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Kurs:Invariantentheorie (Osnabrück 2012-2013)/Vorlesung 4

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Induzierte Darstellungen



Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und

G×VV

eine lineare Operation einer Gruppe G auf V. Durch diese Operation werden folgende lineare Operationen induziert.

  1. Die Operation auf dem k-ten Produkt[1] von V mit sich selbst, also
    G×VkVk,(σ,v1,,vk)(σ(v1),,σ(vk)).
  2. Die Operation auf dem k-ten Dachprodukt kV, also
    G×kVkV,

    die durch v1vkσ(v1)σ(vk) festgelegt ist.

  3. Die duale Operation (von rechts) auf dem Dualraum V, also die Abbildung
    V×GV,(f,σ)fσ.

Beweis

Siehe Aufgabe 4.1.




Lineare Operationen und der Polynomring

Es sei G eine Gruppe, die auf einer Menge X (beispielsweise einem Vektorraum) operiere. Es sei K ein Körper und

f:XK

eine beliebige Funktion mit X als Definitionsbereich und K als Zielbereich. Die Menge dieser Funktionen [[:Vorlage:Op:Abbildungne]] bilden einen kommutativen Ring, wobei je zwei Funktionen addiert oder multipliziert werden, indem an jedem Punkt  xX  die Werte dieser Funktion addiert bzw. multipliziert werden. Zu  σG,  aufgefasst als Bijektion

σ:XX,

ergibt sich die neue Funktion

XσXfK,

also fσ. Die Gruppe operiert also auch auf dem Funktionenring, und zwar wegen

f(στ)=(fσ)τ

von rechts. Zu diesem Übergang vergleiche auch Beispiel 2.25.

Auf einem K-Vektorraum sind die einfachsten Funktionen von V nach K die Linearformen. Wenn eine Gruppe G linear auf V operiert, so ist die Zuordnung (vergleiche Proposition 4.1  (3))

V×GV,(f,σ)fσ,

selbst K-linear.

Bei  V=Kn  bilden die Projektionen pi, wobei die Projektion pi ein Tupel (x1,,xn) auf seine i-te Komponente xi abbildet, eine Basis von V (die sogenannte Dualbasis). Ein Polynom  fK[X1,,Xn]  aus dem Polynomring in n Variablen über K kann man direkt als eine Funktion (die zugehörige Polynomfunktion) von Kn nach K interpretieren, indem man in das Polynom das Tupel (x1,,xn) einsetzt, bzw. die Variable Xi als die i-te Projektion pi interpretiert.

Man möchte nun jedem endlichdimensionalen K-Vektorraum V (ohne Bezug auf eine Basis) einen Polynomring K[V] zuordnen, dessen Elemente man als K-wertige Funktionen auf V auffassen kann. Da es stets eine lineare Isomorphie  VKn  gibt, wird es auch einen K-Algebraisomorphismus  K[V]K[X1,,Xn]  geben.


Es sei V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum. Man nennt die von allen formalen Monomen f1f2fm, wobei die fi Linearformen auf V sind, symbolisch erzeugte kommutative K-Algebra, die die linearen Beziehungen zwischen den Linearformen respektiert, den Polynomring zu V. Er wird mit

K[V]

bezeichnet.

Jedes Element in K[V] besitzt eine Darstellung der Form

νaνfν

(mit endlicher Indexmenge), wobei  aνK  und fν ein formales Produkt aus Linearformen ist. In einem solchen Produkt sind wegen der geforderten Kommutativität die Faktoren vertauschbar. Da lineare Relationen zwischen den Linearformen respektiert werden müssen, folgt aus einer Gleichung

g=b1g1++bg

für Linearformen g,g1,,g (mit bjK) die Gleichung

gf2fm=j=1bjgjf2fm.

Wenn V n-dimensional ist und f1,,fn eine Basis von V ist, so lässt sich daher jedes Element aus K[V] als Polynom in den fi schreiben. Diese Darstellung ist auch eindeutig, da es in K[V] nur Relationen gibt, die von einer linearen Relation herrühren, es solche aber in einer Basis nicht gibt. D.h. es gibt einen K-Algebraisomorphismus

K[X1,,Xn]K[V],Xifi.


Es sei K ein unendlicher Körper und V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum. Dann lässt sich der Polynomring K[V] auch als die von sämtlichen Linearformen erzeugte K-Unteralgebra von Abb(V,K) definieren. Dies beruht darauf, dass ein Polynom 0 auf Kn (also als Polynomfunktion aufgefasst) nicht die Nullfunktion ist. Bei einem endlichen Körper ist dies nicht richtig, wie das Polynom XpX über /(p) zeigt.



Es sei K ein Körper, V,W seien endlichdimensionale K-Vektorräume und φ:VW sei eine lineare Abbildung. Den durch

φ:WV

über f1fmφ(f1)φ(fm) gegebenen K-Algebrahomomorphismus

K[W]K[V]

nennt man induzierten Algebrahomomorphismus.

Es sei

φ:KnKm

eine lineare Abbildung, die durch eine m×n-Matrix A gegeben sei. Dann wird der zugehörige K-Algebrahomomorphismus

K[Y1,,Ym]K[X1,,Xn]

durch Yjk=1najkXk gegeben. Nach Definition wird Yj auf die Hintereinanderschaltung

KnφKmpjK

abgebildet. Diese schickt den i-ten Standardvektor ei auf

pj(φ(ei))=pj(k=1makiek)=aji.

Durch diese Bedingungen ist aber gerade

k=1najkpk=k=1najkXk

charakterisiert. Zu einer Linearform j=1mbjYj berechnet man also das Bild i=1nciXi, indem man  c=Atrb  ausrechnet (siehe auch Fakt *****). Für ein beliebiges Polynom  FK[Y1,,Ym]  ergibt sich das Bild, indem man in F jedes Yj durch den angegebenen Ausdruck ersetzt. Rechnerisch muss man nur die Gleichung

A(x1xn)=(y1ym)

konsequent anwenden.



Es sei K ein Körper, V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum und

G×VV

eine lineare Operation einer Gruppe G auf V. Es sei K[V] der Polynomring zu V. Die Operation der Gruppe G (von rechts) auf K[V], die für jedes  σG  per Definition 4.5 durch die Zuordnung

VV,ffσ,

festgelegt ist, nennt man die induzierte Operation auf dem Polynomring.


Es sei K ein Körper. Wir betrachten die symmetrische Gruppe Sn, die auf Kn linear operiert, indem  σSn  den i-ten Standardvektor ei auf eσ(i) schickt (wie in Beispiel 3.4). Diese Gruppenoperation induziert gemäß Definition 4.7 eine Operation auf dem Polynomring K[X1,,Xn]. Dabei wird Xi auf Xσ1(i) geschickt! Abgesehen von diesem Invertieren ist diese Operation der Sn auf dem Polynomring nichts anderes als die in der ersten Vorlesung besprochene Operation.


Wenn eine Gruppe auf dem Kn durch Diagonalmatrizen operiert, wie in Beispiel 3.15 und Ähnlichen, so erübrigt sich das Transponieren, wenn man zur zugehörigen Operation auf dem Polynomring übergeht.


Auf einem K-Vektorraum V operiert die Einheitengruppe K× durch skalare Multiplikation. Die entsprechende Operation auf dem Polynomring K[V] ist für  λK×  durch fλf für eine Linearform f gegeben. Ein Produkt f1fd von Linearformen wird auf λdf1fd abgebildet.



Es sei K ein Körper, der eine r-te primitive Einheitswurzel ζ besitzt. Wir betrachten die in Beispiel 3.13 beschriebene Operation von

/(r)μr(K)

auf K durch skalare Multiplikation. Die zugehörige Operation auf dem Polynomring K[X] ist dadurch gegeben, dass  ζiμr(K)  durch XζiX wirkt. Somit wird eine Potenz Xj auf ζijXj abgebildet. Insbesondere ist das Polynom Xr fix unter dieser Gruppenoperation.


Zu einem Vektorraum V ist der Polynomring K[V] in natürlicher Weise[2] -graduiert, und zwar besteht die d-te Stufe aus allen K-Linearkombinationen von Produkten der Form f1fd, wobei die fj Linearformen sind.


Es sei K ein Körper, V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum und

G×VV

eine lineare Operation einer Gruppe G auf V.

Dann ist die induzierte Operation auf dem Polynomring  R=K[V]  homogen, d.h. für jedes  σG  und  fRd  ist auch  fσRd

Beweis

Siehe Aufgabe 4.2.

Die Stufen Rd sind also G-invariante Untervektorräume von R.



Invariantenringe

Da eine Operation einer Gruppe von links auf einem geometrischen Objekt in natürlicher Weise zu einer Operation von rechts auf dem Ring der Funktionen führt, werden wir im Folgenden die Operationen auf einem Ring generell von rechts schreiben.


Es sei G eine Gruppe, die auf einem kommutativen Ring R als Gruppe von Ringautomorphismen operiert (von rechts). Dann bezeichnet man

RG={fRfσ=f für alle σG}

als den Invariantenring (oder Fixring[3]) von R unter der Operation von G.

Das ist in der Tat wieder ein Ring, ein Unterring von R. Die 0 und die 1 sind invariant, da alle  σG  als Ringautomorphismen operieren. Ebenso ist mit invarianten Funktionen  f,gRG  auch das Negative f, deren Summe f+g und deren Produkt fg invariant.

Es sei R eine kommutative K-Algebra über einem Körper und es sei G eine Gruppe, die als Gruppe von K-Algebraautomorphismen operiere. Zu jedem  σG  sei also

σ:RR

ein K-Algebrahomomorphismus. Dann ist  KRG  und der Fixring RG ist selbst eine K-Algebra. Zu einer linearen Operation von G auf einem K-Vektorraum V ist die zugehörige Operation von G auf dem Polynomring K[V] eine Operation als Gruppe von K-Automorphismen.




Es sei G eine Gruppe, die auf einem kommutativen Ring R als Gruppe von Ringautomorphismen operiere. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Für die Einheiten gilt
    (RG)×=RGR×.
  2. Wenn R ein Körper ist, so ist auch RG ein Körper.

Beweis

Siehe Aufgabe 4.4.



Lemma  

Es sei K ein Körper, V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum und

G×VV

eine lineare Operation einer Gruppe G auf V.

Dann ist der Fixring  RGR=K[V]  der induzierten Operation auf dem Polynomring K[V] ein -graduierter Unterring.

Dabei ist

(RG)d=(Rd)G,

die d-te Stufe des Fixringes ist der Fixraum der induzierten Operation auf der d-ten Stufe des Polynomringes.

Beweis  

Dies folgt unmittelbar aus Lemma 4.11.


In diesem Fall ist also die Bestimmung des Fixringes gleichbedeutend mit der Bestimmung des Fixraumes zu K[V]d für jedes  d


Es sei K ein Körper, der eine r-te primitive Einheitswurzel ζ besitzt. Wir betrachten die Operation von μr(K) auf K und auf K[X] durch skalare Multiplikation (siehe Beispiel 3.13 und Beispiel 4.10). Der Fixring zu dieser Operation ist K[Xr]. Dazu muss man nur die Wirkungsweise des Erzeugers ζ der Gruppe verstehen und nach Lemma 4.15 muss man nur die (eindimensionalen) homogenen Stufen  K[X]d=KXd  betrachten. Die induzierte Operation ist XdζdXd. Dies ist genau dann die Identität, wenn d ein Vielfaches von r ist. Daher bilden die Stufen K[X]mr den Invariantenring.



Zur natürlichen Operation der symmetrischen Gruppe Sn auf Kn bzw. auf K[X1,,Xn] ist der Fixring

K[X1,,Xn]Sn=K[E1,,En],

wobei die Ei die elementarsymmetrischen Polynome sind. Dies ist die Existenzaussage von Satz 1.7; die dortige Eindeutigkeitsaussage bedeutet, dass der Fixring isomorph zu einem Polynomring in n Variablen ist.


Die Elemente eines Polynomrings K[V] zu einem K-Vektorraum V kann man als Funktionen von V nach K auffassen. Wenn eine lineare Operation einer Gruppe G auf V vorliegt, so ist ein Element  fK[V]GK[V]  eine invariante Funktion von V nach K im Sinne von Definition 2.21. Zu  σG  und  vV  ist ja

f(σ(v))=(fσ)(v)=f(v).

Wenn K unendlich ist, so gilt hiervon auch die Umkehrung, d.h. ein Polynom  fK[V],  das aufgefasst als Funktion auf V invariant ist, gehört zum Invariantenring K[V]G, siehe Aufgabe 4.13. Bei endlichem K muss die Umkehrung nicht gelten, siehe Beispiel 4.19. Wir werden später sehen, dass es zu jedem kommutativen Ring einen topologischen Raum gibt, auf dem man Elemente des Invariantenringes zu einer Gruppenoperation als invariante Abbildungen auffassen kann.



Wir betrachten die natürliche Operation der symmetrischen Gruppe  G=S2/(2)  auf  V=(/(p))2  (p2), das nichttriviale Element vertauscht die Komponenten (das entspricht der Matrix (0110) bzw. XY). Wegen

f=XYpXpY=X(YpY)Y(XpX)

ist dieses Polynom, aufgefasst als Funktion auf V, die Nullfunktion und somit insbesondere G-invariant. Dagegen ist f kein symmetrisches Polynom und gehört nicht zu /(p)[X,Y]G.




Fußnoten
  1. Diese Konstruktion lag schon Beispiel 1.1 zugrunde.
  2. Die Formulierung „in natürlicher Weise“ kann man an dieser Stelle gut erläutern. Die angesprochene -Graduierung von K[V] besteht unabhängig und ohne Bezug auf eine Basis. Man kann einen Polynomring auch mit einer n-Graduierung versehen, doch ist dies abhängig von einer gewählten Basis.
  3. Die Bezeichnung Fixring ist eigentlich genauer, da in ihr ausgedrückt wird, dass jedes Element daraus auf sich selbst abgebildet wird, und nicht, wie invariant häufig verwendet wird, dass gewisse Teilmengen zwar auf sich abgebildet werden, dabei aber Elemente der Teilmenge durchaus vertauscht werden können. Die Bezeichnung Invariantenring ist aber dennoch die gebräuchlichere.



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Arbeitsblatt zur Vorlesung (PDF)