Zum Inhalt springen

Kurs:Elliptische Kurven (Osnabrück 2021-2022)/Vorlesung 13

Aus Wikiversity

Wir entwickeln nun die allgemeine Theorie zu elliptischen Kurven über einem beliebigen Körper weiter, wobei die Situation über den komplexen Zahlen eine wichtige Orientierung liefert.



Morphismen zwischen Kurven

Wir untersuchen nun die Morphismen zwischen glatten projektiven Kurven genauer, insbesondere zwischen elliptischen Kurven, wobei wir insbesondere Satz 7.12 vertiefen werden. Als Hauptbeispiele sollte man eine rationale Funktion

f:K1K1,

die durch die rationale Funktion  x=XZ  gegebene Projektion

E=V+(Y2ZX3aXZ2bZ3)K1

einer elliptischen Kurve auf die projektive Gerade oder die durch die Verdoppelung gegebene Abbildung

[2]:EE

(vergleiche Korollar 6.7) vor Augen haben. In positiver Charakteristik wird später der Frobenius eine ausgezeichnete Rolle spielen.


Es seien C und D irreduzible algebraische Kurven über einem algebraisch abgeschlossenen Körper K und sei

φ:CD

eine endliche Abbildung. Dann nennt man den Grad der zugehörigen Körpererweiterung der Funktionenkörper  Q(D)Q(C)  den Grad von φ.



Satz  

Es seien C und D irreduzible glatte Kurven über einem algebraisch abgeschlossenen Körper K und sei

φ:CD

eine endliche Abbildung vom Grad n.

Dann besteht für jeden Punkt  PD  das Urbild φ1(P) aus höchstens n Punkten. Wenn man die Punkte mit Multiplizitäten zählt, so handelt es sich jeweils um genau n Punkte.

Beweis  

Wir können die affine Situation betrachten, es seien also R,S integre normale K-Algebren vom endlichen Typ der Dimension 1 und  RS  sei eine endliche Erweiterung. Es besitzt  Q(R)Q(S)  den Grad n. Der Punkt P entspreche dem maximalen Ideal 𝔭 von R. Aufgrund der Glattheit ist die Lokalisierung R𝔭 ein diskreter Bewertungsring und daher ist  S𝔭=SRR𝔭=SR𝔭  eine freie (da torsionsfrei) R𝔭-Algebra von Rang n. Daher ist auch der Faserring über 𝔭, also

SRκ(𝔭)=SR𝔭/𝔭S,

eine freie κ(𝔭)-Algebra vom Rang n, also ein κ(𝔭)-Vektorraum der Vektorraumdimension n. Die schematheoretische Faser hat also die Vektorraumdimension n (das ist mit Multiplizität) gemeint. Dieser Ring hat die Form A1××Am, wobei die Aj κ(𝔭)-Algebren mit einem einzigen maximalen Ideal sind. Daher ist  mn



Lemma  

Es sei K ein Körper,

f=ghK(X)

eine nichtkonstante rationale Funktion in gekürzter Darstellung.

Dann ist der Grad der zugehörigen Körpererweiterung

K(U)K(X),Uf(X),

gleich dem Maximum der Grade von g und h.

Beweis  

Wir geben einen geometrischen Beweis und können annehmen, dass K algebraisch abgeschlossen ist. Wir betrachten die zugehörige rationale Abbildung

𝔸K1𝔸K1,xf(x),

die außerhalb der Nullstellen von h definiert ist. Es geht nach Satz 13.2 um die Anzahl der Fasern dieser Abbildung. Zu  aK  ist die Faser durch {xKg(x)h(x)=a} bzw. durch {xKg(x)ah(x)}=0 charakterisiert. Dies ist (eventuell mit einzelnen Ausnahmen für a) eine polynomiale Bedingung für x, deren Grad das Maximum der Grade von g und h ist.

Eine wichtige Frage ist, wie man die Punkte bestimmen kann, über denen es im Sinne von Satz 13.2 genau n Urbildpunkte gibt, ohne dass man Multiplizitäten berücksichtigen muss. In Charakteristik 0 ist dies das generische Verhalten.


Zu einem injektiven Ringhomomorphismus  RS  zwischen diskreten Bewertungsringen nennt man die Ordnung einer Ortsuniformisierenden von R in S den Verzweigungsindex der Erweiterung.


Ein injektiver Ringhomomorphismus  RS  zwischen diskreten Bewertungsringen heißt verzweigt, wenn seine Verzweigungsordnung 2 ist.

Unverzweigt bedeutet also, dass eine Ortsuniformisierende auf eine Ortsuniformisierende abgebildet wird. Diese Konzepte werden insbesondere bei einem nichtkonstanten Morphismus φ:CD zwischen glatten Kurven und einem Punkt  QC  mit  φ(Q)=P  auf den zugehörigen Ringhomomorphismus 𝒪D,P𝒪C,Q angewendet. In diesem Fall schreibt man Verz(Q|P) für die Verzweigungsordnung.



Satz  

Es seien C und D irreduzible glatte Kurven über einem algebraisch abgeschlossenen Körper K und sei

φ:CD

eine endliche Abbildung vom Grad n.

Dann sind für einen Punkt  PD  mit lokalem Ring 𝒪P die folgenden Aussagen äquivalent:

  1. Die Faser über P besteht aus genau n Punkten.
  2. Die Faser über P ist reduziert.
  3. Für jeden Punkt  QC  oberhalb von P wird unter
    𝒪P𝒪Q

    eine Ortsuniformisierende auf eine Ortsuniformisierende abgebildet.

  4. Es ist
    (ΩC/D)Q=0

    für jeden Punkt  QC  oberhalb von P.

Beweis  

Wir können direkt davon ausgehen, dass R und S glatte endlich erzeugte kommutative K-Algebren der Dimension 1 sind, dass  RS  eine endlich freie Ringerweiterung vom Rang n ist und dass P dem maximalen Ideal 𝔪 entspricht,  𝒪P=R𝔪.  Es ist R𝔪SR𝔪 die lokalisierte Version der Abbildung und

KR/𝔪SRR/𝔪

die Restklasssenversion. Dabei ist SRR/𝔪 eine endlichdimensionale K-Algebra der Vektorraumdimension n (und der Krulldimension 0) und besitzt die Form A1××Am mit lokalen K-Algebren der Krulldimension 0. Da K algebraisch abgeschlossen ist, sind die Restklassenkörper von Ai gleich K und daher gibt es in der Faser genau dann n Punkte, wenn die Faser reduziert ist. Deshalb sind (1) und (2) äquivalent. Die Äquivalenz von (2) und (3) beruht auf Lemma 18.3 (Algebraische Zahlentheorie (Osnabrück 2026)). Die Äquivalenz zwischen (3) und (4) ergibt sich aus Satz Anhang 2.2.



Es seien C und D irreduzible algebraische Kurven über einem algebraisch abgeschlossenen Körper K und sei

φ:CD

eine endliche Abbildung. Man nennt φ separabel, wenn die zugehörige Körpererweiterung der Funktionenkörper  Q(D)Q(C)  separabel ist.

In Charakteristik 0 sind die endlichen Morphismen nach Bemerkung 13.4 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) stets separabel. Der Frobenius ist hingegen nicht separabel.


Satz  

Es seien C und D irreduzible Kurven über einem algebraisch abgeschlossenen Körper K und sei

φ:CD

eine separable endliche Abbildung vom Grad n.

Dann besteht außerhalb einer endlichen Ausnahmemenge für jeden Punkt  PD  das Urbild φ1(P) aus genau n Punkten.

Beweis  

Wir können direkt davon ausgehen, dass affine glatte Kurven vorliegen, da eine Kurve außerhalb einer endlichen Teilmenge stets glatt ist. Es sei  RS  der zugehörige endliche Ringhomomorphismus, wir arbeiten mit dem Modul der Kähler-Differentiale ΩS/R und wenden Satz 13.2 an. Nach Voraussetzung ist die Körpererweiterung

Q(D)=Q(R)Q(C)=Q(S)

separabel. Daher gilt

ΩQ(S)/Q(R)=0

nach Satz Anhang 7.10 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)). Es ist ΩQ(S)/Q(R) nach Lemma 18.6 (Bündel, Garben und Kohomologie (Osnabrück 2019-2020)) die Nenneraufnahme von ΩS/R an S{0} bzw. an R{0}. Da der Kählermodul nach Lemma 19.4 (Algebraische Zahlentheorie (Osnabrück 2026)) endlich erzeugt ist, gibt es auch ein  fR,   f0,  mit

(ΩS/R)f=ΩSf/Rf=0.

In der abgeschlossenen Teilmenge V(f), also außerhalb von D(f), liegen nur endlich viele Punkte. Daher können wir die Aussage auf D(f) beweisen. D.h. wir können von einer endlichen Erweiterung  RS  ausgehen, für die der Modul der Kähler-Differentiale überhaupt gleich 0 ist. Die Aussage ergibt sich dann aus Satz 13.6.



Satz  

Es sei E eine elliptische Kurve über einem Körper K.

Dann ist jeder Morphismus

K1E

konstant.

Beweis  

Es sei K algebraisch abgeschlossen. Die elliptische Kurve E liege in der Legendre-Form

y2=x(x1)(xλ)

vor. Es sei der Morphismus

K1E,t(φ(t),ψ(t)),

gegeben, der

ψ2(t)=φ(t)(φ(t)1)(φ(t)λ)

erfüllt, wobei φ,ψ rationale Funktionen in t sind. Wir multiplizieren mit der dritten Potenz des Nenners von  φ=hg  und können dann von einer Gleichung der Form

ψ2g3=h(t)(h(t)g(t))(h(t)λg(t))

mit teilerfremden Polynomen h,g in t ausgehen. Eine Nullstelle von g ist keine Nullstelle von h und damit auch keine Nullstelle von hg und hλg.

Es sei  ψ=rs  gekürzt. Da in der obigen Gleichung rechts ein Polynom steht, muss sich g3 gegen s2 wegkürzen. Somit ist  s=α3  und  g=βα2  mit Polynomen α,β. Da die Nullstellen von g rechts nicht auftreten, folgt  β=1.  Es liegt also die Situation

r2=h(hα2)(hλα2)

vor. Eine Nullstelle links besitzt eine gerade Nullstellenordnung. Die Faktoren rechts haben keine gemeinsame Nullstelle, deshalb tritt in ihnen auch jede Nullstelle mit einer geraden Nullstellenordnung auf und deshalb liegen vier Quadrate

β2,α2,β2α2,β2λα2

in K[t] vor, die projektiv unabhängig voneinander sind. Aus Satz Anhang 3.2 folgt, dass es sich um Konstanten handelt.



Lemma  

Es seien E1 und E2 elliptische Kurven über einem Körper K. Es sei

y2=x3+ax+b

die Gleichung von E1 und

v2=u3+cu+d

die Gleichung von E2.

Dann ist durch

u=φ(x,y)=f(x)+g(x)y

und

v=ψ(x,y)=p(x)+q(x)y

mit  f,g,p,qK(x)  genau dann ein Morphismus

E1E2

gegeben, wenn

p2+q2(x3+ax+b)=f3+cf+3fg2(x3+ax+b)+d

und

2pq=g3(x3+ax+b)+3f2g+cg

gilt.

Beweis  

Die Bedingung für einem Morphismus ist

ψ2=φ3+cφ+d,

also

(p+qy)2=(f+gy)3+c(f+gy)+d.

Dabei ist

(p+qy)2=p2+q2y2+2pqy=p2+q2(x3+xa+b)+2pqy

und

(f+gy)3+c(f+gy)+d=f3+3f2gy+3fg2y2+g3y3+cf+d+cgy=f3+3fg2(x3+ax+b)+cf+d+(3f2g+g3(x3+ax+b)+cg)y.

Das Resultat folgt mit Koeffizientenvergleich.


Bei der Verdoppelungsabbildung auf einer elliptischen Kurve in sich ist in der Notation von Lemma 13.10  g=p=0,  siehe Korollar 6.7. In diesem Fall vereinfachen sich die beiden Bedingungen zu der einen Bedingung

q2(x3+ax+b)=f3+af+b.



Lemma  

Es seien E1 und E2 elliptische Kurven über einem Körper K. Es sei

y2=x3+ax+b

die Gleichung von E1 und

v2=u3+cu+d

die Gleichung von E2. Es seien  f,qK(X)  rationale Funktionen mit

q2(x3+ax+b)=f3+cf+d,

f nicht konstant, und sei

θ:E1E2,(x,y)(f(x),q(x)y)

der zugehörige Morphismus im Sinne von Lemma 13.10.

Dann ist der Grad von θ gleich dem Maximum des Grades von Zähler und Nenner von f in einer gekürzten Darstellung.

Beweis  

Die zugehörige Abbildung der Funktionenkörper ist durch

ϑ:Q(E2)=K(U)[V]/(V2U3cUd)Q(E1)=K(X)[Y]/(Y2X3aXb)

mit Uf(X) und Vq(X)Y gegeben. Nach Definition ist der Grad der Kurvenabbildung der Grad dieser Körpererweiterung. Es liegt das kommutative Diagramm

K(U)UfK(X)K(U)[V]/(V2U3cUd)ϑK(X)[Y]/(Y2X3aXb)

vor, wobei die vertikalen Einbettungen den Grad 2 haben. Aufgrund der Gradformel genügt es, den Grad der oberen Körpererweiterung zu bestimmen. Dieser ist das behauptete Maximum nach Lemma 13.3.



<< | Kurs:Elliptische Kurven (Osnabrück 2021-2022) | >>

PDF-Version dieser Vorlesung

Arbeitsblatt zur Vorlesung (PDF)