Zum Inhalt springen

Kurs:Lineare Algebra/Teil I/16/Klausur mit Lösungen/kontrolle

Aus Wikiversity


Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Punkte 3 3 2 3 3 4 2 2 9 2 6 4 7 5 3 2 4 64




Aufgabe (3 Punkte)


Lösung

  1. Unter einer Familie von Mengen versteht man die Situation, in der eine Indexmenge I fixiert ist und in der zu jedem iI eine Menge Mi gegeben ist.
  2. Die Vektoren v1,,vn heißen linear unabhängig, wenn eine Gleichung
    i=1naivi=0

    nur bei ai=0 für alle i möglich ist.

  3. Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und UV ein Untervektorraum. Eine lineare Abbildung
    φ:VV

    heißt Projektion von V auf U, wenn U=bildφ und φ|U=IdU ist.

  4. Man nennt
    U={fVf(u)=0 für alle uU}V

    den Orthogonalraum zu U.

  5. Der Grad eines von 0 verschiedenen Polynoms
    P=a0+a1X+a2X2++anXn

    mit an0 ist n.

  6. Ein Element vV, v0, heißt ein Eigenvektor von φ, wenn
    φ(v)=λv

    mit einem gewissen λK gilt.


Aufgabe (3 Punkte)


Lösung

  1. Es sei ein homogenes lineares Gleichungssystem aus k Gleichungen in n Variablen gegeben. Dann ist die Dimension des Lösungsraumes des Systems mindestens gleich nk.
  2. Es sei K ein Körper und es seien V und W endlichdimensionale K-Vektorräume. Es sei 𝔳=v1,,vn eine Basis und 𝔴=w1,,wm eine Basis von W. Dann ist die Zuordnung
    HomK(V,W)Matm×n(K),fM𝔴𝔳(f),

    ein Isomorphismus

    von K-Vektorräumen.
  3. Sei
    φ:VV

    ein Endomorphismus auf dem endlichdimensionalen K-Vektorraum V und sei λK. Dann ist die Dimension des Hauptraumes Hauptλ(φ) gleich der algebraischen Vielfachheit

    von λ.


Aufgabe (2 (1+1) Punkte)

Person A wird 80 Jahre alt und Person B wird 70 Jahre alt. Vergleiche die Gesamtlebenswachzeit und die Gesamtlebensschlafzeit der beiden Personen bei folgendem Schlafverhalten.

  1. A schläft jede Nacht 7 Stunden und B schläft jede Nacht 8 Stunden.
  2. A schläft jede Nacht 8 Stunden und B schläft jede Nacht 7 Stunden.


Lösung

  1. Person A schläft in seinem Leben insgesamt
    807365

    Stunden, Person B schläft insgesamt

    708365

    Stunden, sie schlafen also gleich lang. Die Wachzeit der beiden ist

    8017365

    bzw.

    7016365,

    wegen

    817>716

    ist A länger wach.

  2. Person A schläft in seinem Leben insgesamt
    808365

    Stunden, Person B schläft insgesamt

    707365

    Stunden, Person A schläft also insgesamt mehr. Die Wachzeit der beiden ist

    8016365

    bzw.

    7017365,

    wegen

    816=128>119=717

    ist A auch länger wach.


Aufgabe (3 Punkte)

Es seien L und M Mengen und es sei

f:LM

eine Abbildung mit dem Graphen ΓfL×M. Zeige, dass die Abbildung

ψ=IdL×f:LL×M,x(x,f(x)),

eine Bijektion zwischen L und dem Graphen Γf induziert. Was ist die Verknüpfung von ψ mit der zweiten Projektion

p2:L×MM,(x,y)y?


Lösung

Zur Injektivität: Wenn  xx,  so ist

ψ(x)=(x,f(x))(x,f(x))=ψ(x),

da ja jedenfalls die erste Komponente verschieden ist. Zur Surjektivität: Wenn yΓf ist, so hat y die Gestalt  y=(x,f(x)).  Also ist  ψ(x)=y.  Die Hintereinanderschaltung p2ψ stimmt wegen

(p2ψ)(x)=p2(ψ(x))=p2((x,f(x)))=f(x)

mit f überein.


Aufgabe (3 Punkte)

Beweise die Nichtnullteilereigenschaft für einen Körper K.


Lösung

 Nehmen wir an, dass a und b beide von 0 verschieden sind. Dann gibt es dazu inverse Elemente a1 und b1 und daher ist  (ab)(b1a1)=1.  Andererseits ist aber nach Voraussetzung  ab=0  und daher ist nach Lemma 3.5 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025))  (1)

(ab)(b1a1)=0(b1a1)=0,
 sodass sich der Widerspruch

 0=1  ergibt.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme in Abhängigkeit vom Parameter  a  den Lösungsraum  La3  des linearen Gleichungssystems

5x+ay+(1a)z=0,
2ax+a2y+3z=0.


Lösung

Bei  a=0  wird das Gleichungssystem zu

5x+z=0,
3z=0.

Also ist

x=z=0

und y beliebig, somit ist

L0={y(010)yK}.

Es sei also  a0.  Wir rechnen IIaI und erhalten

3ax+(3a(1a))z=0

bzw.

x=3a+a23az.

Die erste Gleichung liefert

y=1a(5x+(a1)z)=1a(53a+a23az+(a1)z)=13a2(5(3a+a2)+3a(a1))z=13a2(2a2+2a15)z=2a2+2a153a2z.

Somit ist

La={z(3a+a23a2a2+2a153a21)zK}.


Aufgabe (2 Punkte)

Bestimme für die Teilmenge

T={(a11a12a21a22)a11a22}Mat2×2(),

welche der Untervektorraumaxiome erfüllt sind und welche nicht.


Lösung

Die Nullmatrix erfüllt wegen

00

die angegebene Bedingung und gehört somit zu T. Wenn zwei Matrizen

A=(a11a12a21a22)

und

B=(b11b12b21b22)

zu T gehören, so ist  a11a22  und  b11b22.  Damit ist auch

a11+b11a22+b22

und somit gehört auch die Summe dieser Matrizen zu T. Dagen ist T nicht unter Skalarmultiplikation abgeschlossen. Beispielsweise gehört  C=(0001)  zu T, aber

(1)C=(0001)=(0001)

nicht.


Aufgabe (2 Punkte)

Wir betrachten das kleine Einmaleins (ohne die Zehnerreihe) als eine Familie von 9-Tupeln der Länge 9. Welche Dimension besitzt der durch diese Tupel aufgespannte Untervektorraum des 9?


Lösung

Die Einerreihe ist das Tupel

(1,2,3,4,5,6,7,8,9).

Jede weitere Reihe im kleinen Einmaleins ergibt sich durch Multiplikation dieser Reihe mit einer natürlichen Zahl  n{2,3,4,5,6,7,8,9},  sie gehören also schon zu dem von der Einerreihe erzeugten Untervektorraum. Daher ist die Dimension gleich 1.


Aufgabe (9 (1+1+6+1) Punkte)

Aus den Rohstoffen R1,R2 und R3 werden verschiedene Produkte P1,P2,P3,P4 hergestellt. Die folgende Tabelle gibt an, wie viel von den Rohstoffen jeweils nötig ist, um die verschiedenen Produkte herzustellen (jeweils in geeigneten Einheiten).

R1 R2 R3
P1 11 5 3
P2 8 4 6
P3 7 30 1
P4 12 0 15

a) Erstelle eine Matrix, die aus einem Vierertupel von Produkten die benötigten Rohstoffe berechnet.

b) Die folgende Tabelle zeigt, wie viel von welchem Produkt in einem Monat produziert werden soll.

P1 P2 P3 P4
8 5 7 4

Welche Rohstoffmengen werden dafür benötigt?

c) Die folgende Tabelle zeigt, wie viel von welchem Rohstoff an einem Tag angeliefert wird.

R1 R2 R3
8 15 7

Zeige, dass man daraus kein Produkttupel ohne Abfall produzieren kann.

d) Wie viel vom Produkt P2 kann man mit den unter c) gelieferten Rohstoffen produzieren, wie viel vom Produkt P3?


Lösung

a) Die Matrix ist

(1187125430036115),

da in der i-ten Spalte die für das i-te Produkt benötigte Rohstoffmenge stehen muss.

b) Die benötigte Rohstoffmenge ist

(1187125430036115)(8574)=(88+40+49+4840+20+21024+30+7+60)=(225270121).

c) Es geht um das lineare Gleichungssystem

(1187125430036115)(xyzw)=(11x+8y+7z+12w5x+4y+30z3x+6y+z+15w)=(8157),

das wir zunächst ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass nur nichtnegative Tupel sinnvoll interpretiert werden können. Wir ziehen vom 4-fachen der dritten Zeile das 5-fache der ersten Zeile ab und erhalten

(11x+8y+7z+12w5x+4y+30z43x16y31z)=(81512).

Jetzt addieren wir zur dritten Zeile das 4-fache der zweiten Zeile hinzu und erhalten

(11x+8y+7z+12w5x+4y+30z23x+89z)=(81548).

Mit

z=0

erhalten wir die eindeutige Lösung

x=4823,
y=154+544823=58592

und

w=232358592+11124823=1841170+528276=458276=229138.

Mit

x=0

erhalten wir die eindeutige Lösung

z=4889,
y=1543044889=105356

und

w=23+231053567124889=712+2103361068=5861068=291534.

Alle Lösungen haben somit die Form

(01053564889291534)+s((01053564889291534)(4823585920229138))

mit s. Wegen der ersten Zeile muss  s0  sein. Dann ergibt die zweite Zeile aber einen negativen Wert und daher gibt es keine Lösung.

d) Vom Produkt P2 kann man maximal eine Einheit produzieren, vom Produkt P3 maximal eine halbe Einheit.


Aufgabe (2 Punkte)

Es seien V und W endlichdimensionale K-Vektorräume. Es seien 𝔳=v1,,vn und 𝔲=u1,,un Basen von V und 𝔴=w1,,wm und 𝔷=z1,,zm Basen von W. Es seien M𝔲𝔳 und M𝔷𝔴 die Übergangsmatrizen. Durch welche Übergangsmatrix wird der Basiswechsel von der Basis (v1,0),,(vn,0),(0,w1),,(0,wm) zur Basis (u1,0),,(un,0),(0,z1),,(0,zm) vom Produktraum V×W beschrieben?


Lösung

Die Übergangsmatrix ist die Blockmatrix

(M𝔲𝔳00M𝔷𝔴),

da die Koordinaten von (uj,0) (und entsprechend (0,zk)) bezüglich (vi,0) und (0,w) unmittelbar und nur von den Koordinaten von uj bezüglich vi abhängen.


Aufgabe (6 Punkte)

Es sei K ein Körper und  n+.  Zeige, dass die Determinante

Matn(K)=(Kn)nK,MdetM,

für beliebiges  k{1,,n}  und beliebige n1 Vektoren  v1,,vk1,vk+1,,vnKn,  für  uKn  und für  sK  die Gleichheit

det(v1vk1suvk+1vn)=sdet(v1vk1uvk+1vn)

gilt.


Lösung

Wir beweisen die Aussage durch Induktion nach n, wobei der Fall  n=1  klar ist. Es sei

M=(v1vk1uvk+1vn),

wobei wir die Einträge mit aij bezeichnen, und

M=(v1vk1suvk+1vn),

wobei wir die Einträge mit a'ij bezeichnen. Für  ik  ist  a'ij=aij  und nach Induktionsvoraussetzung ist

detM'i=sdetMi.

Für  i=k  ist  a'kj=sakj  und

M'k=Mk.

Insgesamt ist somit

detM=i=1n(1)i+1ai1detM'i=i=1,ikn(1)i+1ai1detM'i+(1)k+1ak1detM'k=i=1,ikn(1)i+1ai1sdetMi+(1)k+1sak1detMk=i=1n(1)i+1sai1detMi=si=1n(1)i+1ai1detMi=sdetM.


Aufgabe (4 Punkte)

Zeige für  n  die Gleichung

1i<jn(ji)=k=1n1(k!)=(n1)!(n2)!3!2!1!.


Lösung

Bei  n=1  steht links und rechts das leere Produkt, dessen Wert gleich 1 ist. Bei  n=2  steht links allein 21 und rechts einfach 1!. Wir führen Induktion nach n2, sei die Aussage also für n schon bewiesen. Dann ist

1i<jn+1(ji)=1i<jn(ji)1i<j=n+1(ji)=k=1n1(k!)1in(n+1i)=k=1n1(k!)n!=k=1n(k!).


Aufgabe (7 Punkte)

Beweise den Satz über die Division mit Rest im Polynomring K[X] über einem Körper K.


Lösung

Wir beweisen die Existenzaussage durch Induktion über den Grad von P. Wenn der Grad von T größer als der Grad von P ist, so ist Q=0 und R=P eine Lösung, sodass wir dies nicht weiter betrachten müssen. Bei  grad(P)=0  ist nach der Vorbemerkung auch  grad(T)=0,  also ist T ein konstantes Polynom, und damit ist (da T0 und K ein Körper ist) Q=P/T und R=0 eine Lösung. Es sei nun  grad(P)=n  und die Aussage für kleineren Grad schon bewiesen. Wir schreiben P=anXn++a1X+a0 und T=bkXk++b1X+b0 mit an,bk0,kn. Dann gilt mit  H=anbkXnk  die Beziehung

P:=PTH=0Xn+(an1anbkbk1)Xn1++(ankanbkb0)Xnk+ank1Xnk1++a0.

Dieses Polynom P hat einen Grad kleiner als n und darauf können wir die Induktionsvoraussetzung anwenden, d.h. es gibt Q und R mit

P=TQ+R mit grad(R)<grad(T) oder R=0.

Daraus ergibt sich insgesamt

P=P+TH=TQ+TH+R=T(Q+H)+R,

sodass also  Q=Q+H  und  R=R  eine Lösung ist. Zur Eindeutigkeit sei  P=TQ+R=TQ+R  mit den angegebenen Bedingungen. Dann ist  T(QQ)=RR.  Da die Differenz RR einen Grad kleiner als grad(T) besitzt, ist aufgrund der Gradeigenschaften diese Gleichung nur bei  R=R  und  Q=Q  lösbar.


Aufgabe (5 (2+3) Punkte)

Es sei K ein endlicher Körper mit q Elementen.

  1. Zeige, dass die Polynomfunktionen
    φd:KK,xxd,

    mit  0d<q  linear unabhängig sind.

  2. Zeige, dass, wenn q eine Primzahl ist (also bei K=/(q)), die Exponentialfunktionen
    ψb:KK,xbx,

    mit  0b<q  linear unabhängig sind.


Lösung

  1. Nach dem Interpolationssatz kann man jede Abbildung
    f:KK

    eindeutig als ein Polynom vom Grad <q schreiben. Wegen der Eindeutigkeit sind die Potenzfunktionen xxd linear unabhängig.

  2. Wir betrachten die q×q-Matrix
    (bd)0b,dq1.

    In der d-ten Spalte stehen alle Werte (eine vollständige Wertetabelle) von xd (an den Stellen b). Diese Tupel sind nach Teil (1) linear unabhängig. In der b-ten Zeile stehen alle Werte der Exponentialfunktion zur Basis b (an den Stellen d). Nach Korollar 12.16 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) sind mit den Spalten auch die Zeilen linear unabhängig. Somit sind die Exponentialfunktionen linear unabhängig.


Aufgabe (3 Punkte)

Beweise den Satz über die Beschreibung eines Eigenraums als Kern.


Lösung

Es sei  vV.  Dann ist  vEigλ(φ)  genau dann, wenn  φ(v)=λv  ist, und dies ist genau bei  φ(v)λv=0  der Fall, was man als  (φλIdV)(v)=0  schreiben kann.


Aufgabe (2 Punkte)

Bestimme, ob die beiden Matrizen

M=(0100001000000000) und N=(0000001000010000)

zueinander ähnlich sind.


Lösung

Die Matrix M bildet

e3e2,e2e1,e10,e40

ab. Wir setzen  u1:=e4,   u2:=e1,   u3:=e2,   u4:=e3.  Bezüglich dieser Basis wird die durch M gegebene lineare Abbildung durch die Matrix N beschrieben, die Matrizen sind also zueinander ähnlich.


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei V ein K-Vektorraum, den wir auch als affinen Raum über sich selbst auffassen. Es seien v1,,vnV. Zeige, dass die Familie dieser Vektoren genau dann ein Erzeugendensystem des Vektorraumes V ist, wenn die Familie 0,v1,,vnV ein affines Erzeugendensystem von V ist.


Lösung

Es sei zunächst v1,,vn ein Erzeugendensystem für den Vektorraum V. Dann lässt sich jeder Vektor vV als eine Linearkombination

v=i=1naivi

darstellen. Mit

a0=1i=1nai

kann man

v=a00+i=1naivi

schreiben, und dies ist eine baryzentrische Darstellung von v mit den Punkten 0,v1,,vn.

Wenn umgekehrt ein affines Erzeugendensystem vorliegt, so lässt sich jeder Vektor als baryzentrische Kombination

v=a00+i=1naivi

mit  i=0nai=0  schreiben. Interpretiert man diese Gleichung mit dem Aufpunkt 0, so erhält man direkt

v=i=1nai0vi=i=1naivi.