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Kurs:Lineare Algebra/Teil II/11/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Punkte 3 3 4 4 5 2 4 0 6 5 4 4 3 3 12 0 62




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein Skalarprodukt auf einem 𝕂-Vektorraum V.
  2. Die Gramsche Matrix zu einer Bilinearform , auf einem K-Vektorraum V bezüglich einer Basis v1,,vn von V.
  3. Eine Relation zwischen den Mengen X und Y.
  4. Eine Orientierung auf einem reellen endlichdimensionalen Vektorraum V.
  5. Die offene Kugel mit Mittelpunkt  xM  und Radius  r+  in einem metrischen Raum M.
  6. Eine spaltenstochastische Matrix.


Lösung

  1. Ein Skalarprodukt auf V ist eine Abbildung
    V×V𝕂,(v,w)v,w,

    mit folgenden Eigenschaften:

    1. Es ist
      λ1x1+λ2x2,y=λ1x1,y+λ2x2,y

      für alle λ1,λ2𝕂, x1,x2,yV und

      x,λ1y1+λ2y2=λ1x,y1+λ2x,y2

      für alle λ1,λ2𝕂, x,y1,y2V.

    2. Es ist
      v,w=w,v

      für alle v,wV.

    3. Es ist v,v0 für alle vV und v,v=0 genau dann, wenn v=0 ist.
  2. Die n×n-Matrix
    vi,vj1i,jn

    heißt die Gramsche Matrix von , bezüglich der Basis.

  3. Eine Relation zwischen X und Y ist eine Teilmenge RX×Y.
  4. Eine Orientierung auf V ist eine Äquivalenzklasse von Basen von V unter der Äquivalenzrelation, orientierungsgleich zu sein.
  5. Die offene Kugel zum Mittelpunkt x und Radius r ist durch
    U(x,r)={yMd(x,y)<r}

    definiert.

  6. Eine reelle quadratische Matrix
    M=(aij)1i,jn

    heißt spaltenstochastisch, wenn alle Einträge

    aij0

    sind und für jede Spaltensumme (also jedes j)

    i=1naij=1

    gilt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Eigenwerte bei einer Isometrie
    φ:VV

    auf einem endlichdimensionalen

    -Vektorraum.
  2. Der Satz über die Charakterisierung der Mittelsenkrechten mit einer Abstandsbedingung.
  3. Der Charakterisierungssatz für asymptotisch stabile Endomorphismen.


Lösung

  1. Sei V ein endlichdimensionaler 𝕂-Vektorraum und sei
    φ:VV
    eine lineare Isometrie. Dann besitzt jeder Eigenwert von φ den Betrag 1.
  2. Es seien A,B verschiedene Punkte in einer euklidischen Ebene. Dann besteht die Mittelsenkrechte zu A und B genau aus allen Punkten, die zu A und B den gleichen Abstand haben.
  3. Es sei V ein endlichdimensionaler 𝕂-Vektorraum und
    φ:VV

    ein Endomorphismus. Dann sind folgende Eigenschaften äquivalent.

    1. φ ist asymptotisch stabil.
    2. Zu jedem vV konvergiert die Folge φn(v), n, gegen 0V.
    3. Es gibt ein Erzeugendensystem v1,,vmV derart, dass φn(vj), j=1,,m, gegen 0 konvergiert.
    4. Der Betrag eines jeden komplexen Eigenwerts von φ ist kleiner als 1.


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei V ein Vektorraum über mit einem Skalarprodukt , und der zugehörigen Norm . Zeige

v,w=14(v+w2vw2+iv+iw2iviw2).


Lösung

Es ist

v+w2vw2+iv+iw2iviw2=v+w,v+wvw,vw+iv+iw,v+iwiviw,viw=2v,w+2w,v+iv+iw,v+iwiviw,viw=2v,w+2w,v+iv,iw+iiw,viv,iwiiw,v=2v,w+2w,v+v,ww,v+v,ww,v=4v,w.

Division durch 4 liefert das Resultat.


Aufgabe (4 Punkte)

Betrachte die Matrix

M=(cosαsinαsinαcosα)

als lineare Abbildung

M:22.

Bestimme die Eigenwerte und eine Orthonormalbasis aus Eigenvektoren von M.


Lösung

Das charakteristische Polynom von M ist

det(XcosαsinαsinαXcosα)=(Xcosα)2+sin2α

Die Nullstellen davon sind

x1,2=cosα+±isinα,

und dies sind die (komplexen) Eigenwerte von M. Der Eigenraum zu  x1=cosα+isinα  ergibt sich als Kern von  (cosα+isinαcosαsinαsinαcosα+isinαcosα)=(isinαsinαsinαisinα).  Dieser ist (i1) und (i1) ist ein Eigenvektor.

Der Eigenraum zu  x1=cosαisinα  ergibt sich als Kern von  (cosαisinαcosαsinαsinαcosαisinαcosα)=(isinαsinαsinαisinα).  Dieser ist (i1) und (i1) ist ein Eigenvektor. Wegen

(i1),(i1)=ii+1=0

stehen die beiden Eigenvektoren senkrecht aufeinander. Beide haben die Norm 2, sodass 12(i1) und 12(i1) eine Orthonormalbasis aus Eigenvektoren ist.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei

M=(1a12a1n01a23a2n001an1n001)

eine obere Dreiecksmatrix derart, dass die zugehörige lineare Abbildung

φ:nn

winkeltreu ist. Zeige

M=En.


Lösung

Wir führen Induktion über den Index der Spalten, wir zeigen also, dass in den ersten k Spalten oberhalb der Diagonalen nur 0 stehen. Für die erste Spalte ist dies klar. Es sei also nun als Induktionsvoraussetzung schon bewiesen, dass in den ersten k Spalten oberhalb der Diagonalen nur 0 stehen. Wir betrachten die k+1-te Spalte

(a1k+1a2k+1akk+1100).

Da φ winkeltreu ist, ist insbesondere

φ(ei),φ(ej)=ei,ej=δij.

Die Spalten der Matrix sind φ(ej). Daher ist für

i<k+1

unter Verwendung der Induktionsvoraussetzung

0=φ(ei),φ(ek+1)=ei,(a1k+1a2k+1akk+1100)=aik+1,

d.h. auch die Einträge in der k+1-Spalte oberhalb der Diagonalen sind 0.


Aufgabe (2 Punkte)

Begründe durch eine Skizze, dass in einem (nichtausgearteten) Dreieck das Verhältnis zwischen dem Umkreisradius und dem Inkreisradius beliebig groß sein kann.


Lösung erstellen


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme den Typ der Matrix

(614i2+3i1+4i16i23i6i1).


Lösung

Die relevanten Minoren der Matrix

(614i2+3i1+4i16i23i6i1)

sind 6,

det(614i1+4i1)=6(1+4i)(14i)=617=23

und

det(614i2+3i1+4i16i23i6i1)=6(136)(1+4i)((14i)6i(2+3i))+(23i)(6i(14i)(2+3i))=222(1+4i)(178i)+(23i)(269i)=222128=94.

In der Folge 1,6,23,94 gibt es zwei Vorzeichenwechsel, daher ist der Typ gleich (1,2).


Aufgabe (0 Punkte)


Lösung erstellen


Aufgabe (6 (2+2+2) Punkte)

Es sei M eine Menge und eine Relation auf M, die reflexiv und transitiv sei.

  1. Zeige, dass auf M durch  xy,  falls  xy  und  yx  ist, eine Äquivalenzrelation definiert wird.
  2. Es sei Q die Quotientenmenge zu M zur Äquivalenzrelation aus (1). Zeige, dass durch  [x][y],  falls  xy,  eine wohldefinierte Relation auf Q gegeben ist.
  3. Zeige, dass die Relation auf Q aus (2) eine Ordnungsrelation ist.


Lösung

  1. Die Reflexivität ist klar. Zur Symmetrie: Sei  xy,  also  xy  und  yx.  Somit gilt auch  yx.  Zur Transitivität: Sei  xy  und  yz.  Dies bedeutet  xy  und  yx  und  yz  und  zy.  Die Transitivität von liefert  xz  und  zx.  Dies bedeutet  xz
  2. Es sei  [x]=[u]  und  [y]=[v]  und es gelte  xy.  Da u zu x und v zu y äquivalent sind, gilt insbesondere  ux  und  yv.  Eine doppelte Anwendung der Transitivität von liefert  uv,  was die Wohldefiniertheit besagt.
  3. Nach Definition von auf Q gilt  [x][y]  genau dann, wenn  xy  gilt. Somit ergibt sich die Reflexivität und die Transitivität von unmittelbar aus den entsprechenden Eigenschaften von . Zur Antisymmetrie: Sei  [x][y]  und  [y][x].  Dies bedeutet  xy  und  yx,  was wiederum  xy,  also  [x]=[y],  bedeutet.


Aufgabe (5 Punkte)

Zeige, dass die Untergruppen von genau die Teilmengen der Form

d={kdk}

mit einer eindeutig bestimmten nicht-negativen Zahl d sind.


Lösung

Eine Teilmenge der Form d ist aufgrund des Distributivgesetzes eine Untergruppe. Es sei umgekehrt  H  eine Untergruppe. Bei  H=0  kann man  d=0  nehmen, sodass wir voraussetzen dürfen, dass H neben 0 noch mindestens ein weiteres Element x enthält. Wenn x negativ ist, so muss die Untergruppe H auch das Negative davon, also x enthalten, welches positiv ist. D.h. H enthält auch positive Zahlen. Es sei nun d die kleinste positive Zahl aus H. Wir behaupten  H=d.  Dabei ist die Inklusion  dH  klar, da mit d alle (positiven und negativen) Vielfachen von d dazugehören müssen. Für die umgekehrte Inklusion sei  hH  beliebig. Nach der Division mit Rest gilt

h=qd+r mit 0r<d.

Wegen hH und qdH ist auch  r=hqdH.  Nach der Wahl von d muss wegen  r<d  gelten:  r=0.  Dies bedeutet  h=qd  und damit  hd,  also  Hd


Aufgabe (4 (2+2) Punkte)

Wir betrachten die endliche Permutationsgruppe Sn zu einer Menge mit n Elementen.

a) Zeige, dass es in Sn Elemente der Ordnung n gibt.


b) Man gebe ein Beispiel für eine Permutationsgruppe Sn und ein Element darin, dessen Ordnung größer als n ist.


Lösung

Die Menge sei  M={1,,n}

a) Die zyklische Permutation

x 1 2 n1 n
σ(x) 2 3 n 1

hat offenbar die Ordnung n, da zu jedem Element  aM  die Potenzen σj(a) für  j=0,1,2,,n1  die Elemente von M durchlaufen.


b) Es sei  M={1,2,,5}  und betrachte die Permutation

x 1 2 3 4 5
σ(x) 2 1 4 5 3

Die Zahlen 1 und 2 sind wieder an ihrer Stelle, wenn man eine Potenz von σ mit einem geraden Exponenten anwendet, und die Zahlen 3,4 und 5 sind wieder an ihrer Stelle, wenn der Exponent ein Vielfaches von 3 ist. Die Ordnung ist also  6>5


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei  n+.  Definiere einen injektiven Gruppenhomomorphismus

On()SOn+1()

von der Gruppe der Isometrien auf dem n in die Gruppe der eigentlichen Isometrien auf dem n+1.


Lösung

Wir betrachten die Abbildung

M(M00detM),

wobei die beiden 0 für eine Nullspalte bzw. eine Nullzeile der Länge n stehen. Die orthogonale Matrix M wird also auf eine Blockmatrix abgebildet, wobei die Matrix selbst einen n×n-Block und die Determinante einen 1×1-Block bildet. Dies Zuordnung ist injektiv, da sich M aus dem Bild rekonstruieren lässt. Die Abbildung ist ein Gruppenhomomorphismus, da Blockmatrizen blockweise multipliziert werden. Die Matrix (M00detM) ist wieder orthogonal und ihre Determinante ist nach dem Entwicklungssatz gleich

detMdetM=1,

da die Determinante von M nach Lemma 33.13 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) gleich ±1 ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige, dass der Kern eines Ringhomomorphismus

φ:RS

ein Ideal in R ist.


Lösung

Es sei

I:=φ1(0).

Wegen  φ(0)=0  ist  0I.  Es seien  a,bI.  Das bedeutet φ(a)=0 und φ(b)=0. Dann ist

φ(a+b)=φ(a)+φ(b)=0+0=0

und daher  a+bI

Es sei nun aI und rR beliebig. Dann ist

φ(ra)=φ(r)φ(a)=φ(r)0=0,

also ist  raI


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme die eigentliche und die uneigentliche Symmetriegruppe eines Fußballfeldes. Dabei soll zu jeder Symmetrie die Ordnung angegeben werden.


Lösung

Eigentliche Isometrien der Ebene sind Drehungen, somit sind lediglich die Identität (mit Ordnung 1) und die Halbdrehung (mit Ordnung 2) eigentliche Symmetrien des Fußballfeldes. Im uneigentlichen Fall kommen noch Achsenspiegelungen dazu, nämlich die Achsenspiegelung an der Mittellinie und die Achsenspiegelung an der Achse durch die Tormittelpunkte. Diese beiden haben die Ordnung 2. Die Hintereinanderschaltung dieser beiden Spiegelungen ist die Halbdrehung.


Aufgabe (12 (6+1+5) Punkte)

Wir wollen Aussagen über die Determinante einer spaltenstochastischen d×d-Matrix machen.

a) Zeige, dass für die Determinante einer spaltenstochastischen Matrix M die Beziehung

|detM|1

gilt.


b) Man gebe ein Beispiel für eine spaltenstochastische Matrix, die nicht die Einheitsmatrix sei, mit

|detM|=1


c) Es sei  d2  und M besitze zusätzlich die Eigenschaft, dass es eine Zeile mit ausschließlich positiven Einträgen gebe. Zeige

|detM|<1


Lösung


a) Nach Korollar 54.6 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist eine spaltenstochastische Matrix stabil, d.h. die Folge Mn, n, ist beschränkt. Ferner ist die Menge der spaltenstochastischen Matrizen abgeschlossen im Raum aller Matrizen, da die Summenbedingung und die Bedingung, dass alle Einträge 0 sind, durch stetige Funktionen ausgedrückt werden können. Nach dem Satz von Heine-Borel ist die Menge der spaltenstochastischen Matrizen kompakt. Die Determinante ist als Polynomfunktion ebenfalls stetig und dies gilt auch für den Betrag. Daher ist die Menge

|detMn|,n

Fakt ***** ebenfalls kompakt und beschränkt. Nach dem Determinantenmultiplikationssatz ist

detMn=(detM)n

und

|detMn|=|detM|n

Somit kann diese Folge nur bei

|detM|1

beschränkt sein.


b) Die Matrix (0110) ist spaltenstochastisch und der Betrag ihrer Determinante ist 1.


c) Nach Satz 54.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) konvergiert unter der gegebenen Voraussetzung für jede Startverteilung v die Folge Mnv, n, gegen die eindeutig bestimmte Eigenverteilung w. Dies gilt insbesondere für die Standardverteilungen e1,,en. Da Mnei die i-te Spalte der Matrix Mn ist, konvergiert Mn gegen diejenige Matrix, nennen wir sie N, deren sämtliche Spalten gleich der Eigenverteilung w sind. Wegen der Stetigkeit der Determinante konvergiert die Folge detMn, n, gegen die Determinante dieser Grenzmatrix N. Wegen d2, der Spaltengleichheit und Satz 16.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist die Determinante von N gleich 0, daher sind die Werte  detM=±1  ausgeschlossen und es ist

|detM|<1.


Aufgabe (0 Punkte)


Lösung erstellen