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Kurs:Studienprojekt:Modultheorie über Hauptidealbereichen (Osnabrück 2011-2012)/Modultheorie für Vektorraum-Endomorphismen/Textabschnitt

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K[X]-Modulstruktur auf K-Vektorräumen

Vektorräume mit fixiertem Endomorphismus tragen eine natürliche Modulstruktur über dem zugehörigen Polynomring.


Lemma  

Es sei K ein Körper und V ein Vektorraum. Es sei φEndKV ein Endomorphismus von V.

Dann ist V=Vf ein Modul über dem Polynomring K[X] vermittels der Skalarmultiplikation

K[X]×VV,(i=0naiXi,v)i=0naiφi(v).

Beweis  

Wir müssen für V über K[X] die Eigenschaften eines Moduls nachweisen. Die additive kommutative Gruppe ist die selbe wie im K-Vektorraum V.

Es seien nun P=i=0naiXi,Q=j=0nbjXjK[X] und u,vV. Die gewünschte Eigenschaften der Skalarmultiplikation zeigen sich wie folgt:

  1. P(Qu)=i=0naiφi(j=0nbjφj(u))=i=0nj=0naibjφi+j(u)=(PQ)(u),
  2. P(u+v)=i=0naiφi(u+v)=i=0naiφi(u)+i=0naiφi(v)=(Pu)+(Pv),
  3. (P+Q)u=i=0n(ai+bi)φi(u)=i=0naiφi(u)+i=0nbiφi(u)=(Pu)+(Qu),
  4. 1u=1φ0(u)=Id(u)=u.



Minimalpolynom, charakteristisches Polynom

Bezüglich des Moduls V=Vf ist die Menge aller Vf annullierenden Polynome das Annullatorideal AnnK[X]Vf. Weil K[X] nach Satz 3.18 ein Hauptidealbereich ist, wird AnnK[X]Vf von einem Polynom erzeugt. Deshalb ist die folgende Definition sinnvoll.


Es sei V ein K-Vektorraum und fEndKV ein Endomorphismus für den AnnK[X]Vf0 ist.

Dann heißt das eindeutig bestimmte normierte Polynom μfK[X] minimalen Grades mit

μf(f)=0

das Minimalpolynom von f.

Das Minimalpolynom erzeugt AnnK[X]Vf.


Zu einer n×n-Matrix M mit Einträgen in einem Körper K heißt das Polynom

χM:=det(XEnM)

das charakteristische Polynom von M.

Aufgrund des Zusammenhangs zwischen linearen Abbildungen und ihren bezüglich einer Basis beschreibenden Matrizen lässt sich das charakteristische Polynom auch für einen Endomorphismus definieren.


Es sei V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum und fEndKV ein Endomorphismus. Das charakteristische Polynom einer beschreibenden Matrix von f heißt charakteristisches Polynom von f.

Diese beiden Polynome, Minimalpolynom und charakteristisches Polynom, die stark mit f in Zusammenhang stehen, stehen auch stark miteinander in Zusammenhang, wie folgende Sätze zeigen sollen. Nach dem Fakt ***** annulliert das charakteristische Polynom den Modul Vf. Daher ist direkt schon mal klar, dass das Minimalpolynom μf das charakteristische Polynom χf teilt.


Satz  

Es sei fEndKV ein Endomorphismus über einem endlichdimensionalen K-Vektorraum V.

Minimalpolynom und charakteristisches Polynom von f stimmen genau dann überein, wenn V=Vf als K[X]-Modul zyklisch ist.

Beweis  

Wenn Vf zyklisch ist bedeutet das, dass es ein vVf gibt derart, dass die fi(v),i den Vektorraum V erzeugen. μf definiert aber eine minimale lineare Abhängigkeit der fi, also bilden
v,f(v),,fn1(v)
eine

K-Basis von V, wenn n der Grad von μf ist. Da die K-Dimension von V aber auch der Grad von χf ist und χf nach dem Satz von Cayley-Hamilton ein Vielfaches von μf ist, müssen die beiden Polynome aus Gradgründen übereinstimmen.

Es sei umgekehrt μf=χf. Es sei μf=P1e1Pkek die Primfaktorzerlegung des Minimalpolynoms. Weil μf das Minimalpolynom ist, gibt es zu jedem Faktor Pi,i{1,,k}, einen Vektor xiV, der von μf annulliert wird, nicht jedoch von μf=μfPi. Andernfalls wäre nämlich μf ein annullierendes Polynom von kleinerem Grad.

Für x=x1++xk gilt dann AnnK[X]V=AnnK[X](x). Wir behaupten nun, dass Vf als

K[X]-Modul von x erzeugt wird. Denn wegen μf=χf ist die Dimension von V gleich dem Grad n von μf.
x,f(x),,fn1(x)
ist daher ein

K-Erzeugendensystem von V, womit Vf zyklisch ist.



Satz  

Es sei V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum und fEndKV ein Endomorphismus mit dem charakteristischen Polynom χf.

Dann ist AnnK[X]Vf0, es gibt also insbesondere ein Minimalpolynom μf.

Außerdem haben μf und χf die selben Primfaktoren (im Allgemeinen aber mit unterschiedlichen Exponenten).

Beweis  

Nach dem Satz von Cayley-Hamilton liegt das charakteristische Polynom in AnnK[X]Vf. Damit ist das charakteristische Polynom auch ein Vielfaches des Minimalpolynoms, welches AnnK[X]Vf erzeugt.

Wir haben in Satz 4.9 gezeigt, dass sich Vf als direkte Summe zyklischer Moduln Ui,iI darstellen lässt, wenn ein Minimalpolynom existiert. Dies lässt sich hier anwenden.

Außerdem gilt nach Satz 5.5 für die K[X]-Moduln, die sich aus den Einschränkungen von f auf die zyklischen Untermoduln ergeben, dass hier jeweils μf|Ui=χf|Ui ist. Es gilt nun, dass χf das Produkt iIχf|Ui=iIμf|Ui teilt. μf|Ui muss aber für alle iI ein Teiler von μf sein, da μf trivialerweise auch den Untermodul UiVf annulliert. Deshalb muss jeder Primteiler in χf auch in μf vorkommen.


Die folgenden beiden Lemmata beschreiben das Verhalten des Minimalpolynoms im Zusammenhang mit Unterräumen.


Lemma  

Es sei fEndKV ein Vektorraumendomorphismus und V die direkte Summe V=iIVi, wobei für alle  iI  gilt f(Vi)Vi.

f besitzt genau dann ein nichttriviales annullierendes Polynom, wenn alle Einschränkungen f|Vi,iI, nichttriviale annullierende Polynome besitzen.

In diesem Fall gilt

μf=kgV(μf|Vi,iI),

wobei kgV das kleinste gemeinsame Vielfache in K[X] bezeichnet.

Beweis  

Es gilt AnnK[X]Vf0 genau dann, wenn es ein nichttriviales annullierendes Polynom von f gibt und genau dann, wenn f ein Minimalpolynom besitzt. Daher lässt sich die Behauptung mittels Lemma 3.5 auf die Situation in Lemma 2.4 zurückführen:

AnnK[X]Vf=iIAnnK[X]Vif.



Lemma  

Es sei fEndKV ein Vektorraumendomorphismus und U ein Unterraum in V mit f(U)U. Des weiteren sei g der von f auf V/U mittels der kanonischen Projektion p induzierte Endomorphismus. Es soll also gelten p(f(v))=g(p(v)).

f hat genau dann einen nichttrivialen Annullator, wenn sowohl die Einschränkung f|U als auch der induzierte Endomorphismus g jeweils einen nichttrivialen Annullator haben.

Außerdem gilt in diesem Fall für die Minimalpolynome die Beziehung μf ist ein Vielfaches von μf|U und von μg und teilt das Produkt μf|Uμg

Beweis  

Dies folgt aus Lemma 2.5, denn das dort gezeigte lässt sich hier als

(AnnK[X]Uf)(AnnK[X](V/U)g)AnnK[X]VfAnnK[X]UfAnnK[X](V/U)g

verwenden.




Lineare Abbildungen auf Vektorräumen und abelsche Gruppen

Nach Beispiel 1.7 sind abelsche Gruppen Moduln über dem Hauptidealbereich und nach Lemma 5.1 sind Vektorräume über K mit festem linearen Operator Moduln über dem Hauptidealbereich K[X]. Viele Resultate und Begriffe in der einen Anwendung haben daher Entsprechungen in der Anderen und umgekehrt. Um eine weitere Perspektive auf die zwei oben behandelten Sätze über die Beziehung von charakteristischem Polynom und Minimalpolynom zu vermitteln, sollen entsprechende Sätze für abelsche Gruppen wiederholt werden. Dem Minimalpolynom entspricht hier der Exponent einer Gruppe und dem charakteristischen Polynom die Gruppenordnung.


Der Exponent exp(G) einer endlichen Gruppe G ist die kleinste positive Zahl n mit der Eigenschaft, dass  xn=1  für alle  xG  ist.

Analog zu Satz 5.6 gilt folgender Satz.


Satz

Es sei G eine kommutative Gruppe endlicher Ordnung.

Dann haben der Exponent exp(G) und die Gruppenordnung ord(G) die selben Primfaktoren (im Allgemeinen mit verschiedenen Exponenten). Es ist ord(G) ein Vielfaches von exp(G).

Analog zu Satz 5.5 gilt folgender Satz.


Satz

Es sei G eine endliche kommutative Gruppe und sei  exp(G)=ord(G),  wobei exp(G) den Exponenten der Gruppe bezeichnet.

Dann ist G zyklisch.

Dies könnte noch weiter geführt werden, soll hier aber um eine Vorstellung zu vermitteln so erst einmal genügen.



Eigentheorie

In Beispiel 4.6 wurde schon erwähnt, dass die (Xa)-Sockel gerade die Eigenräume zum Eigenwert a sind. Über sind alle normierten Primpolynome lineare Polynome der Form Xa, weil aufgrund des Fundamentalsatzes der Algebra alle nichtkonstanten Polynome in Linearfaktoren zerfallen.

Viele Endomorphismen operieren jedoch natürlicherweise in -Vektorräumen und nicht in -Vektorräumen. Der folgende Satz macht klar, dass es in diesem Fall hilfreich und unproblematisch ist, Eigenwerte in zu bestimmen, auch um das Verhalten in zu studieren. Dazu ist es natürlich nötig einen Vektorraum V und einen Endomorphismus f über einem Körper K auch über einem Erweiterungskörper L interpretieren zu können. Dazu kann man zum Beispiel einfach eine K-Basis xi,iI, von V nehmen und V(L):=iILxi als den Vektorraum definieren, der entsteht, wenn man xi,iI, als L-Basis versteht. Eine beschreibende Matrix von f in V bestimmt dann auch f(L) in V(L). Die Wahl der Basis ist dabei irrelevant, da man durch eine Abbildung, die einen Basiswechsel in V beschreibt, auch einen entsprechenden Basiswechsel in V(L) bekommt. Auf diese Weise wird aus dem n über zum Beispiel der n.

Zunächst ein Lemma, das im Beweis verwendet wird.


Lemma  

Es sei V ein K-Vektorraum und fEndKV ein fixierter Endomorphismus. Es sei PK[X] ein von Null verschiedenes Polynom mit der Primfaktorzerlegung P=PieiPrer.

Dann gilt
Kern(P(f))=i=1rVfei(Pi).

Beweis  

Der Kern(P(f)) ist selbstverständlich im Torsionsuntermodul tVf enthalten und zerfällt, weil PV(p)V(p) für alle Primpolynome p, in die direkte Summe der Untermoduln
Kern(P(f))V(p)={xVf|p(f)(x)=0 und P(f)(x)=0}.
Dies ist Vei(Pi), immer wenn p=Pi für ein i{1,,r} und 0 sonst.



Satz  

Es sei KL eine Körpererweiterung und V ein K-Vektorraum mit der zugehörigen Erweiterung V(L) als L-Vektorraum. Es sei fEndKV ein fixierter Endomorphismus. Des weiteren sei PK[X] ein Primpolynom,welches in L[X] die kanonische Primfaktorzerlegung

P=P1e1Pkek

besitzt.

Dann gilt für die Primärkomponenten der Zusammenhang

Vfn(P)(L)=i=1kVf(L)nei(Pi)

für alle n und damit auch

Vf(P)(L)=i=1kVf(L)(Pi).

Es folgt außerdem, dass ein normiertes Primpolynom P genau dann ein Eigenpolynom von f(L) ist, wenn es ein Eigenpolynom von f teilt.

Beweis  

Es sei gEndKV ein Endomorphismus. Wir behaupten die Identität: (Kerng)(L)=Kern(g(L)) Zum Beweis: Fixieren wir eine Basis von V bzw. V(L). Weil g und g(L) durch die selben Matrizen beschrieben werden, lassen sich die Kerne als Unterräume jeweils durch die selben Basen erzeugen. Dadurch folgt die Behauptung.

Der Rest ist nach Lemma 5.12 mit Pn=P1ne1Pknek ganz einfach:

Vn(P)(L)=(KernPn(f))(L)=Kern(Pn(f(L)))=i=1kV(L)nei(Pi).
  Damit folgt auch die Aussage für V(P)(L) und der Zusatz.