdrücken. Der Ansatz

(914)=a(14)+b(42)

bzw.

9=a+4b und 14=4a+2b

führt auf

19=7a

und damit auf a=197 und b=117. Der Ansatz

(2214)=c(14)+d(42)

bzw.

22=c+4d und 14=4c+2d

führt auf

6=7c

und damit auf c=67 und d=377. Daher ist die beschreibende Matrix von φ bezüglich der Basis (14) und (42) gleich

(19767117377).


Aufgabe (6 Punkte)

Beweise den Satz, dass die Zuordnung zwischen linearen Abbildungen und Matrizen (bei gegebenen Basen) bijektiv ist.


Lösung

Wir zeigen, dass beide Hintereinanderschaltungen die Identität sind. Wir starten mit einer Matrix  M=(aij)ij  und betrachten die Matrix

M𝔴𝔳(φ𝔴𝔳(M)).
Zwei Matrizen sind gleich, wenn für jedes Indexpaar (i,j) die Einträge übereinstimmen. Es ist
(M𝔴𝔳(φ𝔴𝔳(M)))ij=ite Koordinate von (φ𝔴𝔳(M))(vj)=ite Koordinate von i=1maijwi=aij.

Es sei nun φ eine lineare Abbildung, und betrachten wir

φ𝔴𝔳(M𝔴𝔳(φ)).

Zwei lineare Abbildungen stimmen nach Satz 10.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) überein, wenn man zeigen kann, dass sie auf der Basis v1,,vn übereinstimmen. Es ist

(φ𝔴𝔳(M𝔴𝔳(φ)))(vj)=i=1m(M𝔴𝔳(φ))ijwi.

Dabei ist nach Definition der Koeffizient (M𝔴𝔳(φ))ij die i-te Koordinate von φ(vj) bezüglich der Basis w1,,wm. Damit ist diese Summe gleich φ(vj).


Aufgabe (7 Punkte)

Es sei V ein K-Vektorraum und  U1,U2V  seien Untervektorräume. Zeige im Dualraum V die Gleichheit

(U1U2)=U1+U2.


Lösung

Sei  f=h+g  mit gU1 und hU2. Für vU1U2 ist somit

f(v)=g(v)+h(v)=0+0=0,

also ist f(U1U2).

Für die andere Inklusion sei f(U1U2) und sei W ein direktes Komplement von U1U2 in U1 und TV ein direktes Komplement von U1 in V, also

U1=(U1U2)W

und

V=U1T=(U1U2)WT.

Es sei h die Gesamtabbildung

VpWWVfK.

Dann ist h eingeschränkt auf U1U2T die Nullabbildung und somit auch auf U2 die Nullabbildung. Also ist hU2.

Sei

g=fh.

Für vU1 ist

v=u+w

mit uU1U2 und wW. Dabei ist

g(u)=f(u)h(u)=00=0

und

g(w)=f(w)h(w)=f(w)f(w)=0

nach Definition von h. Also ist

g(v)=0

und somit gU1.


Aufgabe (1 Punkt)

Berechne die Determinante der Matrix

(3π235354π).


Lösung

Es ist

det(3π235354π)=(3π)4π(35)(235)=12π4π26+15+25+95=12π4π2+9+115.


Aufgabe (6 Punkte)

Beweise den Satz über die Charakterisierung von diagonalisierbar mit Vielfachheiten.


Lösung

Wenn φ diagonalisierbar ist, so kann man sofort annehmen, dass φ bezüglich einer Basis aus Eigenvektoren durch eine Diagonalmatrix beschrieben wird. Die Diagonaleinträge dieser Matrix sind nach Beispiel 21.4 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) die Eigenwerte, und diese wiederholen sich gemäß ihrer geometrischen Vielfachheit. Das charakteristische Polynom lässt sich nach Beispiel 23.5 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) auch direkt aus dieser Diagonalmatrix ablesen, jeder Diagonaleintrag λ trägt als Linearfaktor Xλ bei.

Für die Umkehrung seien λ1,,λk die verschiedenen Eigenwerte und

μi:=μλi(φ)=dimK(Eigλi(φ))

seien die (geometrischen und algebraischen) Vielfachheiten. Da nach Voraussetzung das charakteristische Polynom in Linearfaktoren zerfällt, muss die Summe dieser Zahlen gleich  n=dimK(V)  sein. Nach Lemma 22.6 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist die Summe der Eigenräume

Eigλ1(φ)Eigλk(φ)V

direkt. Nach Voraussetzung ist die Dimension links ebenfalls gleich n, sodass Gleichheit vorliegt. Nach Lemma 22.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist φ diagonalisierbar.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei M eine n×n-Matrix über K mit dem Minimalpolynom  PK[X].  Es sei

P=F1Fk

eine Faktorzerlegung in Polynome Fi von positivem Grad. Zeige, dass Fi(M) nicht bijektiv ist.


Lösung

Es ist

0=P(M)=F1(M)Fk(M).

Dabei ist die Reihenfolge der Hintereinanderschaltung unerheblich, da der Polynomring kommutativ ist. Es genügt also, F1 zu betrachten. Wäre F1(M) bijektiv, so müsste schon F2(M)Fk(M) die Nullabbildung sein, doch dann wäre F2Fk ein annullierendes Polynom im Widerspruch zur vorausgesetzten Minimalität.


Aufgabe (1 Punkt)

Was ist falsch an der folgenden Argumentation:

„Zu zwei quadratischen n×n-Matrizen M,N gilt für die charakteristischen Polynome die Beziehung

χMN=χMχN.

Nach Definition ist nämlich

χMN=det(XEnMN)=det(XEnM)det(XEnN)=χMχN,

wobei die mittlere Gleichung auf dem Determinantenmultiplikationssatz beruht“.


Lösung

Es ist

XEnMN(XEnM)(XEnN),

daher ist der Determinantenmultiplikationssatz nicht anwendbar.


Aufgabe (7 Punkte)

Beweise den Satz über die Summe von Haupträumen.


Lösung

Es sei

χφ=(Xλ1)k1(Xλm)km

das charakteristische Polynom, das nach Satz 25.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) in Linearfaktoren zerfällt, wobei die λi verschieden seien. Wir führen Induktion über m. Bei  m=1  gibt es nur einen Eigenwert λ und nur einen Hauptraum. Nach Korollar 24.3 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist dann auch das Minimalpolynom von der Form (Xλ)s und daher ist  V=Hauptλ(φ).  Es sei die Aussage nun für kleineres m bewiesen. Wir setzen  P=(Xλ1)k1  und  Q=(Xλ2)k2(Xλm)km  und sind damit in der Situation von Lemma 26.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) und Satz 26.12 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)). Wir haben also eine direkte Summenzerlegung in φ-invariante Untervektorräume

V=Hauptλ1(φ)kernQ(φ).

Das charakteristische Polynom ist nach Lemma 23.7 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) das Produkt der charakteristischen Polynome der Einschränkungen auf die beiden Räume. Nach Satz 26.12 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist (Xλ1)k1 das charakteristische Polynom der Einschränkung von φ auf den ersten Hauptraum, daher muss Q das charakteristische Polynom der Einschränkung auf kernQ(P) sein. Das heißt insbesondere, dass diese Einschränkung ebenfalls trigonalisierbar ist. Nach der Induktionsvoraussetzung ist also kernQ(P) die direkte Summe der Haupträume zu λ2,,λm und daraus ergibt sich insgesamt die direkte Summenzerlegung für V und für φ.


Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)

Es sei E ein affiner Raum über dem K-Vektorraum V. Zeige die folgenden Identitäten in V.

  1.  PP=0  für  PE
  2.  PQ=QP  für  P,QE
  3.  PQ+QR=PR  für  P,Q,RE


Lösung

Nach der Definition . ist

P+PQ=Q

und PQ ist der einzige Vektor mit dieser Eigenschaft.

(1). Es ist einerseits nach der Vorbemerkung

P+PP=P

und andererseits nach der ersten Eigenschaft der Definition

P+0=P,

also ist

PP=0.

(2). Es ist einerseits

P+PQ=Q

und andererseits

Q=Q+0=Q+(QPQP)=PQP,

also ist

PQ=QP.

(3). Es ist

P+PR=R=Q+QR=(P+PQ)+QR=P+(PQ+QR),

also ist

PR=PQ+QR.